{"id":1632,"date":"2018-09-07T13:35:26","date_gmt":"2018-09-07T13:35:26","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/parkinson\/"},"modified":"2023-02-27T13:38:45","modified_gmt":"2023-02-27T12:38:45","slug":"parkinson","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/parkinson\/","title":{"rendered":"Parkinson &#8211; Definition, Symptome, Diagnose, Behandlung"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Parkinson?<\/h2>\n<p>Bei Morbus Parkinson handelt es sich um eine chronisch progressive (voranschreitende) neurodegenerative Erkrankung. Als neurodegenerative Erkrankung wird eine Krankheit bezeichnet, bei welcher es zu einem Untergang von Nervenzellen kommt. Parkinson ist charakterisiert durch die Symptome Bradykinese bzw. deren maximale Auspr\u00e4gung, die Akinese (Verlangsamung von Bewegungen), Rigor (Muskelsteifigkeit), Tremor (Muskelzittern) und Standunsicherheit\/Haltungsinstabilit\u00e4t (St\u00f6rungen der K\u00f6rperhaltung, des Gleichgewichts und Gangbilds), ferner kommt es begleitend zu vegetativen St\u00f6rungen (z.B. vermehrter Speichelfluss und vermehrtes Schwitzen) und psychischen Symptomen (z.B. Antriebsschw\u00e4che, depressive Stimmung). Benannt ist Morbus Parkinson nach dem englischen Arzt James Parkinson, welcher die Krankheit im Jahr 1817 erstmals beschrieben hat. Parkinson ist fast ausschlie\u00dflich eine Erkrankung im h\u00f6heren Lebensalter und eine der h\u00e4ufigsten neurodegenerativen Erkrankungen.<\/p>\n<h2>Welche Ursache hat und wie entsteht Parkinson?<\/h2>\n<p>Der Morbus Parkinson im engeren Sinn wird auch als idiopathisches bzw. prim\u00e4res Parkinson-Syndrom bezeichnet. Der Begriff idiopathisch bedeutet so viel wie &#8220;ohne bekannte Ursache&#8221;. In den meisten F\u00e4llen ist die Ursache der Erkrankung ungekl\u00e4rt. Diese Form von Parkinson macht etwa 75 Prozent aller F\u00e4lle aus. Davon abzugrenzen sind das sekund\u00e4re Parkinson-Syndrom (symptomatisches Parkinson-Syndrom), welches erkennbare Ursachen hat (z.B. Einnahme bestimmter Medikamente, andere Erkrankungen, Vergiftungen und Verletzungen des Gehirns), und andere seltene Formen.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr das idiopathische Parkinson-Syndrom typischen Symptome sind auf eine St\u00f6rung im Gehirn zur\u00fcckzuf\u00fchren. Im Mittelhirn befindet sich die sogenannte Substantia nigra, ein Kernkomplex in welchem sich spezielle Nervenzellen befinden, die Dopamin produzieren. Dopamin ist ein Neurotransmitter (biochemischer Stoff, der Reize von einer Nervenzelle zu einer anderen Zelle weitergibt, verst\u00e4rkt oder moduliert) und u.a. wichtig f\u00fcr die Steuerung von Bewegungen. Bei Parkinson kommt es zu einem Untergang des nigrostriat\u00e4ren Dopaminsystems &#8211; es sterben immer mehr Dopamin-produzierende Nervenzellen ab und der Dopaminspiegel im Gehirn sinkt. Es kommt zu einem Dopaminmangel, der zusammengefasst die motorischen Symptome der Erkrankung erkl\u00e4rt. Ferner st\u00f6rt der Dopaminmangel das sensible Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe; er zieht einen Acetylcholin\u00fcberschuss bzw. Anstieg des Botenstoffs Acetylcholin nach sich, welches eine wichtige Rolle bei der Regulation vieler K\u00f6rpervorg\u00e4nge spielt, und auch die Konzentration anderer Neurotransmitter kann ver\u00e4ndert sein.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Die Hauptsymptome der Erkrankung sind<\/p>\n<ul>\n<li>Verlangsamte Bewegung bis hin zu Bewegungsarmut\/-losigkeit (Bradykinese, Hypokinese, Akinese; Verarmung spontaner und gestischer Bewegung, eingeschr\u00e4nkte Mimik\/Gesicht wirkt zunehmend starrer, gest\u00f6rte Feinmotorik, reduzierte manuelle Geschicklichkeit, reduziertes Mitschwingen der Arme, Mikrographie (Verkleinerung der Handschrift), kleinschrittliches Gangbild u.a.)