{"id":1638,"date":"2026-09-11T09:08:38","date_gmt":"2026-09-11T07:08:38","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/adhs\/"},"modified":"2026-09-11T09:08:42","modified_gmt":"2026-09-11T07:08:42","slug":"adhs","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/adhs\/","title":{"rendered":"ADHS &#8211; Ursachen, Risikofaktoren und  Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist ADHS?<\/h2>\n<p><strong>ADHS<\/strong> steht f\u00fcr <strong>Aufmerksamkeitsdefizit-\/Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung.<\/strong> Sie ist eine <strong>neurologische Entwicklungsst\u00f6rung<\/strong>, die meist im Kindesalter beginnt. Bei vielen Betroffenen bleiben die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.<\/p>\n<p>Weltweit haben etwa<strong> 5 von 100 Kindern und Jugendlichen<\/strong> ADHS. <strong>Jungen erhalten die Diagnose deutlich h\u00e4ufiger als M\u00e4dchen<\/strong>. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass ADHS bei M\u00e4dchen h\u00e4ufiger \u00fcbersehen oder sp\u00e4ter erkannt wird.<\/p>\n<h2>Welche Ursachen und Risikofaktoren hat ADHS?<\/h2>\n<p>Die <strong>genauen Ursachen<\/strong> von ADHS sind noch <strong>nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt<\/strong>. Nach heutigem Wissensstand entsteht ADHS durch <strong>das Zusammenspiel mehrerer Faktoren<\/strong>. Dazu geh\u00f6ren vor allem genetische Einfl\u00fcsse sowie <strong>verschiedene Umwelt- und Entwicklungsfaktoren.<\/strong><\/p>\n<p>Wichtige Faktoren sind:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Famili\u00e4re Veranlagung:<\/strong> ADHS tritt in manchen Familien geh\u00e4uft auf. Studien gehen von einer <strong>Erblichkeit<\/strong> von etwa <strong>70 Prozent<\/strong> aus.<\/li>\n<li><strong>Ver\u00e4nderungen im Gehirn:<\/strong> Bei Menschen mit ADHS wurden Unterschiede in Aufbau und Funktion bestimmter Gehirnbereiche festgestellt.<\/li>\n<li><strong>Einfl\u00fcsse w\u00e4hrend der Schwangerschaft:<\/strong> Faktoren wie Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schwangerschaft\/\">Schwangerschaft<\/a> werden mit einem erh\u00f6hten ADHS-Risiko beim Kind in Verbindung gebracht.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wichtig:<\/strong> ADHS entsteht nach heutigem Wissen durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Ein einzelner Ausl\u00f6ser l\u00e4sst sich in der Regel nicht feststellen und wie diese Faktoren genau zusammenspielen, wird weiterhin erforscht.<\/p>\n<h2>Welche ADHS-Typen gibt es?<\/h2>\n<p><strong>ADHS<\/strong> kann sich sehr <strong>unterschiedlich<\/strong> zeigen. Expert:innen unterscheiden h\u00e4ufig in <strong>drei Haupttypen<\/strong>, je nachdem, welche Symptome am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<h3>Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ<\/h3>\n<p>Personen mit diesem Typ sind h\u00e4ufig sehr <strong>unruhig<\/strong>. Sie haben Schwierigkeiten, ruhig sitzen zu bleiben oder abzuwarten und es liegt ein <strong>starker Bewegungsdrang<\/strong> vor. Oft handeln sie spontan, ohne \u00fcber die Folgen nachzudenken. Im Erwachsenenalter kann die ausgepr\u00e4gte k\u00f6rperliche Unruhe abnehmen und sich eher als innere Unruhe oder st\u00e4ndiges Gef\u00fchl des Getriebenseins zeigen.