{"id":2414,"date":"2020-08-18T11:06:48","date_gmt":"2020-08-18T11:06:48","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/zwangsstoerung\/"},"modified":"2023-02-16T21:56:29","modified_gmt":"2023-02-16T20:56:29","slug":"zwangsstoerung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/zwangsstoerung\/","title":{"rendered":"Zwangsst\u00f6rung &#8211; Definition, Ursache, Symptome und Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist eine Zwangsst\u00f6rung?<\/h2>\n<p>Bei der Zwangsst\u00f6rung handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden unerw\u00fcnschten Gedanken und zwanghaften Handlungen kommt. \u00c4hnliches kennen fast alle Menschen von sich selbst, wenn sie etwa \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie den Herd wirklich abgedreht haben, obwohl sie eigentlich wissen, dass sie es gerade getan haben. Bei Betroffenen einer Zwangsst\u00f6rung aber haben die Gedanken eine intensivere Qualit\u00e4t, und die zwanghaften Verhaltensweisen wiederholen sich andauernd und nehmen derart \u00fcberhand, dass die Patienten darunter leiden und\/oder ihr Alltag tats\u00e4chlich dadurch beeintr\u00e4chtigt ist.<\/p>\n<p>Zum Krankheitsbild geh\u00f6ren in der Regel Zwangsgedanken bzw. -impulse und Zwangshandlungen.<br \/>\nUnter Zwangsgedanken versteht man Vorstellungen, Gedanken oder Impulse, die Betroffene selbst als unsinnig oder \u00fcbertrieben erkennen, die sie aber nicht abstellen k\u00f6nnen, weil sie sich st\u00e4ndig wieder aufdr\u00e4ngen. Zudem l\u00f6sen diese Gedanken unangenehme Gef\u00fchle wie \u00c4ngste, Unbehagen oder Ekel aus. Typische Zwangsgedanken drehen sich beispielsweise um Ansteckung, Vergiftung oder Symmetrie und Ordnung.<br \/>\nUnter Zwangshandlungen versteht man sich wiederholende Verhaltensweisen, die oft immer gleich ablaufen, und die Betroffene ausf\u00fchren \u201em\u00fcssen\u201c, obwohl sie sie als \u00fcbertrieben oder sinnlos erkennen. Oft geht es bei Zwangshandlungen darum, dass die unangenehmen Gef\u00fchle, die durch Zwangsgedanken ausgel\u00f6st wurden, verringert werden sollen. Kann eine Zwangshandlung nicht ausgef\u00fchrt werden, so f\u00fchrt dies zun\u00e4chst zum Anstieg von Anspannung und Angst, und das wird von Betroffenen als kaum ertra\u0308glich empfunden. Typische Zwangshandlungen betreffen etwa das Waschen und Duschen, Putzen oder Kontrollieren.<\/p>\n<p>Wichtig zu wissen ist weiters, dass Menschen, die an einer Zwangsst\u00f6rung leiden, die sich aufdr\u00e4ngenden Gedanken anders als Gesunde bewerten. Sie entwickeln angesichts dessen st\u00e4rker Schuldgef\u00fchle, Angst und die Bef\u00fcrchtung, den Gedanken tats\u00e4chlich auszuf\u00fchren. Da Zwangsgedanken als bedrohlich empfunden werden, l\u00f6sen sie das starke Bed\u00fcrfnis aus, die Gedanken \u201ewieder in Ordnung zu bringen\u201c. Dies geschieht meist durch andere Gedanken oder Handlungen, die Angst und Anspannung zumindest kurzfristig reduzieren. Die neutralisierenden Handlungen nennt man \u201eZwangshandlungen\u201c, die neutralisierenden Gedanken \u201everdeckte Zwangshandlungen\u201c.<\/p>\n<p>Bleibt die Zwangsst\u00f6rung lange unbehandelt, so werden die Zw\u00e4nge manchmal so stark \u201eTeil des Lebens\u201c, dass die Patienten das Gef\u00fchl f\u00fcr die \u00dcbertriebenheit oder Sinnlosigkeit dieser Gedanken und Handlungen verlieren k\u00f6nnen. Was bleibt ist in jedem Fall der Leidensdruck, und oft entsteht auch Scham f\u00fcr das eigene Verhalten. Deshalb tendieren viele Betroffene dazu, ihre Zwangsst\u00f6rung zu verheimlichen.<\/p>\n<p>Von der Zwangsst\u00f6rung sind zwei bis drei Prozent der Bev\u00f6lkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Erste Symptome treten oft schon in der Kindheit oder Jugend auf.