{"id":1705,"date":"2019-03-30T12:12:22","date_gmt":"2019-03-30T12:12:22","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/gallensteine-risikofaktoren-symptome-diagnose-behandlung\/"},"modified":"2026-02-09T13:36:00","modified_gmt":"2026-02-09T12:36:00","slug":"gallensteine-risikofaktoren-symptome-diagnose-behandlung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/gallensteine-risikofaktoren-symptome-diagnose-behandlung\/","title":{"rendered":"Gallensteine &#8211; Risikofaktoren, Symptome, Diagnose, Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was sind Gallensteine?<\/h2>\n<p>Bei einem Gallenstein handelt es sich um verfestigte bzw. auskristallisierte Bestandteile der Gallenfl\u00fcssigkeit &#8211; ein Stein entsteht, wenn es zwischen in der Gallenfl\u00fcssigkeit (Galle) gel\u00f6sten Bestandteilen zu einem Ungleichgewicht kommt, was in der Ausf\u00e4llung von einer oder mehreren Komponente(n) m\u00fcndet.<br \/>\nDie Gallenfl\u00fcssigkeit setzt sich aus verschiedenen Substanzen zusammen und dient vor allem der Fettverdauung. Sie wird in der Leber produziert, in der Gallenblase gespeichert und bei Bedarf \u00fcber den Gallengang in den D\u00fcnndarm abgegeben, um die Verdauung zu unterst\u00fctzen. Galle besteht zum gr\u00f6\u00dften Teil aus Wasser (ca. 80 Prozent), in welchem verschiedene Substanzen gel\u00f6st sind. Zu den weiteren Bestandteilen z\u00e4hlen u. a. Elektrolyte, Gallens\u00e4uren, Phospholipide und Cholesterin; au\u00dferdem finden sich in der Gallenfl\u00fcssigkeit verschiedene Abbau-\/Ausscheidungsprodukte wie Bilirubin (Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes H\u00e4moglobin), welches u. a. die br\u00e4unlich-gelbe F\u00e4rbung der Fl\u00fcssigkeit ausmacht. Kommt es zu Ver\u00e4nderungen bzw. Verschiebungen in der fein abgestimmten Gallenfl\u00fcssigkeitskonzentration, k\u00f6nnen bestimmte Bestandteile auskristallisieren und es entstehen wenige Millimeter kleine Steinchen oder mehrere Zentimeter gro\u00dfe Steine (Gallengries, Gallensteine).<\/p>\n<h3>Arten von Gallensteinen<\/h3>\n<p>Abh\u00e4ngig davon welche Substanz in den Steinen \u00fcberwiegt wird zwischen Cholesterinsteinen (bestehen haupts\u00e4chlich aus Cholesterin) und Bilirubinsteinen (Bilirubin-Pigment-Steine) unterschieden. Abh\u00e4ngig vom Ort der Ablagerung wird unterschieden zwischen Gallenblasensteinen (der Stein entsteht in der Gallenblase und damit dort, wo die Gallenfl\u00fcssigkeit gesammelt wird) und Gallengangsteinen (Steine, die sich im Gallengang\/Verbindungsgang zwischen Gallenblase und D\u00fcnndarm befinden).<\/p>\n<h3>Cholelithiasis, Cholecystolithiasis, Choledocholithiasis<\/h3>\n<p>Das Vorliegen von Gallensteinen (Gallensteinleiden) wird als Cholelithiasis bezeichnet. Befinden sich die Steine in der Gallenblase, dann ist von Cholezystolithiasis die Rede, liegen die Steine in den Galleng\u00e4ngen, dann spricht man von Cholangiolithiasis\/Choledocholithiasis.<\/p>\n<h2>Gallensteine &#8211; Ursache und Risikofaktoren<\/h2>\n<p>Ursache von Gallensteinen ist eine Ver\u00e4nderung in der Gallenfl\u00fcssigkeit &#8211; ein Gallenstein bildet sich, wenn sich die Zusammensetzung der Galle so ver\u00e4ndert, dass bestimmte Bestandteile wie z. B. Cholesterin auskristallisieren. Es entstehen feine Kristalle, die sich vereinen und aneinanderlagern, weiter wachsen und so Gries oder gr\u00f6\u00dfere Steine bilden k\u00f6nnen. Gallensteine k\u00f6nnen in jedem Alter vorkommen, die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr die Entwicklung von Gallensteinen steigt mit zunehmendem Alter. Die wichtigsten Risikofaktoren, welche die Entstehung von Gallensteinen beg\u00fcnstigen werden unter der 6-F-Regel zusammengefasst. Das &#8220;F&#8221; steht jeweils f\u00fcr einen Begriff aus dem Englischen:<\/p>\n<ul>\n<li>Family (famili\u00e4re Veranlagung, famili\u00e4re Belastung)<\/li>\n<li>Female (weibliches Geschlecht; Frauen sind, vor allem in j\u00fcngeren Jahren, h\u00e4ufiger von Gallensteinen betroffen als M\u00e4nner)<\/li>\n<li>Forty (Alter um die 40 Jahre)<\/li>\n<li>Fertile (Reproduktives Lebensalter)<\/li>\n<li>Fat (\u00dcbergewicht)<\/li>\n<li>Fair (helle Haut und Haare)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als weitere Risikofaktoren gelten\/werden diskutiert: Schwangerschaften, unausgewogene Ern\u00e4hrung (ballaststoffarme und cholesterinreiche Ern\u00e4hrung), erh\u00f6hte Blutfettwerte, bestimmte Erkrankungen wie Darm- und Lebererkrankungen und Diabetes mellitus, vermehrter Zerfall roter Blutk\u00f6rperchen (H\u00e4molyse), Infektionen mit bestimmten Bakterien und Parasiten, lange Fastenperioden, sehr kalorienarme Ern\u00e4hrung und rascher Gewichtsverlust u. a.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Die meisten Gallensteine bleiben asymptomatisch. In einem gro\u00dfen Teil aller F\u00e4lle verursachen Gallensteine also keine Beschwerden (&#8220;stummes Gallensteinleiden&#8221;) und die Steine werden, wenn \u00fcberhaupt, zuf\u00e4llig im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckt. Ob es zu Beschwerden kommt ist u. a. von der Gr\u00f6\u00dfe und Lokalisation der Steine abh\u00e4ngig.<br \/>\nM\u00f6gliche Beschwerden reichen von leichtem Schmerz, V\u00f6llegef\u00fchl, Druckgef\u00fchl, Aufsto\u00dfen, Bl\u00e4hungen und anderen weniger spezifischen Beschwerden, die vorrangig nach dem Essen auftreten und sich durch fetthaltige Speisen verst\u00e4rken k\u00f6nnen, bis hin zu st\u00e4rkerem krampfartigem Schmerz im rechten Mittel- und Oberbauch (Koliken), in den R\u00fccken oder die rechte Schulterregion ausstrahlenden Schmerzen, \u00dcbelkeit, Erbrechen und Schwei\u00dfausbr\u00fcchen. M\u00f6gliche weitere Symptome bei Gallengangsteinen sind u. a. dunkler Urin, heller Stuhl und Fieber. Koliken entstehen, wenn ein Stein feststeckt; der Abfluss der Gallenfl\u00fcssigkeit wird verhindert und es kommt zu einem Gallenstau. Reizen die Gallenblasensteine die Gallenblasenschleimhaut, kann es zu einer Entz\u00fcndung der Gallenblase kommen (Cholezystitis). Au\u00dferdem kann es durch den Gallenstau zu einer Entz\u00fcndung des Gallengangs kommen (Cholangitis), auch kann sich eine Gelbsucht entwickeln (Ikterus). Weitere m\u00f6gliche Komplikationen und Folgen l\u00e4nger bestehender und nicht behandelter Steine sind u. a. Entz\u00fcndung der Bauchspeicheldr\u00fcse (Pankreatitis), Gallenblasen- und Gallengangskarzinom (selten).<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Krankheit sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei einem Steinleiden auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner sind der <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Arzt f\u00fcr Allgemeinmedizin<\/a> und (weiterf\u00fchrend) <a href=\"\/suche\/allgemeinchirurg\">Fach\u00e4rzte f\u00fcr Innere Medizin und Chirurgie<\/a>. Zu Beginn stehen das Arzt-Patienten-Gespr\u00e4ch und die Anamnese. Bereits die Schilderung der Beschwerden kann entscheidende Hinweise auf das