{"id":1701,"date":"2019-03-30T12:12:17","date_gmt":"2019-03-30T12:12:17","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/migraene-ursache-diagnose-behandlung\/"},"modified":"2023-09-14T12:07:35","modified_gmt":"2023-09-14T10:07:35","slug":"migraene-ursache-diagnose-behandlung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/migraene-ursache-diagnose-behandlung\/","title":{"rendered":"Migr\u00e4ne &#8211; Ursache, Diagnose, Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Migr\u00e4ne?<\/h2>\n<p>Migr\u00e4ne-Betroffene leiden unter starken Kopfschmerzattacken, die mehrere Stunden, in manchen F\u00e4llen auch einige Tage, andauern k\u00f6nnen. Au\u00dferdem k\u00f6nnen noch viele andere Begleiterscheinungen wie beispielsweise \u00dcbelkeit oder eine starke Licht- oder andere Empfindlichkeit auftreten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/kopfschmerzen\/\">Kopfschmerzen<\/a> sind an sich keine Erkrankung, sondern ein Symptom, welchem viele verschiedene Ursachen zugrunde liegen k\u00f6nnen. Im Unterschied dazu ist Migr\u00e4ne eine eigenst\u00e4ndige Erkrankung. Migr\u00e4ne ist also weit mehr als &#8220;nur&#8221; Kopfschmerz &#8211; es handelt sich um einen teils sehr qu\u00e4lenden Zustand, der Betroffene nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch psychisch sehr belasten und dazu f\u00fchren kann, dass normale Alltagst\u00e4tigkeiten kaum zu bew\u00e4ltigen sind.<\/p>\n<p>Es wird unterschieden zwischen episodischer und chronischer Migr\u00e4ne. Ein Unterscheidungskriterium in diesem Zusammenhang ist die Anzahl der monatlichen Kopfschmerztage: Bei weniger als 15 Kopfschmerztagen pro Monat ist von episodischer Migr\u00e4ne die Rede; treten an 15 oder mehr Tagen im Monat \u00fcber einen Zeitraum von drei oder mehr Monaten Kopfschmerzen auf und sind davon mindestens acht Tage Migr\u00e4ne, dann besteht eine chronische Migr\u00e4ne.<br \/>\nIn \u00d6sterreich leiden etwa zehn Prozent* der Bev\u00f6lkerung an episodischer Migr\u00e4ne. Die gr\u00f6\u00dfte H\u00e4ufigkeit besteht zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr*, Frauen sind \u00f6fter betroffen als M\u00e4nner. Auch ein Kind kann von Migr\u00e4ne betroffen sein.<\/p>\n<h2>Ursache &#8211; wie entsteht Migr\u00e4ne?<\/h2>\n<p>Mittlerweile ist vieles \u00fcber die Entstehungsmechanismen und Ausl\u00f6ser bekannt. Die Migr\u00e4neentstehung ist komplex, anzunehmen ist prinzipiell, dass viele Faktoren zusammen wirken und zu einer Migr\u00e4ne beitragen. Ausgegangen wird zusammengefasst von Fehlfunktionen im Botenstoff-Haushalt im Gehirn, Entz\u00fcndungsreaktionen und einer erh\u00f6hten Aussch\u00fcttung von Schmerzbotenstoffen. Auch genetische Faktoren k\u00f6nnen eine Rolle spielen. M\u00f6gliche Faktoren, die eine Migr\u00e4neattacke ausl\u00f6sen k\u00f6nnen (Triggerfaktoren) sind <a href=\"\/ratgeber\/stress-3346\">Stress<\/a>, Reiz\u00fcberflutungen, k\u00f6rperliche Anstrengung, Schlafmangel und Ver\u00e4nderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, hormonelle Schwankungen, Wetterumschw\u00fcnge, bestimmte Lebens- und Genussmittel, Nikotin u. a.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Wichtigstes Symptom ist der Kopfschmerz. Bei Migr\u00e4ne handelt es sich um zumeist einseitige Kopfschmerzen, sie k\u00f6nnen sich aber auch auf die andere Kopfh\u00e4lfte ausbreiten oder ihren Anfang beidseitig im Stirn- oder Genickbereich haben. Die Kopfschmerzen sind zumeist mittelstark bis (sehr) stark und nehmen im Verlauf der Migr\u00e4neattacke an Intensit\u00e4t zu. Auch Kopfbewegungen und k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t k\u00f6nnen zu einer Verst\u00e4rkung des Kopfschmerzes f\u00fchren. Von Betroffenen wird der Schmerz h\u00e4ufig als pulsierend, pochend, h\u00e4mmernd und\/oder klopfend beschrieben. Die Dauer der Kopfschmerzen kann zwischen einigen Stunden und bis zu drei Tagen variieren.