{"id":2275,"date":"2019-08-30T15:12:08","date_gmt":"2019-08-30T15:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/roeteln\/"},"modified":"2023-02-16T21:30:19","modified_gmt":"2023-02-16T20:30:19","slug":"roeteln","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/roeteln\/","title":{"rendered":"R\u00f6teln"},"content":{"rendered":"<h2>Was sind R\u00f6teln?<\/h2>\n<p>R\u00f6teln (Rubeola) sind eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Betroffen sind vor allem Kinder, bei Erwachsenen kommen R\u00f6teln seltener vor. Erreger ist das R\u00f6teln-Virus (Rubi-Virus, Rubellavirus). In aller Regel verl\u00e4uft die Krankheit leicht und ohne Komplikationen, h\u00e4ufig bestehen nur milde Symptome. W\u00e4hrend einer Schwangerschaft sind R\u00f6teln allerdings gef\u00e4hrlich, da sie das ungeborene Kind sch\u00e4digen k\u00f6nnen. Aufgrund von Impfungen ist die H\u00e4ufigkeit der Krankheit weltweit stark zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<h2>Ursache<\/h2>\n<p>Ursache f\u00fcr R\u00f6teln ist eine Infektion mit dem R\u00f6teln-Virus. Die \u00dcbertragung erfolgt durch eine Tr\u00f6pfcheninfektion oder, im Fall einer Schwangerschaft, diaplazentar (\u00fcber die Plazenta hinweg) von der Mutter auf das ungeborene Kind. Im Fall einer Tr\u00f6pfcheninfektion werden die Erreger durch winzige Sekrettr\u00f6pfchen \u00fcbertragen, die beim Sprechen, Husten und Niesen ausgesto\u00dfen und verteilt und von anderen Menschen bei der Atmung aus der Luft aufgenommen werden. In weiterer Folge dringt das Virus \u00fcber die Schleimhaut der oberen Atemwege in den K\u00f6rper ein. Es vermehrt sich vor allem im lymphatischen Gewebe (z. B. Lymphknoten), kann in die Blutbahn gelangen und sich so im ganzen K\u00f6rper ausbreiten.<\/p>\n<p>Die Inkubationszeit (Zeit zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers in den K\u00f6rper und dem Auftreten der ersten Symptome\/Ausbruch der Krankheit) betr\u00e4gt 14 bis 21 Tage. Ansteckend sind auch jene Menschen, die mit R\u00f6teln infiziert sind, jedoch keine Symptome zeigen.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Zu Beginn zeigen sich uncharakteristische Krankheitszeichen, die einer gew\u00f6hnlichen st\u00e4rkeren Erk\u00e4ltung \u00e4hneln, darunter z. B. allgemeines Krankheitsgef\u00fchl, Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Die K\u00f6rpertemperatur ist oft normal, manchmal erh\u00f6ht, dann jedoch selten h\u00f6her als 38,5 Grad Celsius. Auch die Lymphknoten am Hals k\u00f6nnen geschwollen sein, in manchen F\u00e4llen kommt eine Bindehautentz\u00fcndung dazu, bei einem Teil der Patienten zeigt sich auch eine Beteiligung der Milz.<\/p>\n<p>Nach ein bis zwei Tagen erscheinen erste Hautver\u00e4nderungen des f\u00fcr R\u00f6teln typischen Hautausschlags (Exanthem) \u2013 die Hautver\u00e4nderungen sind hellrot, makul\u00f6s (fleckf\u00f6rmig) bis makulopapul\u00f6s (knotig-fleckig), wenige Millimeter gro\u00df und flie\u00dfen nicht wie bei anderen Erkrankungen (z. B. Masern) zusammen. Der Hautausschlag beginnt im Gesicht und breitet sich \u00fcber den K\u00f6rper und die Extremit\u00e4ten aus, nach ein bis drei Tagen verschwindet er wieder. In manchen F\u00e4llen ist der Ausschlag nur schwach sichtbar. Kinder weisen manchmal auch nur ein Exanthem auf, weniger charakteristische Krankheitszeichen treten h\u00e4ufiger bei Erwachsenen auf.<\/p>\n<p>In den meisten F\u00e4llen zeigt sich ein milder Krankheitsverlauf. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnen R\u00f6teln jedoch auch Komplikationen verursachen, deren Risiko mit zunehmendem Lebensalter zunimmt \u2013 bei Erwachsenen f\u00fchren R\u00f6teln also h\u00e4ufiger zu Komplikationen als bei Kindern. Seltene m\u00f6gliche Komplikationen bei R\u00f6teln sind u. a. Arthritis (Gelenkentz\u00fcndung), Bronchitis, Otitis media (Mittelohrentz\u00fcndung), Myokarditis (Herzmuskelentz\u00fcndung), Perikarditis (Herzbeutelentz\u00fcndung) und Enzephalitis (Gehirnentz\u00fcndung).