{"id":2391,"date":"2020-08-18T13:27:08","date_gmt":"2020-08-18T13:27:08","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/demenz\/"},"modified":"2023-02-27T13:06:29","modified_gmt":"2023-02-27T12:06:29","slug":"demenz","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/demenz\/","title":{"rendered":"Demenz &#8211; Formen und Verlauf"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Demenz?<\/h2>\n<p>Der Begriff Demenz umfasst ein gro\u00dfes Spektrum von Erkrankungen, die eine gemeinsame Symptomatik verbindet: das Vergessen. Das Wort Demenz leitet sich aus dem Lateinischen ab. \u201eDe\u201c hei\u00dft \u201eohne\u201c, \u201emens\u201c \u201eGeist, Erkenntnis\u201c. Es handelt sich also um eine chronische oder fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Ged\u00e4chtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernf\u00e4higkeit, Sprache und Urteilsverm\u00f6gen gest\u00f6rt sind.<\/p>\n<p>Betroffen sind \u00fcberwiegend Menschen ab dem 65. Lebensjahr, vereinzelt (zu weniger als zwei Prozent) erkranken auch Menschen ab dem 45. Lebensjahr. Demenzkranke haben eine verk\u00fcrzte Lebenserwartung sowie ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr weitere Krankheiten.<\/p>\n<p>Die St\u00f6rung des Ged\u00e4chtnisses betrifft typischerweise Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe neuer Informationen. Fr\u00fcher Gelerntes und Vertrautes kann \u2013 besonders in den sp\u00e4teren Stadien der Erkrankung \u2013 ebenfalls verloren gehen. Doch die kognitiven Beeintra\u0308chtigungen, allen voran die fortschreitende Vergesslichkeit, an die man bei Demenz meist denkt, sind nur ein Teil der Erkrankung und treten vor allem in der Anfangsphase auf. Demenz betrifft aber nicht nur die f\u00fcr das Kurzzeitged\u00e4chtnis zust\u00e4ndigen Bereiche, sondern nach und nach alle Regionen des Gehirns. Ab dem mittleren Stadium der Erkrankung dominieren die Beeintra\u0308chtigung im Alltag. Betroffene werden zunehmend unselbst\u00e4ndiger, und es kommt zu Verhaltensauffa\u0308lligkeiten bzw. schweren Verhaltensst\u00f6rungen, die nicht nur f\u00fcr die Erkrankten, sondern auch f\u00fcr deren Angeh\u00f6rige und Betreuer eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Belastung darstellen als der Ged\u00e4chtnisverlust.<\/p>\n<p>Demenz ist also mehr als eine Ged\u00e4chtnisst\u00f6rung und hat nichts mit normaler Altersvergesslichkeit zu tun. Letztere tritt als normale Begleiterscheinung als eine gewisse Verlangsamung bei Ged\u00e4chtnisleistungen, aber auch im t\u00e4glichen Handeln auf. Bekannte Auspr\u00e4gungen sind hier das Vergessen von Namen, das Ph\u00e4nomen \u201eEs liegt mir auf der Zunge\u201c oder der Umstand, dass jemand zwar die Antwort auf eine Frage kennt, sie aber nicht abrufen kann. Au\u00dferdem ist auch die Kapazit\u00e4t des Kurzzeitged\u00e4chtnisses im Alter manchmal begrenzt. Hinzu kommt die \u00c4ngstlichkeit \u2013 etwa vor Neuem &#8211; , die viele \u00e4ltere Menschen betrifft, und die dazu f\u00fchren kann, dass diese Personen sich neuen Situationen oder Anforderungen nicht gewachsen f\u00fchlen. All diese Dinge erwecken bei Betroffenen oft rasch den Verdacht, unter einer Demenz zu leiden, aber das ist nicht zwingend der Fall.<\/p>\n<p>Auch Erkrankungen wie Depression, Hormonst\u00f6rungen oder Tumore, Medikamente bzw. ihre falsche Anwendung, Narkosenachwirkungen, Fl\u00fcssigkeitsmangel und viele weitere Faktoren k\u00f6nnen zu Verwirrtheitszust\u00e4nden f\u00fchren. Ein Teil dieser Demenzausl\u00f6ser ist behandelbar, teilweise auch heilbar.<\/p>\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden ist es wichtig, die Angst vor der Erkrankung ernst zu nehmen und diesbez\u00fcgliche Bef\u00fcrchtungen rasch fachlich abkl\u00e4ren zu lassen.