{"id":2258,"date":"2019-08-22T12:41:55","date_gmt":"2019-08-22T12:41:55","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/kraetze\/"},"modified":"2023-02-27T12:41:51","modified_gmt":"2023-02-27T11:41:51","slug":"kraetze","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/kraetze\/","title":{"rendered":"Kr\u00e4tze (Scabies) &#8211; Ansteckung, Symptome, Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Kr\u00e4tze?<\/h2>\n<p>Bei Kr\u00e4tze (Scabies) handelt es sich um eine ansteckende Hauterkrankung. Sie geht u. a. mit starkem Juckreiz einher. Kr\u00e4tze kommt weltweit vor und betrifft Menschen jedes Alters.<\/p>\n<p>Erreger der Krankheit ist die Kr\u00e4tzmilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis), ein auf den Menschen spezialisierter Parasit. Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch; im Gegensatz zu vielen anderen durch Parasiten hervorgerufenen Erkrankungen gibt es bei Scabies in der Regel keinen tierischen Zwischenwirt. Die Kr\u00e4tzmilbe z\u00e4hlt zu den Spinnentieren. Die weibliche Milbe wird ca. 0,3 bis 0,5 Millimeter gro\u00df und ist damit mit dem Auge gerade noch als Punkt erkennbar, m\u00e4nnliche Kr\u00e4tzmilben werden ca. 0,21 bis 0,29 Millimeter gro\u00df.<\/p>\n<p>Die Begattung der Milben erfolgt auf der Hautoberfl\u00e4che. Die m\u00e4nnlichen Milben sterben danach. Die befruchteten Milbenweibchen graben tunnelf\u00f6rmige G\u00e4nge im Stratum corneum (oberste Schicht der Epidermis) und legen ihre Eier ab. Die weibliche Milbe kann dann noch bis zu 60 Tage lebensf\u00e4hig bleiben. Aus den Eiern schl\u00fcpfen nach zwei bis drei Tagen Larven, die sich in Richtung Hautoberfl\u00e4che bewegen, wo sie sich in Vertiefungen, Falten und Haarfollikeln zu Nymphen und schlie\u00dflich nach etwa zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Kr\u00e4tzmilben entwickeln. Damit ist eine neue Milbengeneration in der Lage sich zu vermehren.<\/p>\n<h2>Ansteckung<\/h2>\n<p>Die Ansteckung erfolgt durch engen k\u00f6rperlichen Kontakt\/direkten Hautkontakt mit infizierten Personen. Dabei &#8220;wandern&#8221; die Milben von einer Person zur n\u00e4chsten (von einem Wirt zum n\u00e4chsten). M\u00f6gliche \u00dcbertragungswege sind z. B. gemeinsames Schlafen, l\u00e4ngere enge Umarmungen, Kuscheln, gemeinsames Spielen und K\u00f6rperpflege durch eine andere Person (z. B. Kinder durch die Eltern, kranke oder \u00e4ltere Menschen durch Pfleger). Die Ansteckung kann auch beim Geschlechtsverkehr erfolgen, weshalb Kr\u00e4tze auch zu den sexuell \u00fcbertragbaren Krankheiten z\u00e4hlt. Ein weiterer \u00dcbertragungsweg sind kontaminierte Gegenst\u00e4nde, darunter z. B. Bettw\u00e4sche, Kleidung, Handt\u00fccher, Polsterm\u00f6bel und Teppiche.<\/p>\n<p>Das Risiko einer Ansteckung besteht besonders an Orten, an welchen viele Menschen zusammenkommen. Hierzu z\u00e4hlen z. B. Kinderg\u00e4rten, Schulen, Krankenh\u00e4user, Pflegeheime, Altersheime und Hotels mit schlechten Hygienestandards. Bei Einzelf\u00e4llen besteht grunds\u00e4tzlich keine Meldepflicht, bei Ausbruch ist Gemeinschaftseinrichtungen ist Kr\u00e4tze meldepflichtig.<\/p>\n<p>Bei einer Umgebungstemperatur von 34 Grad \u00fcberleben die Milben weniger als 24 Stunden, bei 50 Grad kaum l\u00e4nger als zehn Minuten. Verl\u00e4ngert wird die \u00dcberlebenszeit der Milbe durch niedrigere Temperaturen und eine h\u00f6here relative Luftfeuchtigkeit.