{"id":2269,"date":"2019-08-29T09:17:25","date_gmt":"2019-08-29T09:17:25","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/tinnitus\/"},"modified":"2023-02-16T21:31:39","modified_gmt":"2023-02-16T20:31:39","slug":"tinnitus","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/tinnitus\/","title":{"rendered":"Tinnitus &#8211; Ursache, Symptome, Diagnose, Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist ein Tinnitus?<\/h2>\n<p>Der Begriff Tinnitus bezeichnet verschiedene Ohrger\u00e4usche, die nicht durch ein \u00e4u\u00dferes Schallereignis ausgel\u00f6st werden. Die Ger\u00e4uscheindr\u00fccke werden also sozusagen im Betroffenen selbst verursacht. Sie treten h\u00e4ufig pl\u00f6tzlich auf, k\u00f6nnen anhaltend oder wiederkehrend sein und \u00e4u\u00dfern sich z. B. in Form eines Pfeifens, Klingelns, Brummens, Zischens oder Rauschens. Der genaue Charakter der Ohrger\u00e4usche, ihre Lautst\u00e4rke und Intensit\u00e4t k\u00f6nnen individuell sehr verschieden sein.<\/p>\n<h2>Formen und Ursachen<\/h2>\n<p>Unterschieden wird grunds\u00e4tzlich zwischen dem objektiven und dem subjektiven Tinnitus. Bei Ohrger\u00e4uschen, die \u00fcber drei Monate bestehen ist von einem chronischen Tinnitus die Rede, davor von akuten Ohrger\u00e4uschen bzw. einem akuten Tinnitus. Weiters wird unterschieden zwischen Tinnitus mit und ohne H\u00f6rst\u00f6rung.<\/p>\n<h3>Objektiver Tinnitus<\/h3>\n<p>Bei einem objektiven Tinnitus sind die Ger\u00e4uscheindr\u00fccke auf eine k\u00f6rpereigene Schallquelle im oder in der N\u00e4he vom Ohr zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Schallaussendungen \/ Ger\u00e4uscheindr\u00fccke werden nicht nur von Betroffenen geh\u00f6rt, sondern sind ebenso f\u00fcr den untersuchenden Arzt mess- und h\u00f6rbar. M\u00f6gliche Ursachen f\u00fcr einen objektiven Tinnitus sind Atemger\u00e4usche, Str\u00f6mungsger\u00e4usche von Blutgef\u00e4\u00dfen bzw. des Blutes, muskelbedingte Ger\u00e4usche (z. B. unwillk\u00fcrliche Muskelzuckungen im Bereich vom Mittelohr), Bewegungen der Ohrtrompete u. a.<\/p>\n<h3>Subjektiver Tinnitus<\/h3>\n<p>Im Gegensatz dazu kommt es bei einem subjektiven Tinnitus zu Ohrger\u00e4uschen, die nur von Betroffenen wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Ein subjektiver Tinnitus tritt wesentlich h\u00e4ufiger auf als die objektive Form. Die Liste an m\u00f6glichen Ursachen und Risikofaktoren f\u00fcr einen subjektiven Tinnitus ist sehr lang und umfasst:<\/p>\n<ul>\n<li>L\u00e4nger anhaltender oder dauerhafter L\u00e4rm, L\u00e4rmtrauma (z. B. bei einem Konzert, auf einer Baustelle, durch einen Alarm, Knalltrauma aufgrund eines platzenden Reifens oder einer anderen sehr lauten Quelle, Explosionstrauma etc.)<\/li>\n<li>Ohrenschmalz<\/li>\n<li>Das H\u00f6rsystem beeinflussende Medikamente, ototoxische Medikamente (bestimmte Antibiotika, Diuretika (harntreibende Mittel), Chemotherapeutika, NSAIDs (z. B. h\u00f6here Dosen von Acetylsalicyls\u00e4ure), Anti-Malaria-Medikamente u. a.)<\/li>\n<li>Stress, \u00c4ngste, \u00dcberforderung, emotional belastende Situationen<\/li>\n<li>Schwerh\u00f6rigkeit<\/li>\n<li>Mittel- und Innenohrerkrankungen (z. B. Mittelohrentz\u00fcndung, Mittelohrerguss, Otosklerose (\u00fcberschie\u00dfende Knochenbildung\/Verkn\u00f6cherung des kn\u00f6chernen Labyrinths mit Auswirkungen auf Mittel-\/Innenohr), Verletzungen des Trommelfells, Tubenfunktionsst\u00f6rungen, H\u00f6rsturz u. a.)<\/li>\n<li>Morbus Meni\u00e8re (mit Schwindel, H\u00f6rminderung, Tinnitus und anderen Symptomen einhergehende Erkrankung des Innenohrs)<\/li>\n<li>Ver\u00e4nderte Druckverh\u00e4ltnisse im Ohr (z. B. nach einem Flug oder Tauchgang)<\/li>\n<li>Andere Erkrankungen (z. B. Multiple Sklerose, Meningitis, Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddr\u00fcsenerkrankungen u. a.)<\/li>\n<li>St\u00f6rungen und Probleme im Bereich der Halswirbels\u00e4ule (HWS)<\/li>\n<li>Zahn- und Kieferprobleme<\/li>\n<li>U. a.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie genau ein subjektiver Tinnitus entsteht ist noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt, manche der oben angef\u00fchrten m\u00f6glichen Ursachen gelten als umstritten bzw. sind nicht gesichert und werden als m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser diskutiert. Zusammengefasst sind die Ohrger\u00e4usche h\u00e4ufig Folge einer fehlerhaften Informationsbildung und\/oder Informationsverarbeitung im Bereich vom H\u00f6rsystem. Ist die Ursache unklar, ist von einem idiopathischen Tinnitus die Rede.