<\/p>\n<h3>Vorwiegend unaufmerksamer Typ<\/h3>\n<p>Bei diesem Typ steht die <strong>Unaufmerksamkeit<\/strong> im Vordergrund. Man spricht hier auch von <strong>ADS<\/strong> (Aufmerksamkeitsdefizit-St\u00f6rung). <strong>Betroffene haben in der Regel oft Schwierigkeiten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>sich l\u00e4ngere Zeit zu konzentrieren<\/li>\n<li>Aufgaben zu planen und zu organisieren<\/li>\n<li>auf Details zu achten<\/li>\n<li>Aufgaben zu Ende zu bringen<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Mischtyp<\/h3>\n<p>Beim Mischtyp treten sowohl <strong>Unaufmerksamkeit<\/strong> als auch <strong>Hyperaktivit\u00e4t<\/strong> und <strong>Impulsivit\u00e4t<\/strong> deutlich auf. Betroffene haben beispielsweise Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu organisieren, sind gleichzeitig aber auch unruhig und impulsiv.<\/p>\n<p><strong>Wichtig:<\/strong> Die Symptome k\u00f6nnen unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt sein und sich im Laufe des Lebens ver\u00e4ndern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19359\" aria-describedby=\"caption-attachment-19359\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19359\" src=\"https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS.jpg\" alt=\"frustrierter Volkssch\u00fcler, dem es zu laut in der Klasse ist \" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS.jpg 1000w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-300x200.jpg 300w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-768x513.jpg 768w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19359\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Vukasin Ljustina\/shutterstock<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Welche Symptome hat ADHS?<\/h2>\n<p><strong>Die Symptome bei ADHS betreffen vor allem drei Bereiche:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Unaufmerksamkeit<\/li>\n<li>Hyperaktivit\u00e4t<\/li>\n<li>Impulsivit\u00e4t.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Betroffene<\/strong> k\u00f6nnen beispielsweise <strong>Schwierigkeiten<\/strong> haben, <strong>sich l\u00e4nger zu konzentrieren<\/strong>, ihre <strong>Aufmerksamkeit<\/strong> gezielt zu <strong>steuern<\/strong> oder <strong>Aufgaben<\/strong> <strong>zu Ende zu bringen<\/strong>. <strong>Hyperaktivit\u00e4t<\/strong> zeigt sich h\u00e4ufig durch <strong>k\u00f6rperliche Unruhe<\/strong> und einen starken <strong>Bewegungsdrang<\/strong>. <strong>Impulsivit\u00e4t<\/strong> bedeutet unter anderem, dass Betroffene spontan handeln oder Schwierigkeiten haben, abzuwarten.<\/p>\n<p>Welche Symptome auftreten und wie stark sie ausgepr\u00e4gt sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche Betroffene haben vor allem Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, bei anderen stehen Hyperaktivit\u00e4t und impulsives Verhalten st\u00e4rker im Vordergrund. Auch Alter und Lebenssituation k\u00f6nnen beeinflussen, wie sich die Beschwerden zeigen.<\/p>\n<h2>Wann spricht man von ADHS?<\/h2>\n<p>Unaufmerksam, unruhig oder impulsiv zu sein, bedeutet noch nicht automatisch, ADHS zu haben. Solche Verhaltensweisen kommen auch bei Menschen ohne ADHS vor \u2013 insbesondere bei Kindern.<\/p>\n<p><strong>Von ADHS spricht man, wenn die Symptome:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>\u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum bestehen<\/li>\n<li>deutlich ausgepr\u00e4gt sind und in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten, zum Beispiel in der Schule oder bei der Arbeit, in der Familie oder im Umgang mit anderen Menschen<\/li>\n<li>den Alltag deutlich beeintr\u00e4chtigen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie sich ADHS zeigt, kann sich im <strong>Laufe des Lebens ver\u00e4ndern<\/strong>. Bei j\u00fcngeren Kindern stehen h\u00e4ufig <strong>k\u00f6rperliche Unruhe<\/strong> und ein starker <strong>Bewegungsdrang<\/strong> im Vordergrund.