{"id":2267,"date":"2019-08-26T15:10:13","date_gmt":"2019-08-26T15:10:13","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/herzinfarkt\/"},"modified":"2023-02-16T21:15:39","modified_gmt":"2023-02-16T20:15:39","slug":"herzinfarkt","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/herzinfarkt\/","title":{"rendered":"Herzinfarkt &#8211; Definition, Formen, Behandlung, Vorbeugung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist ein Herzinfarkt?<\/h2>\n<p>Das menschliche Herz ist von Blutgef\u00e4\u00dfen umgeben und wird von diesen mit Sauerstoff versorgt. Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) kommt es zum Verschluss eines Herzkranzgef\u00e4\u00dfes. Das ist meist bedingt durch ein Blutgerinnsel an einer bereits verengten Stelle des Gef\u00e4\u00dfes.<br \/>\nWenn eines der drei gro\u00dfen Herzkranzgef\u00e4\u00dfe \u2013 auch Koronararterien genannt \u2013 verschlie\u00dft, wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff und N\u00e4hrstoffen versorgt, und das von der Blutzufuhr abgeschnittene Muskelgewebe stirbt ab.<\/p>\n<p>Beim Herzinfarkt k\u00f6nnen Teile des Herzmuskels bereits nach 20 Minuten, sp\u00e4testens aber nach zwei bis vier Stunden absterben. Durch das Absterben entstehen Narben am Herzen, die neben gesundem Gewebe liegen. Diese Unregelm\u00e4\u00dfigkeit wiederum f\u00fchrt zu Herzrhythmusst\u00f6rungen. Sind diese sehr stark ausgepr\u00e4gt, wird die Pumpfunktion aufgehoben, es kommt zu unkontrollierten Zuckungen, und ein Herzstillstand folgt.<\/p>\n<h2>Welche Formen von Herzinfarkten gibt es?<\/h2>\n<p>Infarkte werden nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. In der Klinik orientiert man sich vor allem am Vorhandensein oder Fehlen von Ver\u00e4nderungen im EKG. Danach unterscheidet man<\/p>\n<ul>\n<li>Infarkte, die die ganze Herzwand betreffen (transmurale Herzinfarkte, STEMI): Typische EKG-Ver\u00e4nderungen erm\u00f6glichen es, Ausdehnung und Lage der Sch\u00e4digung zu erkennen.<\/li>\n<li>Infarkte, die nicht die ganze Herzwand betreffen (nicht transmurale Herzinfarkte, NonSTEMI): Typische EKG-Ver\u00e4nderungen fehlen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Praxis spielen nach Art der Lokalisation drei Infarkttypen eine entscheidende Rolle:<\/p>\n<ul>\n<li>Vorderwandinfarkt: Bei dieser h\u00e4ufigsten Form kommt es zu einem Gef\u00e4\u00dfverschluss im Verlauf des Vorderwandastes der linken Herzkranzarterie. Betroffen sind die Vorderwand und die Herzscheidewand.<\/li>\n<li>Hinterwandinfarkt: Ein Verschluss der rechten Kranzarterie f\u00fchrt meist zu einem Hinterwand- und begleitenden Rechtsherzinfarkt.<\/li>\n<li>Seitenwandinfarkt: Ursache des Seitenwandinfarkts ist ein Verschluss des Seitenwandastes der linken Kranzarterie. Hier sind die Seitenwand und Teile der Hinterwand betroffen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Welche Ursache f\u00fcr Herzinfarkt?<\/h2>\n<p>Meist geht einem Herzinfarkt eine Verkalkung der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe voraus. Dabei sind die Herzkranzgef\u00e4\u00dfe durch fetthaltige, teilweise verkalkte Ablagerungen an den Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden \u2013 so genannte Plaques \u2013 verengt. Haupts\u00e4chlich entwickelt sich diese Koronararteriensklerose durch das Einwirken verschiedener sch\u00e4dlicher Einfl\u00fcsse auf die empfindliche Innenhaut (Endothel) der Gef\u00e4\u00dfe. Solche sch\u00e4dlichen Einfl\u00fcsse sind etwa Bluthochdruck, Rauchen und zucker- und\/oder fettreiche Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Plaques k\u00f6nnen aufplatzen \u2013 Mediziner sprechen dann von einer Plaque-Ruptur. Dabei werden die darin enthaltenen Substanzen an den Blutstrom abgegeben und regen die Bildung von Blutgerinnseln an. Diese wiederum k\u00f6nnen pl\u00f6tzlich den gesamten Blutfluss durch eine Arterie blockieren \u2013 das ist die Hauptursache f\u00fcr einen Herzinfarkt.