Vorliegen eines Steinleidens geben. Im Anschluss erfolgen eine k\u00f6rperliche Untersuchung, eine bildgebende Untersuchung, f\u00fcr welche verschiedene Untersuchungsverfahren zur Verf\u00fcgung stehen (Ultraschalluntersuchung, Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikographie (MRCP), endoskopische retrograde Cholangio-Pankreaticographie (ERCP) u. a.) und Blutuntersuchungen. Wichtigstes bildgebendes Untersuchungsverfahren ist die Ultraschalluntersuchung. Ob und welche weiterf\u00fchrenden Untersuchungen notwendig sind und wie sich die Abkl\u00e4rung genau gestaltet ist von der individuellen Situation abh\u00e4ngig.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Ob eine Behandlung notwendig ist h\u00e4ngt u. a. davon ab ob und welche Beschwerden die Gallensteine verursachen und wo sie lokalisiert sind. Steine, die keine Beschwerden verursachen m\u00fcssen nicht zwangsl\u00e4ufig behandelt werden. Sobald die Steine jedoch Beschwerden verursachen, wird eine Behandlung erforderlich; bei symptomatischen Steinleiden und Gallenkoliken ist zumeist eine Operation angezeigt.<br \/>\nAkute Koliken werden mit krampfl\u00f6senden und schmerzstillenden Medikamenten behandelt. Diese heilen jedoch nicht das urs\u00e4chliche Leiden, die Steine werden dadurch also nicht beseitigt. Au\u00dferdem helfen Bettruhe und Verzicht auf Essen (Nahrungskarenz) in den Stunden nach Beginn der Gallenkolik. Bei symptomatischen Steinleiden wird oft eine Operation empfohlen, um weitere Beschwerden und Komplikationen zu vermeiden. Im Rahmen der zumeist laparoskopisch (minimal-invasiv) durchgef\u00fchrten Operation (Bauchspiegelung) werden die Steine entfernt, unter Umst\u00e4nden (bei akuter Gallenblasenentz\u00fcndung, wiederholten Schmerzattacken, zur Vermeidung weiterer Beschwerden und Komplikationen etc.) wird auch die Gallenblase entfernt (Cholezystektomie).<br \/>\nGallengangsteine k\u00f6nnen auch mittels ERCP entfernt werden. Alternativ kann eine Behandlung der Gallensteine mit Medikamenten erfolgen, durch welche die Steine aufgel\u00f6st werden, sowie eine Sto\u00dfwellentherapie, im Rahmen welcher die Steine durch Sto\u00dfwellen zerkleinert bzw. &#8220;zertr\u00fcmmert&#8221; werden. Diese Behandlungsma\u00dfnahmen sind unter bestimmten Voraussetzungen m\u00f6glich und gehen prinzipiell mit einem relativ hohen Rezidivrisiko (Risiko, dass es nach der nicht-operativen Therapie erneut zur Entwicklung von Gallensteinen kommt) einher. Welche Behandlungen im Einzelfall in Frage kommen und erfolgsversprechend sind h\u00e4ngt vom Einzelfall ab, die Behandlung wird immer individuell festgelegt.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,25,2831,2424,2448,2449,2457],"tags":[187,182,2661,2662,2182,2660,707,722,292],"class_list":["post-1705","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-chirurgie","category-ernaehrung","category-hepatologie","category-innere-medizin","category-intensivmedizin","category-krankheit","tag-chirurgie","tag-ernahrung","tag-galle","tag-gallenblase","tag-gallensaure","tag-gallensteine","tag-hepatologie","tag-intensivmedizin","tag-interne-medizin"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1705","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1705\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9845,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1705\/revisions\/9845"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1706"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}