{"id":2387,"date":"2020-08-07T09:08:01","date_gmt":"2020-08-07T09:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/rotavirus-brechdurchfall\/"},"modified":"2024-02-20T14:19:18","modified_gmt":"2024-02-20T13:19:18","slug":"rotavirus-brechdurchfall","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/rotavirus-brechdurchfall\/","title":{"rendered":"Rotavirus (Brechdurchfall)"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist das Rotavirus?<\/h2>\n<p>Beim Rotavirus handelt es sich um eine Infektionskrankheit. Hervorgerufen wird sie durch die gleichnamigen Viren. Vor der Verf\u00fcgbarkeit von Rotavirus-Impfstoffen waren Rotaviren die h\u00e4ufigsten Erreger von Brechdurchfall bei S\u00e4uglingen und Kleinkindern. In den westlichen Industriel\u00e4ndern erkranken am h\u00e4ufigsten S\u00e4uglinge und Kinder von sechs Monaten bis zu zwei Jahren, da sie noch keine Antik\u00f6rper gegen das Virus entwickelt haben (noch fehlende Immunit\u00e4t). Im Erwachsenenalter treten Erkrankungen seltener und meist milder verlaufend auf, bei Menschen \u00fcber 60 Jahre nimmt die Erkrankungsh\u00e4ufigkeit wieder zu. Die Impfung gegen Rotaviren ist in \u00d6sterreich im kostenfreien Impfprogramm enthalten. Es handelt sich um eine Schluckimpfung (Lebendimpfstoff), die gem\u00e4\u00df \u00d6sterreichischem Impfplan 2020 ehestm\u00f6glich ab der vollendeten sechsten Lebenswoche verabreicht werden sollte. F\u00fcr Erwachsene ist die Impfung nicht vorgesehen. Vor der Verf\u00fcgbarkeit der Impfstoffe wurden wegen dem Rotavirus j\u00e4hrlich 2.900 bis 4.400* Kinder in \u00d6sterreich ins Krankenhaus eingewiesen, seit Einf\u00fchrung der Impfung ist diese Rate drastisch gesunken.<\/p>\n<h2>Ansteckung und Inkubationszeit<\/h2>\n<p>Rotaviren z\u00e4hlen zur Familie der Reoviridae. Derzeit sind sieben Serotypen (Untergruppen) der Rotaviren bekannt (A, B, C, D, E, F, G), Rotaviren der Gruppe A haben weltweit die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung, auf sie sind die meisten Krankheitsf\u00e4lle zur\u00fcckzuf\u00fchren. Hauptreservoir f\u00fcr Rotaviren ist der Mensch.<\/p>\n<p>Das Rotavirus ist sehr umweltresistent, hochansteckend und wird leicht \u00fcbertragen. Die Erkrankung tritt saisonal geh\u00e4uft auf, am h\u00e4ufigsten in den Wintermonaten\/zwischen Februar und April. Hauptansteckungsweg sind Schmierinfektionen, die \u00dcbertragung kann aber durch kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel erfolgen. Bei einer Schmierinfektion handelt es sich um eine indirekte \u00dcbertragung von Krankheitserregern, die durch Ber\u00fchrung eines Gegenstandes, der mit infekti\u00f6sen K\u00f6rpersekreten (z. B. Speichel, Urin, Stuhl) kontaminiert ist erfolgt. Die Erreger werden durch die Ber\u00fchrung des kontaminierten Gegenstandes abgestreift, gelangen auf die Haut\/Schleimhaut und werden vom K\u00f6rper aufgenommen. Bei Rotaviren ist der h\u00e4ufigste \u00dcbertragungsweg die f\u00e4kal-orale Ansteckung, beispielsweise, wenn sich ein Kind Spielzeug oder andere kontaminierte Gegenst\u00e4nde in den Mund steckt.<\/p>\n<p>Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers in den K\u00f6rper und dem Auftreten der ersten Symptome\/Ausbruch der Krankheit) betr\u00e4gt einen Tag bis drei Tage. An Rotavirus Erkrankte k\u00f6nnen andere w\u00e4hrend des akuten Krankheitsstadiums und solange das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird anstecken. Eine Virusausscheidung erfolgt in der Regel nicht l\u00e4nger als acht Tage, manchmal kann sie aber auch l\u00e4nger dauern.