{"id":1652,"date":"2021-01-02T10:21:32","date_gmt":"2021-01-02T10:21:32","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/lungenembolie-lungeninfarkt\/"},"modified":"2026-02-10T10:14:30","modified_gmt":"2026-02-10T09:14:30","slug":"lungenembolie-lungeninfarkt","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/lungenembolie-lungeninfarkt\/","title":{"rendered":"Lungenembolie &#8211; Lungeninfarkt"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist eine Lungenembolie?<\/h2>\n<p>Bei einer Lungenembolie sind die Lungenarterien partiell (teilweise) oder vollst\u00e4ndig verschlossen. Der Verschluss f\u00fchrt zu einer akuten Beeintr\u00e4chtigung der pulmonalen Zirkulation, die mit einer Rechtsherzbelastung und einer St\u00f6rung des Gasaustausches einhergeht. Als erstes Symptom tritt daher h\u00e4ufig Atemnot oder Kurzatmigkeit ein.<\/p>\n<p>In ca. 95% der F\u00e4lle ist ein Gef\u00e4\u00dfverschluss durch ein wanderndes Blutgerinnsel f\u00fcr eine Lungenembolie verantwortlich. Eine akute Lungenembolie ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden.<\/p>\n<h2>Thrombose oder&nbsp;Embolie?<\/h2>\n<p>Thrombose: Bei einer Thrombose w\u00e4chst ein Blutgerinnsel (Thrombus) immer weiter an und f\u00fchrt an dieser Stelle schlie\u00dflich zum Verschluss eines Gef\u00e4\u00dfes.<br \/>\nEmbolie: Eine Embolie entsteht dadurch, dass eine Blutgerinnsel \u00fcber die Blutbahn in andere K\u00f6rperregionen gelangt und dort ein Gef\u00e4\u00df verschlie\u00dft.<\/p>\n<h2>Welche Symptome k\u00f6nnen auftreten?<\/h2>\n<p>Die Symptome, die bei einer Lungenembolie auftreten k\u00f6nnen, sind oftmals sehr unspezifisch. Deshalb ist die Krankheit in vielen F\u00e4llen nicht gleich als solche zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>Zu den h\u00e4ufigsten Beschwerden z\u00e4hlen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Pl\u00f6tzlich auftretende Atemnot, Kurzatmigkeit<\/li>\n<li>Stechende Brustschmerzen<\/li>\n<li>Blutdruckabfall<\/li>\n<li>Instabiler Kreislauf<\/li>\n<li>Herzrasen (Tachykardie)<\/li>\n<li>Schwei\u00dfausbr\u00fcche<\/li>\n<li>Husten mit blutigem Auswurf<\/li>\n<li>Angstzust\u00e4nde<\/li>\n<li>Beklemmungsgef\u00fchle<\/li>\n<li>Ohnmacht (Synkope)<\/li>\n<li>Schock<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kleine Lungenembolien verlaufen oft mit wenigen bis keinen Beschwerden. Im Gegensatz dazu k\u00f6nnen gro\u00dfe Gerinnsel auch akut zum Tod f\u00fchren (Sekundenherztod).<\/p>\n<h2>Welche Ursachen hat eine Lungenembolie?<\/h2>\n<p>In \u00fcber 90% der F\u00e4lle wird die Lungenembolie durch ein aus den Becken- oder Beinvenen in ein Lungengef\u00e4\u00df verschlepptes Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht.<\/p>\n<p>Das Blutgerinnsel l\u00f6st sich von der Venenwand ab und gelangt mit dem Blutstrom in die rechte Herzkammer und von dort weiter in die Lunge. Aufgrund der feinen Ver\u00e4stelungen der Lungenarterien bleibt das Gerinnsel dann irgendwann einmal stecken und verschlie\u00dft die Lungengef\u00e4\u00dfe. Dadurch steigt der Blutdruck im Lungenkreislauf an. Die Folge: Eine lebensbedrohliche Rechtsherz\u00fcberlastung.<\/p>\n<p>Selten aber doch kann eine Lungenembolie auch durch Fettpartikel (Fettembolie), Luftblasen (Luftembolie) oder Fruchtwasser (Fruchtwasserembolie) ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n<h2>Durch welche Risikofaktoren wird die Entstehung einer Lungenembolie beg\u00fcnstigt?<\/h2>\n<ul>\n<li>Operationen<\/li>\n<li>Traumata<\/li>\n<li>H\u00f6heres Lebensalter<\/li>\n<li>L\u00e4ngere Immobilisation (z.B. lange Auto- oder Flugreisen)<\/li>\n<li>Bettl\u00e4gerigkeit<\/li>\n<li>Chronische Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen<\/li>\n<li>Chronische Entz\u00fcndungen<\/li>\n<li>Schwangerschaft und Wochenbett<\/li>\n<li>\u00dcbergewicht<\/li>\n<li>Varizen (Krampfadern)<\/li>\n<li>Chronisch-ven\u00f6se Insuffizienz<\/li>\n<li>Nikotinabusus (Nikotinmissbrauch)<\/li>\n<li>Famili\u00e4re Vorbelastung (z.B. vererbte Blutgerinnungsst\u00f6rung)<\/li>\n<li>Ungesunder Lebensstil<\/li>\n<li>Maligne Grunderkrankung (u.a. Tumor)<\/li>\n<li>Pille (in Kombination mit Rauchen)<\/li>\n<li>Hormonersatztherapie<\/li>\n<li>Drogenkonsum<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wie wird eine Lungenembolie diagnostiziert?