<\/p>\n<h2>Ursachen der Zwangsst\u00f6rung<\/h2>\n<p>Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen gibt es auch f\u00fcr die Zwangsst\u00f6rung keine einzelne Ursache. Man geht nach dem bio-psycho-sozialen Modell davon aus, dass die Erkrankung von dem Modell entsprechenden Faktoren beeinflusst wird. So wurden etwa Ver\u00e4nderungen im Gehirn von Zwangserkrankten gefunden, und bestimmte Botenstoffe im Gehirn d\u00fcrften ebenfalls an der Ausbildung von Zw\u00e4ngen beteiligt sein. Als Risikofaktor gilt auch eine famili\u00e4re H\u00e4ufung der St\u00f6rung, die teilweise beobachtet wurde, was aber nicht hei\u00dft, dass eine entsprechende genetische Ausstattung unbedingt zur Entstehung einer Zwangserkrankung f\u00fchrt, denn es m\u00fcssen weitere Faktoren hinzukommen, damit Zw\u00e4nge entstehen und sich verfestigen. Das k\u00f6nnen andere biologische Faktoren wie etwa eine Infektion, aber auch belastende Lebensereignisse sein. Auch das soziale Verhalten von Angeh\u00f6rigen kann sich auf die Auspr\u00e4gung von Zw\u00e4ngen auswirken.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Das Hauptmerkmal der Zwangsst\u00f6rung sind die wiederkehrenden Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen, die h\u00e4ufig auch gemeinsam auftreten. Beides erzeugt eine starke innere Anspannung und ist meistens mit Angst verbunden.<\/p>\n<p>Zwangsgedanken, also Gedanken, Vorstellungen oder Impulse, haben eine intensive Qualit\u00e4t, dr\u00e4ngen sich den Betroffenen gegen ihren Willen auf und besch\u00e4ftigen sie \u00fcberm\u00e4\u00dfig. Manchmal \u00e4hneln diese Gedanken allt\u00e4glichen Gedanken oder Bef\u00fcrchtungen, aber oft handelt es sich um rational schwer nachvollziehbare Inhalte.<\/p>\n<p><strong>Typische Themen von Zwangsgedanken:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ansteckung<\/strong>: die Gedanken drehen sich um die Bef\u00fcrchtung, sich etwa durch Ber\u00fchrungen von T\u00fcrklinken mit Krankheitserregern zu infizieren und zu erkranken bzw. diese unkontrollierbar zu verbreiten und damit auch andere zu gef\u00e4hrden.<\/li>\n<li><strong>Vergiftung<\/strong>: die Gedanken kreisen um die Bef\u00fcrchtung, durch Kontakt sich und andere zu vergiften.<\/li>\n<li><strong>Verschmutzung<\/strong>: die Gedanken betreffen die Bef\u00fcrchtung, sich zu verschmutzen und dies zu verbreiten.<\/li>\n<li><strong>Krankheit<\/strong>: die Gedanken drehen sich um die Bef\u00fcrchtung, durch unvorsichtiges Verhalten selbst zu erkranken oder die Erkrankung anderer zu verursachen.<\/li>\n<li><strong>Streben nach Symmetrie<\/strong>: Betroffene f\u00fchlen sich unwohl, wenn Gegenst\u00e4nde nicht symmetrisch angeordnet sind.<\/li>\n<li><strong>Ordnung<\/strong>: die Gedanken kreisen st\u00e4ndig um Ordnung, die hergestellt werden soll, um negative Gef\u00fchle zu vermeiden.<\/li>\n<li><strong>Aggression<\/strong>: Betroffene bef\u00fcrchten, einer nahestehenden Person, zu der eigentlich ein gutes Verh\u00e4ltnis besteht, Gewalt anzutun.<\/li>\n<li><strong>Sexualit\u00e4t<\/strong>: es kommt zu Impulsen, sich sexuell obsz\u00f6n zu verhalten.<\/li>\n<li><strong>Religion<\/strong>: es kommt zu blasphemischen Gedanken, oftmals bei Menschen mit enger religi\u00f6ser Bindung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Zwangsgedanken und -impulse werden als qu\u00e4lend, sinnlos, inakzeptabel oder besch\u00e4mend erlebt, k\u00f6nnen aber nicht unterdr\u00fcckt werden. Nicht immer gibt es einen Ausl\u00f6ser f\u00fcr sie, h\u00e4ufig treten sie spontan auf.