<\/p>\n<p>Da es verschiedene Untergruppen des Virus gibt, sch\u00fctzt eine einmal durchgemachte Rotavirus-Infektion nicht vor einer weiteren Infektion. Bis zu einem Alter von drei Jahren haben etwa 90 Prozent aller Kinder eine Rotavirus-Infektion durchgemacht. Obwohl fast alle Erwachsenen Antik\u00f6rper gegen Rotaviren besitzen, sind wiederholte Infektionen in jedem Alter m\u00f6glich, nicht selten kommt es zu \u00dcbertragungen von erkrankten Kindern auf die Eltern.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Die Erkrankung beginnt zumeist mit w\u00e4ssrigem Durchfall, der mit den Stunden schlimmer wird. Im Stuhl k\u00f6nnen sich auch Schleimbeimengungen finden. In vielen F\u00e4llen kommt es zu \u00dcbelkeit, Magenschmerzen und Erbrechen, auch Fieber kann auftreten, vor allem bei Kindern. H\u00e4ufig kommt es auch zu grippe\u00e4hnlichen Beschwerden wie unspezifischen Atemproblemen und Gliederschmerzen. Die durch das Rotavirus bedingte Durchfallerkrankung verl\u00e4uft bei S\u00e4uglingen und Kleinkindern in der Regel schwerer als durch andere Erreger verursachte Durchfallerkrankungen, bei einem Kind zeigen sich alle Symptome zumeist auch st\u00e4rker als bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen verl\u00e4uft die Infektion milder, h\u00e4ufig auch ohne erkennbare Symptome, nach dem 60. Lebensjahr steigt die Zahl der symptomatischen Erkrankungen allerdings wieder an.<\/p>\n<p>Die den Magen-Darm-Trakt betreffenden Symptome dauern etwa zwei bis sechs Tage* an und lassen dann allm\u00e4hlich wieder nach. Kompliziert ist die Erkrankung, wenn es zur Dehydration kommt, was in Folge des Durchfalls, durch welchen der K\u00f6rper viel Fl\u00fcssigkeit verliert, und des Fiebers passieren kann. Dies kann, ohne rechtzeitige ad\u00e4quate Behandlung, lebensbedrohlich werden. In L\u00e4ndern mit ung\u00fcnstigen medizinischen Versorgungsm\u00f6glichkeiten ist eine Infektion mit dem Rotavirus f\u00fcr Kinder und Erwachsene gef\u00e4hrlicher; Sch\u00e4tzungen zufolge erkranken in Afrika, Asien und Lateinamerika j\u00e4hrlich \u00fcber 100 Millionen Kinder und etwa 350.000 bis 600.000 Kinder unter f\u00fcnf Jahren sterben durch eine Rotavirus-Infektion.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei einer Rotavirus-Infektion auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner bei Magen-Darm-Beschwerden bzw. bei Verdacht auf eine Rotavirus-Infektion bei Erwachsenen ist der <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin (Hausarzt)<\/a>, bei Kindern der <a href=\"\/suche\/kinderarzt\">Kinderarzt<\/a>. Im Rahmen der Anamnese informiert sich der Arzt u. a. nach den genauen Beschwerden und seit wann diese bestehen, danach, ob es in der Familie bzw. im n\u00e4heren Umfeld (des Kindes) \u00e4hnliche F\u00e4lle gibt bzw. vor kurzem gegeben hat (z. B. im Kindergarten) und nach anderen Punkten, die in Hinblick auf die Diagnose aufschlussreich sein k\u00f6nnen. Im Rahmen der k\u00f6rperlichen Untersuchung wird u. a. der Bauch abgetastet, durch eine Stuhlprobe ist es m\u00f6glich, Rotaviren nachzuweisen und die Diagnose zu sichern. Daneben k\u00f6nnen noch weitere Untersuchungen erforderlich sein, der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Situation.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Eine antivirale Therapie existiert nicht, eine direkte Bek\u00e4mpfung der Viren mit Medikamenten ist also nicht m\u00f6glich. Auch Medikamente, welche die Darmmotilit\u00e4t (\u201cBewegungsf\u00e4higkeit des Darmes\u201c) hemmen und gegen Durchfall helfen sollten nicht eingenommen werden. Durch die w\u00e4ssrigen Durchf\u00e4lle geht viel Fl\u00fcssigkeit verloren \u2013 es ist besonders wichtig, dass Betroffene viel trinken um den hohen Fl\u00fcssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Geeignet sind Wasser, Mineralwasser, unges\u00fc\u00dfte Tees und verd\u00fcnnte Fruchts\u00e4fte. