{"id":2303,"date":"2019-09-05T14:07:21","date_gmt":"2019-09-05T14:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/anaemie\/"},"modified":"2026-02-09T14:39:32","modified_gmt":"2026-02-09T13:39:32","slug":"anaemie","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/anaemie\/","title":{"rendered":"An\u00e4mie (Blutarmut)"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist eine An\u00e4mie?<\/h2>\n<p>Der Begriff An\u00e4mie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie \u201eohne Blut\u201c. Umgangssprachlich spricht man von Blutarmut oder auch Blutmangel. Der An\u00e4mie liegt eine verminderte Konzentration von H\u00e4moglobin (roter Blutfarbstoff) zu Grunde. In der Regel ist das gleichbedeutend mit zu wenigen Erythrozyten (roten Blutk\u00f6rperchen). Denn H\u00e4moglobin ist jener Bestandteil der Erythrozyten, der f\u00fcr den Transport von Sauerstoff durch den Organismus verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Bei einer An\u00e4mie ist die Sauerstofftransportf\u00e4higkeit des Blutes vermindert. Das hei\u00dft auch, dass die einzelnen Organe mit weniger Sauerstoff versorgt werden als eigentlich erforderlich w\u00e4re. Der K\u00f6rper reagiert darauf mit einer erh\u00f6hten Herzmuskelfrequenz: Das Blut wird schneller durch den K\u00f6rper gepumpt, damit auch die geringere Erythrozytenmenge noch ausreichend Sauerstoff in die Zellen transportieren kann. Diese erh\u00f6hte Herzfrequenz aber wirkt belastend.<br \/>\nMan unterscheidet je nach Ursache verschiedene Formen der An\u00e4mie:<\/p>\n<ul>\n<li>Eisenmangelan\u00e4mie<\/li>\n<li>An\u00e4mie aufgrund von Vitamin-B12- oder Fols\u00e4uremangel<\/li>\n<li>Pernizi\u00f6se An\u00e4mie<\/li>\n<li>Renale An\u00e4mie<\/li>\n<li>An\u00e4mie der chronischen Erkrankung<\/li>\n<li>Thalass\u00e4mie<\/li>\n<li>Aplastische An\u00e4mie<\/li>\n<li>H\u00e4molytische An\u00e4mien<\/li>\n<li>An\u00e4mie im Rahmen einer generellen Bluterkrankung<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Welche Ursache f\u00fcr An\u00e4mie?<\/h2>\n<p>Es gibt verschiedene m\u00f6gliche Ursachen. An\u00e4mie kann bereits angeboren sein, in anderen F\u00e4llen wird sie im Laufe des Lebens erworben \u2013 etwa durch einseitige Ern\u00e4hrung. Oft ist sie auch ein Nebenbefund chronischer Erkrankungen, und sie kann im Alter aufgrund von verlangsamten Regenerationsprozessen vermehrt auftreten. Je nach Form der An\u00e4mie unterscheidet man folgende Ursachen:<\/p>\n<h3>Eisenmangelan\u00e4mie<\/h3>\n<p>Eisen ist unter anderem am Aufbau von H\u00e4moglobin und am Sauerstofftransport beteiligt. Der rote Blutfarbstoff kann durch seine Eisenbestandteile Sauerstoff binden und im K\u00f6rpergewebe wieder abgeben. Wenn &#8211; wie im Fall der Eisenmangelan\u00e4mie &#8211; der Eisenbedarf zur Produktion von H\u00e4moglobin nicht ausreichend gedeckt werden kann, wirkt sich das auf die Sauerstofftransportversorgung aus.<br \/>\nZu einer Eisenmangelan\u00e4mie kommt es aus verschiedenen Ursachen:<\/p>\n<ul>\n<li>Blutverlust, chronische Blutungen, starke verl\u00e4ngerte Regelblutung oder Geburten<\/li>\n<li>erh\u00f6hter Eisenbedarf (Wachstum bei Kindern und Jugendlichen, Schwangere)<\/li>\n<li>mangelnde Aufnahme (bei Z\u00f6liakie und chronisch-entz\u00fcndlichen Darmerkrankungen)<\/li>\n<li>mangelnde Zufuhr \u00fcber die Ern\u00e4hrung\/Fehlern\u00e4hrung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch eine Kombination mehrerer Ursachen ist m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>An\u00e4mie aufgrund eines Vitamin B12 oder Fols\u00e4uremangels<\/h3>\n<p>Das Knochenmark muss den K\u00f6rper st\u00e4ndig mit neuen roten Blutk\u00f6rperchen versorgen, aber die Lebensdauer von Erythrozyten ist mit 120 Tagen relativ kurz. Die Neubildung gelingt nur, wenn sich die blutbildenden Zellen im Knochenmark vermehren k\u00f6nnen. Daf\u00fcr sind das Vitamin B12 und Fols\u00e4ure notwendig. Bei einer Unterversorgung mit diesen Stoffen wird die Zellteilung im K\u00f6rper und somit die Erythrozyten-Produktion beeintr\u00e4chtigt. Schwangere, aber auch Menschen, die viel Alkohol konsumieren, haben einen erh\u00f6hten Fols\u00e4urebedarf, den sie \u00fcber die Nahrung nicht immer decken k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Pernizi\u00f6se An\u00e4mie<\/h3>\n<p>Entsteht aufgrund eines Vitamin-B12-Mangels. Dieses Vitamin spielt eine wichtige Rolle bei der Blutbildung und beim Abbau von bestimmten Fetts\u00e4uren. Ein Mangel wirkt sich zun\u00e4chst auf die Bildung der roten Blutk\u00f6rperchen aus: Die Erythrozyten sind in der Zahl im Blut vermindert, erscheinen zu gro\u00df und enthalten pro Zelle vermehrt H\u00e4moglobin.