<\/p>\n<p>Zwangshandlungen treten meist in Folge von Zwangsgedanken auf und werden immer wieder auf gleiche oder \u00e4hnliche Weise wiederholt. Sie werden weder als angenehm empfunden noch dienen sie dazu, eine sinnvolle Aufgabe zu erf\u00fcllen, aber sie helfen Betroffenen, ihre innere Anspannung zu verringern oder ein vermeintliches Unheil in der Zukunft zu verhindern. H\u00e4ufig wissen Menschen mit Zw\u00e4ngen selbst, dass ihr Verhalten sinnlos oder \u00fcbertrieben ist und versuchen daher, sich gegen die Zwangshandlung zu wehren. Der Drang, sie durchzuf\u00fchren, ist aber so stark, dass dies nicht oder nur kurzzeitig gelingt.<br \/>\nZwangshandlungen sind mit oft mit erheblichen Einschr\u00e4nkungen der Leistungsf\u00e4higkeit und des sozialen Lebens verbunden. Deshalb neigen viele Betroffene dazu, sie zu verheimlichen bzw. f\u00fchren sie gegen einen inneren Widerstand durch.<\/p>\n<p><strong>Typische Zwangshandlungen sind:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wasch- und Duschzw\u00e4nge<\/strong>: Das sind stereotype Rituale, die auf der Basis von Zwangsgedanken \u00fcber Verschmutzung und Ansteckung entstehen und durchgef\u00fchrt werden.<\/li>\n<li><strong>Reinigungs- und Putzzw\u00e4nge<\/strong>: Auch hier f\u00fchren \u00c4ngste vor Verschmutzung und Ansteckung zu ausgepr\u00e4gten Reinigungsritualen.<\/li>\n<li><strong>Kontrollzw\u00e4nge<\/strong>: Dabei werden Handlungen wiederholt, um Fehler zu vermeiden bzw. um ein besseres Gef\u00fchl herzustellen.<\/li>\n<li><strong>Ordnungszw\u00e4nge<\/strong>: Gegenst\u00e4nde werden nach bestimmten Prinzipien angeordnet. Sobald die Ordnung durch andere gest\u00f6rt wird, kommt es zu starker innerer Anspannung.<\/li>\n<li><strong>Ber\u00fchrungszw\u00e4nge<\/strong>: Gegenst\u00e4nde oder Personen werden zwanghaft angetippt.<\/li>\n<li><strong>Sammelzw\u00e4nge<\/strong>: Gegenst\u00e4nde wie etwa Zeitungen k\u00f6nnen nicht weggeworfen werden. Im Hintergrund steht die Bef\u00fcrchtung, diese Gegenst\u00e4nde noch einmal brauchen zu k\u00f6nnen oder dadurch einen Teil von sich zu verlieren.<\/li>\n<li><strong>Z\u00e4hlzw\u00e4nge<\/strong>: Es wird gedanklich auf eine bestimmte Zahl gez\u00e4hlt, um Bef\u00fcrchtungen zu neutralisieren. Z\u00e4hlzw\u00e4nge treten meist im Zusammenhang mit anderen Zwangshandlungen auf.<\/li>\n<li><strong>zwanghafte Langsamkeit<\/strong>: Dabei werden allt\u00e4gliche Handlungen wie etwa Anziehen oder Essen extrem langsam und bed\u00e4chtig durchgef\u00fchrt, wobei dies nicht das Resultat eines bestimmten Zwangsgedankens ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zwangshandlungen sind oft an eine bestimmte Situation gebunden, und es kann sein, dass sie etwa in einer anderen Umgebung \u00fcberhaupt keine Rolle spielen. Ein typisches Beispiel daf\u00fcr ist das Ausbleiben von Putzzw\u00e4ngen an einem Ort, f\u00fcr den man sich nicht verantwortlich f\u00fchlt.<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Folgen einer Zwangsst\u00f6rung<\/h2>\n<p>Da die Umwelt von Zwangserkrankten oft verst\u00e4ndnislos reagiert, weil ihnen die Zw\u00e4nge irrational und bizarr erscheinen, halten viele Betroffene ihre Erkrankung aus Scham lange geheim. Viele ziehen sich deshalb von Familie und Freunden zur\u00fcck. H\u00e4ufig kommt es auch zum Verlust des Arbeitsplatzes \u2013 etwa, weil die Zwangserkrankten ihre Symptome nicht mehr verbergen k\u00f6nnen. Mehr als 70 Prozent aller Betroffenen erkranken an einer weiteren psychischen St\u00f6rung \u2013 h\u00e4ufig sind das Depressionen, Phobien oder Panikst\u00f6rungen.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Am Beginn der Diagnostik steht ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch, in dem die pers\u00f6nliche Krankheitsgeschichte exploriert wird.