{"id":1625,"date":"2018-09-06T12:52:33","date_gmt":"2018-09-06T12:52:33","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/hiv-aids\/"},"modified":"2023-02-16T20:59:35","modified_gmt":"2023-02-16T19:59:35","slug":"hiv-aids","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/hiv-aids\/","title":{"rendered":"HIV \/ Aids &#8211; Definition, \u00dcbertragung, Verlauf, Therapie"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Aids?<\/h2>\n<p>Aids steht f\u00fcr &#8220;Acquired Immune Deficiency Syndrome&#8221;, ins Deutsche \u00fcbersetzt &#8220;erworbenes Immunschw\u00e4che-Syndrom&#8221;. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die durch das HI-Virus (HIV) ausgel\u00f6st wird. HIV steht f\u00fcr &#8220;Human Immunodeficiency Virus&#8221; (menschliches Immunschw\u00e4che-Virus).<\/p>\n<p>F\u00e4lschlicherweise werden HIV und Aids h\u00e4ufig gleichgesetzt. HIV ist jener Erreger, der zur erworbenen Immunschw\u00e4che f\u00fchrt, allerdings leidet l\u00e4ngst nicht jeder HIV-positive Mensch unter Aids. Eine HIV-Infektion f\u00fchrt zu Aids, Aids ist sozusagen das letzte Stadium einer HIV-Infektion.<\/p>\n<h2>HIV-\u00dcbertragung<\/h2>\n<p>Die Infektion erfolgt \u00fcber virushaltige K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten, darunter Blut, Sperma und Vaginalsekret. H\u00e4ufige Infektionswege sind ungesch\u00fctzter heterosexueller und homosexueller Geschlechtsverkehr sowie Drogenkonsum\/die Benutzung nicht steriler Spritzen. Eine weitere m\u00f6gliche Infektionsquelle sind Bluttransfusionen, aufgrund der hierzulande etablierten Routine-Untersuchungen haben sie jedoch kaum noch Bedeutung. Au\u00dferdem ist es m\u00f6glich, dass das HI-Virus w\u00e4hrend der <a href=\"\/ratgeber\/schwangerschaft-2602\">Schwangerschaft<\/a> und Geburt sowie \u00fcber die Muttermilch auf das Kind \u00fcbertragen wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass HIV-positive Frauen kein gesundes Kind zur Welt bringen k\u00f6nnen. Durch das Umsetzen und Einhalten bestimmter Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen auch HIV-positive Frauen ein gesundes Baby haben.<\/p>\n<h2>Das HI-Virus<\/h2>\n<p>Das HI-Virus geh\u00f6rt zur Familie der Retroviren. Retroviren sind Viren, die imstande sind ihr Genom in das Genom einer Wirtszelle einzubauen. Wie andere Viren ben\u00f6tigen Retroviren einen Wirtsorganismus, um sich zu vermehren.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Genom:<\/strong> Die Gesamtheit aller Gene, die in einem vollst\u00e4ndigen Chromosomensatz &#8211; bei Viren in der Nukleins\u00e4ure &#8211; enthalten sind, also das Erbgut eines Lebewesens oder Virus.<\/li>\n<li><strong>Wirt:<\/strong> Ein Wirt dient einem anderen Organismus als vor\u00fcbergehender oder dauerhafter Lebensraum.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um sich zu vermehren, baut das HI-Virus sein RNA-Genom in das Genom der Wirtszelle ein, woraufhin diese beginnt Virus-Proteine und vom Virus ben\u00f6tigte Enzyme zu produzieren. Das Virus integriert also sein Erbgut in jenes der Wirtzelle, welche dadurch so &#8220;umprogrammiert&#8221; wird, dass sie nun selbst die Bestandteile f\u00fcr neue Viruspartikel produziert. Das HI-Virus verf\u00fcgt \u00fcber gp120, ein spezielles Oberfl\u00e4chenprotein. Dieses Oberfl\u00e4chenprotein des HIV ist imstande eine Bindung mit den sogenannten CD4-Rezeptoren einzugehen. Zur