{"id":2366,"date":"2020-08-06T15:57:35","date_gmt":"2020-08-06T15:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/angststoerungen-was-ist-das-welche-formen-gibt-es\/"},"modified":"2023-02-16T21:46:41","modified_gmt":"2023-02-16T20:46:41","slug":"angststoerungen-was-ist-das-welche-formen-gibt-es","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/angststoerungen-was-ist-das-welche-formen-gibt-es\/","title":{"rendered":"Angstst\u00f6rungen &#8211; Was ist das? Welche Formen gibt es?"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist eine Angstst\u00f6rung?<\/h2>\n<p>Angst zu haben ist v\u00f6llig normal. Alle Menschen sind gelegentlich von Angstgef\u00fchlen, damit einhergehendem Stress und bestimmten psychischen und\/oder k\u00f6rperlichen Symptomen (z. B. Herzklopfen, Hitzewallungen, Schwitzen, Schwindel), die beim Empfinden von Angst auftreten k\u00f6nnen, betroffen. Diese Gef\u00fchle und Symptome sind nat\u00fcrliche Reaktionen auf bestimmte Situationen (z. B. stressige, gef\u00e4hrliche, druckverursachende Situationen) und verschwinden in der Regel wieder, wenn die jeweilige angstausl\u00f6sende Ursache beseitigt ist.<\/p>\n<p>Im Fall einer Angstst\u00f6rung ist dies anders. Bei Menschen mit einer Angstst\u00f6rung klingen die Angstgef\u00fchle nicht ab, sondern halten an und k\u00f6nnen nicht einfach gesteuert werden. Unter dem Betriff Angstst\u00f6rung werden verschiedene psychische St\u00f6rungen (z. B. Panikst\u00f6rung, Phobie) zusammengefasst, die sich u. a. durch ein \u00fcbersteigertes Angstempfinden auszeichnen.<\/p>\n<p>Im psychiatrischen Sinne sind Angstst\u00f6rungen charakterisiert durch das \u00fcberzogene und \u00fcbertriebene Empfinden von Angst und Furcht, in vielen F\u00e4llen fehlt auch die tats\u00e4chliche Bedrohung durch \u00e4u\u00dfere Faktoren. Das DSM-5 (f\u00fcnfte Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders\/diagnostischer und statistischer Leidfaden psychischer St\u00f6rungen) definiert Angstst\u00f6rungen als exzessive Furcht- und Angstreaktionen mit entsprechenden Verhaltensauff\u00e4lligkeiten. Betroffene einer Angstst\u00f6rung leiden unter einer ausgepr\u00e4gten Angst und verschiedenen psychischen und\/oder k\u00f6rperlichen Angstsymptomen. Die Angstsymptome k\u00f6nnen so stark ausgepr\u00e4gt sein, dass sie das Leben in vielerlei Hinsicht beeintr\u00e4chtigen und Betroffene Schwierigkeiten bei der Alltagsbew\u00e4ltigung haben.<\/p>\n<h2>Formen und Symptome<\/h2>\n<p>Es werden mehrere Formen von Angstst\u00f6rungen unterschieden, die sich durch verschiedene Verhaltensweisen und Symptome bemerkbar machen k\u00f6nnen. Zu den Angstst\u00f6rungen z\u00e4hlen u. a. Panikst\u00f6rung, Phobie (Agoraphobie, soziale Phobie, spezifische Phobien), generalisierte Angstst\u00f6rung und posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS)). Daneben gibt es noch weitere Formen.<\/p>\n<h3>Panikst\u00f6rung<\/h3>\n<p>Eine Panikst\u00f6rung ist eine Form der Angstst\u00f6rung, die durch wiederholte Panikattacken gekennzeichnet ist. Panikattacken sind pl\u00f6tzlich und erwartet auftretende Angstanf\u00e4lle von zumeist relativ kurzer Dauer, die von verschiedenen Symptomen begleitet werden.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Anzeichen: M\u00f6gliche mit einer Panikattacke einhergehende Symptome sind u. a. Schmerzen in der Brust, Herzklopfen, Hitzewallungen, Schwitzen, gesteigerte Atemfrequenz, Atemnot und Schwindel. Die Panikattacke kann mit intensiven und erdr\u00fcckenden Angstgef\u00fchlen einhergehen, nicht selten kommt es zu Todesangst, dem Gef\u00fchl des Kontrollverlusts oder dem Gef\u00fchl, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht. Im Laufe der Zeit kann sich eine gr\u00f6\u00dfere Angst vor der n\u00e4chsten Attacke entwickeln (Erwartungsangst), was dazu f\u00fchren kann, dass sich Betroffene zunehmend zur\u00fcckziehen (agoraphobes Vermeidungsverhalten) \u2013 Panikst\u00f6rungen kommen manchmal in Kombination mit Agoraphobie (Angst vor der Au\u00dfenwelt) vor.