{"id":1604,"date":"2024-03-08T11:08:36","date_gmt":"2024-03-08T10:08:36","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/keuchhusten-pertussis\/"},"modified":"2026-02-09T11:43:02","modified_gmt":"2026-02-09T10:43:02","slug":"keuchhusten-pertussis","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/keuchhusten-pertussis\/","title":{"rendered":"Keuchhusten (Pertussis)"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Keuchhusten?<\/h2>\n<p>Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende Krankheit der Atemwege, die weltweit verbreitet ist. Verursacht wird sie durch das Bakterium Bordetella pertussis. Typisch f\u00fcr Keuchhusten sind anfallsartige, starke Hustenanf\u00e4lle, die auch als Stakkato-Husten bekannt sind. Diese Hustenanf\u00e4lle ereignen sich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, wobei der Patient intensiv und sto\u00dfartig hustet. Dar\u00fcber hinaus kann es w\u00e4hrend dieser Anf\u00e4lle auch zum Erbrechen kommen.<\/p>\n<h2>Wie wird Keuchhusten \u00fcbertragen?<\/h2>\n<p>Die \u00dcbertragung erfolgt durch Tr\u00f6pfcheninfektion. Das bedeutet, beim <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/husten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Husten<\/a>, Niesen oder Sprechen werden winzige Sekrettr\u00f6pfchen in die Luft abgegeben, die dann von anderen eingeatmet werden k\u00f6nnen. Die Inkubationszeit betr\u00e4gt bei Keuchhusten etwa 6 bis 20 Tage, meistens sind es 9-10 Tage.<\/p>\n<h2>Wie h\u00e4ufig ist Keuchhusten?<\/h2>\n<p>Die Zahl der Keuchhusten-F\u00e4lle nimmt zu. Auch in \u00d6sterreich kam es in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Pertussis-Melderate: Von 2015 bis 2018 stiegen die gemeldeten F\u00e4lle in \u00d6sterreich von 579 auf fast 2200. So zeigt sich bei den 15-20-J\u00e4hrigen, 40-45-J\u00e4hrigen und 65-70-J\u00e4hrigen eine deutliche Zunahme von Krankheitsf\u00e4llen, die u.a. darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein kann, dass es einige Jahre nach der Impfung oder nach Durchmachen einer Erkrankung zu einem Verlust der Schutzwirkung kommt.<\/p>\n<h2>Was sind die Symptome von Keuchhusten?<\/h2>\n<p>Keuchhusten verl\u00e4uft in drei Phasen, wobei sich die Symptome in jeder Phase unterscheiden.<\/p>\n<p><b>Stadium Catarrhale <\/b> <b>(Anfangsphase):<\/b><br \/>\nIm ersten Stadium sind die Symptome noch unspezifisch und \u00e4hnlich einer Erk\u00e4ltung mit folgenden Symptomen:<\/p>\n<ul>\n<li>Husten<\/li>\n<li>Niesen<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/halsschmerzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Halsschmerzen<\/a><\/li>\n<li>laufende Nase<\/li>\n<\/ul>\n<p>Betroffene sind jedoch hochansteckend. Nach etwa zwei Wochen kommt es zu einem immer schwerer werdenden Husten und geht in die zweite Phase \u00fcber.<\/p>\n<p><b>Stadium Convulsivum (Hauptphase):<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Starke, wiederholte Hustenanf\u00e4lle, bis zu 50 Mal am Tag<\/li>\n<li>H\u00e4ufige n\u00e4chtliche Hustenattacken<\/li>\n<li>Begleitende Symptome: W\u00fcrgereiz, Erbrechen, z\u00e4her Schleimauswurf.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Stadium Decrementi\u00a0 (Abklingphase):<\/b><\/p>\n<p>Die Hustenanf\u00e4lle und Symptome lassen allm\u00e4hlich nach und die Krankheit heilt meist ohne weitere Ansteckungsgefahr aus.<\/p>\n<p><b>Hinweis: Nicht alle aufgelisteten Symptome m\u00fcssen bei jedem Betroffenen auftreten. Bei Verdacht auf Keuchhusten ist \u00e4rztlicher Rat einzuholen.<\/b><\/p>\n<h2>Was sind m\u00f6gliche Begleiterkrankungen und Komplikationen?<\/h2>\n<p>Wenn Keuchhusten nicht zu Beginn der Erkrankung diagnostiziert wird, kann es zu verschiedenen Begleiterkrankungen und Komplikationen kommen.