<\/p>\n<h2>Formen der Demenz<\/h2>\n<p>Insgesamt sind \u00fcber 50 verschiedene Formen der Demenz bekannt. Heute unterscheidet man grob zwischen prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Formen der Demenz:<\/p>\n<h3>Prim\u00e4re Demenzen<\/h3>\n<p>Prim\u00e4re Demenzen sind Formen der Erkrankung, die ihren Ursprung im Gehirn haben, wo immer mehr Nervenzellen absterben. Es handelt sich dabei um eigenst\u00e4ndige Krankheitsbilder. Sie gelten als stetig fortschreitend und unheilbar.<br \/>\nDie h\u00e4ufigste prim\u00e4re Demenz, die gleichzeitig auch die h\u00e4ufigste demenzielle Erkrankung darstellt, ist die <a title=\"Alzheimer: Was ist das? Wodurch wird es beg\u00fcnstigt?\" href=\"\/ratgeber\/alzheimer-5217\">Alzheimer-Krankheit<\/a>. An zweiter Stelle folgt die vaskul\u00e4re Demenz. Weitere h\u00e4ufige prim\u00e4re Demenzformen sind die Frontotemporale und die Lewy-K\u00f6rperchen-Demenz.<br \/>\nWeiters gibt es auch Mischformen demenzieller Krankheitsprozesse, insbesondere Mischformen von Alzheimer-Krankheit und vaskul\u00e4rer Demenz.<\/p>\n<h3>Sekund\u00e4re Demenzen<\/h3>\n<p>Sekund\u00e4re Demenzen sind Formen der Erkrankung, die durch Medikamente oder andere Erkrankungen verursacht werden wie etwa durch Schilddr\u00fcsenerkrankungen, Alkoholsucht oder ausgepr\u00e4gte Vitamin-Mangelzust\u00e4nde. Sekund\u00e4re Demenzformen sind eher selten und machen rund zehn Prozent der Krankheitsf\u00e4lle aus.<\/p>\n<h2>Ursachen von Demenz<\/h2>\n<p>Da das Krankheitsbild Demenz verschiedene Erkrankungen umfasst, gibt es je nachdem auch unterschiedliche Ursachen, von denen die meisten nicht exakt gekl\u00e4rt sind.<\/p>\n<h3>Prim\u00e4re Demenzen<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Alzheimer-Demenz<\/strong>: Dabei lagern sich in den Nervenzellen bestimmter f\u00fcr kognitive Leistungen wichtiger Gehirnregionen ungew\u00f6hnliche Eiwei\u00df-Faserb\u00fcndel (Tau-Proteine) ab. Dadurch kommt es in den betroffenen Zellen zu St\u00f6rungen von Stabilisierungs- und Transportprozessen, die letztlich zum Absterben der Nervenzellen f\u00fchren. Aber auch au\u00dferhalb der Nervenzellen und innerhalb einiger Blutgef\u00e4\u00dfe verklumpen Eiwei\u00dfe (Amyloid) zu so genannten Plaques. Das wiederum hat zur Folge, dass die Energie- und Sauerstoffversorgung des Gehirns gehemmt wird, und es kommt zu einem fortschreitenden Zerfall von Nervenzellen. Dadurch tritt ein Mangel an Botenstoffen auf, die normalerweise daf\u00fcr sorgen, dass die Nervenzellen Informationen untereinander austauschen. Durch den Verlust an Nervenzellen und Botenstoffen k\u00f6nnen eintreffende neue Sinneseindr\u00fccke nicht mehr richtig verarbeitet und mit dem bereits Gelernten nicht mehr sinnvoll verkn\u00fcpft werden. Die genaue Ursache f\u00fcr die Bildung der Tau-Proteine und Plaques ist nicht bekannt.<\/li>\n<li><strong>Vaskul\u00e4re Demenz<\/strong>: Dabei f\u00fchren Durchblutungsst\u00f6rungen im Gehirn zum Absterben von Nervenzellen. Das kann beispielsweise die Folge von mehreren kleinen Schlaganf\u00e4llen sein, die gleichzeitig oder zeitlich versetzt in einer Hirnregion auftreten. Manchmal entsteht die vaskul\u00e4re Demenz auch auf der Basis einer gr\u00f6\u00dferen Hirnblutung, etwa bei Bluthochdruck-Patienten. Seltenere Ursachen der vaskul\u00e4ren Demenz sind zum Beispiel Gef\u00e4\u00dfentz\u00fcndungen sowie genetische Erkrankungen.<\/li>\n<li><strong>Lewy-K\u00f6rperchen-Demenz<\/strong>: Bei der Lewy-K\u00f6rperchen-Demenz lagern sich in den Nervenzellen der Gro\u00dfhirnrinde bestimmte Eiwei\u00dfreste ab. Diese sogenannten Lewy-K\u00f6rperchen behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Warum sie sich bilden, ist meist unbekannt.