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Auf welche Weise und mit welcher Intensit\u00e4t die Ohrger\u00e4usche wahrgenommen werden, wie h\u00e4ufig sie auftreten und wie lange sie bestehen kann individuell sehr verschieden sein. Bei den Ohrger\u00e4uschen kann es sich beispielsweise um ein Piepen, Kreischen, Brummen, Summen, Klingeln, Rattern, Pfeifen, Surren, Zischen, Rauschen oder Knacken handeln. Die Ger\u00e4usche in den Ohren k\u00f6nnen dabei konstant die gleiche Intensit\u00e4t haben, in einem bestimmten Rhythmus an- und abklingen oder einen pulsierenden Charakter haben.<\/p>\n<p>Die Ohrger\u00e4usche sind nicht gef\u00e4hrlich, unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnen sie Betroffene jedoch st\u00f6ren bzw. eine Belastung darstellen und zu verschiedenen St\u00f6rungen und Beschwerden f\u00fchren, darunter z. B. Konzentrationsst\u00f6rungen, Schlafst\u00f6rungen, Verspannungen, Probleme beim \u201cAbschalten\u201c und Entspannen, M\u00fcdigkeit, Ersch\u00f6pfung, Kopfschmerzen u. a. In manchen F\u00e4llen wird der Tinnitus auch zu einer dauerhaften Belastung, die zu einer Einschr\u00e4nkung in verschiedenen Lebensbereichen und zu einer merklichen Beeintr\u00e4chtigung der Lebensqualit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine St\u00f6rung\/Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>In vielen F\u00e4llen ist ein Tinnitus vor\u00fcbergehend und die Ohrger\u00e4usche klingen nach einiger Zeit wieder ab. Treten die Ohrger\u00e4usche immer wieder auf oder bleiben sie \u00fcber zwei, drei Tage bestehen, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden, um das Ohrensausen abkl\u00e4ren zu lassen. Da die Ohrger\u00e4usche auch Anzeichen f\u00fcr eine Erkrankung im Bereich der Ohren oder f\u00fcr andere Erkrankungen und St\u00f6rungen sein k\u00f6nnen, ist eine Abkl\u00e4rung im Fall eines \u00f6fter wiederkehrenden oder bestehenden Tinnitus ratsam. Ansprechpartner sind der Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin und der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt).<\/p>\n<p>Zu Beginn der Abkl\u00e4rung steht die Anamnese, im Rahmen welcher sich der Arzt u. a. nach den genauen Umst\u00e4nden der Ger\u00e4uschwahrnehmungen erkundigt. Fragen dar\u00fcber, seit wann der Tinnitus besteht, wann, in welchen Situationen und wie h\u00e4ufig er auftritt, ob m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser bekannt sind, wie sich die Ohrger\u00e4usche genau \u00e4u\u00dfern\/welchen Charakter sie haben, ob sich die Ger\u00e4usche ver\u00e4ndern oder gleichbleiben, wie belastend sie sind und weitere Angaben helfen dem Arzt, in Kombination mit der Krankengeschichte, sich ein genaueres Bild \u00fcber den Tinnitus zu verschaffen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend kann der HNO-Arzt verschiedene Untersuchungen durchf\u00fchren\/veranlassen, darunter eine Ohrmikroskopie, bei welcher das Ohrinnere untersucht wird, verschiedene H\u00f6rtests (Audiometrie\/Ton- und Sprachh\u00f6rtests) und Gleichgewichts\u00fcberpr\u00fcfungen. Weitere m\u00f6gliche Untersuchungen sind z. B. das Tympanogramm (Untersuchung zur Beurteilung der Beweglichkeit des Trommelfells), die Nasopharyngoskopie (Spiegelung des Nasen-Rachen-Raums), Tinnitus-Matching und -Masking (Bestimmung der Frequenz und Lautst\u00e4rke des Tinnitus-Tones, Ermittlung, ob und mit welchen Frequenzen der Tinnitus verdeckt\/maskiert werden kann) und weiterf\u00fchrende H\u00f6rtests (z. B. Hirnstammaudiometrie zur \u00dcberpr\u00fcfung der Funktion des H\u00f6rnervs\/Untersuchung der bei der Verarbeitung von H\u00f6rreizen stattfindenden Nervenreaktionen).<\/p>\n<p>Wie sich die Abkl\u00e4rung genau gestaltet richtet sich ganz nach den Umst\u00e4nden der Ger\u00e4uschwahrnehmungen, der Krankengeschichte des Patienten, dem Verdacht und weiteren individuellen Faktoren. Da dem Tinnitus auch andere k\u00f6rperlichen\/psychischen Probleme und St\u00f6rungen und Erkrankungen au\u00dferhalb des H\u00f6rsystems zugrunde liegen k\u00f6nnen, k\u00f6nnen noch weitere Untersuchungen wie z. B. Blutuntersuchungen, Blutdruckmessungen, Ultraschall- und andere bildgebende Untersuchungen sowie der Einbezug von anderen Fach\u00e4rzten und Therapeuten (z. B. Facharzt f\u00fcr Innere Medizin, Orthop\u00e4die oder Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Psychotherapeuten etc.) im Rahmen von Abkl\u00e4rung und Therapie sinnvoll\/notwendig sein.