<\/p>\n<p><b>Zu diesen z\u00e4hlen beispielsweise:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/behandlung-einer-lungenentzuendung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lungenentz\u00fcndung<\/a><\/li>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/mittelohrentzuendung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mittelohrentz\u00fcndung<\/a><\/li>\n<li aria-level=\"1\">Krampfanf\u00e4lle<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Gewichtsverlust<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Leisten- und Nabelbr\u00fcche<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Einblutungen in die Augenbindehaut<\/li>\n<\/ul>\n<p><b><\/b>Bei S\u00e4uglingen: Risiko f\u00fcr lebensbedrohlicher Atemstillst\u00e4nde<b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<h2>Was sind die Risiken von Keuchhusten f\u00fcr Kinder?<\/h2>\n<p>Je j\u00fcnger ein Kind ist, desto gef\u00e4hrlicher ist die Erkrankung. Dies gilt vor allem f\u00fcr ein Kind im ersten Lebensjahr, da sich hier noch kein vollst\u00e4ndiger Impfschutz aufgebaut hat. Bei Kleinkindern unter drei Monaten kommt es aufgrund der kleinen Atemwege und der noch fehlenden sch\u00fctzenden Immunit\u00e4t geh\u00e4uft zu einem Sauerstoffmangel und Lungenentz\u00fcndungen, das typische Symptom, die anfallsartige Hustenattacke, wird seltener beobachtet.<\/p>\n<p>Im Regelfall heilt Keuchhusten ohne bleibende Sch\u00e4den wieder vollst\u00e4ndig aus, bei Menschen mit schw\u00e4cherem Immunsystem und ohne Impfschutz, besonders bei Neugeborenen und Kleinkindern, kann die Erkrankung unbehandelt allerdings auch t\u00f6dlich verlaufen.<\/p>\n<h2>Wie wird Keuchhusten diagnostiziert?<\/h2>\n<p>Die Diagnose von Keuchhusten beginnt mit der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), gefolgt von einer k\u00f6rperlichen Untersuchung. Um die Diagnose zu sichern, werden Labortests gemacht.<\/p>\n<p><b>\u00a0Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verf\u00fcgung:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li aria-level=\"1\">Direkter Erregernachweis: Durchf\u00fchrung eines Rachenabstrichs.<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Eine hochspezifische Methode zur Erkennung des Keuchhusten-Erregers.<\/li>\n<li aria-level=\"1\">Serumdiagnostik: Untersuchung des Blutes auf Antik\u00f6rper gegen den Erreger.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Auswahl der Tests h\u00e4ngt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Stadium der Krankheit, dem Alter des Patienten, dem Impfstatus und anderen individuellen Gesundheitsaspekten.<\/p>\n<p>Bei Verdacht auf Komplikationen oder Folgeerkrankungen k\u00f6nnen weitere spezifische Tests und zus\u00e4tzliche Untersuchungen notwendig sein.<\/p>\n<h2>Wie erfolgt die Behandlung von Keuchhusten?<\/h2>\n<p>Die Behandlung von Keuchhusten erfolgt mit Antibiotika, allerdings nur in den ersten drei bis vier Wochen. Durch die <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/antibiotika-was-man-darueber-wissen-sollte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">antibiotische<\/a> Therapie l\u00e4sst sich die Ansteckungsf\u00e4higkeit verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Allerdings kann dadurch der charakteristische Husten nicht sofort gestoppt werden. Dies liegt daran, dass das verursachende Bakterium einen Toxin produziert, das die Schleimh\u00e4ute und Flimmerh\u00e4rchen in der Lunge besch\u00e4digt. Der Schleimabbau erfolgt nur langsam. Eine Besserung tritt erst ein, wenn sich die Flimmerh\u00e4rchen erholen. Keuchhusten war fr\u00fcher auch als &#8220;100-Tage-Husten&#8221; bekannt, da die vollst\u00e4ndige Genesung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.