<\/li>\n<li>Muskelsteife (Rigor; erh\u00f6hter muskul\u00e4rer Widerstand bei passiver Bewegung, der Patient nimmt ein Steifigkeitsgef\u00fchl war, welches h\u00e4ufig mit ziehenden Missempfindungen assoziiert ist, ruckartiger Bewegungsablauf &#8211; &#8220;Zahnrad-Ph\u00e4nomen&#8221;)<\/li>\n<li>Zittern in Ruhe (Ruhetremor; betrifft zumeist die Extremit\u00e4ten, oft auch Kiefer und Zunge)<\/li>\n<li>Haltungsinstabilit\u00e4t\/Standunsicherheit (posturale Instabilit\u00e4t; tritt zumeist erst im Verlauf der Erkrankung auf)<\/li>\n<\/ul>\n<p>H\u00e4ufig beginnen die Symptome asymmetrisch mit Betonung auf einer K\u00f6rperseite. Der Beginn der Symptomatik ist schleichend und ihr Voranschreiten ist relativ langsam. Viele Betroffene leiden zudem auch unter nicht motorischen Symptomen. Zu diesen z\u00e4hlen, je nach Stadium der Erkrankung, u.a. die REM-Schlaf-Verhaltensst\u00f6rung, <a href=\"\/ratgeber\/verstopfung-ursachen-erkennen-und-loswerden-1054\">Verstopfung<\/a>, <a href=\"\/ratgeber\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe-1209\">Depression<\/a>, Angst, Ersch\u00f6pfung, Blasenprobleme, vermehrter Speichelfluss, Schmerzen, erektile Dysfunktion, Thermoregulationsst\u00f6rungen, Apathie (Zustand der Abwesenheit von Emotionen und Interessen, Gleichg\u00fcltigkeit, Teilnahmslosigkeit), Verwirrtheit und Demenz. Einige dieser Symptome, darunter z.B. die REM-Schlaf-Verhaltensst\u00f6rung, Verstopfung und Ersch\u00f6pfung, k\u00f6nnen dem Beginn der motorischen Symptomatik um Jahre vorausgehen (pr\u00e4motorische Phase) &#8211; erste Anzeichen von Parkinson k\u00f6nnen also bereits Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Anzeichen und Symptome kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei Parkinson auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Die Diagnose des Morbus Parkinson basiert prim\u00e4r auf einer umfassenden Anamnese und einer k\u00f6rperlichen\/neurologischen Untersuchung, bei welcher besonders auf die Hauptsymptome der Krankheit geachtet wird. Weist der Patient die typische Symptomatik auf, dann bereitet die Diagnose in aller Regel wenig Schwierigkeiten. Um m\u00f6gliche Ursachen eines sekund\u00e4ren Parkinson-Syndroms und andere m\u00f6gliche Erkrankungen auszuschlie\u00dfen und etwaige Begleiterkrankungen zu erfassen, werden bildgebende Untersuchungen (CT oder MRT) veranlasst. Um die Diagnose zu unterst\u00fctzen werden manchmal eine sogenannte Dopamintransporter SPECT-Untersuchung (bildgebende Untersuchung dopaminerger Nervenendigungen im Stratium (Gehirn)) und andere Untersuchungen und Tests (z.B. L-Dopa-Test) durchgef\u00fchrt. Es wird ein schrittweises diagnostisches Vorgehen verfolgt, der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Situation.<\/p>\n<h2>Therapie<\/h2>\n<p>Morbus Parkinson ist derzeit nicht heilbar, es gibt keine urs\u00e4chliche Therapie. Allerdings stehen verschiedene Therapien zur Verf\u00fcgung, um die motorischen Symptome und andere Beschwerden zu verringern und eine Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t zu erreichen. Die genaue Auspr\u00e4gung der Krankheit, das Tempo, mit welcher diese voranschreitet und der Krankheitsverlauf k\u00f6nnen von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein, weswegen eine individuelle Therapieplanung und Behandlungsstrategie notwendig sind. Wichtige Ziele der Therapie sind eine gute Symptomkontrolle und das Erhalten beruflicher und sozialer Kompetenzen sowie der Selbstst\u00e4ndigkeit und Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Eine tragende S\u00e4ule der Therapie sind Medikamente. Wichtige Medikamentengruppen in der Therapie des Morbus Parkinson sind u.a. L-Dopa, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer und Anticholinergika. Weitere m\u00f6gliche Bausteine der Therapie sind Physiotherapie, Logop\u00e4die und Ergotherapie. In manchen F\u00e4llen kann ein neurochirurgischer Eingriff (tiefe Hirnstimulation) sinnvoll sein. Au\u00dferdem wichtig ist die fachgerechte Behandlung etwaiger Begleiterkrankungen.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2436,2457,2408],"tags":[360,231,2708,1739,188,1126],"class_list":["post-1632","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-geriatrie","category-krankheit","category-neurologie","tag-alter","tag-geriatrie","tag-idiopathisches-parkinson-syndrom","tag-neurodegenerative-erkrankung","tag-neurologie","tag-parkinson"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10251,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1632\/revisions\/10251"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}