{"id":2329,"date":"2024-07-08T13:40:05","date_gmt":"2024-07-08T11:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/tetanus-wundstarrkrampf\/"},"modified":"2024-07-09T12:42:34","modified_gmt":"2024-07-09T10:42:34","slug":"tetanus-wundstarrkrampf","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/tetanus-wundstarrkrampf\/","title":{"rendered":"Tetanus (Wundstarrkrampf)"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Tetanus?<\/h2>\n<p>Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine Infektionskrankheit. Hervorgerufen wird sie durch eine Infektion mit dem Erreger Clostridium tetani. Vorbedingung f\u00fcr eine Infektion ist eine Verletzung, \u00fcber welche Sporen des Erregers in den K\u00f6rper gelangen k\u00f6nnen. Nach Eintritt in die Wunde bildet Clostridium tetani zwei Exotoxine (Giftstoffe), welche im K\u00f6rper schwere Sch\u00e4den anrichten; unbehandelt nimmt Wundstarrkrampft einen t\u00f6dlichen Verlauf.<\/p>\n<p>Tetanus ist weltweit verbreitet, wobei es teils gro\u00dfe regionale Unterschiede gibt. In L\u00e4ndern mit schlechter medizinischer Versorgung und niedrigen Impfquoten erkranken und sterben nach wie vor viele Menschen an Tetanus, in Europa und Nordamerika kommt die Krankheit aufgrund umfassender Impfungen wesentlich seltener vor. Laut Sch\u00e4tzungen gibt es in Deutschland etwa zehn bis 15, in \u00d6sterreich etwa zwei bis zehn F\u00e4lle j\u00e4hrlich*.<\/p>\n<h2>Was sind die Ursachen?<\/h2>\n<p>Ursache f\u00fcr Tetanus ist eine Infektion mit Clostridium tetani. Hierbei handelt es sich um ein anaerobes (in sauerstofffreiem Milieu lebend) sporenbildendes St\u00e4bchenbakterium. Clostridium tetani ist allgegenw\u00e4rtig, die Sporen kommen \u00fcberall im Erdreich sowie im Kot von Pferden und anderen Tieren vor. Sie sind sehr widerstandsf\u00e4hig gegen Desinfektionsmittel und Hitze und k\u00f6nnen unter guten Bedingungen lange Zeit \u00fcberleben.<\/p>\n<h2>Wie wird Tetanus \u00fcbertragen?<\/h2>\n<p>Zur Krankheit kommt es in Folge einer Wundinfektion. Die Verletzungen und Wunden m\u00fcssen nicht gro\u00df oder offen sein, bereits kleinere Verletzungen bzw. kaum sichtbare Bagatellverletzungen (z. B. Einziehen eines kleinen Holzsplitters in die Haut, kleiner Schnitt) k\u00f6nnen gef\u00e4hrlich sein. Eine \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch ist nicht m\u00f6glich, an Tetanus erkrankte Menschen sind also nicht ansteckend. Die Ansteckung kann allerdings auch im Rahmen der Geburt erfolgen, wenn Kinder von unzureichend immunisierten M\u00fcttern entbunden werden und die hygienische Behandlung des Nabels unzureichend ist (neonatale Form).<\/p>\n<p>Die Erreger gelangen \u00fcber eine Wunde in den K\u00f6rper, vermehren sich (unter anaeroben Bedingungen\/Abwesenheit von Sauerstoff) und produzieren ihre Exotoxine, darunter Tetanolysin und Tetanospasmin. Tetanolysin hat eine h\u00e4molytische und vermutlich auch eine kardiotoxische Wirkung, was bedeutet, dass es die roten Blutk\u00f6rperchen aufl\u00f6st bzw. zerst\u00f6rt und wom\u00f6glich auch das Herz beeintr\u00e4chtigt bzw. Sch\u00e4den am Herzen verursacht. Tetanospasmin l\u00f6st \u00fcber verschiedene Wege die f\u00fcr Tetanus typischen Muskelspasmen (Muskelkr\u00e4mpfe) aus.<\/p>\n<h2>Wie lange dauert die Inkubationszeit?<\/h2>\n<p>Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen dem Eindringen der Erreger in den K\u00f6rper und dem Auftreten der ersten Symptome\/Ausbruch der Krankheit) ist unterschiedlich und variiert zwischen drei Tagen und drei Wochen.