<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei R\u00f6teln auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h3>R\u00f6teln in der Schwangerschaft (Konnatale R\u00f6telnembryofetopathie)<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend R\u00f6teln bei Kindern und Erwachsenen meistens mild und harmlos verlaufen, kann eine Infektion, die \u00fcber die Plazenta der Mutter auf das ungeborene Kind \u00fcbertragen wird beim Ungeborenen schwere Sch\u00e4den verursachen. Deren H\u00e4ufigkeit und Schweregrad sind vom Infektionszeitpunkt w\u00e4hrend der Schwangerschaft abh\u00e4ngig &#8211; je fr\u00fcher die Infektion in der Schwangerschaft erfolgt, desto h\u00e4ufiger und schwerwiegender sind die Sch\u00e4den, die durch R\u00f6teln bei ungeborenen Kindern verursacht werden k\u00f6nnen. W\u00e4hrend den ersten 12. Schwangerschaftswochen ist die Gefahr eines kongenitalen R\u00f6telnsyndroms (CRS; Sch\u00e4den, die eine R\u00f6teln-Infektion bei ungeborenen Kindern verursachen kann) sehr hoch.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche Sch\u00e4den sind die klassische Gregg\u2019sche Trias mit Fehlbildungen\/Sch\u00e4den am Herzen und im Bereich von Augen und Ohren (Herzfehler, grauer Star, H\u00f6rsch\u00e4den\/Innenohrtaubheit), geringes Geburtsgewicht, Hepatosplenomegalie (gleichzeitige Vergr\u00f6\u00dferung von Leber und Milz), Lungenentz\u00fcndung, Gehirnentz\u00fcndung, Herzmuskelentz\u00fcndung, Sch\u00e4delfehlbildung, Verz\u00f6gerungen der geistigen Entwicklung u. a. Auch Fehlgeburten und Fr\u00fchgeburten sind m\u00f6glich. In der 13. bis 16. Schwangerschaftswoche nimmt das Risiko ab, ab der 20. Schwangerschaftswoche ist eine Infektion weniger kritisch.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner sind der Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin (Hausarzt) und der Arzt f\u00fcr Kinder- und Jugendheilkunde. Zu Beginn steht die ausf\u00fchrliche Anamnese, im Rahmen welcher sich der Arzt wichtige Informationen einholt und sich nach den Beschwerden erkundigt. Im Anschluss erfolgt die k\u00f6rperliche Untersuchung inklusive Begutachtung der Haut und Tastuntersuchung von Hals und Lymphknoten. Aufgrund der teils unspezifischen Symptome w\u00e4re eine Diagnose anhand der Anamnese und k\u00f6rperlichen Untersuchung sehr unzuverl\u00e4ssig; allgemeines Krankheitsgef\u00fchl, Husten, Hals- und Kopfschmerzen, Fieber und Hautausschlag k\u00f6nnen auch durch andere Viren verursacht werden. Anhand der Anamnese und der k\u00f6rperlichen Untersuchung lassen sich R\u00f6teln also nicht mit Sicherheit feststellen, weswegen bei jedem Verdacht auf R\u00f6teln auch eine Laboruntersuchung\/Labordiagnostik durchgef\u00fchrt werden muss. Im Blut k\u00f6nnen die Antik\u00f6rper, die vom K\u00f6rper im Fall einer Infektion gegen das Virus gebildet werden nachgewiesen werden (optimal ab f\u00fcnf Tagen nach Beginn der Symptomatik). Es ist auch m\u00f6glich, R\u00f6teln durch eine Laboruntersuchung eines Rachenabstriches oder eine Urinprobe nachzuweisen, wobei diese Untersuchungen eher selten durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Ein R\u00f6telnverdacht bei schwangeren Frauen und der klinische Verdacht auf konnatale (im Mutterleib erworbene) R\u00f6teln m\u00fcssen ebenfalls unbedingt im Rahmen einer umfassenden Labordiagnostik abgekl\u00e4rt werden. Im Fall einer Schwangerschaft mit vermuteter oder best\u00e4tigter R\u00f6teln-Infektion kann das ungeborene Kind im Rahmen einer pr\u00e4natalen Diagnostik untersucht werden, z. B. durch die Untersuchung einer Probe des Mutterkuchens (Chorion-Biopsiematerial) oder des Fruchtwassers (Amnionfl\u00fcssigkeit, Amniozentese). Ab der 22. Schwangerschaftswoche kann nach Entnahme einer Blutprobe des Ungeborenen aus der Nabelschnur eine Untersuchung von Fetalblut erfolgen.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Es gibt keine spezifische kausale (urs\u00e4chliche) Therapie der R\u00f6telnvirusinfektion, das Virus l\u00e4sst sich also nicht direkt bek\u00e4mpfen. M\u00f6glich ist nur eine symptomatische Behandlung. Falls erforderlich k\u00f6nnen fiebersenkende Medikamente (z. B. Paracetamol, Ibuprofen) zum Einsatz kommen, wobei deren Verwendung stets mit einem Arzt besprochen werden sollte. K\u00f6rperliche Ruhe und eine ausreichende Fl\u00fcssigkeitszufuhr unterst\u00fctzen den K\u00f6rper bei der Bek\u00e4mpfung der Infektion und Genesung. Au\u00dferdem ist es wichtig, dass sich erkrankte Personen von anderen Menschen, insbesondere von schwangeren Frauen, fernhalten um diese nicht anzustecken. In der Regel verl\u00e4uft die Erkrankung mild und heilt ohne Probleme aus. Menschen, die R\u00f6teln durchgemacht haben sind in der Regel ein Leben lang dagegen gesch\u00fctzt.