<\/h2>\n<p>Die richtige Diagnose ist bei einer akuten Lungenembolie von essenzieller Bedeutung. Sie entscheidet im Notfall \u00fcber das Leben oder den Tod des Patienten. Dennoch gestaltet sich die Diagnosestellung in vielen F\u00e4llen aufgrund der oftmals unspezifischen Symptome als sehr schwierig.<\/p>\n<p>Eine k\u00f6rperliche Untersuchung kann erste wichtige Hinweise auf eine Lungenembolie geben. Dabei wird besonders auf die Beine geachtet, um die Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose zu erkennen.<\/p>\n<p>Bei Verdacht auf eine akute Lungenembolie wird die h\u00e4modynamische Stabilit\u00e4t (den Blutfluss betreffende Faktoren des Blutes) des Patienten beurteilt. Eruiert wird etwa, ob ein kardiogener Schock oder eine arterielle Hypotension vorliegt. So l\u00e4sst sich feststellen, ob es sich um eine akute, lebensbedrohliche Situation (Hochrisikopatient) handelt oder nicht. In Folge wird die diagnostische Strategie an die Dringlichkeit der Situation angepasst.<\/p>\n<p>Die derzeit sicherste Methode zum Nachweis einer Lungenembolie ist die hochaufl\u00f6sende Spiral-Computertomografie. Das bildgebende Verfahren erfolgt mit Kontrastmittel und erm\u00f6glicht die detaillierte Darstellung der Lungengef\u00e4\u00dfe. Zudem k\u00f6nnen bestimmte Blutwerte den Verdacht auf eine Lungenembolie erh\u00e4rten. Mit dem D-Dimer Test kann z.B. nachgewiesen werden, ob irgendwo im K\u00f6rper der Abbau eines Blutgerinnsels stattfindet. Die D-Dimer Bestimmung sollte dabei immer mit dem sogenannten Wells-Score kombiniert werden, mit dem sich die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie in Form eines Punktesystems beschreiben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Ein weiteres Diagnoseverfahren stellt der Herzultraschall (Echokardiografie) dar. Mit einer Herzultraschalluntersuchung kann z.B. eine Erweiterung des rechten Herzvorhofes und der rechten Herzkammer erkannt werden. Eine R\u00f6ntgenaufnahme der Lunge gibt Aufschluss dar\u00fcber, ob bestimmte Bereiche der Lunge schlechter durchblutet werden bzw. wo sich der Embolus (Gef\u00e4\u00dfpfropf) festgesetzt hat.<\/p>\n<h2>Wie wird eine Lungenembolie behandelt?<\/h2>\n<p>Bei Verdacht auf eine Lungenembolie muss der Patient sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Die Therapie ist vom Schweregrad der Lungenembolie abh\u00e4ngig. Im Mittelpunkt der Behandlung steht die h\u00e4modynamische Stabilit\u00e4t des Patienten.<\/p>\n<p>Die akute Erstversorgung erfolgt meist in Form einer Sauerstoffgabe \u00fcber Nasensonde oder Gesichtsmaske (notfalls auch Intubation und Beatmung) sowie strikter Bettruhe, da sich durch Bewegung weitere Thrombosen l\u00f6sen k\u00f6nnten. Zudem muss eine Hemmung der Blutgerinnung mit geeigneten gerinnungshemmenden Wirkstoffen (u.a. Heparine, Cumarine) durchgef\u00fchrt werden. Besteht eine Rechtsherzbelastung mit Schocksymptomen, sind kreislaufstabilisierende Ma\u00dfnahmen notwendig.<\/p>\n<p>Bei Patienten mit einem instabilen h\u00e4modynamischen Status gilt zus\u00e4tzlich die Thrombolyse als effektivste Therapie. Durch die Gabe sogenannter Fibrinolytika wird das k\u00f6rpereigene System zur Aufl\u00f6sung der Thromben (Blutgerinnsel) aktiviert. Ziel einer Lysetherapie ist die schnelle Wiederer\u00f6ffnung der pulmonalen Strombahn und eine verbesserte Durchblutung der Lunge.<\/p>\n<p>In schweren F\u00e4llen einer Lungenembolie besteht auch die M\u00f6glichkeit, das Blutgerinnsel chirurgisch zu entfernen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #555555;\">Nicht alle Patienten mit Lungenembolie sind schwer krank: Mehr als 95 Prozent sind zum Zeitpunkt der Diagnose stabil. Einige von ihnen kommen, insbesondere wenn sie eine gute Herz- und Lungenfunktion&nbsp;<\/span><span style=\"color: #555555;\">und keine schweren Begleiterkrankungen haben, f\u00fcr eine ambulante Behandlung in Frage.