<\/p>\n<h3>Phobie<\/h3>\n<p>Bei den Phobien wird unterschieden zwischen Agoraphobie, sozialer Phobie und spezifischen Phobien.<\/p>\n<h4>Agoraphobie<\/h4>\n<p>Die Agoraphobie, eine sehr h\u00e4ufige Form der Angstst\u00f6rung, beschreibt die Angst vor der Au\u00dfenwelt. Menschen mit Agoraphobie versp\u00fcren u. a. \u00c4ngste vor Situationen, aus welchen sie nicht \u201cfl\u00fcchten\u201c k\u00f6nnen; m\u00f6gliche von Menschen mit Agoraphobie als bedrohlich empfundene Situationen sind z. B. der Aufenthalt in Menschenmengen, der Aufenthalt auf freien Pl\u00e4tzen, Warteschlangen (z. B. an der Kassa im Supermarkt), Zug- und Busfahrten. Wie sich die Agoraphobie genau bemerkbar macht ist von Betroffenem zu Betroffenem verschieden \u2013 manche Menschen k\u00f6nnen sich ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme in Warteschlagen oder gut besuchten Restaurants aufhalten, haben jedoch Probleme auf gro\u00dfen Pl\u00e4tzen oder bei Zugfahrten und dem weiten Entfernen von zu Hause.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Anzeichen: Bei einer Agoraphobie kann es in Situationen, die \u00c4ngste hervorrufen und zu Angstanf\u00e4llen f\u00fchren u. a. zu Schwei\u00dfausbr\u00fcchen, Atembeschwerden, Herzrasen, Schwindelgef\u00fchlen, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und \u00dcbelkeit kommen. Die angstverursachenden Situationen werden von Betroffenen zunehmend gemieden und es kann zum Entstehen einer Angst vor der Angst kommen. In schweren F\u00e4llen kann die Agoraphobie so stark ausgepr\u00e4gt sein, dass Betroffene das Haus nur selten bzw. nicht verlassen, was zu einer stark herabgesetzten Lebensqualit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<h4>Soziale Phobie<\/h4>\n<p>Menschen mit sozialer Phobie versp\u00fcren \u00c4ngste in verschiedenen sozialen Bereichen des Lebens. Es ist normal, dass man in Situationen, in welchen man von nahestehenden oder fremden Menschen beobachtet wird bzw. im Mittelpunkt des Geschehens steht aufgeregt oder nerv\u00f6s ist \u2013 viele Menschen sind angespannt, gestresst oder eben \u00e4ngstlich, wenn sie z. B. vor vielen Menschen eine Rede (z. B. Hochzeitsrede) oder im Rahmen ihrer Arbeit eine Pr\u00e4sentation halten m\u00fcssen. Bei Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden f\u00fchren derartige Situationen allerdings zu starken Angstzust\u00e4nden. Betroffene haben Angst davor, dass sie sich blamieren k\u00f6nnten und kritisiert, erniedrigt und blo\u00dfgestellt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Bei den angstverursachenden Situationen kann es sich um Situationen handeln, in welchen Betroffene im Mittelpunkt stehen bzw. die mit einem Auftritt verbunden sind (z. B. das Halten einer Rede oder Pr\u00e4sentation) sowie um allt\u00e4gliche Situationen (z. B. Essen in einem Restaurant, Smalltalk, Diskussion mit Kollegen am Arbeitsplatz). Betroffene meiden soziale Situationen, in welchen sie einer Bewertung durch andere ausgesetzt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Anzeichen: Eine soziale Phobie kann sich in verschiedenen Situationen bemerkbar machen (z. B. unangemessene Angst davor, dass man beobachtet wird (auch in kleinen Gruppen), Angst vor dem Sprechen in der \u00d6ffentlichkeit, Angst davor, dass man sich blamiert und kritisiert wird, Angst vor dem Essen in der \u00d6ffentlichkeit etc.). Betroffene leiden h\u00e4ufig unter Selbstzweifeln und Unsicherheiten im Umgang mit anderen, Blickkontakt wird h\u00e4ufig vermieden. M\u00f6gliche k\u00f6rperliche\/psychosomatische Symptome sind Schwei\u00dfausbr\u00fcche, Err\u00f6ten, Herzrasen, h\u00e4ufiger Drang auf die Toilette zu gehen und \u00dcbelkeit. Diese Symptome k\u00f6nnen die Angst verst\u00e4rken, da Betroffene bef\u00fcrchten, dass andere Menschen diese bemerken und beurteilen k\u00f6nnten. Unbehandelt kann sich eine soziale Phobie negativ auf pers\u00f6nliche Beziehungen, das Berufsleben und das allt\u00e4gliche Leben auswirken.