<br \/>\nNeueren Forschungsergebnissen zufolge gibt es neben der Plaque-Ruptur auch die Plaque-Erosion als Ursache eines akuten Koronargef\u00e4\u00dfverschlusses. Dabei lagert sich ein Blutgerinnsel auf einer gesch\u00e4digten Plaque-Oberfl\u00e4che auf.<\/p>\n<h3>Myokardinfarkt<\/h3>\n<p>Schlie\u00dflich gibt es auch Patienten mit typischen Herzinfarkt-Symptomen, bei denen sich keine Verengung der Koronargef\u00e4\u00dfe findet. Mediziner sprechen hier von einem Myokardinfarkt mit nicht obstruktiven Koronararterien (MINOCA). M\u00f6gliche Ursachen daf\u00fcr sind etwa ein Krampf der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe oder ein Verschluss durch ein verschlepptes Blutgerinnsel.<\/p>\n<h2>Symptome bei Herzinfarkt<\/h2>\n<p>Typische Symptome eines Herzinfarkts sind pl\u00f6tzlich einsetzende, l\u00e4nger als f\u00fcnf Minuten anhaltende, starke Schmerzen oder ein Druck- oder Schweregef\u00fchl hinter dem Brustbein. Mediziner sprechen dann von Angina pectoris.<\/p>\n<p>Die Schmerzen k\u00f6nnen in den linken Arm, manchmal auch in beide Arme oder in den rechten Arm, in den Hals oder in den Kiefer ausstrahlen. H\u00e4ufige weitere Begleitsymptome sind kalter Schwei\u00df, Bl\u00e4sse, ein Engegef\u00fchl in der Brust, \u00dcbelkeit, Atemnot, Unruhe und Angst.<br \/>\nManchmal kommt es statt des typischen Schmerzes hinter dem Brustbein auch zu pl\u00f6tzlich auftretenden Schmerzen im Hals- und Kieferbereich, im R\u00fccken oder im Oberbauch.<br \/>\nInsbesondere bei Frauen kann sich ein Herzinfarkt manchmal mit eher atypischen Symptomen wie \u00dcbelkeit oder Bauchschmerzen \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>In seltenen F\u00e4llen bereitet ein Herzinfarkt auch gar keine Schmerzen. Beobachtet werden solche so genannten stummen Infarkte zum Beispiel bei Diabetikern, deren Schmerzempfindung durch eine Sch\u00e4digung der Organnerven stark vermindert ist.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Die wichtigste diagnostische Erstma\u00dfnahme bei Verdacht auf Herzinfarkt ist die Elektrokardiographie (EKG). Dabei werden die elektrischen Signale, die die Herzschl\u00e4ge ausl\u00f6sen, aufgezeichnet und abgebildet. Das EKG zeigt auch auf, wo genau der Herzmuskel besch\u00e4digt wurde.<\/p>\n<p>Eine weitere Ma\u00dfnahme ist die Messung der Blutspiegel verschiedener Substanzen, die als Herzmarker bezeichnet werden. Diese Stoffe, die sich in den Herzmuskeln befinden, werden nur dann im Blut freigesetzt, wenn Herzmuskeln besch\u00e4digt oder abgestorben sind.<\/p>\n<p>Liefern das EKG und die kardialen Marker nicht gen\u00fcgend Informationen, so k\u00f6nnen eine Echokardiographie oder eine Radionuklidangiographie durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nDie Echokardiographie zeigt eventuell eine verlangsamte Bewegung in einem Teil der linken Herzkammer, die Blut in den K\u00f6rper pumpt. Das deutet auf einen Schaden als Folge eines Herzinfarkts hin.<\/p>\n<p>Die Radionuklidangiographie ist ein nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren, mit dem die Gef\u00e4\u00dfsituation bildgebend dargestellt werden kann.<\/p>\n<h2>Behandelung<\/h2>\n<p>Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Herzinfarkt sind ein echter Notfall, bei dem h\u00e4ufig der Notarzt zum Einsatz kommt. Er bek\u00e4mpft die Schmerzen mittels starker Schmerzmittel (Morphium), verabreicht Sauerstoff und gef\u00e4\u00dferweiternde Substanzen (Nitropr\u00e4parate) und erstellt ein EKG.