{"id":1609,"date":"2018-07-23T14:59:00","date_gmt":"2018-07-23T14:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/zoeliakie\/"},"modified":"2023-02-16T21:02:31","modified_gmt":"2023-02-16T20:02:31","slug":"zoeliakie","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/zoeliakie\/","title":{"rendered":"Z\u00f6liakie (Glutenunvertr\u00e4glichkeit) &#8211; Definition, Ursache, Lebensmittel"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Z\u00f6liakie?<\/h2>\n<p>Die Z\u00f6liakie, eine Unvertr\u00e4glichkeit gegen Gluten, weist Merkmale einer Allergie und Autoimmunerkrankung auf. Bei Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung f\u00fchrt die Aufnahme von glutenhaltigen Nahrungsmitteln zu einer Immunreaktion des Darms. Bei anhaltender glutenhaltiger Ern\u00e4hrung kommt es durch eine chronische Entz\u00fcndung des D\u00fcnndarms zu Bauchschmerzen, chronischen <a title=\"Durchfall \u2013 Definition, Symptome, Diagnose, Behandlung\" href=\"\/ratgeber\/hilfe-bei-durchfall-992\">Durchf\u00e4llen<\/a> und anderen Symptomen und bestimmte N\u00e4hrstoffe k\u00f6nnen nur noch unzureichend aus dem Darm aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Z\u00f6liakie ist also mehr als eine blo\u00dfe Unvertr\u00e4glichkeit &#8211; im Gegensatz zu verschiedenen Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeiten handelt es sich um eine Erkrankung, die auf eine gesteigerte Immunantwort nach der Aufnahme von Gluten bei genetisch pr\u00e4disponierten Menschen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Als solche ist sie von einer Glutensensitivit\u00e4t &#8211; einer Intoleranz gegen\u00fcber Weizenbestandteilen &#8211; abzugrenzen.<\/p>\n<h2>Was passiert bei Z\u00f6liakie im K\u00f6rper?<\/h2>\n<p>Das Immunsystem von Betroffenen stuft Gluten als etwas Feindliches ein und zeigt eine \u00dcberreaktion beim Verzehr von glutenhaltigen Produkten (&#8220;allergische Komponente&#8221; der Z\u00f6liakie). Auch k\u00f6rpereigene Strukturen (das Enzym Gewebetransglutaminase, durch welches das Gluten in der D\u00fcnndarmschleimhaut gespalten wird) werden vom Immunsystem angegriffen (&#8220;autoimmunologische Komponente&#8221; der Z\u00f6liakie). Durch die \u00dcberreaktion des Immunsystems und Immunantwort kommt es zu einer Sch\u00e4digung und einem Oberfl\u00e4chenverlust der D\u00fcnndarmschleimhaut und der Darmzotten (Ausst\u00fclpungen, welche die Oberfl\u00e4che des Darms um ein Vielfaches vergr\u00f6\u00dfern, was eine optimale Aufnahme wichtiger N\u00e4hrstoffe aus der Nahrung erm\u00f6glicht). Dadurch wird die N\u00e4hrstoffaufnahme beeintr\u00e4chtigt, was in weiterer Folge zu Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Erbliche Veranlagung scheint eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung zu spielen. Andere diskutierte Ausl\u00f6ser sind u.a. Umweltfaktoren, Ern\u00e4hrung und Infektionen, wieso eine Glutenunvertr\u00e4glichkeit letztlich entsteht ist bislang allerdings nicht g\u00e4nzlich gekl\u00e4rt. Z\u00f6liakie tritt famili\u00e4r geh\u00e4uft auf sowie in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen (z.B. <a href=\"\/ratgeber\/diabetes-1191\">Diabetes mellitus<\/a> Typ 1, Hashimoto-Thyreoiditis, Turner-Syndrom).<\/p>\n<h2>Was ist Gluten und wo kommt es vor?