{"id":2343,"date":"2020-07-29T12:19:28","date_gmt":"2020-07-29T12:19:28","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/vitiligo-weissfleckenkrankheit\/"},"modified":"2023-02-16T21:36:40","modified_gmt":"2023-02-16T20:36:40","slug":"vitiligo-weissfleckenkrankheit","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/vitiligo-weissfleckenkrankheit\/","title":{"rendered":"Vitiligo (Wei\u00dffleckenkrankheit)"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Vitiligo?<\/h2>\n<p>Bei Vitiligo handelt es sich um eine chronische Hautkrankheit, die durch mangelhafte Pigmentierung\/Depigmentierung (\u201cWei\u00dff\u00e4rbung\u201c) der Haut gekennzeichnet ist. Bei Menschen mit Vitiligo bilden sich im Laufe des Lebens in bestimmten Hautarealen wei\u00dfe Flecken bzw. Stellen, die nur schwach oder gar nicht pigmentiert sind. Aufgrund des mit der Hautkrankheit einhergehenden Hautbildes wird Vitiligo auch als \u201cWei\u00dffleckenkrankheit\u201c oder \u201cScheckhaut\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Vitiligo ist weder gef\u00e4hrlich noch ansteckend und geht nicht mit k\u00f6rperlichen Beschwerden einher. Die Hauterkrankung ist somit eigentlich harmlos, kann f\u00fcr Betroffene aufgrund des auff\u00e4lligen Hautbildes jedoch, je nach Auspr\u00e4gung, eine gro\u00dfe psychische Belastung darstellen und zu einer Beeintr\u00e4chtigung der Lebensqualit\u00e4t f\u00fchren. Vitiligo kann bei Frauen und M\u00e4nnern auftreten und betrifft vor allem j\u00fcngere Menschen \u2013 in vielen F\u00e4llen tritt die Erkrankung bereits im Jugend- und fr\u00fchen Erwachsenenalter in Erscheinung. Nicht selten zeigt sich eine famili\u00e4re H\u00e4ufung.<\/p>\n<h2>Typen und Formen<\/h2>\n<p>Es werden verschiedene Typen und Formen unterschieden.<\/p>\n<h3>Typ 1 und Typ 2 Vitiligo<\/h3>\n<p>Abh\u00e4ngig vom Beginn der Erkrankung wird die Wei\u00dffleckenkrankheit unterteilt in Typ 1 und Typ 2 Vitiligo. Typ 1 Vitiligo, auch als pr\u00e4pubert\u00e4re Vitiligo bezeichnet, tritt bereits vor Beginn der Pubert\u00e4t in Erscheinung und ist eher selten. Viele Betroffene leiden zus\u00e4tzlich auch an Neurodermitis und stellenweiser Grauhaarigkeit und haben zudem h\u00e4ufig viele Muttermale (Halo-Naevi). Typ 2 Vitiligo macht den gr\u00f6\u00dften Teil aller F\u00e4lle aus, beginnt nach der Pubert\u00e4t und wird im Gegensatz zu Typ 1 Vitiligo nicht von verst\u00e4rkter Muttermalbildung, verst\u00e4rkter Grauhaarigkeit und Neurodermitis begleitet.<\/p>\n<h3>Lokalisierte und generalisierte Verlaufsform<\/h3>\n<p>Je nach Auspr\u00e4gung der Wei\u00dffleckenkrankheit werden eine lokalisierte und generalisierte Verlaufsform unterschieden. Bei der lokalen Form treten die wei\u00dfen Flecken vereinzelt am K\u00f6rper auf, bei der generalisierten Vitiligo sind mehrere K\u00f6rperpartien betroffen, zumeist gro\u00dffl\u00e4chiger. Zudem gibt es, je nach Auspr\u00e4gung und Lokalisation der Flecken, verschiedene Unterformen, darunter u. a. Vitiligo vulgaris (Unterform der generalisierten Vitiligo, tritt am h\u00e4ufigsten auf), bei welcher sich an verschiedenen K\u00f6rperstellen gro\u00dffl\u00e4chig wei\u00dfe Flecken bilden, und Vitiligo acrofacialis, bei welcher die Hautver\u00e4nderungen auf das Gesicht, die H\u00e4nde und die F\u00fc\u00dfe beschr\u00e4nkt sind. Sind beide K\u00f6rperseiten parallel betroffen, ist von nicht-segmentaler Vitiligo die Rede, beschr\u00e4nken sich die Flecken auf eine K\u00f6rperseite, dann handelt es sich um eine segmentale Vitiligo.<\/p>\n<h2>Ursachen<\/h2>\n<p>Die genauen Ursachen von Vitiligo sind bislang nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Angenommen wird, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt. Unter einer Autoimmunerkrankung versteht man eine Erkrankung, bei welcher sich das Immunsystem gegen k\u00f6rpereigene Strukturen richtet. Im Fall der Wei\u00dffleckenkrankheit sind die Pigmentzellen (Melanozyten) der Haut betroffen, welche das Pigment Melanin produzieren. Melanin sch\u00fctzt die Haut vor UV-Strahlung; die Haut ist umso dunkler, je mehr Melanin vorhanden ist. Bei Vitiligo kommt es zu einer morphologischen und funktionellen Sch\u00e4digung von Melanozyten, wodurch die Melanin-Bildung beeintr\u00e4chtigt wird bzw. unterbleibt, was in weiterer Folge zur Entstehung der f\u00fcr Vitiligo typischen pigmentfreien Flecken f\u00fchrt. Erbliche Veranlagung d\u00fcrfte eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit der Erkrankung spielen.