{"id":2318,"date":"2020-07-20T12:04:55","date_gmt":"2020-07-20T12:04:55","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/toxoplasmose-ansteckung-symptome-vorbeugende-massnahmen\/"},"modified":"2023-02-27T13:12:01","modified_gmt":"2023-02-27T12:12:01","slug":"toxoplasmose-ansteckung-symptome-vorbeugende-massnahmen","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/toxoplasmose-ansteckung-symptome-vorbeugende-massnahmen\/","title":{"rendered":"Toxoplasmose &#8211; Ansteckung, Symptome, vorbeugende Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Toxoplasmose?<\/h2>\n<p>Toxoplasmose ist eine durch Parasiten verursachte Infektionskrankheit. Sie kann Kinder und Erwachsene betreffen. Erreger ist Toxoplasma gondii, ein weltweit vorkommender Parasit. Bei ansonsten gesunden und immunkompetenten Menschen (Menschen mit funktionierendem Immunsystem) verl\u00e4uft die Infektion zumeist unbemerkt. In manchen F\u00e4llen kann es zu grippe\u00e4hnlichen Symptomen kommen, in der Regel verursacht Toxoplasmose jedoch keine Symptome. Anders sieht dies bei Menschen mit geschw\u00e4chtem Immunsystem sowie bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft aus \u2013 in solchen F\u00e4llen kann eine Infektion mit ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen einhergehen.<\/p>\n<h2>Toxoplasmose \u2013 Ursache und Ansteckung<\/h2>\n<p>Toxoplasmose wird durch die orale Aufnahme des Parasiten Toxoplasma gondii bzw. dessen Oozysten (gr. oos, Ei und kystis, Blase; Entwicklungsstadium im Lebenszyklus des Parasiten) verursacht. Hauptendwirt des Erregers sind Katzen \u2013 in deren Darmepithel erfolgt die geschlechtliche Vermehrung der Parasiten. So entstehen die Oozysten, die mit dem Katzenkot ausgeschieden werden und nach einer Reifungsphase (Sporulation; in Abh\u00e4ngigkeit von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und anderen Bedingungen ca. zwei bis vier Tage) im Freien infekti\u00f6s werden.<\/p>\n<p>Es gibt mehrere Ansteckungswege und Ansteckungsquellen. Die Ansteckung kann beispielsweise bei der Reinigung der Katzentoilette erfolgen, indem die Person mit dem infekti\u00f6sen Kot der Katze in Kontakt kommt und sich im Anschluss unbemerkt mit den nicht gr\u00fcndlich gewaschenen H\u00e4nden an den Mund fasst (Kontakt-\/Schmierinfektion). \u00c4hnlich kann es sich bei der Gartenarbeit verhalten, wenn jemand in durch Katzenkot verunreinigter Erde gr\u00e4bt und sich dazwischen oder danach mit den ungewaschenen H\u00e4nden an den Mund greift.<\/p>\n<p>Die Infektion kann auch auf den Verzehr von Gem\u00fcse und Obst, die in Bodenn\u00e4he bzw. in der Erde wachsen und unter Umst\u00e4nden verunreinigt und infekti\u00f6s sind, zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Ein weiterer wichtiger Ansteckungsweg ist der Verzehr von rohem oder ungen\u00fcgend behandeltem Fleisch, in welchem sich lebende Toxoplasma-Zysten befinden k\u00f6nnen. Infektionsquellen sind z. B. Fleisch von Schweinen, Schafen und Ziegen und Gefl\u00fcgel. Die Tiere k\u00f6nnen beispielsweise auf Weidefl\u00e4chen mit Katzenkot in Kontakt kommen, der Verzehr von rohen oder ungen\u00fcgend erhitzten Fleisch- und Wurstprodukten kann dann zur Infektion f\u00fchren. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zysten in rohem und bei etwa 4\u00b0C gek\u00fchltem Fleisch so lange infekti\u00f6s bleiben wie das Fleisch f\u00fcr den Verzehr geeignet ist, durch K\u00fchlung bei -21\u00b0C oder ein l\u00e4ngeres Erhitzen (ca. 20 Minuten) mit einer Kerntemperatur von mindestens 50\u00b0C k\u00f6nnen die Erreger abget\u00f6tet werden. Au\u00dferdem kann Toxoplasma gondii \u00fcber die Plazenta auf das ungeborene Kind \u00fcbertragen werden, wenn eine Erstinfektion der Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft erfolgt.