Vermehrung ben\u00f6tigt das Virus also K\u00f6rperzellen mit CD4-Rezeptor auf der Oberfl\u00e4che. Das sind vor allem die CD4-tragenden T-Lymphozyten (T-Helferzellen, CD4-Lymphozyten), die in unserem K\u00f6rper f\u00fcr die Antik\u00f6rperbildung zust\u00e4ndig sind und eine sehr wichtige Rolle in Bezug auf die Immunabwehr spielen &#8211; je weniger funktionsf\u00e4hige CD4-Lymphozyten, desto schwerer die Beeintr\u00e4chtigung des Immunsystems. Das HI-Virus zerst\u00f6rt einen Teil der Zellen und beeintr\u00e4chtigt deren Funktion. Mit der Zeit sinken die Zahl und Funktionsf\u00e4higkeit der T-Helferzellen, das Immunsystem wird immer weiter geschw\u00e4cht und kann den K\u00f6rper zunehmend weniger sch\u00fctzen, wodurch sich der Gesundheitszustand unbehandelt drastisch verschlechtern kann.<\/p>\n<h2>Verlauf<\/h2>\n<p>Eine HIV-Infektion verl\u00e4uft in mehreren Phasen und f\u00fchrt schlie\u00dflich zu Aids. Aids ist sozusagen das Vollbild der Krankheit. Es ist also eine falsche Annahme, dass ein Mensch sofort bzw. automatisch an Aids erkrankt, wenn er sich infiziert und das HI-Virus in den K\u00f6rper eindringt. Die klinische Diagnose &#8220;Aids&#8221; wird gew\u00f6hnlich dann gestellt, wenn die Zerst\u00f6rung des Immunsystems ein gewisses Ausma\u00df erreicht hat.<\/p>\n<p>Infiziert man sich mit dem HI-Virus, dann komm es zun\u00e4chst zu einer Abwehrreaktion des K\u00f6rpers, wobei die gebildeten Antik\u00f6rper aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht imstande sind das Virus zu eliminieren. In dieser fr\u00fchen Phase kommt es zu einer starken Vermehrung des Virus, m\u00f6gliche Symptome sind Kopf- und Gelenkschmerzen, Fieber, M\u00fcdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitverlust, Entz\u00fcndungen (z.B. im Mundraum und Rachen) und andere allgemeine Beschwerden. Nicht selten verl\u00e4uft diese Phase von Betroffenen auch unbemerkt. Nach einigen wenigen Wochen pendelt sich die Situation sozusagen ein, die Beschwerden klingen ab und die Zahl der T-Helferzellen stabilisiert sich. Es kommt zur Latenzphase, in welcher das Immunsystem t\u00e4glich damit besch\u00e4ftigt ist sich mit den HI-Viren auseinanderzusetzen, was \u00fcber einen bestimmten Zeitraum zumeist auch ganz gut gelingt &#8211; die Immunabwehr kann das Virus weitgehend &#8220;in Schach&#8221; halten, Betroffene sind also zumeist weitgehend frei von Krankheitserscheinungen (Stadium A).<\/p>\n<p>Irgendwann jedoch, ohne entsprechende Behandlung nach etwa zehn Jahren*, ist die k\u00f6rpereigene Abwehr der Herausforderung immer weniger gewachsen, die Zahl der T-Helferzellen sinkt, die Viruslast steigt. Die Krankheit geht in eine symptomatische Phase \u00fcber (Stadium B, Vorstufe der Aids-Erkrankung), wobei es zu Fieber, Lymphknotenschwellungen, Nachtschwei\u00df, Durchfall und\/oder anderen Beschwerden kommen kann. Nicht selten sind auch Mundh\u00f6hlenpilz, Hauterscheinungen oder die Reaktivierung einer anderen Infektion (z.B. <a href=\"\/ratgeber\/guertelrose-so-erkennen-sie-die-typischen-symptome-1080\">G\u00fcrtelrose<\/a>). Liegt ein gewisser Grad der Zerst\u00f6rung des Immunsystems vor, dann wird die klinische Diagnose Aids gestellt (Stadium C). Ein Ma\u00df f\u00fcr die Immunsystemzerst\u00f6rung ist die Zahl der T-Helfer-Zellen im Blut.