<\/p>\n<p>Im Jugend- und Erwachsenenalter kann die sichtbare Hyperaktivit\u00e4t abnehmen und eher als<strong> innere Unruhe oder Getriebensein wahrgenommen werden<\/strong>. Probleme mit Aufmerksamkeit, Organisation und Impulskontrolle k\u00f6nnen dagegen weiterbestehen.<\/p>\n<p>ADHS tritt h\u00e4ufig gemeinsam mit anderen psychischen St\u00f6rungen oder Erkrankungen auf. Welche Begleiterkrankungen besonders h\u00e4ufig sind, unterscheidet sich teilweise je nach Alter.<\/p>\n<h2>Begleiterkrankungen bei ADHS<\/h2>\n<p>ADHS tritt h\u00e4ufig gemeinsam mit anderen psychischen oder neurologischen Erkrankungen auf. Welche Begleiterkrankungen auftreten, kann sich je nach Alter unterscheiden. Sie k\u00f6nnen die Beschwerden zus\u00e4tzlich verst\u00e4rken und die Diagnose erschweren.<\/p>\n<p><strong>Zu den h\u00e4ufigen Begleiterkrankungen geh\u00f6ren zum Beispiel:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>St\u00f6rungen des Sozialverhaltens<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/legasthenie\/\">Leserechtschreibst\u00f6rung<\/a><\/li>\n<li>Lern-, Sprach- oder motorische Entwicklungsst\u00f6rungen<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/tic-stoerungen\/\">Tic-St\u00f6rungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/angststoerungen-was-ist-das-welche-formen-gibt-es\/\">Angstst\u00f6rungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe\/\">Depressionen<\/a><\/li>\n<li>Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der <strong>Diagnose<\/strong> ist es deshalb wichtig, nicht nur die typischen <strong>ADHS-Symptome<\/strong> zu betrachten, sondern auch m\u00f6gliche <strong>Begleiterkrankungen<\/strong> und <strong>andere Ursachen<\/strong> f\u00fcr <strong>\u00e4hnliche Beschwerden zu ber\u00fccksichtigen<\/strong>. Das ist auch f\u00fcr die Wahl der Behandlung wichtig.<\/p>\n<h2>Was passiert, wenn man ADHS nicht behandelt?<\/h2>\n<p>Bleibt <strong>ADHS unerkannt<\/strong> oder wird <strong>nicht ausreichend behandelt<\/strong>, k\u00f6nnen die <strong>Beschwerden<\/strong> <strong>Schule, Ausbildung, Beruf, Beziehungen und den Alltag langfristig beeintr\u00e4chtigen.<\/strong> Wie stark die Auswirkungen sind, ist individuell sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6gliche Folgen<\/strong> sind zum Beispiel <strong>schlechtere schulische oder berufliche Leistungen<\/strong>, <strong>Schwierigkeiten in Beziehungen<\/strong> sowie ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Unf\u00e4lle, psychische Begleiterkrankungen und Suchterkrankungen.<\/p>\n<p>Eine fr\u00fchzeitige Diagnose und eine passende Behandlung oder Unterst\u00fctzung k\u00f6nnen dazu beitragen, die Beschwerden und ihre Folgen zu verringern. Welche Ma\u00dfnahmen sinnvoll sind, h\u00e4ngt unter anderem vom Alter, der Auspr\u00e4gung der Symptome und m\u00f6glichen Begleiterkrankungen ab.<\/p>\n<h2>Wie ver\u00e4ndern sich ADHS-Symptome mit dem Alter?<\/h2>\n<h3>Babys<\/h3>\n<p>Bei <strong>S\u00e4uglingen<\/strong> l\u00e4sst sich <strong>ADHS<\/strong> noch <strong>nicht zuverl\u00e4ssig erkennen.<\/strong> Manche Kinder, die sp\u00e4ter eine ADHS entwickeln, fallen bereits fr\u00fch durch starke Unruhe, Schlafprobleme oder Schwierigkeiten bei der Selbstregulation auf. Solche Anzeichen sind jedoch unspezifisch und kommen auch bei vielen Kindern ohne ADHS vor.<\/p>\n<h3>Klein- und Vorschulkindern<\/h3>\n<p>Im <strong>Vorschulalter<\/strong> k\u00f6nnen vor allem <strong>ausgepr\u00e4gte motorische Unruhe<\/strong>, <strong>Impulsivit\u00e4t<\/strong> und <strong>Schwierigkeiten<\/strong>, <strong>die Aufmerksamkeit l\u00e4nger auf eine T\u00e4tigkeit zu richten<\/strong>, auffallen. Kinder wechseln beispielsweise h\u00e4ufig zwischen Aktivit\u00e4ten, k\u00f6nnen schwer abwarten oder reagieren sehr spontan.