<\/p>\n<p>Weiters m\u00fcssen f\u00fcr die Diagnose Zwangsst\u00f6rung folgende Merkmale vorhanden sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Zwangsgedanken, -impulse und -handlungen treten seit mindestens zwei Wochen und an den meisten Tagen auf.<\/li>\n<li>Die Zw\u00e4nge werden als qu\u00e4lend und\/oder sinnlos empfunden.<\/li>\n<li>Der Alltag wird durch die Zw\u00e4nge beeintr\u00e4chtigt.<\/li>\n<li>Zwangsgedanken und -impulse werden der eigenen Person zugeordnet. Das bedeutet, dass sie nicht als \u201efremd\u201c oder \u201evon au\u00dfen gemacht\u201c erlebt werden.<\/li>\n<li>Bei Widerstand oder Unterlassung des Zwangs kommt es zu innerer Unruhe und Angst.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zudem gibt es bestimmte Frageb\u00f6gen, mit denen die Symptome des Zwangsdenkens und Zwangshandelns abgefragt werden k\u00f6nnen. Wichtig ist auch eine genaue k\u00f6rperliche Untersuchung, denn manchmal sind organische Ursachen f\u00fcr die Symptome verantwortlich \u2013 beispielsweise bestimmte neurologische Erkrankungen. Au\u00dferdem muss der Diagnostiker andere psychische St\u00f6rungen als Ursache ausschlie\u00dfen. Bei Schizophrenie oder Depressionen treten n\u00e4mlich auch h\u00e4ufig Zwangssymptome auf. Im Unterschied zur Zwangsst\u00f6rung ist aber bei Wahrnehmung bei diesen Erkrankungen eine andere: die Zwangsgedanken werden bei dabei zwar als belastend, meist aber nicht als \u00fcberfl\u00fcssig oder sinnlos empfunden. Bei der Schizophrenie erleben Betroffene die Zw\u00e4nge zudem oft als fremdgesteuert.<\/p>\n<h2>Therapie der Zwangsst\u00f6rung<\/h2>\n<p>Entscheidend f\u00fcr den Erfolg einer Therapie der Zwangsst\u00f6rung ist der fr\u00fchzeitige Beginn, also eine Zeit, in der die Zw\u00e4nge in der Regel noch nicht so stark ausgepr\u00e4gt und verfestigt sind. Allerdings profitieren auch Menschen, die schon l\u00e4nger an Zw\u00e4ngen leiden, von einer ad\u00e4quaten Behandlung. F\u00fcr alle gilt jedoch, dass die Zwangssymptome durch eine Therapie h\u00e4ufig nicht vollst\u00e4ndig verschwinden. Im Laufe der Behandlung lernen die Betroffenen aber, besser mit ihren Symptomen umzugehen, k\u00f6nnen danach den Zwangsimpulsen besser widerstehen oder dem Wiederauftreten von Zw\u00e4ngen besser entgegenwirken.<\/p>\n<p>Heute geht man davon aus, dass eine Kombination aus medikament\u00f6ser Behandlung und Psychotherapie die wirksamste Form der Behandlung ist \u2013 vor allem dann, wenn Zwangsgedanken im Vordergrund stehen.<\/p>\n<h3>Psychotherapie bei Zwangsst\u00f6rungen<\/h3>\n<p>Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als psychotherapeutische Methode der Wahl bei Zwangsst\u00f6rungen. Dabei werden zun\u00e4chst Informationen zur Symptomatik und zur Lebensgeschichte gesammelt, und es wird analysiert, wie h\u00e4ufig und in welchen Situationen die Zwangsgedanken und \u2013 handlungen auftreten, wodurch sie ausgel\u00f6st werden und welche Situationen Betroffene meiden, um das Auftreten von Zw\u00e4ngen zu verhindern. Gleichzeitig vermittelt der Therapeut Informationen dar\u00fcber, wie eine Zwangsst\u00f6rung entsteht und welche Faktoren sie aufrechterhalten.<br \/>\nEin wichtiger Teil der Verhaltenstherapie bei Zw\u00e4ngen ist die \u201eExposition mit Reaktionsverhinderung\u201c. Dabei geht es darum, dass der oder die Betroffene sich genau jenen Situationen aussetzt, in denen er oder sie normalerweise gro\u00dfe Angst und Anspannung erlebt. Wenn es gelingt, jede Art von Zwangshandlung zu unterlassen, k\u00f6nnen Menschen mit einer Zwangsst\u00f6rung die Erfahrung machen, dass die bef\u00fcrchteten negativen Folgen in der Realit\u00e4t nicht eintreten.