{"id":1587,"date":"2018-05-08T13:11:02","date_gmt":"2018-05-08T13:11:02","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/schizophrenie\/"},"modified":"2023-02-28T09:12:42","modified_gmt":"2023-02-28T08:12:42","slug":"schizophrenie","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schizophrenie\/","title":{"rendered":"Schizophrenie &#8211; Ursache, Verlauf, Behandlung"},"content":{"rendered":"<p>Schizophrenie z\u00e4hlt zu den Psychosen. Der Begriff &#8220;Psychose&#8221; ist ein Sammelbegriff f\u00fcr verschiedene psychische St\u00f6rungen, die sich u.a. durch Realit\u00e4tsverlust, Bewusstseinsst\u00f6rungen, Wahnvorstellungen und\/oder St\u00f6rungen des Denkens und F\u00fchlens ausdr\u00fccken. Der Erkrankungsgipfel (Zeitraum, in dem eine bestimmte Krankheit am h\u00e4ufigsten auftritt) der Schizophrenie liegt bei M\u00e4nnern etwa zwischen dem 20. und 25., bei Frauen um das 30. Lebensjahr.<\/p>\n<p>Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen ist allgemein ein gro\u00dfes Problem, wobei auch besonders der Begriff &#8220;Schizophrenie&#8221; in der \u00d6ffentlichkeit mit vielen negativen Konnotationen verbunden ist. Die Stigmatisierung der Erkrankung sowie Vorurteile und falsche Annahmen rund um schizophrene Erkrankungen stellen f\u00fcr Betroffene, Angeh\u00f6rige wie auch f\u00fcr Behandler oftmals zus\u00e4tzlich eine gro\u00dfe Belastung dar. Patienten mit Schizophrenie leiden phasenweise unter tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen ihrer Wahrnehmung, ihres Denkens und ihrer Gef\u00fchle. Eine vielfach angenommene falsche Annahme ist u.a., dass Patienten mit Schizophrenie eine gespaltene Pers\u00f6nlichkeit haben &#8211; ein Patient mit Schizophrenie hat nicht mehrere abwechselnd zum Vorschein kommende Pers\u00f6nlichkeiten wie bei einer dissoziativen Identit\u00e4tsst\u00f6rung. Und was viele nicht wissen: Mit der richtigen Behandlung kann sich zwischen Krankheitsr\u00fcckf\u00e4llen ein weitgehend vollst\u00e4ndiges Nachlassen der Krankheitssymptome zeigen.<\/p>\n<h2>Ursache<\/h2>\n<p>Schizophrenie ist nicht auf eine einzige Ursache zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern wahrscheinlich multifaktoriell bedingt. An der Krankheitsentstehung sind also mehrere Faktoren, darunter genetische, biologische und psychosoziale, beteiligt. Die Ursachen der Erkrankung sind bis heute nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Auf jeden Fall spielt genetische Vorbelastung eine Rolle (geh\u00e4uftes famili\u00e4res Auftreten), weiters werden verschiedene Ver\u00e4nderungen im Gehirn als Mitursache diskutiert. Neben vielen anderen werden auch bestimmte fr\u00fchkindliche Infektionen als m\u00f6gliche Ursache angenommen, ebenso wie fr\u00fchkindliche Hirnsch\u00e4digungen, bestimmte hormonelle und toxische Faktoren. Mehrere dieser Faktoren k\u00f6nnten in Kombination eine Schizophrenie ausl\u00f6sen, wobei viele diskutierte Faktoren, die zur Entstehung bzw. Ausl\u00f6sung einer Schizophrenie beitragen k\u00f6nnten, bis jetzt noch als umstritten gelten. Zudem werden, wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen, dem sozialen Umfeld und Stress eine wichtige Funktion bei der Krankheitsentstehung zugeschrieben.<\/p>\n<h2>Symptome<\/h2>\n<p>Die psychische Erkrankung wird in verschiedene Formen unterteilt, darunter die paranoide, die hebephrene und die katatone Schizophrenie und andere. Allgemein ist festzuhalten, dass die Bandbreite der m\u00f6glichen Symptome sehr gro\u00df ist. Die Erkrankung kann sich auf viele Bereiche der Psyche auswirken, darunter Denken, Wahrnehmung, Ich-Funktionen, Antrieb, Psychomotorik und die Gesamtheit des Gef\u00fchls- und Gem\u00fctslebens. Die am weitesten verbreitete Form ist die paranoide Schizophrenie, bei welcher Patienten in der akuten Phase Wahnvorstellungen und Halluzinationen entwickeln, darunter z.B. Sinneshalluzinationen (H\u00f6ren von in der Realit\u00e4t nicht existierenden