<\/p>\n<h2>Was sind die Symptome?<\/h2>\n<p>Bei Tetanus werden verschiedene Formen unterschieden. Am h\u00e4ufigsten ist die generalisierte Form. Typisch sind starke Muskelkr\u00e4mpfe (Spasmen), die verschiedene Muskelpartien betreffen k\u00f6nnen. Bei einem tonischen Spasmus kommt es zu einer gleichf\u00f6rmigen und \u00fcblicherweise l\u00e4nger anhaltenden Kontraktion, bei einem klonischen Spasmus (Klonus) kommt es abwechselnd zu Kontraktionen und Entspannung der Muskelfasern, h\u00e4ufig in kurzer zeitlicher Folge.<\/p>\n<p>Generalisierter Tetanus beginnt meistens ohne Fieber mit tonischen Kr\u00e4mpfen der Skelettmuskulatur. Betroffene haben einen charakteristisch verspannten Gesichtsausdruck, durch die Kr\u00e4mpfe scheinen sie st\u00e4ndig zu l\u00e4cheln (\u00e4hnlich wie bei einem fixierten L\u00e4cheln, Risus sardonicus), typisch sind zudem eine Kiefer- bzw. Mundklemme \u2013 der Mund kann nicht (vollst\u00e4ndig) oder nur unter Schmerzen ge\u00f6ffnet werden. Ist die Rachenmuskulatur betroffen, kommt es zu Schluckst\u00f6rungen, auch ein Laryngospasmus (krampfartige reflektorische Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur mit Verengung des Kehlkopfs und Verschluss der Stimmritze, Stimmritzenkrampf) kann vorkommen. Auch die R\u00fcckenmuskulatur ist von starken Kr\u00e4mpfen betroffen. Betroffene weisen eine opisthotone K\u00f6rperhaltung auf, der R\u00fccken wird \u00fcberstreckt und durchgebogen, bei sehr starken Kr\u00e4mpfen und gleichzeitigen Spasmen der Flexoren und Extensoren kann es im Bereich der Wirbels\u00e4ule zu Frakturen (Wirbelbruch) kommen. Es k\u00f6nnen pl\u00f6tzliche schmerzhafte Kontraktionen ganzer Muskelgruppen (klonische Kr\u00e4mpfe) auftreten. M\u00f6glich sind zudem Kopfschmerzen, Schwindel, Schwei\u00dfausbr\u00fcche, Blutdruckschwankungen und Durchblutungsst\u00f6rungen. Im Verlauf der Krankheit kommt es zu respiratorischen (die Atmung betreffenden) Komplikationen (z. B. verengte Atemwege, Sekretstau, Entz\u00fcndungen der Lunge), die zu Ateminsuffizienz f\u00fchren. Ein Befall der Atemmuskulatur bedeutet akute Lebensgefahr. Unbehandelt f\u00fchrt Tetanus zum Tod, Todesursachen sind vor allem Atemversagen und kardiovaskul\u00e4re Komplikationen. Eine Tetanuserkrankung hinterl\u00e4sst keine Immunit\u00e4t.<\/p>\n<p>Bei der lokalen Form beschr\u00e4nken sich die Symptome meistens auf die Umgebung der Eintrittspforte \u2013 die Muskelkr\u00e4mpfe treten also im Bereich der Eintrittsstelle der Bakterien auf. Eine lokale Tetanuserkrankung kommt selten und zumeist bei einer Teilimmunit\u00e4t vor (bestehender Rest-Impfschutz). In der Regel verl\u00e4uft ein lokalisierter Tetanus weniger schwer als die generalisierte Form, die Prognose ist also besser als bei generalisiertem Tetanus.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei Tetanus auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Wie wird Tetanus diagnostiziert?<\/h2>\n<p>Liegt eine vollst\u00e4ndige Grundimmunisierung vor und wurden Auffrischimpfungen fristgem\u00e4\u00df durchgef\u00fchrt, ist eine Erkrankung unwahrscheinlich. Ist dies nicht der Fall und treten in Folge einer Wundverletzung Muskelsteifigkeit und Muskelkr\u00e4mpfe auf, ist eine Tetanuserkrankung wahrscheinlich. Die Diagnose wird anhand des typischen klinischen Befundes gestellt, zur weiteren Abkl\u00e4rung und Absicherung der Diagnose werden Tests durchgef\u00fchrt, mittels welcher die Toxine im Wundmaterial oder Blutserum des Patienten nachgewiesen werden k\u00f6nnen (Toxinnachweis mittels Neutralisationstest).