<br \/>\nZumindest bei mittel- und schwergradigen Zwangserkrankungen beinhaltet die Therapie erg\u00e4nzend zur oben beschriebenen Symptomtherapie weitere kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden sowie h\u00e4ufig auch systemische, psychodynamische und\/oder achtsamkeitsbasierte Elemente. Dabei wird auch die \u201eFunktion\u201c von Zw\u00e4ngen ber\u00fccksichtigt, denn Zw\u00e4nge k\u00f6nnen etwa dazu dienen, starke Selbstzweifel zu kompensieren oder die Beziehung zu nahen Bezugspersonen zu regulieren. Wenn Angeh\u00f6rige in die Rituale eingebunden sind, wird empfohlen, sie in die Therapie einzubeziehen.<br \/>\nDas Vorgehen bei der kognitiven Verhaltenstherapie muss schrittweise stattfinden und zun\u00e4chst mit Situationen beginnen, die f\u00fcr Betroffene weniger angstausl\u00f6send sind. Die Erfolgsraten dieser Therapie sind sehr hoch; bei 60 bis 90 Prozent der Patienten kommt es zu einer deutlichen Besserung der Symptome.<\/p>\n<p>Andere psychotherapeutische Ans\u00e4tze spielen bei der Zwangsst\u00f6rung eine geringere Rolle, da sich die kognitiv-verhaltenstherapeutische Methode als wirksamste Therapieform erwiesen hat. Sie k\u00f6nnen aber als Erg\u00e4nzung oder im Anschluss an eine erfolgreiche Behandlung der Zwangssymptomatik zum Einsatz kommen. Mit psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Verfahren ist es oft m\u00f6glich, die psychologischen Hintergr\u00fcnde der Zwangssymptome besser zu verstehen und zu bearbeiten oder bisher verbotene W\u00fcnsche, Gedanken und Gef\u00fchle zu \u00e4u\u00dfern. Auch dadurch k\u00f6nnen Betroffene die Erfahrung machen, dass dies nicht zu den bef\u00fcrchteten negativen Konsequenzen f\u00fchrt.<\/p>\n<h3>medikament\u00f6se Therapie bei Zwangsst\u00f6rungen<\/h3>\n<p>Als wirksam erwiesen haben sich einige Antidepressiva, die auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Das sind vor allem so genannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie m\u00fcssen aber \u00fcber in einer h\u00f6heren Dosierung und \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum (h\u00e4ufig sechs bis zw\u00f6lf Wochen) eingenommen werden, damit eine Wirkung erzielt werden kann. Au\u00dferdem wird empfohlen, die Medikamente mindestens ein bis zwei Jahre einzunehmen, und das Absetzen sollte immer in mehreren Schritten und m\u00f6glichst erst nach einer erfolgreichen Verhaltenstherapie erfolgen.<br \/>\nIn manchen F\u00e4llen wird zus\u00e4tzlich zu einem Antidepressivum auch ein Neuroleptikum gegeben, vor allem dann, wenn die Zwangsgedanken \u201emagische\u201c Inhalte haben oder die Zw\u00e4nge sehr bizarr wirken.<\/p>\n<p>Allgemeine Vorbeugungsempfehlungen zur Zwangserkrankung gibt es aufgrund der Komplexit\u00e4t des Krankheitsbildes und der nicht eindeutig gekl\u00e4rten Ursachen nicht.<\/p>\n<h2>Wer behandelt die Zwangsst\u00f6rung?<\/h2>\n<p>Ansprechpartner f\u00fcr die Zwangsst\u00f6rung sind Fach\u00e4rzte f\u00fcr Psychiatrie sowie Psychotherapeuten, die verhaltenstherapeutisch orientiert sind.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2457,2444,2413,6],"tags":[404,813,189,413,287,784,733,2555,2556],"class_list":["post-2414","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-krankheit","category-psychiatrie","category-psychologie","category-sexualitaet","tag-angst","tag-leben","tag-psychiatrie","tag-psychologie","tag-psychotherapie","tag-sexualitat","tag-verhaltenstherapie","tag-zwange","tag-zwangsstorung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5280,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2414\/revisions\/5280"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}