<\/p>\n<h2>Infektionsschutz \u2013 R\u00f6teln vorbeugen<\/h2>\n<p>Die beste Ma\u00dfnahme um R\u00f6teln vorzubeugen ist die aktive Immunisierung mittels Impfung. Die sogenannte 3-fach-Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und R\u00f6teln (MMR) ist im kostenfreien Impfprogramm enthalten, empfohlen werden zwei Dosen des MMR-Impfstoffes ab vollendetem neunten Lebensmonat.<\/p>\n<p>Das Impfschema sieht bei Erstimpfung im ersten Lebensjahr (ab vollendetem neunten Lebensmonat) die Verabreichung der zweiten Dosis nach drei Monaten vor, bei Erstimpfung nach dem ersten Lebensjahr sollte die zweite Impfung fr\u00fchestm\u00f6glich mit einem Mindestabstand von vier Wochen erfolgen.<\/p>\n<p>Fehlt eine Impfung, dann kann und sollte diese in jedem Lebensalter nachgeholt werden. Erwachsene, die nie R\u00f6teln oder Masern und Mumps hatten bzw. nicht zweimal dagegen geimpft wurden sollten dies nachholen. Nur im Fall einer dokumentierten zweimaligen Lebendimpfung oder eines positiven Antik\u00f6rpernachweises kann von einem langanhaltenden Schutz\/einer langanhaltenden Immunisierung ausgegangen werden.<\/p>\n<p>R\u00f6teln k\u00f6nnen zu schweren Sch\u00e4den bei ungeborenen Kindern f\u00fchren, weswegen die Impfung auch besonders bei Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter wichtig ist. Vor einer geplanten Schwangerschaft ist es wichtig, den Immunstatus zu \u00fcberpr\u00fcfen, vor Beginn einer Schwangerschaft sollten Frauen grunds\u00e4tzlich dar\u00fcber Bescheid wissen, ob ein ausreichender Schutz gegen R\u00f6teln gegeben ist oder nicht. Hierbei ist es wichtig, sich nicht nur auf \u00dcberzeugungen (etwa, dass die Krankheit im Kindesalter doch sicherlich durchgemacht wurde\u2026) oder Angaben der Eltern zu verlassen, sondern tats\u00e4chlich Bescheid zu wissen und im Zweifelsfall immer einen Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls zu impfen. W\u00e4hrend der Schwangerschaft ist die R\u00f6telnimpfung kontrainduziert, bei Impfung sollte eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein und danach mindestens vier Wochen lang vermieden werden.<\/p>\n<p>Bei der Impfung gegen MMR handelt es sich um einen Lebendimpfstoff. Im Gegensatz zum Totimpfstoff besteht ein Lebendimpfstoff aus sehr geringen Mengen funktionsf\u00e4higer Krankheitserreger, die so abgeschw\u00e4cht sind, dass sie sich zwar vermehren, die Krankheit jedoch nicht ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Nach der Impfung bildet der K\u00f6rper entsprechende Antik\u00f6rper gegen das Virus und es kommt zu einer aktiven Immunisierung, welche einen anhaltenden Schutz gegen die Viren bietet. Im Fall einer Ansteckung mit dem jeweiligen Erreger ist das Immunsystem bereits gewappnet und vorbereitet und kann das Virus erfolgreich bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Impfen sch\u00fctzt. Nicht nur die geimpfte Person selbst, sondern auch andere. Durch eine Impfung ist es m\u00f6glich, die Ausbreitung der Viren zu verhindern und so andere Menschen, darunter auch schwangere Frauen, die gegen die Erreger nicht immun sind, und ungeborene Kinder, zu sch\u00fctzen. Weitere wichtige Informationen zur Impfung gegen MMR und zu anderen Impfungen sind dem aktuellen \u00d6sterreichischen Impfplan zu entnehmen.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2459,23,2457],"tags":[108,129,442,176,177,446,2625,170],"class_list":["post-2275","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-frauenheilkunde","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","tag-allgemeinmedizin","tag-frauenheilkunde","tag-hautausschlag","tag-infektion","tag-kinderheilkunde","tag-roteln","tag-rubeola","tag-viren"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5389,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2275\/revisions\/5389"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}