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Die Therapie h\u00e4ngt von der Form des Tinnitus, dessen Ursachen, Dauer, Schwere und anderen Faktoren ab und wird individuell erstellt.<\/p>\n<p><strong>Akuter Tinnitus<\/strong>: M\u00f6gliche Behandlungsma\u00dfnahmen bei einem akuten Tinnitus (bis drei Monate nach dem Auftreten) sind durchblutungsf\u00f6rdernde oder entz\u00fcndungshemmende Medikamente, physikalisch-medizinische Ma\u00dfnahmen und Krankengymnastik (wenn der Tinnitus auf Probleme im Bereich der HWS zur\u00fcckzuf\u00fchren ist), kieferorthop\u00e4dische Behandlungsma\u00dfnahmen (wenn der Tinnitus mit Zahn- und Kieferfehlstellungen zusammenh\u00e4ngt), Entspannungsmethoden\/Ma\u00dfnahmen zum Stressabbau u. a.<\/p>\n<p><strong>Chronischer Tinnitus<\/strong>: Durchblutungsf\u00f6rdernde Medikamente k\u00f6nnen auch bei der Behandlung eines chronischen Tinnitus (ab drei Monaten) zum Einsatz kommen. Au\u00dferdem wichtig sind die Beratung und Schulung des Betroffenen bzw. ein sogenanntes Habituationstraining (Training zur Gew\u00f6hnung an den Tinnitus), welches darauf abzielt, dass der Tinnitus nicht mehr als Belastung wahrgenommen wird. Durch eine entsprechende Beratung und Schulung und das Habituationstraining werden Betroffene dabei unterst\u00fctzt, Wege zu finden, um mit den anhaltenden Ohrger\u00e4uschen besser umgehen zu k\u00f6nnen und diese zu bew\u00e4ltigen anstatt von ihnen \u00fcberw\u00e4ltigt zu werden. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnen eine psychologische Betreuung und psychotherapeutische Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie sinnvoll sein.<\/p>\n<p>Da der Tinnitus durch Stress verst\u00e4rkt werden kann, sind auch Stressabbau und regelm\u00e4\u00dfige Entspannung sehr wichtig. M\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen, Methoden und Techniken, die helfen k\u00f6nnen zu entspannen und das Stresslevel zu senken sind autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Meditation, Yoga, Tai-Chi, Spazierengehen, k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t u. a.<\/p>\n<p>Eine weitere Behandlungsma\u00dfnahme besteht im Tinnitus-Retraining. Im Rahmen der Therapie lernen Betroffene die bewusste Wahrnehmung des Tinnitus zu modifizieren und die Ger\u00e4uschwahrnehmungen entsprechend zu filtern. Zum Einsatz kommen kann auch ein sogenannter Tinnitus-Noiser, durch welchen die Ger\u00e4uschempfindungen \u201cumsp\u00fclt\u201c werden und ihre dominante Bedeutung verlieren. Im Fall eines Tinnitus, der mit einer H\u00f6rst\u00f6rung einhergeht k\u00f6nnen entsprechende H\u00f6rger\u00e4te zum Einsatz kommen. Neben diesen gibt es noch weitere Behandlungsma\u00dfnahmen, deren Wirksamkeit teils jedoch nicht belegt ist. Sind bestimmte Erkrankungen die Ursache f\u00fcr den Tinnitus, dann steht die Behandlung dieser im Mittelpunkt. In manchen F\u00e4llen kann es helfen, komplette Stille zu meiden (z. B. durch das Abspielen von leiser angenehmer Musik), sodass die Ger\u00e4uschwahrnehmungen weniger auffallen. Ferner sind Gelassenheit und das Annehmen einer entsprechenden inneren Einstellung gegen\u00fcber den Ohrger\u00e4uschen wichtige Ma\u00dfnahmen der Selbsthilfe. Auch wenn es nicht einfach ist: Je entspannter und gelassener die innere Haltung, desto leichter kann es fallen, die Ohrger\u00e4usche nach und nach \u201causzublenden\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2416,2457],"tags":[108,161,237,2631,2632,239,240],"class_list":["post-2269","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-hals-nasen-ohrenheilkunde","category-krankheit","tag-allgemeinmedizin","tag-hno","tag-ohren","tag-ohrenklingeln","tag-ohrgerausche","tag-stress","tag-tinnitus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5395,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2269\/revisions\/5395"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}