{"id":2277,"date":"2019-08-26T15:16:54","date_gmt":"2019-08-26T15:16:54","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/niedriger-blutdruck\/"},"modified":"2023-02-16T21:15:09","modified_gmt":"2023-02-16T20:15:09","slug":"niedriger-blutdruck","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/niedriger-blutdruck\/","title":{"rendered":"Niedriger Blutdruck &#8211; Formen, Ursachen, Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist niedriger Blutdruck?<\/h2>\n<p>Bei niedrigem Blutdruck, auch als arterielle Hypotonie bezeichnet, liegen die Blutdruckwerte unter 90\/60 mmHg*. Manchmal wird niedriger Blutdruck auch als Blutdruck mit Werten unter 100 bzw. 110\/60 mmHg definiert. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Werte unter 120\/80 mmHg als normaler Blutdruck bei Erwachsenen. Bei Werten \u00fcber 140\/90 mmHg ist von <a href=\"\/ratgeber\/bluthochdruck-2806\">Bluthochdruck<\/a> die Rede (arterielle Hypertonie).<\/p>\n<p>Der Blutdruck wird in \u201cMillimeter Quecksilbers\u00e4ule\u201c (mmHg) angegeben. Erstgenannter Wert ist der systolische Wert. Er beschreibt den Blutdruck in jenem Moment, in welchem sich das Herz zusammenzieht und das Blut auswirft. Der zweite Wert ist der diastolische Wert. Dieser beschreibt den Blutdruck w\u00e4hrend der Entspannungsphase vom Herz, wenn sich dieses wieder mit Blut f\u00fcllt.<\/p>\n<p>Ein zu niedriger Blutdruck gilt an sich nicht als Krankheit. Im Vergleich zur Hypertonie gilt die Hypotonie als weniger gesundheitsgef\u00e4hrdend und prinzipiell als nicht gef\u00e4hrlich. Dies ist allerdings nicht allgemein g\u00fcltig bzw. nicht pauschal richtig und nicht in jedem Fall zutreffend. Je nach Ursache und genauen Umst\u00e4nden (z. B. bei zu niedrigem Blutdruck in Folge einer ausgepr\u00e4gten Herzerkrankung, bei schwerer Hypotonie) kann die Hypotonie auch einen gesundheitsgef\u00e4hrdenden Charakter haben.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Blutdruck<\/strong>: Der Blutdruck bezeichnet im Allgemeinen den in den gro\u00dfen Arterien vorherrschenden Druck. Er wird von der Elastizit\u00e4t und dem Widerstand der Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nde bestimmt, au\u00dferdem haben auch die Schlagkraft und Frequenz des Herzens und andere Faktoren Einfluss auf den Blutdruck. Je nach Herzphase wird der Blutdruck unterteilt in den systolischen Blutdruck (maximaler Blutdruckwert in der Herzauswurfphase\/Systole; h\u00f6herer Wert) und in den diastolischen Blutdruck (minimaler Wert in der Herzf\u00fcllungsphase\/Diastole; niedrigerer Wert).<\/li>\n<li><strong>Systole<\/strong>: Die Systole ist die Kontraktionsphase des Herzens und dient dem Auswurf von Blut aus dem Herzvorhof in die Herzkammer\/aus der Kammer in das Gef\u00e4\u00dfsystem. Zwei Systolen werden durch eine Diastole unterbrochen.<\/li>\n<li><strong>Diastole<\/strong>: Die Diastole ist die Entspannungsphase\/Erschlaffungsphase. Sie dient der F\u00fcllung des Herzens mit Blut. Zwei Diastolen werden durch eine Systole unterbrochen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Blutdruck ist keine konstante bzw. stabile Gr\u00f6\u00dfe, sondern schwankt im Verlauf des Tages und abh\u00e4ngig von der jeweiligen Situation und T\u00e4tigkeit (Schlaf, Ruheposition, Stresssituationen, k\u00f6rperliche Anstrengung etc.) und der Leistung des Herz-Kreislauf-Systems. Deswegen ist eine Blutdruckmessung alleine nicht ausreichend, um eine m\u00f6gliche Hypertonie oder Hypotonie zu diagnostizieren, hierf\u00fcr werden immer mehrere Messungen und andere Untersuchungen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<h2>Niedriger Blutdruck \u2013 Formen und Ursachen<\/h2>\n<p>Es werden verschiedene Formen von zu niedrigem Blutdruck unterschieden, welchen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen k\u00f6nnen. H\u00e4ufig tritt ein zu niedriger Blutdruck auch ohne erkennbare Ursache auf. Folgende Formen der Hypotonie gibt es:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Prim\u00e4re Hypotonie (essentielle Hypotonie)<\/strong>: Die prim\u00e4re Hypotonie kommt am h\u00e4ufigsten vor und tritt ohne erkennbare Ursache auf. H\u00e4ufig betroffen sind junge schlanke und ansonsten gesunde Frauen (konstitutionelle Hypotonie).