<\/h2>\n<p>Gluten setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen und ist das &#8220;Klebereiwei\u00df&#8221; in verschiedenen Getreidesorten. Der Begriff &#8220;Kleber&#8221; spiegelt eine wichtige Eigenschaft wider. Gluten h\u00e4lt Teig zusammen, es wird h\u00e4ufig als Bindemittel eingesetzt, stabilisiert und ist Tr\u00e4ger f\u00fcr Aromastoffe. Aus diesen Gr\u00fcnden ist das Klebereiwei\u00df wichtig in der Lebensmittelherstellung.<\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlicherweise enthalten in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer sowie in deren Kreuzungen und Abstammungen, darunter u.a. Dinkel, Triticale, Gr\u00fcnkern, Emmer, Kamut, Couscous und Bulgur. Weiters kommt es in verarbeiteten Produkten aus glutenhaltigen Getreidesorten vor, darunter z.B. Brot, Pizza, Mehlspeisen, Cerealien, Saucen, paniertes Fleisch, panierter Fisch, Kekse, Schokolade mit Cerealien und Bier. Streng genommen finden sich in den jeweiligen Getreidesorten jedoch nicht Gluten, sondern die entsprechenden Proteingruppen. Gluten entsteht, wenn sich die Eiwei\u00dfe der Getreidesamen durch Feuchtigkeit verbinden.<\/p>\n<h2>Ist Gluten prinzipiell sch\u00e4dlich?<\/h2>\n<p>Glutenfreie Ern\u00e4hrung liegt im Trend, keine Frage. In den meisten Superm\u00e4rkten findet sich ein breites Sortiment an Produkten, die als &#8220;glutenfrei&#8221; oder &#8220;ohne Gluten&#8221; gekennzeichnet sind und viele Menschen, die weder an Z\u00f6liakie noch an einer entsprechenden Sensitivit\u00e4t oder Allergie leiden verzichten, in diesen F\u00e4llen freiwillig bzw. &#8220;ohne Not&#8221;, auf glutenhaltige Lebensmittel, nicht selten in der Annahme, dass eine glutenfreie Ern\u00e4hrung gesund ist und\/oder beim <a href=\"\/ratgeber\/abnehmen-3672\">Abnehmen<\/a> hilft.<\/p>\n<p>Sich glutenfrei zu ern\u00e4hren ist allerdings nicht ganz so einfach, denn wer darauf verzichten m\u00f6chte, der muss auf viele Getreidesorten und damit auf Brot, Cerealien, Pasta, Mehlspeisen und viele andere Lebensmittel verzichten. Theoretisch zumindest, denn mittlerweile gibt es hier viele Alternativen. Es gibt allerdings noch viele weitere Produkte, die kein Getreide, aber dennoch Gluten enthalten, etwa Eiscreme, Saucen, Fertigsuppen und andere Fertigprodukte, was eine konsequente glutenfreie Ern\u00e4hrung zur Herausforderung machen kann.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass eine Umstellung auf &#8220;glutenfrei&#8221; nicht zwangsl\u00e4ufig bedeutet, dass man sich ges\u00fcnder ern\u00e4hrt oder abnimmt. Mehlspeisen, Cornflakes, M\u00fcslimischungen und andere Produkte in der glutenfreien Variante k\u00f6nnen mehr Zucker und Zusatzstoffe enthalten, um dem glutenhaltigen Pendant in Bezug auf Geschmack und andere Merkmale \u00e4hnlich zu sein und als &#8220;glutenfrei&#8221; gekennzeichnetes Brot aus industrieller Herstellung liefert oftmals weniger Ballaststoffe als beispielsweise Vollkornbrote aus Dinkel.<\/p>\n<p>Ob freiwillig oder aufgrund einer Diagnose: Bei Umstellung auf eine glutenfreie Ern\u00e4hrung ist es wichtig, sich vorab mit den Etiketten und Inhaltsstoffen der jeweiligen Produkte auseinanderzusetzen und vertraut zu machen und nicht nur auf &#8220;glutenfrei&#8221; zu achten, sondern auch auf Reichhaltigkeit, Nat\u00fcrlichkeit und Ausgewogenheit.