{"id":1684,"date":"2019-01-21T09:22:36","date_gmt":"2019-01-21T09:22:36","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/syphilis\/"},"modified":"2023-02-27T12:44:34","modified_gmt":"2023-02-27T11:44:34","slug":"syphilis","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/syphilis\/","title":{"rendered":"Syphilis: Was ist das und welche Folgen hat die Krankheit?"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Syphilis?<\/h2>\n<p>Bei Syphilis, auch Lues, Lues venerea, harter Schlacker oder &#8220;Franzosenkrankheit&#8221; (maladie fran\u00e7aise) genannt, handelt es sich um eine haupts\u00e4chlich beim Geschlechtsverkehr \u00fcbertragene bakterielle Infektionskrankheit. Syphilis z\u00e4hlt zu den sexuell \u00fcbertragbaren Krankheiten (STD).<\/p>\n<p>Die Erkrankung kommt weltweit vor und ist in \u00d6sterreich meldepflichtig. Die Zahl der Erkrankungsf\u00e4lle ging seit Ende der 1970er-Jahre zur\u00fcck, seit 1993, dem Jahr mit der niedrigsten Zahl an gemeldeten Syphilis-F\u00e4llen, ist die Inzidenz (H\u00e4ufigkeit von Neuerkrankungen) wieder st\u00e4rker angestiegen &#8211; w\u00e4hrend 1993 124 F\u00e4lle von Syphilis gemeldet wurden, waren es 2007 mit 420 F\u00e4llen mehr als dreimal so viele. Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr den Anstieg der Fallzahlen ist Unbedachtsamkeit bei sexuellen Kontakten. Syphilis betrifft M\u00e4nner und Frauen, wobei die meisten Betroffenen M\u00e4nner sind. Besonders gef\u00e4hrdet sind homosexuelle M\u00e4nner.<\/p>\n<h2>Ansteckung<\/h2>\n<p>Ursache f\u00fcr Syphilis ist eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum. H\u00e4ufigster \u00dcbertragungsweg ist hetero- oder homosexueller Geschlechtsverkehr, prinzipiell kann jedoch jede Art von Schleimhautkontakt zur Ansteckung f\u00fchren &#8211; die Infektion kann also auch beim K\u00fcssen, bei Oral- und Analverkehr erfolgen. Die Erreger nutzen kleinste (Schleim-)Hautl\u00e4sionen im Genital- und Analbereich oder im Bereich der Mundh\u00f6hle um in den K\u00f6rper einzudringen. Erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr eine Infektion besteht u. a. bei Menschen mit h\u00e4ufig wechselnden Sexualpartnern.<\/p>\n<p>Weitere \u00dcbertragungswege sind kontaminiertes Spritzbesteck und Blutprodukte\/Bluttransfusionen, von welchen in \u00d6sterreich jedoch praktisch keine Ansteckungsgefahr ausgeht. Weiters gibt es auch eine angeborene Form der Syphilis. Mit Syphilis infizierte schwangere Frauen k\u00f6nnen Treponema pallidum nach dem vierten Schwangerschaftsmonat auf das Kind \u00fcbertragen, in solchen F\u00e4llen ist von &#8220;Lues connata&#8221; die Rede. Besonders hoch ist das Risiko in fr\u00fchen Krankheitsstadien. W\u00e4hrend der Vorsorgeuntersuchung w\u00e4hrend der Schwangerschaft wird ein Syphilis-Screening (Blutuntersuchung) durchgef\u00fchrt, um zu untersuchen, ob eine Infektion bei der Mutter vorliegt.<\/p>\n<p>Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers in den K\u00f6rper und dem Ausbruch der Krankheit\/Auftreten der ersten Symptome) betr\u00e4gt zehn Tage bis drei Monate.<\/p>\n<h2>Verlauf und Symptome<\/h2>\n<p>Eine Infektion mit Syphilis kann asymptomatisch verlaufen, was bedeutet, dass es bei Infizierten zu keinen Symptomen\/Beschwerden kommt. Bei einem gro\u00dfen Teil aller Betroffenen zeigen sich allerdings Symptome*, die sich von Patient zu Patient sehr unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen verl\u00e4uft die Erkrankung in vier Stadien, wobei der Zeitabstand zwischen den einzelnen Stadien und deren Auspr\u00e4gung individuell verschieden sein k\u00f6nnen. Die ersten beiden Stadien werden als &#8220;Fr\u00fchsyphilis&#8221; bezeichnet, die letzten beiden als &#8220;Sp\u00e4tsyphilis&#8221;. Ansteckend ist die Krankheit in den ersten beiden Stadien.