<\/p>\n<p>Danach gibt es drei M\u00f6glichkeiten, die Durchblutung wieder herzustellen:<\/p>\n<h3>Mechanische Aufdehnung des Gef\u00e4\u00dfes<\/h3>\n<p>Mit Hilfe einer Angiographie wird das gesch\u00e4digte Gef\u00e4\u00df geortet. Dann wird ein Katheter mit einem Ballon \u00fcber eine Punktionsstelle in der Leiste bis zu den Herzkranzgef\u00e4\u00dfen vorgeschoben. Der Ballon an der Katheterspitze dehnt das verstopfte Gef\u00e4\u00df auf. In Folge wird ein Stent \u2013 das ist ein Maschendrahtgeflecht, das auf dem Ballon sitzt &#8211; , in das Gef\u00e4\u00df eingesetzt, um die verengte Stelle dauerhaft offen zu halten.<\/p>\n<h3>Medikament\u00f6se \u00d6ffnung des Gef\u00e4\u00dfes<\/h3>\n<p>Bei der so genannten Lyse-Therapie werden umgehend bestimmte blutgerinnungshemmende Substanzen in die Vene verabreicht, um das Blutgerinnsel im Herzkranzgef\u00e4\u00df aufzul\u00f6sen. Das ist dann sinnvoll, wenn die voraussichtliche Transportzeit zum Herzkatheter nach Auftreten der Akutsymptome mehr als zwei Stunden betr\u00e4gt.<\/p>\n<h3>Operative Wiederherstellung der Gef\u00e4\u00dfdurchblutung<\/h3>\n<p>Bei einer akuten Bypass-Operation wird die verengte Stelle mit einem St\u00fcck Gef\u00e4\u00df \u00fcberbr\u00fcckt, das aus der Brustwand oder dem Bein entnommen wird. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn es nicht m\u00f6glich ist, einen Stent zu setzen oder wenn ein Herzinfarkt vorliegt, der zwei oder mehr Koronararterien betrifft.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werden im Spital Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung, zur Gef\u00e4\u00dferweiterung, zur Schmerzbek\u00e4mpfung, zur Vorbeugung von Gef\u00e4\u00dfthromben, zur Verminderung des Sauerstoffverbrauchs des Herzens sowie Beruhigungsmittel eingesetzt.<\/p>\n<h2>Welcher Arzt behandelt Herzinfarkt?<\/h2>\n<p>Herzinfarkt ist ein Notfall, und der erste Ansprechpartner dabei ist der Notarzt.<br \/>\nIm Krankenhaus \u2013 idealerweise in einem mit Herzzentrum \u2013 k\u00fcmmern sich Internisten, Kardiologen, Radiologen und Herzchirurgen um die Versorgung eines Herzinfarkts.<\/p>\n<h2>Wie Herzinfarkt vorbeugen?<\/h2>\n<p>H\u00e4ufig sind Stress und ein ungesunder Lebensstil die Vorl\u00e4ufer eines Herzinfarkts. Doch gerade die Hauptrisikofaktoren wie erh\u00f6htes Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Rauchen sind zum Teil beeinflussbar.<\/p>\n<p>Andere Risikofaktoren wie genetische Belastung, Alter und Geschlecht k\u00f6nnen nicht beeinflusst werden.<\/p>\n<p>Das Herzinfarktrisiko steigt umso deutlicher an, je mehr Risikofaktoren gleichzeitig vorhanden sind. Die beste M\u00f6glichkeit einem Infarkt vorzubeugen besteht daher darin, das Rauchen aufzugeben und die Ern\u00e4hrungsweise und die Bewegungsgewohnheiten zu optimieren.<\/p>\n<p>Dabei kann man sich durch die Vorsorgeuntersuchung unterst\u00fctzen lassen. Bei diesem Check der Gesundheit wird besonderes Augenmerk auf Risikofaktoren gelegt, die keine oder kaum Beschwerden verursachen (Bluthochdruck, erh\u00f6hte Blutfettwerte, beginnender Diabetes). Werden diese Risikofaktoren erkannt und rechtzeitig behandelt, kann das Infarktrisiko deutlich verringert werden.<\/p>\n","protected":false},"author":45,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2448,2449,2409,2457,7],"tags":[776,2642,1286,722,292,268,2641],"class_list":["post-2267","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-innere-medizin","category-intensivmedizin","category-kardiologie","category-krankheit","category-leben","tag-herz","tag-herzanfall","tag-herzinfarkt","tag-intensivmedizin","tag-interne-medizin","tag-kardiologie","tag-myokardinfarkt"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/45"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2267\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5405,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2267\/revisions\/5405"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}