<\/p>\n<p>Ohne Ber\u00fccksichtigung anderer ern\u00e4hrungsrelevanter Aspekte l\u00e4sst sich nicht behaupten, dass eine glutenfreie Ern\u00e4hrung allgemein ges\u00fcnder ist oder, dass Weizen prinzipiell dick oder krank macht. Ebenso wenig l\u00e4sst sich Gluten prinzipiell verteufeln, da es einem gesunden Menschen im Regelfall nicht schadet. Nichtsdestotrotz ist in Weizen und anderen Getreidearten einiges enthalten, was bei einem Kind oder Erwachsenen mit entsprechender Bereitschaft (Pr\u00e4disposition) zu starken Beschwerden f\u00fchren kann.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Bei von Z\u00f6liakie Betroffenen kommt es aufgrund von Gluten zu Entz\u00fcndungen im Bereich der Darmschleimhaut, was unbehandelt zu einer Verklumpung und einem R\u00fcckgang der Darmzotten f\u00fchrt (Zottenatrophie). Dies hat zur Folge, dass nicht mehr gen\u00fcgend N\u00e4hrstoffe \u00fcber den Darm aufgenommen werden k\u00f6nnen und es zu N\u00e4hrstoffm\u00e4ngeln und Mangelerscheinungen kommt.<\/p>\n<p>Z\u00f6liakie kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten. Bei einem Kind beginnen die Beschwerden h\u00e4ufig nach dem S\u00e4uglingsalter mit Beginn einer glutenhaltigen Ern\u00e4hrung. M\u00f6gliche Symptome sind u.a. ein aufgetriebener Bauch, wiederkehrende Bauchschmerzen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Gewichtsstillstand oder -verlust, Verhaltens- und Wesens\u00e4nderungen, schlechte Stimmung und Weinerlichkeit. Aufgrund der unzureichenden N\u00e4hrstoffaufnahme kann es im Verlauf der Erkrankung zu Gedeihst\u00f6rungen kommen. Die jeweiligen Symptome und das Ausma\u00df dieser k\u00f6nnen von Kind zu Kind variieren.<\/p>\n<p>Auch bei Erwachsenen k\u00f6nnen die Symptome vielseitig sein. H\u00e4ufig sind Verl\u00e4ufe mit uncharakteristischen Beschwerden, darunter Bauchschmerzen, Bauchkr\u00e4mpfe, Bl\u00e4hungen, Durchfall, leichter Gewichtsverlust, Unwohlsein, M\u00fcdigkeit und\/oder eingeschr\u00e4nkte Leistungsf\u00e4higkeit. Weitere m\u00f6gliche Anzeichen und Folgen sowie atypischen Symptome einer Z\u00f6liakie sind u.a. Haarausfall, Zyklusst\u00f6rungen, Hautausschl\u00e4ge (Dermatitis herpetiformis), Eisenmangel und andere Mangelzust\u00e4nde, An\u00e4mie, erh\u00f6hte Leberwerte, Knochenschmerzen, Osteoporose, Muskelschw\u00e4che und -kr\u00e4mpfe, Gelenkbeschwerden, Stimmungsschwankungen, <a href=\"\/ratgeber\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe-1209\">depressive Verstimmungen<\/a> und andere.<\/p>\n<p>Wie bei Kindern vergeht auch bei Erwachsenen h\u00e4ufig viel Zeit bis zur gesicherten Diagnose, was auf die in vielen F\u00e4llen unspezifischen Symptome zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Nicht selten wird die Diagnose aufgrund eines Eisenmangels oder erh\u00f6hter Leberwerte gestellt. H\u00e4ufig haben Erwachsene trotz typischer Ver\u00e4nderungen im Bereich der D\u00fcnndarmschleimhaut und abweichenden Blutwerten nur wenig ausgepr\u00e4gte Beschwerden. Das Vollbild der Erkrankung mit fettigen St\u00fchlen, Durchf\u00e4llen und starkem Gewichtsverlust ist h\u00e4ufig eher eine Ausnahme.<\/p>\n<p>Die Auflistung der hier angef\u00fchrten Anzeichen und Symptome kann unvollst\u00e4ndig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen f\u00fcr eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angef\u00fchrte Symptom bei Z\u00f6liakie auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Glutenunvertr\u00e4glichkeit sollte das \u00e4rztliche Gespr\u00e4ch gesucht werden.