<\/li>\n<li><strong>Frontotemporale Demenz<\/strong>: Dabei sterben nach und nach Nervenzellen in Stirn- und Schl\u00e4fenlappen des Gro\u00dfhirns ab. Auch hier ist die Ursache gr\u00f6\u00dftenteils unbekannt. Teilweise sind die Erkrankungsf\u00e4lle genetisch bedingt.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Sekund\u00e4re Demenzen<\/h3>\n<p>Die seltenen sekund\u00e4ren Demenzen werden durch andere Erkrankungen oder Medikamente verursacht. Sie k\u00f6nnen zum Beispiel durch Alkoholsucht, Schilddr\u00fcsenst\u00f6rungen, Lebererkrankungen, bestimmte Infektionen oder eine Vitamin-Unterversorgung ausgel\u00f6st werden. Auch Medikamente sind m\u00f6gliche Ursachen.<\/p>\n<h2>Risikofaktoren f\u00fcr Demenz<\/h2>\n<p>H\u00f6heres Alter und eine entsprechende genetische Veranlagung steigern das Risiko einer demenziellen Erkrankung. Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Herzrhythmusst\u00f6rungen, ein hoher Cholesterinspiegel, Depressionen, Sch\u00e4delhirnverletzungen, Rauchen, \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Alkoholkonsum und \u00dcbergewicht.<br \/>\nAuch Menschen mit geringer geistiger, sozialer und k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t sind anf\u00e4lliger f\u00fcr eine Demenzkrankheit.<\/p>\n<h2>Symptome von Demenz<\/h2>\n<p>Aus Sicht von Laien ist das typische Symptom einer Demenzerkrankung die Ged\u00e4chtnisst\u00f6rung. Ged\u00e4chtnisst\u00f6rung alleine aber reicht f\u00fcr eine Demenzdiagnose nicht aus, denn es muss zumindest ein weiterer Bereich der intellektuellen Funktionen wie etwa Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration oder Urteilsverm\u00f6gen gest\u00f6rt sein. Weiters ist zu ber\u00fccksichtigen, dass h\u00e4ufig auch bereits in fr\u00fchen Stadien Verhaltensauffa\u0308lligkeiten auftreten.<\/p>\n<p>Kognitive Symptome bei Demenzerkrankungen im Einzelnen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>St\u00f6rungen des Ged\u00e4chtnisses<\/li>\n<li>Einschr\u00e4nkung von Urteilsverm\u00f6gen und Probleml\u00f6sung<\/li>\n<li>Orientierungsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Aufmerksamkeitsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Einschr\u00e4nkung der handwerklich-gestalterischen F\u00e4higkeiten<\/li>\n<li>Einschr\u00e4nkung der praktischen Funktionen<\/li>\n<li>Einschr\u00e4nkung der handlungsrelevanten Funktionen<\/li>\n<li>Aphasie (Sprachst\u00f6rung)<\/li>\n<li>Apraxie (Unf\u00e4higkeit, willk\u00fcrliche Bewegungen und Handlungen auszuf\u00fchren)<\/li>\n<li>Agnosie (St\u00f6rung des Wiedererkennens)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Verlauf von Demenz<\/h2>\n<p>Bei allen Demenzformen kommt es durch Erkrankungsprozesse im Gehirn zu einem fortschreitenden Verlust von Ged\u00e4chtnisfunktionen und anderen kognitiven F\u00e4higkeiten wie Konzentrations-, Sprach-, Denk- und Urteilsf\u00e4higkeit. Zudem l\u00e4sst die F\u00e4higkeit, im Alltag zurechtzukommen, mit der Zeit immer mehr nach. Gleichzeitig treten St\u00f6rungen im Bereich der Gef\u00fchle (zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Ruhelosigkeit, depressive Verstimmungen), des Antriebs und des Sozialverhaltens auf. Im Gegensatz zum Delirium ist das Bewusstsein aber nicht beeintr\u00e4chtigt.<br \/>\nWenn die Erkrankung weiter fortschreitet, kommt es h\u00e4ufig zu weiteren, schwerwiegenden Krankheitssymptomen. Dazu geh\u00f6ren St\u00f6rungen der Sprache und der Bewegungsabl\u00e4ufe, das Nicht-Erkennen von Personen und Gegenst\u00e4nden und ein Verlust der Krankheitseinsicht.