<\/p>\n<p>Da viele dieser Verhaltensweisen auch bei anderen Kindern vorkommen, kommt es darauf an, wie stark und dauerhaft sie ausgepr\u00e4gt sind und wie sehr sie den Alltag beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<h3>Schulalter<\/h3>\n<p><strong>ADHS-Symptome<\/strong> im <strong>Volksschulalter<\/strong> k\u00f6nnen <strong>vielf\u00e4ltig<\/strong> sein. <strong>H\u00e4ufig treten zum Beispiel folgende Beschwerden auf:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>leichte Ablenkbarkeit<\/li>\n<li>verminderte Frustrationstoleranz<\/li>\n<li>Vergesslichkeit<\/li>\n<li>h\u00e4ufiges St\u00f6ren des Unterrichts<\/li>\n<li>Teilleistungsst\u00f6rungen wie <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/legasthenie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Legasthenie<\/a>, Lese- oder Rechenschw\u00e4che treten oft auf<\/li>\n<li>innerliche Unruhe<\/li>\n<li>impulsives Verhalten wie Wutanf\u00e4lle<\/li>\n<li>geringe Frustrationstoleranz<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Erwachsenen<\/h3>\n<p><strong>ADHS<\/strong> ist bei Erwachsenen oft <strong>weniger offensichtlich als bei Kindern<\/strong> und es \u00e4ndern sich die Symptome. Die sichtbare k\u00f6rperliche Unruhe nimmt oft ab und wird eher als innere Unruhe oder Getriebensein wahrgenommen.<\/p>\n<p><strong>Typische Beschwerden sind:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Probleme, den Alltag oder die Arbeit zu organisieren<\/li>\n<li>Konzentrationsprobleme (vor allem wenn eine l\u00e4ngere Aufmerksamkeitsspanne erforderlich ist)<\/li>\n<li>Impulsivit\u00e4t<\/li>\n<li>innere Unruhe<\/li>\n<li>leichte Reizbarkeit<\/li>\n<li>niedrige Frustrationstoleranz<\/li>\n<li>geringes Selbstwertgef\u00fchl<\/li>\n<\/ul>\n<figure id=\"attachment_12548\" aria-describedby=\"caption-attachment-12548\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12548\" src=\"https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-bei-Erwachsenen.jpg\" alt=\"gestresste Frau mit Chaos im Kopft\" width=\"800\" height=\"542\" srcset=\"https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-bei-Erwachsenen.jpg 1000w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-bei-Erwachsenen-300x203.jpg 300w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-bei-Erwachsenen-768x520.jpg 768w, https:\/\/assets-ratgeber.docfinder.at\/uploads\/ADHS-bei-Erwachsenen-100x68.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12548\" class=\"wp-caption-text\">Foto: pathdoc\/shutterstock<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Wie wird ADHS diagnostiziert?<\/h2>\n<p>Die <strong>Diagnose<\/strong> von ADHS ist sehr <strong>komplex<\/strong> und erfolgt in mehreren Schritten. <strong>Dazu geh\u00f6ren:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch zur Krankengeschichte<\/li>\n<li>eine k\u00f6rperliche Untersuchung<\/li>\n<li>eine psychologische oder psychiatrische Untersuchung<\/li>\n<li>Gespr\u00e4che mit Angeh\u00f6rigen oder anderen Bezugspersonen<\/li>\n<li>Verhaltensbeobachtungen<\/li>\n<li>standardisierte Frageb\u00f6gen und Checklisten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcssen andere Erkrankungen und St\u00f6rungen ausgeschlossen werden. Der genaue Ablauf der Diagnose h\u00e4ngt von der individuellen Situation ab. Eine sorgf\u00e4ltige Diagnose ist wichtig, um die passende Behandlung und Unterst\u00fctzung zu planen.<\/p>\n<h2>Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?<\/h2>\n<p>Sowohl bei ADS als auch bei ADHS haben Betroffene Schwierigkeiten dabei, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein. Bei ADHS tritt zus\u00e4tzlich Hyperaktivit\u00e4t und Unruhe auf. Bei ADS ist Hyperaktivit\u00e4t kaum oder gar nicht vorhanden.