<\/p>\n<h4>Spezifische Phobien<\/h4>\n<p>Es gibt viele verschiedene spezifische Phobien. Ihnen gemein ist die gro\u00dfe Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen, die zu einer Reaktion, die nicht im Verh\u00e4ltnis zur tats\u00e4chlichen Gefahr steht und zu einem Vermeidungsverhalten f\u00fchrt. Sich vor bestimmten Situationen oder Objekten (z. B. gro\u00dfe H\u00f6he, Schlangen) zu f\u00fcrchten ist eine normale Reaktion auf Situationen, welche die eigene Gesundheit und das eigene Leben gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. Im Fall einer spezifischen Phobie stehen die Angstgef\u00fchle und Reaktionen jedoch nicht im Verh\u00e4ltnis zur tats\u00e4chlichen Gefahr bzw. kann auch schon der Gedanke oder eine nur sehr kurze Konfrontation mit der jeweiligen Situation zu Reaktionen f\u00fchren. Betroffene haben die Gef\u00fchlszust\u00e4nde nicht unter Kontrolle, auch Panikattacken k\u00f6nnen auftreten. Die jeweilige Phobie und der Versuch das angstausl\u00f6sende Objekt\/die angstausl\u00f6sende Situation zu meiden kann sich sehr st\u00f6rend auf das allt\u00e4gliche Leben auswirken.<\/p>\n<p>Spezifische Phobien sind z. B. die Angst vor bestimmten Tieren wie Kynopobie (Angst vor Hunden), Arachnophobie (Angst vor Spinnen) oder Ophidiophobie (Angst vor Schlangen), die Angst vor Situationen in der nat\u00fcrlichen Umwelt wie Angst vor H\u00f6hen (H\u00f6henangst, Akrophobie) und Angst vor Blitzen und Donner (Astraphobie), die Angst vor Blut (H\u00e4matophobie) und Spritzen (Trypanophobie) oder die Angst vor bestimmten Situationen wie das Fahren mit Aufz\u00fcgen (Fahrstuhlphobie). Dar\u00fcber hinaus gibt es noch eine Vielzahl an weiteren spezifischen Phobien.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Anzeichen: Die angstausl\u00f6sende Situation bzw. eine Konfrontation mit dem angstausl\u00f6senden Objekt kann u. a. zu Herzklopfen, Schmerzen im Brustbereich, Schwei\u00dfausbr\u00fcchen, Hitzewallungen, \u00dcbelkeit, W\u00fcrgereiz, Kopfschmerzen und Schwindel f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Generalisierte Angstst\u00f6rung<\/h3>\n<p>Eine weitere Form der Angstst\u00f6rung ist die generalisierte Angstst\u00f6rung, die durch ein anhaltend erh\u00f6htes Angstniveau, welches meistens ohne klare phobische Ausrichtung der Angst besteht, charakterisiert ist. Es liegt eine Art Verselbstst\u00e4ndigung der Angst vor, Betroffene leben in permanenter Sorge und \u00e4ngstlicher Anspannung, wobei sich dies auf viele Bereiche des allt\u00e4glichen Lebens beziehen kann. Die Sorgen k\u00f6nnen so \u00fcberm\u00e4\u00dfig sein, dass allt\u00e4gliche Handlungen und Arbeiten kaum\/nicht mehr m\u00f6glich sind. H\u00e4ufige Angstinhalte sind z. B. Gesundheit, Finanzen, Beziehungen, Arbeit und Weltgeschehen.