<\/p>\n<p>Hinsichtlich des Ablaufs einer Migr\u00e4neattacke werden vier Phasen unterschieden:<\/p>\n<ul>\n<li>Vorbotenphase (Prodromalstadium, Prodromalphase)<\/li>\n<li>Aura-Phase<\/li>\n<li>Kopfschmerzphase (Migr\u00e4nekopfschmerz)<\/li>\n<li>R\u00fcckbildungsphase (Abklingphase, Postdromalphase)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die einzelnen Phasen sind durch unterschiedliche Symptome charakterisiert. Nicht alle Betroffenen durchlaufen alle Phasen und die Symptome k\u00f6nnen sich individuell unterschiedlich \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Die Vorbotenphase kann der eigentlichen Migr\u00e4neattacke um Stunden bis Tage vorausgehen &#8211; die Migr\u00e4ne k\u00fcndigt sich sozusagen durch verschiedene Symptome, darunter z. B. Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Abgeschlagenheit, Hei\u00dfhunger, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme oder Schwindel, an. Zu den Symptomen einer Aura-Phase, welche zumeist signalisiert, dass der f\u00fcr Migr\u00e4ne typische Schmerz naht, z\u00e4hlen Lichterscheinungen, Sehst\u00f6rungen, Gef\u00fchlsst\u00f6rungen (z. B. Kribbeln), L\u00e4hmungserscheinungen, Sprachst\u00f6rungen u. a (visuelle Aura, motorische Aura, Sprachaura u. a). Kommt es zeitnah nach diesen Symptomen zum typischen Migr\u00e4nekopfschmerz, dann handelt es sich um eine Migr\u00e4ne mit Aura. Eine Aura ist nicht immer vorhanden, auch k\u00f6nnen Auren ohne nachfolgende Kopfschmerzen auftreten. In der Kopfschmerzphase kommt es zum charakteristischen Kopfschmerz; die Attacken k\u00f6nnen von verschiedenen weiteren Erscheinungen begleitet sein, darunter u. a. Appetitlosigkeit, \u00dcbelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und eine \u00dcberempfindlichkeit gegen\u00fcber Ger\u00e4uschen und bestimmten Ger\u00fcchen. In der Abklingphase bilden sich der Schmerz und andere Symptome allm\u00e4hlich wieder zur\u00fcck. Betroffene f\u00fchlen sich m\u00fcde und abgeschlagen, weitere m\u00f6gliche Erscheinungen sind u. a. Verstimmungen, herabgesetzte Belastbarkeit und verminderte Leistungsf\u00e4higkeit. Bis zur vollst\u00e4ndigen Erholung von der Migr\u00e4neattacke k\u00f6nnen einige Stunden vergehen.<\/p>\n<p><em>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei einer Migr\u00e4ne auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/em><\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Ansprechpartner bei Verdacht auf Migr\u00e4ne sind der <a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Hausarzt<\/a>, der <a href=\"\/suche\/neurologe\">Neurologe<\/a> oder andere auf Kopfschmerzen\/Migr\u00e4ne spezialisierte Mediziner, an welchen Betroffene im Bedarfsfall zugewiesen werden. Die Diagnose fu\u00dft auf einem ausf\u00fchrlichen Anamnesegespr\u00e4ch und der m\u00f6glichst genauen Beschreibung der Kopfschmerzen und genauen Umst\u00e4nde durch den Patienten. Hierf\u00fcr kann es hilfreich sein, ein Kopfschmerztagebuch zu f\u00fchren. Im Rahmen der Anamnese werden neben der Krankengeschichte und den genauen Schmerzumst\u00e4nden verschiedene Punkte besprochen, darunter auch Fragen zur Einnahme von Medikamenten. Diese sollten m\u00f6glichst genau beantwortet werden, da Medikamente (Schmerzmittel oder andere) bzw. deren zu lange und\/oder zu h\u00e4ufige Einnahme ebenfalls Ursache f\u00fcr die Kopfschmerzen sein kann (medikamenteninduzierter Kopfschmerz). Unter bestimmten Umst\u00e4nden und zum Ausschluss anderer Erkrankungen k\u00f6nnen im Anschluss verschiedene Untersuchungen (z. B. Blutuntersuchung, neurologische Untersuchungen, bildgebende Verfahren) notwendig sein.