<\/span><\/p>\n<p>Im Anschluss an die Akuttherapie wird in der Regel die Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten \u00fcber einen Mindestzeitraum von sechs Monaten fortgesetzt. Damit soll der Bildung weiterer Blutgerinnsel vorgebeugt werden.<\/p>\n<p>Wenn sich trotz dieser Ma\u00dfnahme neue Thromben bilden (Rezidiv), kann ein sogenannter Cavaschirm in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) eingesetzt werden. Der schirmf\u00f6rmige Kunststofffilter wirkt wie ein Sieb und verhindert, dass die Blutgerinnsel in die Lunge eingeschwemmt werden. Der Schirm, der kathetergest\u00fctzt implantiert wird, bleibt in Folge dauerhaft oder nur \u00fcber einen gewissen Zeitraum in der Vene.<\/p>\n<h2>Welche Folgen kann eine Lungenembolie haben?<\/h2>\n<p>Eine Lungenembolie stellt meistens einen medizinischen Notfall mit Schocksymptomatik dar. In rund 10% der F\u00e4lle stirbt der Patient innerhalb weniger Stunden nach Auftreten der ersten Beschwerden. \u00dcberlebt der Patient, kann das k\u00f6rpereigene System die Blutgerinnsel innerhalb eines Monats abbauen. H\u00e4ufig bleiben keine Folgesch\u00e4den zur\u00fcck. Bei einigen Patienten k\u00f6nnen jedoch auch zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt schwerwiegende Komplikationen als Folge einer Lungenembolie auftreten.<\/p>\n<p><strong>Dazu z\u00e4hlen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)<\/li>\n<li>Rechtsherzinsuffizienz (Pumpschw\u00e4che der rechten Herzh\u00e4lfte)<\/li>\n<li>Rechtsherzversagen (pl\u00f6tzlicher Ausfall der Funktion des rechten Herzteiles)<\/li>\n<li>Herzrhythmusst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Herz-Kreislauf Versagen<\/li>\n<li>Lungeninfarkt (Absterben von Lungengewebe)<\/li>\n<li>Lungenentz\u00fcndung (Pneumonie)<\/li>\n<li>Lungenfellentz\u00fcndung (Entz\u00fcndung der Haut, die die Lungen \u00fcberzieht)<\/li>\n<li>Pleuraerguss (krankhafte Fl\u00fcssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustkorb)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wie kann man einer Lungenembolie vorbeugen?<\/h2>\n<p>Eine Lungenembolie l\u00e4sst sich am besten vorbeugen, indem man das Risiko f\u00fcr eine tiefe Becken- und Beinvenenthrombose verringert.<\/p>\n<p><strong>Folgende Ma\u00dfnahmen tragen dazu bei, das Thromboserisiko zu vermindern und somit einer Lungenembolie vorzubeugen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ausreichend trinken (Wasser, unges\u00fc\u00dfte Kr\u00e4utertees, kein Alkohol)<\/li>\n<li>Regelm\u00e4\u00dfig bewegen<\/li>\n<li>Wechselnde Anspannung von hinterer und vorderer Wadenmuskulatur<\/li>\n<li>Abbau von vorhandenem \u00dcbergewicht<\/li>\n<li>Bewegungspausen bei l\u00e4ngeren Autoreisen<\/li>\n<li>Nicht rauchen<\/li>\n<li>Langes Sitzen ohne Unterbrechung vermeiden<\/li>\n<li>Beine beim Sitzen hochlagern<\/li>\n<li>Tragen von Kompressionsstr\u00fcmpfen nach Operationen<\/li>\n<li>Medikament\u00f6se Vorbeugung bei l\u00e4ngeren Flugreisen<\/li>\n<li>Fr\u00fchzeitige Behandlung von bestehenden Herzerkrankungen und stark ausgepr\u00e4gten Krampfadern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren: <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/ischaemie-5853%20\">Isch\u00e4mie<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2447,66,2417,2424,2448,2449,2409,2457,2429,2408,2463,1895],"tags":[296,297,298,3238,722,268,299,300],"class_list":["post-1652","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-angiologie","category-gesundheitsnews","category-haematologie","category-hepatologie","category-innere-medizin","category-intensivmedizin","category-kardiologie","category-krankheit","category-nephrologie","category-neurologie","category-pneumologie","category-radiologie","tag-angiologie","tag-blutgerinnsel","tag-embolie","tag-innere-medizin-u-pneumologie","tag-intensivmedizin","tag-kardiologie","tag-lungenembolie","tag-lungeninfarkt"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9985,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1652\/revisions\/9985"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}