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnen fiebersenkende Medikamente eingenommen werden; welche Wirkstoffe in Frage kommen h\u00e4ngt davon ab, ob es sich bei dem Betroffenen um ein Kind oder einen Erwachsenen handelt. Vor der Einnahme eines fiebersenkenden oder anderen Medikamentes ist es ratsam, sich bei einem Arzt oder Apotheker zu informieren. Im Fall einer (drohenden) Dehydration und einer erforderlichen intraven\u00f6sen Fl\u00fcssigkeitszufuhr kann eine Krankenhausbehandlung erforderlich sein.<\/p>\n<h2>Impfung<\/h2>\n<p>Gegen Rotaviren ist eine Impfung verf\u00fcgbar, die in \u00d6sterreich im kostenfreien Impfprogramm enthalten ist. Die Schluckimpfung gegen Rotaviren (Lebendimpfstoff) kann das Risiko einer Rotaviren-Infektion effektiv senken. Die Schluckimpfung ist f\u00fcr Kinder ab der vollendeten sechsten Lebenswoche zugelassen. In Abh\u00e4ngigkeit vom Impfstoff (Rotarix, Rotateq) ist die Impfung bis zur vollendeten 24. bzw. vollendeten 32. Lebenswoche zu verabreichen, je nach Impfstoff sind zwei bis drei Teilimpfungen mit einem Mindestabstand von vier Wochen zwischen den einzelnen Dosen vorgesehen. F\u00fcr Kinder jenseits dieser Altersgrenzen und f\u00fcr Erwachsene ist die Impfung nicht vorgesehen, auch Auffrischungsimpfungen sind nicht vorgesehen. Weitere Informationen in Hinblick auf zur Verf\u00fcgung stehende Impfungen sind dem aktuellen Impfplan \u00d6sterreich zu entnehmen, bei Fragen sollte das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Hygienema\u00dfnahmen<\/h2>\n<p>Folgende Hygienema\u00dfnahmen sind wichtig, um das Risiko einer \u00dcbertragung auf f\u00e4kal-oralem Weg, besonders in der symptomatischen Phase, zu reduzieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Konsequentes gr\u00fcndliches H\u00e4ndewaschen, H\u00e4ndedesinfektion<\/li>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfige Desinfektion von h\u00e4ufigen Hautkontaktfl\u00e4chen (z. B. T\u00fcrgriffe, Lichtschalter), Toiletten und Waschbecken<\/li>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfige Reinigung von Spielzeug, Wickelunterlagen und anderen benutzten Gegenst\u00e4nden<\/li>\n<li>Beim Reinigen, Windelwechseln und beim Umgang mit anderen kontaminierten Gegenst\u00e4nden Einmalhandschuhe tragen und H\u00e4nde nach dem Ausziehen der Handschuhe desinfizieren.<\/li>\n<li>Infekti\u00f6se Gegenst\u00e4nde (z. B. Windeln, Einmalhandschuhe) schnellstm\u00f6glich ad\u00e4quat entsorgen<\/li>\n<li>Reduktion des Kontakts mit anderen Menschen, um die \u00dcbertragung des Virus zu vermeiden<\/li>\n<\/ul>\n<p>*Angaben k\u00f6nnen in der Literatur variieren.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,78,66,2449,23,2457],"tags":[108,373,71,887,381,545,177,1077,2569],"class_list":["post-2387","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gastroenterologie","category-gesundheitsnews","category-intensivmedizin","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","tag-allgemeinmedizin","tag-durchfall","tag-gastroenterologie","tag-impfen","tag-impfung","tag-infektiologie","tag-kinderheilkunde","tag-lebendimpfstoff","tag-rota-virus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9591,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2387\/revisions\/9591"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}