<\/li>\n<li><strong>Sekund\u00e4re Hypotonie<\/strong>: In diesem Fall tritt der zu niedrige Blutdruck in Folge einer anderen k\u00f6rperlichen Ursache\/Erkrankung bzw. als Symptom einer Grunderkrankung auf (z. B. Schilddr\u00fcsenunterfunktion, verschiedene Herzerkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz), Unterfunktion der Nebennierenrinde oder Hirnanhangdr\u00fcse, Venenschw\u00e4che). Auch kann eine sekund\u00e4re Hypotonie durch Fl\u00fcssigkeitsmangel (z. B. in Folge von starkem Schwitzen, bei gro\u00dfer Hitze, nach heftigem Erbrechen) oder durch bestimmte Medikamente (medikament\u00f6se Hypotonie; z. B. ausgel\u00f6st durch bestimmte Psychopharmaka, Diuretika u. a.) bedingt sein.<\/li>\n<li><strong>Orthostatische Hypotonie<\/strong>: \u201cOrthostase\u201c ist die Bezeichnung f\u00fcr die aufrechte K\u00f6rperhaltung. Eine orthostatische Hypotonie tritt beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen auf \u2013 der K\u00f6rper ist in diesem Fall nicht in der Lage, Blutdruck und Blutverteilung entsprechend dem Positionswechsel schnell genug anzupassen. Der K\u00f6rper kann auf die \u00c4nderung der K\u00f6rperlage also nicht rasch genug reagieren und das Blut \u201csackt\u201c in die untere K\u00f6rperh\u00e4lfte ab. Eine orthostatische Hypotonie kann prinzipiell in allen Altersgruppen vorkommen, in der Regel kommt es relativ rasch nach dem Blutdruckabfall zu einer Normalisierung des Blutdrucks.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch w\u00e4hrend der Schwangerschaft kommt es h\u00e4ufig zu erniedrigten Blutdruckwerten. Daneben gibt es noch viele m\u00f6gliche andere Ausl\u00f6ser.<br \/>\nIm Fall einer schweren Hypotonie kann der Blutdruck so stark abfallen, dass das Gehirn und andere lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden. M\u00f6gliche Ursachen reichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen \u00fcber Zust\u00e4nde, die zu einer ver\u00e4nderten Blutverteilung f\u00fchren bis hin zu einem geringen Fl\u00fcssigkeitsvolumen, Infektionen, bestimmten hormonellen Erkrankungen, Vergiftungen und anderen.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Ein niedriger Blutdruck ruft nicht immer Symptome hervor, h\u00e4ufig kommt es zu keinen Beschwerden. Es kann jedoch auch sein, dass sich der erniedrigte Blutdruck durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar macht, die u. a. darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, dass das Blut nicht in ausreichender Menge in das Gehirn und andere Organe gelangt. Welche Symptome auftreten und wie stark diese ausgepr\u00e4gt sind kann individuell sehr verschieden sein und h\u00e4ngt von den Blutdruckwerten, den Ursachen f\u00fcr den zu niedrigen Blutdruck und anderen Faktoren ab. M\u00f6gliche Symptome bei zu niedrigem Blutdruck sind u. a.:<\/p>\n<ul>\n<li>Rasche Erm\u00fcdbarkeit, M\u00fcdigkeit<\/li>\n<li>Antriebslosigkeit<\/li>\n<li>Gesteigertes Schlafbed\u00fcrfnis<\/li>\n<li>Benommenheit<\/li>\n<li>Schwindel<\/li>\n<li>Ohrensausen<\/li>\n<li>Schwitzen<\/li>\n<li>Zittern<\/li>\n<li>Konzentrationsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Herzrasen<\/li>\n<li>Kopfschmerzen<\/li>\n<li>\u00dcbelkeit<\/li>\n<li>Bl\u00e4sse<\/li>\n<li>K\u00e4ltegef\u00fchl in H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen<\/li>\n<li>Sehst\u00f6rungen<\/li>\n<li>H\u00f6reinschr\u00e4nkungen<\/li>\n<li>Neigung zu) Kreislaufkollaps<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei zu niedrigem Blutdruck auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf zu niedrigen Blutdruck oder eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Um niedrigen Blutdruck diagnostizieren zu k\u00f6nnen, sind mehrere Blutdruckmessungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten erforderlich. Zu Beginn steht die ausf\u00fchrliche Anamnese, im Rahmen welcher u. a. die Krankengeschichte, m\u00f6gliche fr\u00fchere Anzeichen einer Hypotonie, die Einnahme von Medikamenten, aufgetretene Beschwerden und andere Punkte erhoben werden. Mit Hilfe einer speziellen Kreislaufpr\u00fcfung, bei welcher der Patient nach l\u00e4ngerem Liegen schnell aufstehen muss, kann eine m\u00f6gliche St\u00f6rung der Blutdruckregulation nach pl\u00f6tzlichem Lagewechsel festgestellt werden.