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Migr\u00e4ne l\u00e4sst sich zwar nicht heilen, mittlerweile sind jedoch verschiedene Therapiema\u00dfnahmen verf\u00fcgbar, um die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t der Attacken zu reduzieren. In der modernen Migr\u00e4netherapie kommen Ma\u00dfnahmen der medikament\u00f6sen Akuttherapie und der nicht-medikament\u00f6sen und medikament\u00f6sen Prophylaxe (Vorbeugung) zur Anwendung. Die Therapie wird individuell auf die Situation und Bed\u00fcrfnisse des Patienten abgestimmt.<\/p>\n<p>Bei leichteren Attacken k\u00f6nnen klassische Schmerzmittel (Analgetika) und nicht-steroidale Antirheumatika hilfreich sein (z. B. Acetylsalicyls\u00e4ure, Ibuprofen). Dar\u00fcber hinaus stehen Medikamente gegen \u00dcbelkeit und Erbrechen (Antiemetika) zur Verf\u00fcgung. Bei akuten Migr\u00e4neattacken und starken Kopfschmerzen bzw. Attacken, die nicht (ausreichend) auf die genannten Optionen ansprechen k\u00f6nnen sogenannte Triptane zum Einsatz kommen. Besonders wichtig ist es, die Einnahme von Schmerzmitteln mit dem Arzt zu besprechen und diese restriktiv\/wie besprochen einzunehmen, um medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu verhindern. Weitere Behandlungsm\u00f6glichkeiten werden laufend erforscht. Als vielversprechende Entwicklung zur vorbeugenden Behandlung gelten sogenannte monoklonale Antik\u00f6rper (monoklonale Antik\u00f6rper gegen CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide) oder den CGRP-Rezeptor), welche sich derzeit in klinischen Entwicklungsprogrammen befinden bzw. bereits zugelassen sind. Weitere Ma\u00dfnahmen, die w\u00e4hrend eines Migr\u00e4neanfalls helfen k\u00f6nnen sind das Vermeiden von \u00e4u\u00dferen Reizen und Ruhe (liegen in einem abgedunkelten Raum), Schlaf und das Auflegen von k\u00fchlen Kissen oder Aufschl\u00e4gen auf Stirn und\/oder Nacken.<\/p>\n<h2>Vorbeugende Ma\u00dfnahmen<\/h2>\n<p>Experten und Fachgesellschaften haben verschiedene Kriterien festgelegt, wann eine medikament\u00f6se Prophylaxe empfehlenswert ist. Medikamente zur Vorbeugung von Migr\u00e4ne kommen zusammengefasst dann zum Einsatz, wenn Betroffene durch die Erkrankung im Alltag und in ihrer Lebensqualit\u00e4t beeintr\u00e4chtigt sind und andere Ma\u00dfnahmen nicht ausreichend wirksam sind. Zum Einsatz kommen k\u00f6nnen verschiedene Medikamente, darunter Betablocker, Antiepileptika, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/alles-wissenswerte-ueber-antidepressiva\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antidepressiva<\/a>, Botox (Prophylaxetherapie der chronischen Migr\u00e4ne) u. a. Nicht-medikament\u00f6se vorbeugende Ma\u00dfnahmen sind u. a. das Identifizieren und Meiden von pers\u00f6nlichen Triggerfaktoren (&#8220;Migr\u00e4neausl\u00f6ser&#8221;, z. B. Stress, bestimmte Nahrungsmittel), ein gesunder ausbalancierter Lebensstil mit ausreichend Schlaf, ausgewogener Ern\u00e4hrung, ausreichender Fl\u00fcssigkeitszufuhr und ausreichend Bewegung, Stressreduktion und das Erlernen von Entspannungstechniken (z. B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson); in manchen F\u00e4llen k\u00f6nnen auch Akupunktur, Verhaltenstherapien, Biofeedback und andere Ma\u00dfnahmen hilfreich sein.<\/p>\n<p>*Angaben k\u00f6nnen in der Literatur variieren.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2457,2408,2413,2440],"tags":[2655,1964,1965,188,211,2570],"class_list":["post-1701","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-krankheit","category-neurologie","category-psychologie","category-schmerzmedizin","tag-kopf","tag-kopfschmerz","tag-migrane","tag-neurologie","tag-schmerz","tag-ubelkeit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1701\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12642,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1701\/revisions\/12642"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1702"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}