<\/p>\n<p><strong>Menschen mit ADS lassen<\/strong> sich <strong>leicht ablenken<\/strong> und haben <strong>h\u00e4ufig Schwierigkeiten<\/strong>, ihre <strong>Aufmerksamkeit<\/strong> \u00fcber <strong>l\u00e4ngere Zeit<\/strong> auf<strong> eine Aufgabe zu richten<\/strong>. Die Unruhe zeigt sich oft eher innerlich als durch auff\u00e4lliges Verhalten. Deshalb wird ADS h\u00e4ufig sp\u00e4ter oder gar nicht erkannt.<\/p>\n<h2>Wie wird ADHS behandelt?<\/h2>\n<p>Die <strong>Behandlung<\/strong> von <strong>ADHS<\/strong> ist <strong>komplex<\/strong> und wird <strong>individuell<\/strong> an die betroffene Person <strong>angepasst<\/strong>. Die Therapie richtet sich nach dem <strong>Alter<\/strong> und dem genauen St\u00f6rungsbild. Dieses wird unter anderem durch die Auspr\u00e4gung der Symptome, den Leidensdruck, die Beeintr\u00e4chtigungen und m\u00f6gliche Begleiterkrankungen beeinflusst. Oft werden mehrere Behandlungsformen miteinander kombiniert. Fachleute sprechen von einer <strong>multimodalen Therapie.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zu den m\u00f6glichen Therapiebausteine geh\u00f6ren:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Aufkl\u00e4rung und Beratung:<\/strong> Ein wichtiger erster Schritt ist die <strong>Aufkl\u00e4rung \u00fcber ADHS.<\/strong> Dabei sollten nicht nur das betroffene Kind und dessen Eltern informiert werden, sondern auch Lehrkr\u00e4fte oder Erzieher:innen des Kindes. Ziel ist es, die Erkrankung besser zu verstehen und hilfreiche Strategien f\u00fcr den Alltag zu entwickeln.<\/li>\n<li><strong>Beratung der Eltern und strukturiertes Elterntraining:<\/strong> Vor allem bei <strong>j\u00fcngeren Kindern<\/strong> sind <strong>Elterntrainings<\/strong> ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Eltern lernen dabei, wie sie ihr Kind im Alltag besser unterst\u00fctzen und schwierige Situationen bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Unterst\u00fctzung in Kindergarten und Schule:<\/strong> Kinder mit ADHS profitieren h\u00e4ufig von einer <strong>guten Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkr\u00e4ften und p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4ften<\/strong>. Gemeinsam k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen entwickelt werden, die das Lernen und den Alltag erleichtern.<\/li>\n<li><strong>Psychotherapie:<\/strong> In der Verhaltenstherapie lernen Betroffene, besser mit den Herausforderungen der ADHS umzugehen. Gemeinsam mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten werden konkrete L\u00f6sungen f\u00fcr schwierige Alltagssituationen erarbeitet. <strong>Ziele der Therapie sind zum Beispiel:<\/strong>\n<ul>\n<li>die St\u00e4rkung sozialer Kompetenzen<\/li>\n<li>Probleme selbstst\u00e4ndig zu l\u00f6sen<\/li>\n<li>Impulse besser zu kontrollieren<\/li>\n<li>die Aufmerksamkeit zu verbessern<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Medikamente: <\/strong>In manchen F\u00e4llen k\u00f6nnen Medikamente eine Behandlung sinnvoll erg\u00e4nzen. Medikamente zur Behandlung der Symptome von ADHS k\u00f6nnen ab einem Alter von sechs Jahren in Erw\u00e4gung gezogen werden, nachdem eine umfassende Aufkl\u00e4rung stattgefunden hat. H\u00e4ufig werden sogenannte Psychostimulanzien eingesetzt. Der bekannteste Wirkstoff ist Methylphenidat. Er kann die Konzentration verbessern sowie Hyperaktivit\u00e4t und Impulsivit\u00e4t verringern. Je nach Situation kommen auch andere Wirkstoffe wie Lisdexamfetamin, Atomoxetin oder Guanfacin infrage. Die medikament\u00f6se Therapie gilt als sicher, sollte aber immer \u00e4rztlich