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Anzeichen: Die Gedankeninhalte drehen sich um unrealistische Besorgnisse, m\u00f6gliche negative Ereignisse, \u00fcbertriebene Katastrophenerwartungen und deren Folgen. Kleine Probleme werden oft als gro\u00dfe Katastrophe wahrgenommen. Betroffene haben anhaltende \u00c4ngste und leiden unter innerlicher Unruhe und psychischer Anspannung, h\u00e4ufig auch unter erh\u00f6htem Muskeltonus, muskul\u00e4ren Verspannungen, Schlafst\u00f6rungen und deren Folgen, Schreckhaftigkeit und erh\u00f6hter Wachsamkeit gegen\u00fcber der Umwelt. Mit der Zeit entwickeln sich ein Vermeidungs- und R\u00fcckversicherungsverhalten (z. B. Meiden von Telefonaten, Autofahrten, Zugfahrten, Briefen und E-Mails). Zusammengefasst sind Betroffene die meiste Zeit angespannt, besorgt und ver\u00e4ngstigt, obwohl es zumeist keinen ersichtlichen Grund zur Sorge gibt. Nicht selten geht eine generalisierte Angstst\u00f6rung mit Selbstunsicherheiten, \u00dcberangepasstheit, Hang zum Perfektionismus, dem Wiederholen von Aufgaben und der Suche nach regelm\u00e4\u00dfiger Best\u00e4tigung und Absicherung durch andere einher. Typisch ist auch die Fragestellung \u201eJa, aber was ist wenn\u2026?\u201d.<\/p>\n<h3>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung<\/h3>\n<p>PTBS tritt in Folge eines traumatischen Ereignisses von au\u00dfergew\u00f6hnlicher Schwere bzw. eines psychischen Traumas auf, entweder innerhalb von sechs Monaten oder danach (verz\u00f6gerter Typ). Das traumatische Ereignis kann kurz- oder langandauernd gewesen sein (z. B. Krieg, das Erleben von k\u00f6rperlicher oder seelischer Gewalt, ein \u00dcberfall, das Erleben einer Naturkatastrophe, eine Diagnose) und nicht zwangsl\u00e4ufig muss die von PTBS betroffene Person selbst das Opfer gewesen sein; so kann sich eine PTBS beispielsweise auch bei professionellen Helfern, Soldaten oder Augenzeugen entwickeln.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Anzeichen: Es kommt zu einem fortgesetzten Wiedererleben des Traumas (z. B. in Form von Flashbacks, Tagtr\u00e4umen und Alptr\u00e4umen), das Trauma dr\u00e4ngt sich in der Erinnerung immer wieder auf. H\u00e4ufig sind Gef\u00fchle der Angst, der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins, ferner k\u00f6nnen depressive St\u00f6rungen, Gef\u00fchlsabstumpfung und emotionaler R\u00fcckzug auftreten. Betroffene zeigen in Situationen, die an das Trauma erinnern k\u00f6nnen ein intensives Vermeidungsverhalten und meiden Reize, die eine Wiedererinnerung an das jeweilige Trauma hervorrufen k\u00f6nnen. Weitere m\u00f6gliche Symptome sind u. a. Schlafst\u00f6rungen, Reizbarkeit, Konzentrationsst\u00f6rungen, erh\u00f6hte Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit. Die Symptome k\u00f6nnen von Betroffenem zu Betroffenem sehr unterschiedlich sein.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei einer Angstst\u00f6rung auftreten. Jeder Mensch mit einer Angstst\u00f6rung erlebt seine Angst auf seine eigene Art und Weise. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Ursachen<\/h2>\n<p>Die Entstehung einer Angstst\u00f6rung kann durch viele Faktoren beeinflusst werden, darunter genetische Pr\u00e4disposition und verschiedene Umweltfaktoren\/\u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse. Aus verschiedenen Studien geht u. a. hervor, dass bestimmte Gene sowie Balancest\u00f6rungen von bestimmten Neurotransmittern mit der Entstehung von Angst in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen. Psychosoziale Faktoren, die zur Entstehung einer Angstst\u00f6rung beitragen k\u00f6nnen sind emotional belastende Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, verbale, sexuelle, k\u00f6rperliche oder psychische Misshandlungen oder Traumen, \u00dcberbeh\u00fctung oder Dem\u00fctigung durch die Eltern, Ver\u00e4nderungen der Lebensumst\u00e4nde, belastende\/problematische Beziehungen, Belastungen im Bereich der Arbeit, psychischer Schock in Folge eines traumatischen Erlebnisses, Verlust eines geliebten Menschen u. a. Auch andauernde k\u00f6rperliche Erkrankungen (z. B. Herzerkrankungen, hormonelle St\u00f6rungen) k\u00f6nnen