<\/p>\n<p>Man unterscheidet drei Schweregrade der Demenz, in denen die Symptome unterschiedlich bzw. unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt sind:<\/p>\n<h3>Leichte Demenz<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Kognitive Beeintr\u00e4chtigungen<\/strong>: Komplexe t\u00e4gliche Aufgaben k\u00f6nnen nicht (mehr) ausgef\u00fchrt werden.<\/li>\n<li><strong> Lebensf\u00fchrung<\/strong>: Die selbstst\u00e4ndige Lebensf\u00fchrung (Alltag) wird zwar beeinflusst, ein unabh\u00e4ngiges Leben ist dennoch m\u00f6glich.<\/li>\n<li><strong>H\u00e4ufige affektive St\u00f6rungen<\/strong>: Depression, Antriebsmangel, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Mittelschwere Demenz<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Kognitive Beeintr\u00e4chtigungen<\/strong>: Einfache T\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen selbstst\u00e4ndig ausgef\u00fchrt werden, komplexe T\u00e4tigkeiten werden nicht mehr vollst\u00e4ndig oder angemessen ausgef\u00fchrt.<\/li>\n<li><strong>Lebensf\u00fchrung<\/strong>: Ein unabh\u00e4ngiges Leben ist nicht mehr m\u00f6glich. Die Patienten sind auf fremde Hilfe angewiesen, eine selbstst\u00e4ndige Lebensf\u00fchrung ist aber noch teilweise m\u00f6glich.<\/li>\n<li><strong>H\u00e4ufige affektive St\u00f6rungen<\/strong>: Unruhe, psychotische St\u00f6rungen, aggressive Verhaltensweisen, Schreien, gest\u00f6rter Tag-Nacht-Rhythmus, Nesteln.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Schwere Demenz<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Kognitive Beeintr\u00e4chtigungen<\/strong>: Gedankeng\u00e4nge k\u00f6nnen nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden.<\/li>\n<li><strong>Lebensf\u00fchrung<\/strong>: Es ist keine unabh\u00e4ngige, selbstst\u00e4ndige Lebensf\u00fchrung m\u00f6glich.<\/li>\n<li><strong>H\u00e4ufige affektive St\u00f6rungen<\/strong>: Unruhe, psychotische St\u00f6rungen, aggressive Verhaltensweisen, Schreien, gest\u00f6rter Tag-Nacht-Rhythmus, Nesteln (wie mittelschwere Demenz).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Alzheimer-Demenz ist von einem konstanten Krankheitsverlauf gepr\u00e4gt, die Verschlechterungen treten nicht schubweise ein. Stattdessen sind die \u00dcberg\u00e4nge ins jeweils n\u00e4chste Stadium schleichend und am kontinuierlichen Abbau unterschiedlicher Funktionen ersichtlich.<\/p>\n<p>Die vaskul\u00e4re Demenz kann hingegen in schweren Sch\u00fcben verlaufen, die in der Regel in zeitlich langen Abst\u00e4nden erfolgen. Im Laufe eines Schubes verlieren die Patienten auf einen Schlag sehr viele F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<h2>Demenzstadien und \u201eumgekehrte Kindheitsentwicklung\u201c<\/h2>\n<p>Das Fortschreiten der h\u00e4ufigsten Demenzform, der Alzheimererkrankung wird von Seiten der Wissenschaft auch \u00e4hnlich einer \u201eumgekehrten Kindheitsentwicklung\u201c (Retrogenese nach B. Reisberg) beschrieben. Die Theorie des amerikanischen Psychiaters geht davon aus, dass Personen mit einer Alzheimer-Demenz ihre F\u00e4higkeiten ungef\u00e4hr in der umgekehrten Reihenfolge abbauen, wie gesunde Kinder sie im Verlauf einer normalen Entwicklung aufbauen. Es werden sieben typische Stadien der Erkrankung beschrieben:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Stadium 1<\/strong>: Es sind noch keine kognitiven Einbu\u00dfen oder Probleme im t\u00e4glichen Leben festzustellen.<\/li>\n<li><strong>Stadium 2<\/strong>: Es gibt einen sehr geringen Verlust der kognitiven F\u00e4higkeiten. Merkf\u00e4higkeit und Ged\u00e4chtnis sind beeintr\u00e4chtigt. Namen und Termine werden vergessen. Bei manchen Situationen fehlt die Erinnerung. \u00d6fters werden Dinge verlegt.