<\/p>\n<p>Daneben gibt es allgemeine Ma\u00dfnahmen, welche die Behandlung, je nach Alter und Beschwerden, unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Bei S\u00e4uglingen sollte Keuchhusten station\u00e4r behandelt werden, ebenso kann bei Kindern und Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf ein Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich sein.<\/p>\n<p>Bei der Behandlung von Keuchhusten ist es ratsam, auf eine ausreichende Fl\u00fcssigkeitsaufnahme zu achten. Auch Ruhephasen, insbesondere Bettruhe, k\u00f6nnen den Genesungsprozess unterst\u00fctzen. Aufgrund von Hustenanf\u00e4llen und m\u00f6glichem W\u00fcrgereiz ist es sinnvoll, Nahrungsaufnahme in mehreren kleinen Portionen \u00fcber den Tag verteilt zu planen.<\/p>\n<h2>Keuchhusten &#8211; wer ist gef\u00e4hrdet?<\/h2>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige Auffrischungsimpfungen sind eine effektive M\u00f6glichkeit, um Keuchhusten vorzubeugen und gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppen indirekt zu sch\u00fctzen. Gef\u00e4hrdet sind nicht geimpfte Personen, besonders S\u00e4uglinge und Kinder. Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz sind eine Infektionsquelle f\u00fcr Neugeborene in den ersten Lebenswochen, die noch nicht geimpft werden k\u00f6nnen. Der Impfschutz gegen Pertussis wird allen Personen empfohlen, ist jedoch u.a. besonders wichtig f\u00fcr:<\/p>\n<ul>\n<li>Frauen mit Kinderwunsch (vor Eintritt der <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schwangerschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schwangerschaft<\/a>)<\/li>\n<li>Schwangere Frauen ab dem zweiten Trimenon (bevorzugt im dritten Trimenon), wenn die letzte Pertussis-Impfung l\u00e4nger als zwei Jahre zum Geburtstermin zur\u00fcckliegt<\/li>\n<li>Personen im Umfeld eines Neugeborenen (Eltern, Gro\u00dfeltern, Geschwister, Babysitter etc.)<\/li>\n<li>Mitarbeiter des Gesundheitswesens<\/li>\n<li>Menschen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Spit\u00e4lern, Altersheimen und Pflegeheimen t\u00e4tig sind<\/li>\n<li>Menschen, die einem Beruf mit verst\u00e4rktem direkten Menschenkontakt nachgehen (z.B. Kosmetiker, Heimhilfen)<\/li>\n<li>Menschen ab dem 60. Lebensjahr<\/li>\n<li>Raucher<\/li>\n<li>Jugendliche und Erwachsene mit erh\u00f6hter Gef\u00e4hrdung aufgrund eines Grundleidens (z.B. <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/asthma\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Asthma<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/copd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">COPD<\/a>, chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen, Immunsuppression)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>An welchen Arzt kann ich mich bei Krankheitssymptomen wenden?<\/h2>\n<p>Bei Verdacht auf Keuchhusten und den ersten Symptomen sollten sie an:<\/p>\n<ul>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"\/suche\/praktischer-arzt\">Arzt oder \u00c4rztin f\u00fcr Allgemeinmedizin<\/a><\/li>\n<li aria-level=\"1\">eine Spitalsambulanz oder<\/li>\n<li aria-level=\"1\"><a href=\"\/suche\/kinderarzt\">Facharzt oder Fach\u00e4rztin f\u00fcr Kinderheilkunde<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Wichtig: Bei Verdacht auf Keuchhusten muss der Arzt oder die \u00c4rztin vorab telefonisch informiert werden. <\/b><\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,2416,23,2457,2463],"tags":[381,2722,3227,3192],"class_list":["post-1604","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-hals-nasen-ohrenheilkunde","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","category-pneumologie","tag-impfung","tag-keuchhusten","tag-kinder-u-jugendheilkunde","tag-totimpfstoff"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":28,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16320,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1604\/revisions\/16320"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}