zur Entwicklung einer Angstst\u00f6rung beitragen. Ferner kommt starkem oder dauerhaftem Alkohol- und Drogenkonsum eine Bedeutung zu \u2013 besonders wenn die jeweilige Wirkung nachl\u00e4sst, kann es zu \u00c4ngsten und Panik kommen. Daneben gibt es noch weitere m\u00f6gliche Faktoren, welche die Entwicklung einer Angstst\u00f6rung beg\u00fcnstigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner bei den f\u00fcr Angstst\u00f6rungen genannten Anzeichen und bei Verdacht auf eine Angstst\u00f6rung oder eine andere psychische St\u00f6rung ist der Facharzt f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin.<\/p>\n<p>Psychische Erkrankungen sind nach wie vor oft ein Tabuthema. Aufgrund falscher Schamgef\u00fchle oder aus Angst vor Ausgrenzung f\u00e4llt es vielen Betroffenen schwer, sich professionelle Hilfe zu suchen. Psychische Erkrankungen sind jedoch so normal wie andere Erkrankungen auch, ebenso ist der Besuch der psychiatrischen Praxis nicht mehr \u201cbesonders\u201c als ein Termin beim Augenarzt oder Orthop\u00e4den. Wer bei sich selbst \u00fcber ein \u201cnormales Ma\u00df\u201c hinausgehende \u00c4ngste oder ein situationsspezifisches Vermeidungsverhalten feststellt oder sich aufgrund seiner \u00c4ngste im Alltag zunehmend beeintr\u00e4chtigt f\u00fchlt, sollte sich also nicht scheuen, einen Facharzt aufzusuchen und bei Bedarf Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mithilfe einer individuell angepassten Therapie ist es in vielen F\u00e4llen m\u00f6glich, die Angstst\u00f6rung erfolgreich zu behandeln.<\/p>\n<p>Die Diagnose einer Angstst\u00f6rung fu\u00dft vor allem auf einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch, bei welchem auf die \u00c4ngste, deren Dauer und Verlauf, auf m\u00f6gliche Ursachen und Ausl\u00f6ser, auf die Krankengeschichte und auf andere Punkte eingegangen wird.<\/p>\n<p>Da es sich bei Angst um einen emotionalen Zustand handelt, welcher bei allen Menschen vorkommt, besteht der Unterschied zwischen \u201cnormaler Angst\u201c und Angst im Rahmen einer Angstst\u00f6rung u. a. in der Dauer und Intensit\u00e4t der Angst, in deren Kontext und in einem aktiven Vermeidungsverhalten. Dar\u00fcber hinaus spielen bei der Abkl\u00e4rung auch der individuelle Leidensdruck, die Folgen der Angst f\u00fcr den Alltag und die Verminderung der Lebensqualit\u00e4t eine wichtige Rolle. Im Rahmen des Gespr\u00e4chs holt sich der Arzt m\u00f6glichst viele Informationen ein, um die Situation des Patienten bestm\u00f6glich erfassen zu k\u00f6nnen. Zu diesem Zweck k\u00f6nnen auch verschiedene spezielle Frageb\u00f6gen zum Einsatz kommen, welche es erm\u00f6glichen, das Ausma\u00df der Angstst\u00f6rung besser einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen verschiedene weitere Untersuchungen veranlasst werden (k\u00f6rperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Elektrokardiogramm (EKG), bildgebende Untersuchungen wie Magnetresonanztomographie (MRT), Elektroenzephalographie (EEG) u. a.), um organische Ursachen als Ursache f\u00fcr die Beschwerden auszuschlie\u00dfen. Der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Situation.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Die Therapie h\u00e4ngt von der jeweiligen Angstst\u00f6rung, von deren Intensit\u00e4t und m\u00f6glichen Ausl\u00f6sern und anderen Faktoren ab und wird f\u00fcr jeden Patienten individuell erstellt. Wichtiger Baustein in der Behandlung von Angstst\u00f6rungen sind psychotherapeutische Ma\u00dfnahmen. Erg\u00e4nzend zu diesen kann auch eine medikament\u00f6se Therapie, f\u00fcr welche verschiedene Wirkstoffe zur Verf\u00fcgung stehen, helfen die \u00c4ngste in den Griff zu bekommen. Eine individuell genau abgestimmte Therapie kann zu