<\/li>\n<li><strong>Stadium 3<\/strong>: Zus\u00e4tzlich beginnen erste Verwirrungen und Fehlleistungen. Die Arbeitsleistung ist beeintr\u00e4chtigt. Auch bei der r\u00e4umlichen Orientierung zeigen sich Probleme. Gegenst\u00e4nde werden \u00f6fter verloren.<\/li>\n<li><strong>Stadium 4<\/strong>: Die betroffene Person hat Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben selbstst\u00e4ndig durchzuf\u00fchren, z.B. ein Gericht zuzubereiten, mit Geld umzugehen oder sich \u00f6rtlich zu orientieren und leidet psychisch unter dem Verlust ihrer F\u00e4higkeiten und ihrer Selbstst\u00e4ndigkeit. Als Reaktion werden oft Defizite geleugnet und Fehler anderen zugewiesen.<\/li>\n<li><strong>Stadium 5<\/strong>: Die erkrankte Person kann nicht mehr ohne Unterst\u00fctzung im Alltag zurechtkommen und ben\u00f6tigt z.B. Hilfe bei der Auswahl von Kleidung. Die Erinnerung an wichtige, pers\u00f6nliche Daten (z.B. Adresse, Geburtsdatum) f\u00e4llt schwer. Oft kommt es zu Orientierungslosigkeit, unspezifischen \u00c4ngste und zornigen Reaktionen auf den Verlust bestimmter F\u00e4higkeiten.<\/li>\n<li><strong>Stadium 6<\/strong>: Die F\u00e4higkeit, Basisaktivit\u00e4ten durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, geht verloren, und Unterst\u00fctzung in vielen Lebensbereichen, z.B. beim Waschen oder beim Toilettengang wird ben\u00f6tigt. Es kann zu Verhaltensauff\u00e4lligkeiten und Inkontinenz kommen. Meist k\u00f6nnen die Namen von nahestehenden Personen nicht benannt werden. Zorn, Auflehnung oder Verzweiflung sind h\u00e4ufige Reaktionen darauf.<\/li>\n<li><strong>Stadium 7<\/strong>: Es kommt zu einem Verlust der verbalen F\u00e4higkeiten und psychomotorischer Funktionen, etwa des Sitzens, des Gehens und der Kopfhaltung. H\u00e4ufig ist Sprache \u00fcberhaupt nicht mehr vorhanden. Hilfe in allen Lebensbereichen ist notwendig.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Diagnose von Demenz<\/h2>\n<p>Um eine Demenz diagnostizieren zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Symptome bereits seit mindestens sechs Monaten bestehen.<\/p>\n<p>Die Demenzdiagnostik umfasst folgende Untersuchungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Anamnese (Krankengeschichte)<\/li>\n<li>Fremdanamnese (Krankengeschichte aus Sicht der Bezugspersonen)<\/li>\n<li>Neurologische Untersuchung<\/li>\n<li>Psychiatrische Untersuchung<\/li>\n<li>Neurologische Untersuchung<\/li>\n<li>K\u00f6rperliche Untersuchung zum Ausschluss anderer behandelbarer Erkrankungen wie Schlaganfall oder Tumorerkrankungen<\/li>\n<li>Kognitive Kurztests zur Demenz-Diagnose (diese erlauben es, das Vorhandensein und den ungef\u00e4hren Schweregrad einer Demenz zu bestimmen.) Z. B.: Mini-Mental State Examination (MMSE).<\/li>\n<li>Blutuntersuchungen (zum Ausschluss behandelbarer Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungen)<\/li>\n<li>Bildgebende Untersuchungen (zur Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz)<\/li>\n<li>Ultraschall der Halsgef\u00e4\u00dfe (Zur Bestimmung des Grads der Gef\u00e4\u00dfverkalkung, der R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Wahrscheinlichkeit einer vaskul\u00e4ren Demenz zul\u00e4sst).<\/li>\n<li>eventuell Liquoruntersuchung von Gehirn- und R\u00fcckenmarkfl\u00fcssigkeit zum Ausschluss entz\u00fcndlicher Gehirnerkrankungen)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Behandlung von Demenz<\/h2>\n<h3>Medikament\u00f6se Therapie<\/h3>\n<p>F\u00fcr die medikament\u00f6se Therapie von Demenz werden zwei Medikamentengruppen eingesetzt. Das sind Antidementiva sowie Medikamente zur Therapie von Verhaltensst\u00f6rungen und psychischen Symptomen.