<\/p>\n<p>Das Immunsystem ist dann so weit geschw\u00e4cht, dass es Erreger, die bei einem gesunden Menschen in der Regel keine Gefahr darstellen nicht mehr abwehren kann. Es kommt zur Entwicklung von opportunistischen (bei Immunschw\u00e4che auftretenden) Infektionen\/AIDS-definierten Erkrankungen. Hierzu z\u00e4hlen u.a. eine bestimmte Form der <a href=\"\/ratgeber\/behandlung-einer-lungenentzuendung-1060\">Lungenentz\u00fcndung<\/a>, bestimmte Virusinfektionen (<a href=\"\/ratgeber\/herpes-simplex-genitalis-ursache-symptome-praevention-3660\">Herpes simplex<\/a>, Herpes zoster), Pilzerkrankungen und Tuberkulose, au\u00dferdem ist das Risiko f\u00fcr bestimmte Krebserkrankungen erh\u00f6ht. Auch das Nervensystem und Gehirn werden gesch\u00e4digt.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Jeder Mensch sollte seinen HIV-Status kennen. Einerseits, da eine fr\u00fchzeitige Diagnose den Behandlungsverlauf und die Prognose wesentlich verbessern kann, andererseits, um die Ansteckung auf andere zu verhindern. Insbesondere wenn man sich in eine Risikosituation einer m\u00f6glichen HIV-Ansteckung begeben hat oder in eine solche geraten ist, sollte man sich unbedingt testen lassen. Die Diagnose &#8220;HIV-positiv&#8221; oder &#8220;HIV-negativ&#8221; wird mittels Blutuntersuchung gestellt. HIV-Testverfahren sind u.a. der ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay)-Test (vorrangiges Testverfahren), der Western-Blot-Test, der PCR (Polymerasekettenreaktion)-Test und der HIV-Schnelltest. Es gibt verschiedene Anlaufstellen, um sich testen zu lassen, darunter u.a. niedergelassene \u00c4rzte, medizinische Labors und die \u00f6sterreichische AIDS-Hilfe.<br \/>\nIst der Test positiv, dann bedeutet das, dass mittels g\u00e4ngiger HIV-Testverfahren HIV-Antik\u00f6rper im Blut nachgewiesen werden konnten, die betroffene Person hat sich also mit dem Virus infiziert und kann es auch auf andere Menschen \u00fcbertragen. Die Diagnose &#8220;HIV-positiv&#8221; bedeutet nicht automatisch, dass die betroffene Person bereits an Aids erkrankt ist. Ein HIV-Test sollte fr\u00fchestens drei bis sechs Wochen nach einer m\u00f6glichen Ansteckung erfolgen, ist das Ergebnis negativ, dann sollte der Test nach drei Monaten wiederholt werden. Grund hierf\u00fcr ist, dass die Produktion von Antik\u00f6rpern bis zu sechs Wochen dauern kann. Wenn man also sicher davon ausgehen m\u00f6chte, dass man sich nicht angesteckt hat, dann sollte es in den letzten sechs Wochen keinen Risikokontakt gegeben haben (diagnostisches Fenster). Mit dem PCR-Test steht ein Testverfahren zur Verf\u00fcgung, mit welchem das diagnostische Fenster verk\u00fcrzt werden kann.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Neue Erkenntnisse und Entwicklungen haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, das HIV heute medikament\u00f6s gut behandelt werden kann. Dank heute verf\u00fcgbarer Therapien ist es m\u00f6glich, die Lebenserwartung und Lebensqualit\u00e4t Betroffener deutlich zu verbessern. Eine Heilung der Infektion mit Medikamenten ist nicht m\u00f6glich, dank der mittlerweile verf\u00fcgbaren Therapien ist es allerdings m\u00f6glich, dass es bei vielen HIV-positiven Menschen nicht zum Ausbruch von Aids kommt.