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Die Inkubationszeit kann mehrere Wochen betragen. Bei erstmaliger Infestation (Befall eines K\u00f6rpers mit Parasiten) kommt es nach etwa zwei bis f\u00fcnf Wochen zum Auftreten der ersten Symptome. Im Fall einer Reinfestation (erneuter Befall) zeigen sich bereits nach wenigen Tagen Hautver\u00e4nderungen. Die Milben graben kleine &#8220;Tunnel&#8221; in die obere Schicht der Haut, um ihre Eier ablegen zu k\u00f6nnen. Hierf\u00fcr bevorzugen sie Stellen, an welchen die Haut d\u00fcnner und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig w\u00e4rmer ist. Pr\u00e4dilektionsstellen (K\u00f6rperstellen, an welchen eine Krankheit bzw. Krankheitserscheinung bevorzugt auftritt) der gew\u00f6hnlichen Scabies sind u. a.: Finger- und Zehenzwischenr\u00e4ume (Interdigitalfalten), Handgelenke, Ellbogenstreckseiten, Kn\u00f6chelregion, vordere Axillarfalten\/Achselregion, Brustwarzenvorh\u00f6fe, Nabelregion, G\u00fcrtellinie, Ges\u00e4\u00df, Leisten, Analfalte\/Analregion und Penisschaft. Bei S\u00e4uglingen und Kleinkindern finden sich die typischen Hauterscheinungen auch am behaarten Kopf, im Gesicht und an den Handfl\u00e4chen und Fu\u00dfsohlen.<\/p>\n<p>Es entstehen Milbeng\u00e4nge, die sich als zumeist unregelm\u00e4\u00dfig gewundene (&#8220;kommaartige&#8221;) feine br\u00e4unlich-r\u00f6tliche Linien zeigen, an deren Ende sich manchmal ein kleines Bl\u00e4schen ausbildet. Die Zahl dieser Milbeng\u00e4nge, die mit blo\u00dfem Auge oft kaum zu erkennen sind, kann variieren. Klassisches Symptom ist der starke <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/juckreiz-pruritus\/\">Juckreiz (Pruritus)<\/a>, auch ein leichtes Brennen der Haut kann vorkommen. Der Juckreiz nimmt in der Nacht zu. Es entstehen Ekzeme mit disseminierten (ausgestreuten) milbenfreien und teils krust\u00f6sen Papeln, Bl\u00e4schen und Papulovesikeln (Kn\u00f6tchen mit fl\u00fcssigkeitsgef\u00fclltem Bl\u00e4schen). Betroffene kratzen sich an den juckenden Stellen, was zu kleinen oberfl\u00e4chlichen Hautverletzungen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Die Auflistung der Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Krankheit sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei gew\u00f6hnlicher Scabies auftreten bzw. erkennbar sein. So sind etwa die Milbeng\u00e4nge nicht immer mit blo\u00dfem Auge sichtbar, beispielsweise weil sie von anderen Hauterscheinungen \u00fcberdeckt werden. Auch gibt es neben der gew\u00f6hnlichen Scabies noch andere Krankheitsformen wie Scabies crustosa (Borkenkr\u00e4tze), Scabies im S\u00e4uglings- und Kleinkindalter, Scabies nodosa und die sogenannte gepflegte Scabies. Bei diesen Krankheitsformen k\u00f6nnen die Symptome variieren bzw. k\u00f6nnen sich auch noch andere Symptome zeigen. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Krankheit sollte stets das Gespr\u00e4ch mit dem Arzt gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner sind der Arzt f\u00fcr <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Allgemeinmedizin<\/a> und <a href=\"\/suche\/hautarzt\">Dermatologe<\/a>. Die Diagnose sollte prinzipiell durch einen Dermatologen gestellt bzw. abgesichert werden. Die Verdachtsdiagnose, die aufgrund der Symptome (qu\u00e4lender Juckreiz, Milbeng\u00e4nge, Hauterscheinungen u. a.) gestellt wird, kann durch den mikroskopischen Nachweis von Milben oder Eiern im Hautmaterial (aus einem Hautgeschabsel) gesichert werden. Alternativen sind der Klebebandtest, bei welchem ein Klebestreifen fest auf die betroffene Hautstelle gedr\u00fcckt, ruckartig abgezogen und anschlie\u00dfend mikroskopisch untersucht wird, und die direkte Betrachtung der Herde mit dem Dermatoskop.