<br \/>\nEs werden verschiedene Faktoren diskutiert, welche die Ausl\u00f6sung der Erkrankung f\u00f6rdern k\u00f6nnen (Triggerfaktoren). Hierzu z\u00e4hlen psychische Belastung\/psychischer Stress, physischer Stress, intensive Sonnenbestrahlung, Sonnenbr\u00e4nde, lokale Hautreizungen und Verletzungen der Haut. Weiters tritt Vitiligo h\u00e4ufig in Zusammenhang mit bestimmten anderen Autoimmunerkrankungen auf, darunter Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes mellitus Typ 1 und Neurodermitis. Bei Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Hashimoto-Thyreoiditis kann sich ein etwas progressiverer (voranschreitend) Verlauf zeigen.<\/p>\n<h2>Symptome und Verlauf<\/h2>\n<p>Vitiligo \u00e4u\u00dfert sich durch Flecken auf der Haut, die schwach bzw. nicht pigmentiert und damit wei\u00df sind. Die Flecken variieren hinsichtlich ihrer Gr\u00f6\u00dfe, haben unregelm\u00e4\u00dfige R\u00e4nder und grenzen sich scharf von der umgebenden Haut ab, manche gehen auch ineinander \u00fcber. Die Flecken k\u00f6nnen sich langsam ausweiten und zunehmend mehr Hautareale betreffen. Sie k\u00f6nnen an den H\u00e4nden, Finger- und Handgelenken, Ellenbogen, Unterarmen, Knien, F\u00fc\u00dfen, am Hals, im Bereich des Gesichts, im Anogenitalbereich und an vielen anderen Stellen auftreten. Grunds\u00e4tzlich kann jede K\u00f6rperstelle betroffen sein, neben behaarter Haut auch die Schleimh\u00e4ute und die Augen. Im Bereich der depigmentierten Haut besteht praktisch kein Eigenschutz vor UV-Strahlen.<\/p>\n<p>Der Verlauf kann bei jedem Menschen unterschiedlich sein. Treten erstmals wei\u00dfe Flecken auf, k\u00f6nnen sie sich allm\u00e4hlich oder aber auch relativ schnell ausbreiten, eine Ausbreitung ist aber nicht zwingend. Die Auspr\u00e4gungen und Verl\u00e4ufe reichen von einzelnen kleinen Flecken, die \u00fcber lange Zeit stabil bleiben bis hin zu einer beinahe vollst\u00e4ndigen Depigmentierung der Haut. Prinzipiell verl\u00e4uft Vitiligo in Sch\u00fcben, wobei es zu teilweise langen Phasen des Stillstandes kommen kann, in welchen auch spontane Repigmentierungen einzelner Stellen m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Abseits von den Hautver\u00e4nderungen sind Patienten mit Vitiligo in der Regel beschwerdefrei. Die Hautkrankheit verursacht also keine weiteren k\u00f6rperlichen Symptome. Nichtsdestotrotz ist die Wei\u00dffleckenkrankheit kein reines kosmetisches Problem oder eine Hauterkrankung, die ohne Weiteres als harmlos bezeichnet werden kann, denn f\u00fcr Betroffene stellt sie h\u00e4ufig eine gro\u00dfe psychische Belastung dar. Vitiligo und andere Hauterkrankungen, die nach au\u00dfen f\u00fcr andere Menschen sichtbar sind (z. B. Psoriasis, starke Akne) k\u00f6nnen \u2013 in Zeiten, in welchen Sch\u00f6nheitsideale vorherrschen, die sich u. a. durch makellose Haut auszeichnen und in welchen das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild f\u00fcr das k\u00f6rperliche und psychische Wohlbefinden eine bedeutende Rolle spielt \u2013 mit einem hohen Leidensdruck einhergehen. Sie k\u00f6nnen sich auf das Selbstbewusstsein auswirken und dazu f\u00fchren, dass sich Betroffene in ihrer Haut sprichw\u00f6rtlich nicht wohlf\u00fchlen, sich sch\u00e4men und unter Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung zu leiden haben.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner bei Vitiligo ist der <a href=\"\/suche\/hautarzt\">Facharzt f\u00fcr Haut- und Geschlechtskrankheiten<\/a>. Zu Beginn der Abkl\u00e4rung steht das ausf\u00fchrliche Anamnesegespr\u00e4ch, bei welchem Informationen zur Krankengeschichte eingeholt (z. B. hinsichtlich m\u00f6glicher Grunderkrankungen, anderer Hauterkrankungen, eingenommener Medikamente etc.) und Patienten zu den Hautver\u00e4nderungen befragt werden (z. B. Fragen danach, seit wann die Hautver\u00e4nderungen bestehen bzw. wann diese erstmals aufgefallen sind, ob es im Laufe der Zeit hinsichtlich der Anzahl und Gr\u00f6\u00dfe der Flecken Ver\u00e4nderungen gegeben hat, ob andere Familienmitglieder ebenfalls Flecken aufweisen, ob es bereits Behandlungsversuche gegeben hat etc.). Im Anschluss