<\/p>\n<h3>Stadium 1<\/h3>\n<p>Nach der Inkubationszeit bildet sich im Bereich der Eintrittsstelle des Erregers ein r\u00f6tliches Kn\u00f6tchen, welches leicht \u00fcbersehen werden kann (Prim\u00e4raffekt). Bei M\u00e4nnern zeigt sich dieses zumeist erste Syphilis-Anzeichen h\u00e4ufig am Penis, bei Frauen im Bereich der Schamlippen oder in der Vagina. Im Fall einer Ansteckung \u00fcber Oralverkehr k\u00f6nnen der Rachen, die Mundh\u00f6hle oder die Lippen betroffen sein, bei einer Infektion \u00fcber Analverkehr der Anus oder Enddarm. Das Kn\u00f6tchen entwickelt sich nach und nach zu einem Geschw\u00fcr (Ulcus durum), welches begrenzt ist und einen harten Rand hat. Im Geschw\u00fcr l\u00e4sst sich eine hohe Dichte an Treponema pallidum nachweisen, das Geschw\u00fcr ist also sehr ansteckend. In der Regel heilt es innerhalb einiger Wochen (unter Narbenbildung) aus. Au\u00dferdem kommt es zu einem Anschwellen der Lymphknoten im Bereich des Geschw\u00fcrs.<\/p>\n<h3>Stadium 2<\/h3>\n<p>Unbehandelt breiten sich die Erreger \u00fcber die Blut- und Lymphbahnen im K\u00f6rper aus. Die Erkrankung geht in das n\u00e4chste Stadium \u00fcber und kann sich durch eine Vielzahl von Hauterscheinungen und anderen Krankheitszeichen bemerkbar machen. M\u00f6gliche Symptome sind grippe\u00e4hnliche Beschwerden wie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, M\u00fcdigkeit und Abgeschlagenheit, weitere Lymphknotenschwellungen, Hautausschlag (Exanthem), Depigmentierung im Halsbereich (&#8220;Halsband der Venus&#8221;), n\u00e4ssende Hautver\u00e4nderungen (Condylomata lata), Schleimhautver\u00e4nderungen in der Mundh\u00f6hle und Bildung von Pappeln\/Plaques, geschwollene Mandeln, Haarausfall u. a. Die Symptome k\u00f6nnen nach einigen Wochen abklingen oder (mehrfach) wiederkehren.<\/p>\n<h3>Ruhephase (Latenz)<\/h3>\n<p>Nach dem zweiten Stadium kann die Erkrankung zum Stillstand kommen, der mehrere Jahre anhalten kann und w\u00e4hrend welchem keine Symptome auftreten. Ruhephase bzw. Stillstand bedeutet jedoch nicht, dass die Erreger verschwunden sind. Sie befinden sich nach wie vor im K\u00f6rper, im fr\u00fchlatenten Stadium ist die Erkrankung auch infekti\u00f6s. Irgendwann kann die Erkrankung dann als Sp\u00e4tsyphilis wieder ausbrechen.<\/p>\n<h3>Stadium 3<\/h3>\n<p>Neben der Haut und den Schleimh\u00e4uten sind in diesem Stadium auch andere Organe und Strukturen betroffen. Hierzu kann auch die Wand der Aorta (Hauptschlagader) z\u00e4hlen. In Folge einer solchen sogenannten syphilitischen Mesoaortitis (Sch\u00e4digung der Aortenwand in Folge einer Syphilis) kann es zu einem lebensgef\u00e4hrlichen Aortenaneurysma kommen. Charakteristisch f\u00fcr das dritte Stadium sind au\u00dferdem sogenannte Gummen, die sich im K\u00f6rper bilden k\u00f6nnen. Hierbei handelt es sich um prall-elastische Knoten\/knotenartige Erhabenheiten der Haut mit gummiartiger Konsistenz, die aufbrechen und Geschw\u00fcre bilden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Stadium 4<\/h3>\n<p>Unbehandelt kann es Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion zu einem \u00dcbergriff der Erkrankung auf das zentrale Nervensystem kommen (Neurosyphilis) und in weiterer Folge, abh\u00e4ngig davon welcher Teil von Gehirn und\/oder R\u00fcckenmark betroffen ist, zu verschiedenen neurologischen Symptomen. Typische Erscheinungsformen des vierten Stadiums der Syphilis sind die &#8220;Tabes dorsalis&#8221; (Degeneration der R\u00fcckenmarkshinterstr\u00e4nge mit entsprechenden neurologischen Ausf\u00e4llen) und die progressive Paralyse, die mit dem Abbau intellektueller F\u00e4higkeiten, St\u00f6rungen der Bewegungskoordination, Sprachst\u00f6rungen und anderen Symptomen einhergehen kann und