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Ziel der Behandlung ist es, die Milben, Larven und Eier abzut\u00f6ten. Au\u00dferdem werden die Symptome, besonders der oft ausgepr\u00e4gte Juckreiz, etwaige entz\u00fcndliche Begleiterscheinungen und sekund\u00e4re Infektionen behandelt. F\u00fcr die Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verf\u00fcgung, die direkt auf die Haut aufgetragen werden (topisch applizierte Antiscabiosa, Anti-Scabies-Mittel). Die lokal verabreichten Antiscabiosa enthalten u. a. Permethrin und Benzylbenzoat. Mittel der Wahl ist grunds\u00e4tzlich Permethrin. Au\u00dferdem steht ein Medikament zur Verf\u00fcgung, welches in Tablettenform eingenommen wird. Welche Medikamente zum Einsatz kommen und wie sich die Therapie genau gestaltet richtet sich nach der genauen Krankheitsform, dem Alter des Patienten, dem m\u00f6glichen gleichzeitigen Vorliegen von anderen (Infektions-)Krankheiten und anderen Faktoren.<\/p>\n<p><strong>Allgemeine Ma\u00dfnahmen, welche die Behandlung unterst\u00fctzen und (weiteren) Ansteckungen sowie Ansteckungen anderer Personen vorbeugen k\u00f6nnen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Es ist ratsam, dass sich Kontaktpersonen grunds\u00e4tzlich auf Kr\u00e4tze untersuchen lassen. Gegebenenfalls sollten sich Kontaktpersonen zeitgleich behandeln lassen.<\/li>\n<li>Erkrankte sollten den Kontakt mit anderen Menschen bei M\u00f6glichkeit vor\u00fcbergehend einschr\u00e4nken. Enger K\u00f6rperkontakt mit erkrankten Personen sollte gemieden werden.<\/li>\n<li>Kontakt-\/Pflegepersonen sollten Handschuhe tragen.<\/li>\n<li>Eine umfassende K\u00f6rperhygiene ist wichtig, um zu verhindern, dass sich die Milben \u00fcberm\u00e4\u00dfig vermehren.<\/li>\n<li>Betroffene und enge Kontaktpersonen sollten ihre N\u00e4gel kurz halten und diese regelm\u00e4\u00dfig gr\u00fcndlich reinigen\/ausb\u00fcrsten.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend der Einwirkzeit des Medikaments sollten Patienten Baumwollhandschuhe tragen, gegebenenfalls dar\u00fcber auch Plastikhandschuhe.<\/li>\n<li>Nach Abwaschen des Medikaments sollte die Kleidung vollst\u00e4ndig gewechselt werden (Wechsel auf frische Kleidung).<\/li>\n<li>Textilien (z. B. Kleidung, Bettw\u00e4sche, Handt\u00fccher) sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,66,2405,2430,2457,6,2455],"tags":[108,254,2656,448,784,190],"class_list":["post-2258","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gesundheitsnews","category-haut-und-geschlechtskrankheiten","category-infektiologie","category-krankheit","category-sexualitaet","category-urologie","tag-allgemeinmedizin","tag-dermatologie","tag-kratze","tag-scabies","tag-sexualitat","tag-urologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9801,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/2258\/revisions\/9801"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}