<\/p>\n<p>Die Basisdiagnostik zur Abkl\u00e4rung einer m\u00f6glichen Hypotonie umfasst u. a. wiederholte Blutdruckmessungen, die Langzeitblutdruckmessung, ein EKG und die Untersuchung der Kreislauffunktion\/verschiedene Funktionspr\u00fcfungen. In weiterer Folge k\u00f6nnen je nach Ursachenverdacht verschiedene weitere Untersuchungen veranlasst werden, darunter Laboruntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen, eine Echokardiographie und andere. Der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Situation. Ansprechpartner bei (Verdacht auf) Hypotonie sind der Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin (Hausarzt) und der Facharzt f\u00fcr Innere Medizin. Je nach individueller Situation und den m\u00f6glichen der Hypotonie zugrunde liegenden Ursachen kann im Rahmen der Abkl\u00e4rung und Behandlung auch die Einbindung von anderen Fach\u00e4rzten notwendig sein.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Im Gegensatz zu Bluthochdruck, welcher eine ernst zu nehmende Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems darstellt und das Risiko f\u00fcr viele andere Erkrankungen erh\u00f6ht, besteht bei Hypotonie nicht immer Handlungsbedarf &#8211; ob eine Behandlung notwendig ist oder nicht und wie sich diese gestaltet, h\u00e4ngt von den Beschwerden und den Ursachen f\u00fcr den niedrigen Blutdruck, m\u00f6glichen Grunderkrankungen und anderen Faktoren ab. Bei ansonsten gesunden Menschen, bei welchen der niedrige Blutdruck keine relevanten Beschwerden verursacht, ist eine Behandlung nicht zwangsl\u00e4ufig erforderlich.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Therapie stehen verschiedene Ma\u00dfnahmen zur Verf\u00fcgung. Die Behandlung zielt darauf ab die Beschwerden zu lindern und den Blutdruck zu normalisieren, au\u00dferdem gilt es, die jeweiligen der Hypotonie zugrunde liegenden Erkrankungen zu behandeln.<\/p>\n<p>Es gibt vieles, was Betroffene selbst tun k\u00f6nnen, um den Kreislauf zu st\u00e4rken und Beschwerden, die auf zu niedrigen Blutdruck zur\u00fcckzuf\u00fchren sind zu mildern. Hierzu z\u00e4hlen u. a.:<\/p>\n<ul>\n<li>Strecken vor dem Aufstehen und langsames Aufstehen am Morgen<\/li>\n<li>K\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t, regelm\u00e4\u00dfige k\u00f6rperliche Bewegung, Ausdauersport wie z. B. Joggen, Nordic Walking und Schwimmen (bringt den Kreislauf in Schwung)<\/li>\n<li>Gymnastik\u00fcbungen zwischendurch<\/li>\n<li>Warm-kalte Wechselduschen (regen den Kreislauf an)<\/li>\n<li>B\u00fcrstenmassagen<\/li>\n<li>Viel Wasser trinken\/ganzt\u00e4gig auf eine ausreichende Fl\u00fcssigkeitszufuhr achten<\/li>\n<li>Kaffee, gr\u00fcner und schwarzer Tee (in Ma\u00dfen; wirken kurzfristig kreislaufstimulierend)<\/li>\n<li>Ausgewogene Ern\u00e4hrung mit erh\u00f6htem Salzgehalt<\/li>\n<li>Mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag anstelle von wenigen gro\u00dfen Mahlzeiten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ist es mit Hilfe von Hausmitteln, regelm\u00e4\u00dfiger Bewegung, einer angepassten Ern\u00e4hrung und anderen allgemeinen Ma\u00dfnahmen nicht m\u00f6glich, den Blutdruck zu normalisieren und die Beschwerden ausreichend zu lindern, kann eine medikament\u00f6se Therapie mit kreislaufst\u00e4rkenden Medikamenten\/Medikamenten, die den Blutdruck ansteigen lassen erfolgen. Hierf\u00fcr stehen verschiedene Medikamente zur Verf\u00fcgung (z. B. Betamimetika). In der Regel bringen bei einer prim\u00e4ren Hypotonie eine ausreichende Fl\u00fcssigkeitszufuhr, gesteigerte k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t und andere Anpassungen des Lebensstils und Allgemeinma\u00dfnahmen Erfolge.<\/p>\n<p>*Angaben k\u00f6nnen in der Literatur variieren.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2448,2409,2457,2429,2408],"tags":[108,1166,2640,292,2639],"class_list":["post-2277","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-innere-medizin","category-kardiologie","category-krankheit","category-nephrologie","category-neurologie","tag-allgemeinmedizin","tag-blutdruck","tag-hypotonie","tag-interne-medizin","tag-niedriger-blutdruck"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2277\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9565,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2277\/revisions\/9565"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}