einem neuen Verst\u00e4ndnis der Krankheit beitragen, helfen st\u00f6rende Einstellungen auszuschalten und die Angst Schritt f\u00fcr Schritt abzubauen und zu einem Zustand zu f\u00fchren, in welchem der Betroffene die Angst kontrolliert und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Zu den psychotherapeutischen Ma\u00dfnahmen, die bei Angstst\u00f6rungen zur Anwendung kommen z\u00e4hlen unterst\u00fctzende Psychotherapie mit Aufkl\u00e4rung und ausf\u00fchrlich vermittelten Informationen \u00fcber die Erkrankung und die Behandlungsm\u00f6glichkeiten (Psychoedukation), problemorientierten Gespr\u00e4chen und konkreten Ratschl\u00e4gen, Arbeiten am Selbstwertgef\u00fchl und an einer gelasseneren Haltung, Symptomanalyse und anderen Inhalten, kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Psychotherapie und andere. Die kognitive Verhaltenstherapie basiert auf einer genauen St\u00f6rungsdiagnostik, welche hilft geeignete verhaltenstherapeutische Ma\u00dfnahmen auszuw\u00e4hlen und die Therapie zu planen. Hierf\u00fcr kann das F\u00fchren eines Angsttagebuchs durch den Patienten hilfreich sein. Im Anschluss an die St\u00f6rungsdiagnostik k\u00f6nnen verschiedene kognitive Strategien, eine Expositionstherapie, imaginative und andere Verfahren angewendet werden.<\/p>\n<p>Imaginationsverfahren sind Verfahren, bei welchen man sich bestimmte mentale Vorstellungen herbeif\u00fchrt um Empfindungen auszul\u00f6sen, die zur Entspannung f\u00fchren. In der Verhaltenstherapie werden imaginative Verfahren eingesetzt, um \u00fcber die Vorstellung von einer Reihe von genau strukturierten Situationen eine Verhaltensver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren. Ein imaginatives Verfahren ist z. B. die systematische Desensibilisierung, bei welcher sich der Patient die angstausl\u00f6sende Situation genau vorstellt, um so Entspannung in der Situation zu erlernen, die dann in der jeweiligen Angstsituation eingesetzt werden kann.<br \/>\nBei einer Konfrontationstherapie setzt sich der Patient bewusst der jeweiligen angstausl\u00f6senden Situation aus. Dies geschieht in der Gegenwart des Therapeuten, welcher hilft mit der Angst umzugehen. Durch das Durchf\u00fchren der \u201cpraktischen \u00dcbung\u201c erlebt der Patient, dass die bef\u00fcrchteten Folgen ausbleiben, die Erfahrung wird im Gehirn gespeichert und die Angst wird bei jeder Konfrontation mit dem jeweiligen Ausl\u00f6ser geringer. Die Konfrontationstherapie wird beispielsweise bei Phobien und Zwangsst\u00f6rungen angewendet.<\/p>\n<p>Weitere m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen, die im Rahmen der Behandlung zum Einsatz kommen k\u00f6nnen sind u. a. progressive Muskelentspannung und andere Entspannungsmethoden, Biofeedback-Therapie, Musiktherapie, Tanztherapie, Kunsttherapie und Rollenspiele. Allgemeine Ma\u00dfnahmen, welche sich g\u00fcnstig auf die psychische Gesundheit auswirken und mit welchen sich Betroffene selbst helfen k\u00f6nnen sind u. a. Entspannungsma\u00dfnahmen (z. B. Atem\u00fcbungen, Meditation, Yoga, autogenes Training), Sport\/ausreichend Bewegung (f\u00f6rdert Stressabbau) und gesunde Ern\u00e4hrung.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2457,2444,2413],"tags":[108,404,852,2574,2575,413,2573,733],"class_list":["post-2366","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-krankheit","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-allgemeinmedizin","tag-angst","tag-angststorung","tag-panickatacke","tag-phobie","tag-psychologie","tag-psyhciatrie","tag-verhaltenstherapie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5301,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2366\/revisions\/5301"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}