<\/p>\n<p>Antidementiva sind Medikamente, die dem Verlust des Ged\u00e4chtnisses und der Denkf\u00e4higkeiten entgegenwirken sollen. Ihr Nutzen liegt in einer leichten Verbesserung der kognitiven Funktionen, der Alltagsaktivit\u00e4ten und des Allgemeinzustands der Patienten. Je nach Demenzgrad und Vertr\u00e4glichkeit stehen verschiedene Medikamente zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n<p>Zur Therapie von Verhaltensst\u00f6rungen und psychischen Symptomen werden dann Substanzen eingesetzt, wenn nicht-medikament\u00f6se Ma\u00dfnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen. Es stehen folgende Medikamente zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n<p>. Antidepressiva: etwa bei Depressionen, Angst- oder Zwangssymptomen<br \/>\n. Antipsychotika: sie wirken beruhigend, etwa bei Wahnvorstellungen<br \/>\n. Beruhigungsmittel: sie verringern zum Beispiel Angst, Erregung oder Schlafprobleme<\/p>\n<h3>Nicht-medikament\u00f6se Therapieans\u00e4tze<\/h3>\n<p>Sie zielen darauf ab, die Befindlichkeit der Erkrankten und die Anpassungsf\u00e4higkeit an das nachlassende Leistungsverm\u00f6gen zu verbessern. Dabei liegt der Focus auch darauf, bestehende F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten zu erhalten und gegebenenfalls zu st\u00e4rken. Angeh\u00f6rige haben hier neben Pflegepersonen eine wichtige Funktion. Sie k\u00f6nnen folgende Ma\u00dfnahmen ergreifen, f\u00f6rdern oder mithilfe von Fachleuten organisieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Zuwendung und Aktivierung<\/li>\n<li>Bestehende F\u00e4higkeiten erhalten<\/li>\n<li>Training von allt\u00e4glichen Fertigkeiten<\/li>\n<li>K\u00f6rperliches Training (eventuell mit erg\u00e4nzender Physiotherapie oder Ergotherapie)<\/li>\n<li>Verhaltenstherapie (wirkt belegt nur im Fr\u00fchstadium und hier besonders bei depressiven St\u00f6rungen)<\/li>\n<li>Kognitive Interventionen (zielen auf die Aktivierung geistiger Funktionen ab)<\/li>\n<li>Musiktherapie (kann moderate Effekte auf psychische oder Verhaltenssymptome sowie auf erregtes und aggressives Verhalten haben)<\/li>\n<li>Aromatherapie: Dabei werden Geruchsstoffe zur positiven Beeinflussung von Verhaltenssymptomen eingesetzt. (kann eine geringe Wirkung bei mittelschwerer bis schwerer Demenz haben)<\/li>\n<li>Multisensorische Stimulation (Snoezelen): Dabei werden Sinne durch Reize wie Licht, Ger\u00e4usche, Ger\u00fcche oder Geschmack angeregt, was beruhigend und entspannend wirkt. (kann bei mittelschwerer bis schwerer Demenz hilfreich sein)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>\u00c4rzte, die Demenz behandeln<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Abkl\u00e4rung und Behandlung von Demenz sind Fach\u00e4rzte f\u00fcr Neurologie oder Psychiatrie zust\u00e4ndig, idealerweise solche mit einer Zusatzausbildung in Geriatrie. Den Verdacht auf eine Ged\u00e4chtnisst\u00f6rung kann man auch in neurologischen oder psychiatrischen Krankenhausambulanzen<br \/>\nund Ged\u00e4chtnisambulanzen abkl\u00e4ren lassen.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2436,66,2449,2457,2408,2444],"tags":[108,360,1002,1289,1408,1110,231,188,189],"class_list":["post-2391","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-geriatrie","category-gesundheitsnews","category-intensivmedizin","category-krankheit","category-neurologie","category-psychiatrie","tag-allgemeinmedizin","tag-alter","tag-alzheimer","tag-demenz","tag-gedachtnis","tag-gehirn","tag-geriatrie","tag-neurologie","tag-psychiatrie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2391\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9819,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2391\/revisions\/9819"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2392"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}