erfolgt die k\u00f6rperliche Untersuchung, bei welcher die Haut am ganzen K\u00f6rper begutachtet wird. Die betroffenen Hautpartien werden zumeist auch fotografiert, um Ver\u00e4nderungen und den Verlauf gut nachvollziehen zu k\u00f6nnen (Fotodokumentation des Ausgangsbefunds zur weiteren Verlaufskontrolle). Au\u00dferdem werden die betroffenen Hautstellen mit Hilfe einer speziellen Lampe (Wood-Licht, langwelliges ultraviolettes Licht), in welcher die Flecken wei\u00df-gelblich erscheinen, untersucht. H\u00e4ufig wird auch eine Blutuntersuchung veranlasst, um das Blut auf spezielle Antik\u00f6rper zu untersuchen und m\u00f6gliche Begleiterkrankungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes) auszuschlie\u00dfen bzw. festzustellen.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Vitiligo ist bislang nicht heilbar, es stehen jedoch verschiedene Behandlungsma\u00dfnahmen zur Verf\u00fcgung, die helfen das Voranschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und weiteren Sch\u00fcben vorzubeugen. Durch eine individuell angepasste Behandlung und eine entsprechend lange Therapiedauer kann es in bestimmten F\u00e4llen auch m\u00f6glich sein, eine Repigmentierung von einzelnen wei\u00dfen Stellen zu erreichen.<\/p>\n<p>Zu den Behandlungsma\u00dfnahmen z\u00e4hlen u. a. Medikamente, die lokal (als Creme) auf die Haut aufgetragen werden (Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren), die orale Gabe von Steroiden, verschiedene Phototherapie-Verfahren und Pigmentzelltransplantation (Transplantation von Melanozyten, chirurgische Therapie). Bei einer Phototherapie werden die wei\u00dfen Hautflecken gezielt mit UV-Licht einer bestimmten Wellenl\u00e4nge bestrahlt, die Therapie kann auch mit verschiedenen Wirkstoffen kombiniert werden. Welche Therapiema\u00dfnahmen geeignet sind und wie sich die Behandlung gestaltet h\u00e4ngt von der Lage und Ausdehnung der wei\u00dfen Stellen, vom Verlauf der Erkrankung, vom Alter des Patienten und von anderen Faktoren ab. Da es im Bereich der depigmentierten Haut keinen Schutz vor UV-Strahlen gibt, ist es besonders wichtig, dass Betroffene die jeweiligen Hautpartien konsequent vor direkter Sonneneinstrahlung sch\u00fctzen und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.<\/p>\n<p>Daneben kann es helfen, verschiedene Ma\u00dfnahmen auszuprobieren, mittels welcher die betroffenen Stellen farblich an die normal pigmentierte Haut angepasst oder kaschiert werden. Hierzu z\u00e4hlen u. a. die Reduktion von Br\u00e4unung der normal pigmentierten Haut und damit des Kontrasts zwischen pigmentierter und nicht-pigmentierter Haut und deckende Kosmetika, die in verschiedenen Darreichungsformen zur Verf\u00fcgung stehen (z. B. Camouflage-Make-up, Puder mit Mineralpigmenten, Selbstbr\u00e4uner).<\/p>\n<p>Weiters ist Stressabbau sehr wichtig. Betroffene, die psychisch unter der Erkrankung leiden, k\u00f6nnen auch von psychologischer Unterst\u00fctzung und einem Austausch mit anderen Vitiligo-Patienten (z. B. in Selbsthilfegruppen, Online-Foren) profitieren. Nicht zuletzt k\u00f6nnen auch das Arbeiten an der eigenen Einstellung sich selbst gegen\u00fcber und ein Perspektivenwechsel helfen, besser mit der Erkrankung zurecht zu kommen und das eigene Selbstwertgef\u00fchl nicht von Flecken beherrschen zu lassen \u2013 in Zeiten von Medien, die zeigen, wie man auszusehen hat, um Anerkennung zu erfahren und dazu verleiten, dass man sich st\u00e4ndig vergleicht ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass hinter perfekten Bildern zumeist viel Make-up auf einer \u201cunperfekten\u201c Haut steckt und, dass Sch\u00f6nheit stets im Auge des Betrachters liegt. Flecken machen Haut nicht h\u00e4sslich, sondern einfach zu etwas Besonderem.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2405,2457],"tags":[1960,254,2586,2587],"class_list":["post-2343","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-haut-und-geschlechtskrankheiten","category-krankheit","tag-autoimmunerkrankung","tag-dermatologie","tag-vitiligo","tag-weissfleckenkrankheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2343\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5311,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2343\/revisions\/5311"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}