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Die richtigen Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Unvertr\u00e4glichkeit sind u.a. Fach\u00e4rzte f\u00fcr Innere Medizin, Gastroenterologen und Kinder\u00e4rzte. Die Diagnose ist nicht immer einfach zu stellen, da nicht alle Betroffenen unter typischen Symptomen leiden und es nicht selten zu atypischen Anzeichen kommt, welche in erster Linie auf eine andere Erkrankung hinweisen, aber ebenfalls durch eine Z\u00f6liakie entstehen k\u00f6nnen. Neben einer Anamnese und k\u00f6rperlichen Untersuchung werden f\u00fcr eine Glutenunvertr\u00e4glichkeit typische Antik\u00f6rper im Blut bestimmt. Unter Umst\u00e4nden kann zus\u00e4tzlich eine Gewebeprobe aus dem Darm entnommen werden (D\u00fcnndarmbiopsie). Der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung richtet sich nach der individuellen Ausgangssituation.<\/p>\n<h2>Therapie<\/h2>\n<p>Eine urs\u00e4chliche Behandlung gibt es nicht, Z\u00f6liakie begleitet Betroffene ein Leben lang. Die Therapie besteht in einer lebenslangen glutenfreien Ern\u00e4hrung. Auch geringe Glutenmengen k\u00f6nnen zu Sch\u00e4den im Bereich der D\u00fcnndarmschleimhaut und Folgeerkrankungen f\u00fchren. Eine glutenfreie Di\u00e4t f\u00fchrt meistens binnen weniger Tage zu einer Besserung der Symptome, bei konsequentem Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel bilden sich die Beschwerden im Regelfall innerhalb von wenigen Monaten vollkommen zur\u00fcck und Folgeerkrankungen werden vermieden.<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen bedeutet die Umstellung auf eine glutenfreie Ern\u00e4hrung eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung der bisherigen Ern\u00e4hrungsweise und -gewohnheiten. Eine ausgewogene und schmackhafte Ern\u00e4hrung ist allerdings auch bei absolutem Verzicht auf Gluten m\u00f6glich. Betroffene sollten sich genau mit dem Thema auseinandersetzen und eine professionelle Ern\u00e4hrungsberatung in Anspruch nehmen, um ausreichend \u00fcber die M\u00f6glichkeiten einer glutenfreien Ern\u00e4hrung sowie \u00fcber &#8220;verstecktes&#8221; Gluten in verschiedenen Lebensmitteln informiert zu sein und Mangelerscheinungen vorzubeugen.<\/p>\n<p><em>Die angef\u00fchrte Auflistung dient der \u00dcbersicht. Bei Verdacht auf\/diagnostizierter Z\u00f6liakie ist eine ausf\u00fchrliche Ern\u00e4hrungsberatung wichtig, eine entsprechende Ern\u00e4hrungsumstellung sollte immer in Absprache mit einem Arzt\/professionellem Ern\u00e4hrungsberater erfolgen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,78,2457],"tags":[182,71,2204,2205,2208],"class_list":["post-1609","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-gastroenterologie","category-krankheit","tag-ernahrung","tag-gastroenterologie","tag-gluten","tag-glutenunvertraglichkeit","tag-zoliakie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1609","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1609\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10229,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1609\/revisions\/10229"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1610"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1609"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1609"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1609"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}