<\/p>\n<h2>Wie erfolgt die Behandlung von Tetanus?<\/h2>\n<p>Die Behandlung umfasst mehrere Ma\u00dfnahmen, darunter die m\u00f6glichst schnelle gr\u00fcndliche chirurgische Versorgung der Wunde und die Gabe von Antibiotika. Mittels antibiotischer Behandlung ist es nicht m\u00f6glich, bereits produzierte und zirkulierende Toxine zu verringern, bestimmte Antibiotika sind jedoch gegen die Erreger und damit gegen die Quelle der Toxinbildung wirksam. Um noch nicht gebundene Toxine zu neutralisieren, wird humanes Tetanus-Immunglobulin (Antik\u00f6rper) gespritzt. Weitere Behandlungsma\u00dfnahmen konzentrieren sich auf den Erhalt vitaler Funktionen, die Behandlung der Muskelkr\u00e4mpfe und Entspannung der Muskulatur und auf das Verhindern m\u00f6glicher Komplikationen. Letztgenanntes beinhaltet vor allem das Freihalten der Atemwege und das Unterst\u00fctzen der Atmung. Notfalls werden Patienten auch k\u00fcnstlich beatmet.<\/p>\n<h2>Impfung gegen Tetanus<\/h2>\n<h3>Tetanus-Impfung bei Kindern<\/h3>\n<p>Da die Erreger in der Umwelt allgegenw\u00e4rtig sind, wird die Tetanus-Impfung jedem empfohlen. Eine Tetanuserkrankung hinterl\u00e4sst keine Immunit\u00e4t. Die Impfung stellt die einzige M\u00f6glichkeit dar, um sich wirksam gegen eine Infektion zu sch\u00fctzen. In L\u00e4ndern mit funktionierendem Impfsystem und konsequenter Durchimpfung der Bev\u00f6lkerung konnte die Zahl der Krankheitsf\u00e4lle stark reduziert werden.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich ist die Impfung gegen Tetanus im kostenlosen Impfprogramm enthalten. Sie wird im Rahmen der<a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/6-fach-impfung\/\"> 6-fach-Impfung<\/a> im dritten, f\u00fcnften und 12. (bis 14.) Lebensmonat verabreicht (Grundimmunisierung). Die Grundimmunisierung erfolgt nach dem 2+1 Schema (im ersten Lebensjahr: zweite Dosis nach zwei Monaten, dritte Dosis sechs bis 12 Monate nach der zweiten Impfung; ab vollendetem ersten Lebensjahr: zweite Dosis nach einem Monat bis zwei Monaten, dritte Dosis sechs bis 12 Monate nach der zweiten Dosis). Im Schulalter (siebtes (bis neuntes) Lebensjahr) wird die Kombinationsimpfung (Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio) wiederholt (Auffrischungsimpfung).<\/p>\n<h3>Tetanus-Impfung bei Erwachsenen<\/h3>\n<p>Nach der Grundimmunisierung und auffrischenden Impfung im Schulalter sollte bis zum vollendenden 60. Lebensjahr alle zehn Jahre eine Auffrischung erfolgen (Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio), danach alle f\u00fcnf Jahre.<\/p>\n<p>Bei Fragen zur Tetanus-Impfung, dem Impfschema und m\u00f6glichen Nebenwirkungen ist es ratsam, sich beim<a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\"> praktischen Arzt oder \u00c4rztin<\/a> beraten zu lassen. Wichtige Informationen zur Tetanus-Impfung und zu anderen Schutzimpfungen sind zudem dem aktuellen \u00f6sterreichischen Impfplan zu entnehmen.<\/p>\n<p>*Angaben variieren in der Literatur<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2430,2457],"tags":[108,370,545,2595,2596],"class_list":["post-2329","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-infektiologie","category-krankheit","tag-allgemeinmedizin","tag-bakterien","tag-infektiologie","tag-tetanus","tag-wundstarrkrampf"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15306,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2329\/revisions\/15306"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2330"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}