begleitet und regelm\u00e4\u00dfig kontrolliert werden. Langzeitnebenwirkungen oder Abh\u00e4ngigkeiten sind nicht bekannt.Medikamente werden meist eingesetzt, wenn:\n<ul>\n<li>die ADHS-Symptomatik stark ausgepr\u00e4gt ist<\/li>\n<li>ADHS den Alltag deutlich beeintr\u00e4chtigt<\/li>\n<li>die Verhaltenstherapie nicht die gew\u00fcnschten Ergebnisse erzielt<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Erg\u00e4nzende Ma\u00dfnahmen: <\/strong>Je nach Bedarf k\u00f6nnen weitere Ma\u00dfnahmen hilfreich sein, zum Beispiel:\n<ul>\n<li>Ergotherapie<\/li>\n<li>soziales Kompetenztraining, um den Umgang mit anderen Menschen zu verbessern<\/li>\n<li>Einzel- und Gruppenpsychotherapie k\u00f6nnen dazu beitragen, das Selbstwertgef\u00fchl zu st\u00e4rken und Probleme mit Gleichaltrigen zu bew\u00e4ltigen.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wie-funktioniert-neurofeedback\/\">Neurofeedback<\/a> kann helfen, Aufmerksamkeit und Konzentration zu trainieren. Dabei werden K\u00f6rpersignale und Hirnaktivit\u00e4ten \u00fcber einen Bildschirm den Betroffenen r\u00fcckgemeldet.<\/li>\n<li>regelm\u00e4\u00dfige Bewegung<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wie k\u00f6nnen Eltern ein Kind mit ADHS im Alltag unterst\u00fctzen?<\/h2>\n<p>Ein <strong>Kind<\/strong> mit <strong>ADHS<\/strong> im Alltag zu begleiten, kann f\u00fcr die ganze Familie <strong>herausfordernd<\/strong> sein. Betroffene Kinder zeigen oft auff\u00e4llige Unruhe und manchmal auch unkontrolliertes Verhalten. Dies f\u00fchrt h\u00e4ufig zu Auseinandersetzungen in der Familie und Problemen in der Schule oder im Kindergarten.<\/p>\n<p><strong>Folgende Strategien k\u00f6nnen im Familienalltag hilfreich sein:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Tagesstruktur festlegen:<\/strong> Regelm\u00e4\u00dfige Routinen geben dem Kind Orientierung und mehr Sicherheit im Alltag.<\/li>\n<li><strong>Klare Regeln vereinbaren:<\/strong> Das Kind sollte wissen, welche Regeln gelten und welche Folgen ein bestimmtes Verhalten hat.<\/li>\n<li><strong>Eindeutige Anweisungen geben:<\/strong> Aufgaben sollten konkret benannt werden, damit das Kind genau wei\u00df, was es zu tun hat.<br \/>\nLob aussprechen: Es ist wichtig, das Kind immer wieder zu loben, wenn es etwas gut gemacht hat. Positive R\u00fcckmeldungen st\u00e4rken das Selbstvertrauen.<\/li>\n<li><strong>Reiz\u00fcberflutungen und \u00dcberforderungen vermeiden:<\/strong> Eltern sollten darauf achten, welche Reize oder Situationen das problematische Verhalten ausl\u00f6sen. Dem Kind sollte dann die M\u00f6glichkeit gegeben werden, eine Pause einzulegen oder die Situation zu verlassen. Es ist ratsam, in ruhigeren Momenten mit dem Kind dar\u00fcber zu sprechen.<\/li>\n<li><strong>Realistische Erwartungen setzen:<\/strong> Schwierigkeiten sollten Schritt f\u00fcr Schritt angegangen werden. Zu viele Anforderungen auf einmal k\u00f6nnen das Kind \u00fcberfordern.<\/li>\n<li><strong>Eigene Bed\u00fcrfnisse beachten:<\/strong> Wenn der Familienalltag dauerhaft sehr belastend ist, k\u00f6nnen Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder therapeutische Unterst\u00fctzung entlasten.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[23,2457,2444,2413],"tags":[2371,2372,177,189,413],"class_list":["post-1638","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-adhs","tag-aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitatsstorung","tag-kinderheilkunde","tag-psychiatrie","tag-psychologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19360,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1638\/revisions\/19360"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}