<\/p>\n<h3>Renale An\u00e4mie<\/h3>\n<p>Entsteht aufgrund eines Mangels an Erypthropoetin. Das ist ein Botenstoff, der in der Niere gebildet wird und der die Produktion der roten Blutk\u00f6rperchen im Knochenmark anregt. Bei Nierenerkrankungen sch\u00fcttet die Niere oft zu wenig Erythropoetin aus und hemmt damit die Bildung von Erythrozyten.<\/p>\n<h3>An\u00e4mie der chronischen Erkrankung<\/h3>\n<p>Entsteht aufgrund von chronisch-entz\u00fcndlichen sowie Tumorerkrankungen. In diesem Fall setzt der K\u00f6rper Botenstoffe frei, welche die Eisenaufnahme im Darm hemmen und die Eisenverwertung f\u00fcr die Bildung des roten Blutfarbstoffes hemmen. Au\u00dferdem sprechen die Zellen im Knochenmark sprechen schlechter auf den Botenstoff Erythropoetein an, der die Bildung der roten Blutk\u00f6rperchen anregt.<\/p>\n<h3>Thalass\u00e4mie<\/h3>\n<p>Entsteht durch eine ver\u00e4nderte Zusammensetzung des roten Blutfarbstoffes. Das wirkt sich auch auf die roten Blutk\u00f6rperchen aus. Sie werden in geringerer Menge gebildet, sind kleiner als bei gesunden Menschen und haben eine k\u00fcrzere Lebensdauer.<\/p>\n<h3>Aplastische An\u00e4mie<\/h3>\n<p>Entsteht aufgrund einer starken Sch\u00e4digung des Knochenmarks. Als Ursachen werden eine Fehlsteuerung des Immunsystems, Virusinfektionen oder Strahlung vermutet.<\/p>\n<h3>H\u00e4molytische An\u00e4mien<\/h3>\n<p>Ursache sind meist falsch gebildete Antik\u00f6rper, die sich gegen die Erythrozyten richten. Der K\u00f6rper zerst\u00f6rt also die eigenen roten Blutk\u00f6rperchen.<\/p>\n<h2>Welche Symptome bei An\u00e4mie?<\/h2>\n<p>Eine An\u00e4mie \u00e4u\u00dfert sich durch allgemeine M\u00fcdigkeit, eingeschr\u00e4nkte k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit, Atemnot und Herzklopfen, Kopfschmerzen, Konzentrationsst\u00f6rungen und Bl\u00e4sse.<\/p>\n<h2>Welche Werte sind normal?<\/h2>\n<p>Eine An\u00e4mie l\u00e4sst sich in der Regel anhand von drei Blutwerten diagnostizieren: H\u00e4moglobin, Transferrin und Ferritin. Die Normalwerte sind:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"195\"><\/td>\n<td width=\"214\"><strong>Frauen<\/strong><\/td>\n<td width=\"201\"><strong>M\u00e4nner<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"195\"><strong>H\u00e4moglobin<\/strong><\/td>\n<td width=\"214\">12 &#8211; 16 g\/dl<\/td>\n<td width=\"201\">13 &#8211; 17 g\/dl<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"195\"><strong>Transferrin\u00a0<\/strong>(S\u00e4ttigung)<\/td>\n<td width=\"214\">25% -45%<\/td>\n<td width=\"201\">25% -45%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"195\">Ferritin<\/td>\n<td width=\"214\">20 ng\/ml &#8211; 100 ng\/ml<\/td>\n<td width=\"201\">30 ng\/ml &#8211; 300 ng\/ml<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Wie wird An\u00e4mie diagnostiziert?<\/h2>\n<p>Die Diagnose einer An\u00e4mie erfolgt \u00fcber eine Blutuntersuchung. Wenn rote Blutk\u00f6rperchen und\/oder H\u00e4moglobin vermindert sind, werden zur genaueren Unterscheidung verschiedene Blutwerte wie Eisen, Ferritin, Transferrin, Vitamin B12, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/folsaeure-wirkung-mangel-bedarf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fols\u00e4ure<\/a>, das mittlere Erythrozytenvolumen (MCV), der mittlere H\u00e4moglobingehalt der Erythrozyten (MCHC) und die Retikulozyten (Vorstufe der Erythrozyten im Blut gemessen.<br \/>\nEine Verminderung der Retikulozyten gilt als Hinweis f\u00fcr eine Bildungsst\u00f6rung (etwa durch eine Knochenmarkssch\u00e4digung), eine Erh\u00f6hung f\u00fcr einen vermehrten Verbrauch der Erythrozyten durch Abbau oder Verlust.