<\/p>\n<p>Die medikament\u00f6se Therapie zielt drauf ab die Symptome zu mildern, das Immunsystem zu stabilisieren und einem \u00dcbergang in ein n\u00e4chstes Krankheitsstadium entgegenzuwirken, ferner soll auch der Grad der Infekti\u00f6sit\u00e4t (M\u00f6glichkeit der Ansteckung anderer) verringert werden. F\u00fcr die sogenannte (hochaktive) antiretrovirale Therapie (HAART, ART) steht eine ganze Reihe von Medikamenten (Reverse-Transkriptase-Hemmer (RTI), Protease-Inhibitoren (PI), Integrase-Inhibitoren (INI), Fusions-Inhibitoren (FI) u.a.) zur Verf\u00fcgung, welche u.a. die Virusvermehrung eind\u00e4mmen. Zur Anwendung kommt eine Kombination von mehreren Wirkstoffen. Eine derartige Kombination ist wichtig um einer Resistenzentwicklung vorzubeugen. Im Vergleich zu fr\u00fcheren Medikamenten konnte die Vertr\u00e4glichkeit bei modernen HIV-Medikamenten deutlich verbessert werden.<\/p>\n<p>Die HIV-Therapie wird auf jeden Patienten individuell abgestimmt, wobei bei der Behandlungsplanung und Therapieentscheidung viele Kriterien zu ber\u00fccksichtigen sind (genauer Virus-Typ, Symptome\/Beschwerdebild, Krankheitsphase, Zahl der verbleibenden T-Helferzellen, Viruslast, Begleiterkrankungen, m\u00f6gliche Nebenwirkungen der HIV-Behandlung u.a.). Besonders wichtig ist es, dass Patienten die Therapie regelm\u00e4\u00dfig und dauerhaft einnehmen. Die HIV-Therapie ist eine lebenslange Therapie, die konstant eingenommen werden muss, die Therapietreue ist also ma\u00dfgeblich wichtig f\u00fcr den Behandlungserfolg. Bei einer nicht konsequenten\/fehlerhaften Einnahme verliert die Therapie ihre Wirksamkeit. Bei einer kontinuierlich richtigen Einnahme der Therapie wird das Virus unterdr\u00fcckt und das Fortschreiten der Krankheit, die Entwicklung von Folgeerkrankungen und der Ausbruch von Aids k\u00f6nnen verhindert werden.<\/p>\n<p>Abseits der medikament\u00f6sen Behandlung k\u00f6nnen Betroffene durch unterschiedliche Ma\u00dfnahmen selbst viel f\u00fcr ihre Gesundheit tun. Hierzu z\u00e4hlen die Anpassung des Lebensstils (gesunder Lebensstil; Bewegung, ausgewogene und das Immunsystem unterst\u00fctzende Ern\u00e4hrungsweise, ausreichend Schlaf, Verzicht auf Nikotin, Alkohol und Drogen, Stressreduktion\/ausreichend Entspannung) und das Einhalten wichtiger Hygienema\u00dfnahmen (regelm\u00e4\u00dfiges H\u00e4ndew\u00e4schen, Achtsamkeit beim Umgang mit (Haus-)Tieren, gr\u00fcndliches Waschen von Obst und Gem\u00fcse, Verzicht auf rohe Eier, rohes Fleisch, rohen Fisch und andere Lebensmittel, die m\u00f6glicherweise Krankheitserreger enthalten etc.). Au\u00dferdem wichtig sind bestimmte Schutzimpfungen, das Einhalten \u00e4rztlicher Anweisungen und Kontrolltermine, die rechtzeitige Behandlung etwaiger Begleiterkrankungen u.v.m. Betroffene sollten sich einen Vertrauensarzt suchen, entsprechende Beratungsstellen aufsuchen und sich ausreichend \u00fcber die Krankheit, das Leben mit HIV, Selbsthilfe- und Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen informieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2405,2430,2448,2457],"tags":[2716,2715,292,170],"class_list":["post-1625","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-haut-und-geschlechtskrankheiten","category-infektiologie","category-innere-medizin","category-krankheit","tag-aids","tag-hiv","tag-interne-medizin","tag-viren"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1625","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1625\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10234,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1625\/revisions\/10234"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}