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Im Fall einer Infektion bildet der K\u00f6rper spezifische Antik\u00f6rper (k\u00f6rpereigene Abwehrstoffe) gegen Toxoplasma gondii. Ein Teil der Antik\u00f6rper verbleibt auch nach der Ausheilung im K\u00f6rper, sodass man im Fall einer weiteren Infektion gesch\u00fctzt ist. Bei Menschen mit einer Immunschw\u00e4che kann sich Toxoplasmose erneut entwickeln. Bei ansonsten gesunden immunkompetenten Menschen verl\u00e4uft eine akute Infektion in den meisten F\u00e4llen asymptomatisch (ohne erkennbare Symptome), ein Gro\u00dfteil aller Kinder und Erwachsenen bemerkt die Infektion nicht. In manchen F\u00e4llen kann sich die Toxoplasma-Infektion durch ein grippe\u00e4hnliches Krankheitsbild mit Fieber und Lymphadenitis (Lymphknotenentz\u00fcndung, reaktive Lymphknoten) \u00e4u\u00dfern. Vorwiegend betroffen sind der Kopf- und Halsbereich, gelegentlich betrifft die Lymphadenitis den ganzen K\u00f6rper. In sehr seltenen F\u00e4llen betrifft die Toxoplasmose bei immunkompetenten Menschen auch andere Gewebe und Organe (z. B. Retinochorioiditis \u2013 Entz\u00fcndung der Netz- und Aderhaut im Auge, Enzephalitis \u2013 Gehirnentz\u00fcndung). Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen dem Eindringen des Erregers in den K\u00f6rper und dem Auftreten der ersten Symptome\/dem Ausbruch der Krankheit, betr\u00e4gt etwa zwei bis drei Wochen.<\/p>\n<p>Die Auflistung der Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Im Zweifelsfall sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<p>Bei immunsupprimierten Menschen kann Toxoplasmose wesentlich schwerer verlaufen. Sie kann nach einer Reaktivierung einer latenten (verborgenen) Infektion oder, wenn auch seltener, nach einer Neuinfektion zu einer schweren und auch lebensbedrohlichen Erkrankung f\u00fchren. In einem gro\u00dfen Teil aller F\u00e4lle haben sich Betroffene bereits fr\u00fcher mit dem Erreger infiziert, welcher sich dann l\u00e4nger unbemerkt im K\u00f6rper befindet und irgendwann reaktiviert wird (z. B. bei Immunschw\u00e4che bei einer HIV-Infektion). Es kann sich z. B. eine Enzephalitis entwickeln, auch die Lunge, die Leber und andere Organe k\u00f6nnen beteiligt sein.<\/p>\n<h2>Toxoplasmose in der Schwangerschaft<\/h2>\n<p>Zu einer pr\u00e4natalen Toxoplasma-Infektion kann es kommen, wenn sich die werdende Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft erstmals infiziert. Bei einer Infektion vor Beginn der Schwangerschaft ist das Kind in der Regel durch die Antik\u00f6rper der immunkompetenten Mutter vor einer Infektion gesch\u00fctzt. Bei einer Erstinfektion der Mutter w\u00e4hrend einer Schwangerschaft h\u00e4ngen das Infektionsrisiko f\u00fcr das Kind und das klinische Bild\/Ausma\u00df der m\u00f6glichen Sch\u00e4digungen vom Zeitpunkt der Infektion ab Schwangerschaftsbeginn und von anderen Faktoren ab. Mit der Dauer der Schwangerschaft nimmt die Wahrscheinlichkeit einer \u00dcbertragung \u00fcber die Plazenta zu, die Schwere des m\u00f6glichen Krankheitsbildes beim Kind nimmt eher ab. Bei einer unbehandelten Infektion der Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel kann es zu einer Fehlgeburt kommen; in Folge einer Erstinfektion der Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft kann es beim Kind zu Sch\u00e4den an verschiedenen Organsystemen kommen. In manchen F\u00e4llen, vor allem bei einer Infektion in der sp\u00e4ten Schwangerschaft, kann die Infektion zun\u00e4chst unauff\u00e4llig verlaufen, nach Jahren bzw. im sp\u00e4teren Verlauf k\u00f6nnen sich beim Kind dann Folge- und Sp\u00e4tsch\u00e4den (z. B. Sehst\u00f6rungen, psychomotorische\/mentale Entwicklungsverz\u00f6gerungen) der im Mutterleib erworbenen Toxoplasmose zeigen.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Bei Menschen mit gesundem Immunsystem verl\u00e4uft eine akute Toxoplasmose zumeist ohne erkennbare Symptome. In manchen F\u00e4llen geht sie mit grippe\u00e4hnlichen Symptomen, geschwollenen Lymphknoten und anderen Beschwerden einher, die dem Arzt Hinweise auf eine m\u00f6gliche Infektion mit Toxoplasma gondii geben k\u00f6nnen. Bei einer Lymphadenitis im Halsbereich wird der Arzt Untersuchungen durchf\u00fchren, um andere Krankheiten, die mit einer Lymphknotenbeteiligung einhergehen auszuschlie\u00dfen (z. B. Streptokokken-Angina). Die Abkl\u00e4rung\/Kl\u00e4rung des Verdachts einer m\u00f6glichen Infektion mit Toxoplasmen besteht in der Untersuchung von Probenmaterial (Blutproben, Gewebeproben, andere K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten; Labordiagnostik). F\u00fcr den Nachweis des Parasiten und dessen DNA stehen verschiedene diagnostische Methoden zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Bei Patienten mit gesundem Immunsystem wird ein Test auf Antik\u00f6rper durchgef\u00fchrt; hierf\u00fcr wird dem Patienten in der Regel eine Blutprobe entnommen, die im Anschluss auf Antik\u00f6rper gegen Toxoplasmen untersucht wird und u. a. Aufschluss dar\u00fcber gibt, ob es sich um eine akute Infektion handelt. Zur Bestimmung der Antik\u00f6rper gibt es unterschiedliche Laborverfahren. Beim Antik\u00f6rpernachweis gegen Toxoplasma gondii handelt es sich um einen indirekten Nachweis bzw. um ein indirektes labordiagnostisches Verfahren, da eben nicht der Erreger selbst, sondern die immunologische Reaktion des K\u00f6rpers auf den Erreger nachgewiesen wird. Um die Diagnose zu sichern, wird ein sogenannter direkter Nachweis durchgef\u00fchrt (Nachweis des Erregers oder seiner DNA in Patientenproben). Bei immunsupprimierten Patienten kann ein Antik\u00f6rpernachweis negativ ausfallen, weswegen labordiagnostische Untersuchungen zum direkten Nachweis durchgef\u00fchrt werden. Dieser direkte Nachweis des Erregers oder seiner DNA sichert die Diagnose. F\u00fcr den direkten Erregernachweis wird vor allem die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) eingesetzt, untersucht werden Gewebeproben oder K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten.<\/p>\n<p>Wie sich die (labordiagnostische) Abkl\u00e4rung\/Stufendiagnostik gestaltet und welche Testverfahren zum Einsatz kommen h\u00e4ngt von der Immunkompetenz des Patienten bzw. der Patientengruppe (ansonsten gesunde Patienten, Patienten mit geschw\u00e4chtem Immunsystem, Schwangere, Neugeborene), dem Beschwerdebild und anderen Faktoren ab. Die Untersuchung auf Antik\u00f6rper im Blut ist Teil der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Bei Patienten mit gesundem Immunsystem, bei welchen die Krankheit beschwerdefrei oder mit nur milden Symptomen verl\u00e4uft ist eine Behandlung in der Regel nicht erforderlich. Notwendig ist eine Therapie hingegen bei Patienten mit ausgepr\u00e4gter klinischer Symptomatik, immungeschw\u00e4chten Patienten, Erstinfektionen in der Schwangerschaft und bei w\u00e4hrend der Schwangerschaft infizierten Neugeborenen. F\u00fcr die medikament\u00f6se Therapie stehen verschiedene Pr\u00e4parate, darunter Antibiotika, zur Verf\u00fcgung (z. B. Spiramycin, Sulfadiazin, Pyrimethamin, Folins\u00e4ure), die je nach Patientengruppe und anderen Faktoren (z. B. Schwangerschaftswoche) zum Einsatz kommen.<\/p>\n<h2>Vorbeugende Ma\u00dfnahmen<\/h2>\n<p>Es gibt verschiedene Ma\u00dfnahmen, die das Risiko einer Infektion, speziell auch w\u00e4hrend der Schwangerschaft und bei immungeschw\u00e4chten Menschen, reduzieren k\u00f6nnen, darunter:<\/p>\n<ul>\n<li>Die H\u00e4nde sollten gr\u00fcndlich gewaschen werden, vor allem vor dem Essen, nach der Zubereitung von rohem Fleisch, nach Garten-\/Erdarbeiten und nach dem Aufenthalt in Sandspielpl\u00e4tzen.<\/li>\n<li>Auf den Verzehr von rohen oder nicht ausreichend erhitzten Fleischprodukten und Wurstprodukten verzichten<\/li>\n<li>Rohes Gem\u00fcse und Obst vor dem Essen immer gr\u00fcndlich waschen<\/li>\n<li>Katzen sollten nicht mit rohem Fleisch gef\u00fcttert werden.<\/li>\n<li>Das Katzenklo sollte t\u00e4glich mit hei\u00dfem Wasser gereinigt werden. Schwangere sollten die Reinigung des Katzenklos anderen Personen \u00fcberlassen.<\/li>\n<li>Bei Gartenarbeiten und der Reinigung des Katzenklos sollten Handschuhe getragen werden.<\/li>\n<li>Sandspielk\u00e4sten sollten nach dem Benutzen abgedeckt werden, um eine Verunreinigung durch Katzen zu verhindern.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2459,2430,2448,2457],"tags":[108,470,129,545,176,179,2606],"class_list":["post-2318","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-frauenheilkunde","category-infektiologie","category-innere-medizin","category-krankheit","tag-allgemeinmedizin","tag-enzephalitis","tag-frauenheilkunde","tag-infektiologie","tag-infektion","tag-schwangerschaft","tag-toxoplasmose"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9825,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2318\/revisions\/9825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2319"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}