<br \/>\nIm Blutausstrich werden alle Blutzellen unter dem Mikroskop analysiert, und Ver\u00e4nderungen der Form und der Gr\u00f6\u00dfe werden festgehalten.<\/p>\n<h2>Wie wird An\u00e4mie behandelt?<\/h2>\n<p>Die Behandlung der An\u00e4mie ist von der Ursache abh\u00e4ngig und sehr unterschiedlich.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Eisenmangelan\u00e4mie<\/strong>: Allein der Konsum von eisenhaltigen Lebensmitteln (H\u00fclsenfr\u00fcchte, N\u00fcsse, \u00d6lsamen, gr\u00fcnes Gem\u00fcse, Leber,\u2026) kann einen bereits bestehenden Mangel nur schwer ersetzen. Zur Akutbehandlung werden eisenhaltige Tabletten oder Injektionen gegeben.<\/li>\n<li><strong>An\u00e4mie aufgrund von Vitamin B12 oder Fols\u00e4uremangel<\/strong>: Wie beim Eisenmangel werden auch hier die Speicher mithilfe von Tabletten oder Spritzen aufgef\u00fcllt.<\/li>\n<li><strong>Pernizi\u00f6se An\u00e4mie<\/strong>: Hier sind Vitamin-B-12-Tabletten in der Regel nicht sinnvoll. Der Betroffene muss in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zum Arzt gehen, um sich das Vitamin spritzen zu lassen.<\/li>\n<li><strong>Renale An\u00e4mie<\/strong>: Dabei spritzt der Arzt ein Medikament, das den fehlenden Botenstoff Erythropoetin enth\u00e4lt.<\/li>\n<li><strong>An\u00e4mie der chronischen Erkrankung<\/strong>: Zun\u00e4chst wird die Grunderkrankung behandelt. Dadurch kann auch die An\u00e4mie verbessert werden.<\/li>\n<li><strong>Thalass\u00e4mie<\/strong>: Je nach Schweregrad ist manchmal Beobachtung ausreichend. Manchmal m\u00fcssen immer wieder Transfusionen mit roten Blutk\u00f6rperchen verabreicht sowie Medikamente gegen die damit verbundene Eisen\u00fcberladung eingenommen werden. Die einzige Behandlung, die zu einer definitiven Heilung f\u00fchren kann, ist die Knochenmarkstransplantation, die aber nur bei sehr schweren Verlaufsformen durchgef\u00fchrt wird.<\/li>\n<li><strong>Aplastische An\u00e4mie<\/strong>: Die Behandlung ist abh\u00e4ngig von der St\u00e4rke und Auspr\u00e4gung der Symptome. In manchen F\u00e4llen sind Bluttransfusionen ausreichend. Bei schweren Verl\u00e4ufen kann eine das Immunsystem unterdr\u00fcckende Therapie notwendig sein, bei einem besonders schweren Verlauf sogar eine \u00dcbertragung von Stammzellen eines gesunden Spenders.<\/li>\n<li><strong>H\u00e4molytische An\u00e4mien<\/strong>: Um die Bildung falscher Antik\u00f6rper zu stoppen wird eine das Immunsystem unterdr\u00fcckende Therapie gegeben (zu Beginn meist Kortison).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Welche Folgen kann eine An\u00e4mie haben?<\/h2>\n<p>Da das Blut bei Bestehen einer An\u00e4mie nicht mehr gen\u00fcgend Sauerstoff transportieren kann, ist die Folge in erster Linie ein Mangel an Sauerstoff in den Geweben. Das wirkt sich oft gerade bei Belastung aus. Besteht eine An\u00e4mie \u00fcber l\u00e4ngere Zeit, so kann die mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff \u2013 \u00e4hnlich wie ein erh\u00f6hter Blutdruck \u2013 zur Belastung des gesamten Organismus f\u00fchren. Es kann zu Sch\u00e4den an weiteren Organen kommen.<\/p>\n<h2>Welcher Arzt behandelt eine An\u00e4mie?<\/h2>\n<p>Ansprechpersonen sind <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Haus\u00e4rzte<\/a> und <a href=\"\/suche\/internist\">Internisten<\/a>. Je nach Ursache oder Grundkrankheit k\u00f6nnen \u00c4rzte weiterer Fachrichtungen beigezogen werden. Ern\u00e4hrungsberatungen k\u00f6nnen Di\u00e4tologinnen sowie spezialisierte \u00c4rzte vornehmen.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2417,2448,2409,23,2457,2411],"tags":[108,1310,2041,1311,2621,3237,2391,2149],"class_list":["post-2303","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-haematologie","category-innere-medizin","category-kardiologie","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","category-onkologie","tag-allgemeinmedizin","tag-anamie","tag-blut","tag-blutarmut","tag-hamoglobin","tag-innere-medizin-u-haematologie-u-internistische-onkologie","tag-mudigkeit","tag-sauerstoff"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9806,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2303\/revisions\/9806"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}