unbehandelt zum Tod f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Anzeichen und Symptome dient dem \u00dcberblick und kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Krankheit sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Anzeichen\/Symptom bei Syphilis auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Im Rahmen der Abkl\u00e4rung werden nach der Anamnese verschiedene Untersuchungen und Tests durchgef\u00fchrt*. Im Fr\u00fchstadium k\u00f6nnen die Erreger u. a. im Sekret der Geschw\u00fcre mittels einer speziellen Mikroskopiertechnik nachgewiesen werden (Dunkelfeldmikroskopie; direkter mikroskopischer Erregernachweis im Dunkelfeld). Eine Blutuntersuchung liefert, wenn die betroffene Person Syphilis hat, fr\u00fchestens nach zwei bis drei Wochen ein positives Ergebnis, wenn die Erreger in die Blutbahn \u00fcbergetreten sind. Bei positivem Ergebnis wird ein weiterer Test mit einem anderen Verfahren durchgef\u00fchrt, um die Diagnose zu sichern (&#8220;Best\u00e4tigungstest&#8221;). Ist die Diagnose gesichert wird mittels Laboruntersuchung untersucht, ob es sich um eine alte oder neue (aktive) Infektion handelt. Im Zuge der weiteren Abkl\u00e4rung k\u00f6nnen noch andere Untersuchungen notwendig sein, um das genaue Ausma\u00df der Erkrankung zu erfassen und m\u00f6gliche Begleiterkrankungen auszuschlie\u00dfen (z. B. Liquorpunktion). Der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Situation.<\/p>\n<h2>Therapie<\/h2>\n<p>Durch eine Therapie mit Antibiotika kann Syphilis geheilt werden. Mittel der ersten Wahl ist Penicillin G (Benzathin-Benzylpenicillin). Die Dauer und Dosierung der Behandlung richten sich nach dem Krankheitsstadium und anderen Faktoren (z. B. Vorliegen einer Neurosyphilis, Vorliegen einer HIV-Infektion, bestehende <a href=\"\/ratgeber\/schwangerschaft-2602\">Schwangerschaft<\/a> etc.).<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wird immer eine Therapie mit Penicillin angestrebt, unter Umst\u00e4nden (z. B. im Fall einer Penicillinallergie) ist als Alternative die Behandlung mit Tetracyklinen (Gruppe von Antibiotika, z. B. Doxycyclin) m\u00f6glich. Zus\u00e4tzlich zur Behandlung mit Antibiotika k\u00f6nnen, abh\u00e4ngig vom Stadium der Erkrankung, weitere Medikamente notwendig sein. Nach erfolgter Therapie sind in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Kontrollen notwendig, im Rahmen welcher das Blut mittels spezieller Tests auf Antik\u00f6rper gegen die Erreger untersucht wird.<\/p>\n<p>Bei sexuellen Kontakten innerhalb von drei Monaten** vor Diagnosestellung einer Syphilis im ersten oder zweiten Stadium oder im fr\u00fchen Latenzstadium sollten alle Sexualpartner untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Wichtige vorbeugende Ma\u00dfnahme gegen Syphilis ist die Verwendung von Kondomen, die das Risiko f\u00fcr Syphilis reduzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>*Die folgenden Abschnitte nehmen Bezug auf erwachsene Patienten, nicht auf angeborene Syphilis\/infizierte Neugeborene und Syphilis w\u00e4hrend der Schwangerschaft.<br \/>\n**Angaben variieren in der Literatur.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2459,2430,2448,2457,6,2455],"tags":[370,129,784,2697,190],"class_list":["post-1684","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-frauenheilkunde","category-infektiologie","category-innere-medizin","category-krankheit","category-sexualitaet","category-urologie","tag-bakterien","tag-frauenheilkunde","tag-sexualitat","tag-syphillis","tag-urologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1684\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9803,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1684\/revisions\/9803"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}