Stimmen), k\u00f6rperliche Halluzinationen, Verfolgungswahn, Beziehungswahn und wahnhafte Botschaften. Weitere typische Krankheitszeichnen sind u.a. Ich-St\u00f6rungen, St\u00f6rungen im Denken und Sprechen (desorganisiertes Denken), St\u00f6rungen des Gef\u00fchllebens (z.B. starke Stimmungsschwankungen, nicht der Situation entsprechende Stimmungslage) und Verlust des Bezugs zur Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Bei der Symptomatik wird zwischen Positiv- und Negativsymptomatik unterschieden. Ein positives Symptom ist ein Symptom, das bei einem gesunden Menschen nicht vorhanden ist, zu den Positivsymptomen bei Schizophrenie z\u00e4hlen Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Bewegungsst\u00f6rungen. Ein negatives Symptom bedeutet hingegen, dass im Vergleich zu gesunden Menschen &#8220;etwas&#8221; fehlt. Zu den Negativsymptomen bei Schizophrenie z\u00e4hlen sozialer R\u00fcckzug, Antriebs- und Interessenverlust (z.B. an Freizeitaktivit\u00e4ten, Hobbys etc.), Konzentrationsschw\u00e4che, Emotionslosigkeit, Vernachl\u00e4ssigung des \u00c4u\u00dferen, Sprachmangel und andere.<\/p>\n<h2>Verlauf<\/h2>\n<p>Die Erkrankung wird in Prodromal-, Akut- und Stabilisationsphasen eingeteilt.<br \/>\nVor Ausbruch der eigentlichen Schizophrenie kann es zu einer Prodromalphase kommen (Vorphase mit &#8220;fr\u00fchen Warnzeichen&#8221;), m\u00f6gliche Fr\u00fchwarnzeichen sind erh\u00f6hte Empfindsamkeit und Reizbarkeit, Nervosit\u00e4t, Stimmungsschwankungen, Schlafst\u00f6rungen, reduzierte Leistungsf\u00e4higkeit, sozialer R\u00fcckzug und andere. Da es sich hierbei um unspezifische Symptome handelt, werden sie h\u00e4ufig nicht erkannt. In einer akuten Krankheitsphase findet sich bei Betroffenen h\u00e4ufig keine Einsicht f\u00fcr die psychische Erkrankung und Positivsymptome stehen im Vordergrund. Der weitere Verlauf einer Schizophrenie kann schubweise oder chronisch sein. Als Schub wird eine akute Krankheitsphase bezeichnet, nach welcher es zu einer mehr oder weniger vollst\u00e4ndigen R\u00fcckbildung der Symptome kommt, bis nach einer bestimmten Zeit, die von Patient zu Patient unterschiedlich lange sein kann, ein neuer Krankheitsschub folgt. \u00dcblicherweise folgt auf einen Schub eine &#8220;abklingende Phase&#8221; (Residualphase) mit Negativsymptomen. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich ein chronischer Krankheitsverlauf, der zumeist mit kognitiven, sozialen und anderen Beeintr\u00e4chtigungen einhergeht. Derartige Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen auch schon zu Beginn der Erkrankung vorhanden sein oder den ersten Positivsymptomen vorausgehen; Negativsymptome sind h\u00e4ufig schon vor den Positivsymptomen bemerkbar.<\/p>\n<p>Allgemein kann der Verlauf schizophrener Erkrankungen sehr unterschiedlich sein, von schubf\u00f6rmig remittierend (zur\u00fcckgehend) bis chronisch progredient (fortschreitend). Eine allgemein g\u00fcltige Prognose bzw. Aussage zum Verlauf der Erkrankung gibt es nicht.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Schizophrene Erkrankungen werden nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO, ICD-10) oder der Amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft (APA, DSM-5) diagnostiziert. Es handelt sich um Klassifikationssysteme, die bestimmte Kriterien vorgeben, die f\u00fcr eine Diagnose erf\u00fcllt sein m\u00fcssen. Das ICD-10 f\u00fchrt neun Symptomgruppen an, wichtige Leitsymptome laut ICD-10 sind: Gedankenlautwerden, &#8211; ausbreitung, -eingebung oder -entzug; Wahnwahrnehmungen, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gef\u00fchl des &#8220;Gemachten&#8221;; kommentierende und dialogische Stimmen; anhaltender, kulturell unangemessener und unrealistischer Wahn. Um die Diagnose stellen zu k\u00f6nnen, muss\/m\u00fcssen mindestens ein Symptom aus diesen Gruppen oder Symptome aus anderen Symptomgruppen \u00fcber einen Zeitraum von mindestens einem Monat bestehen. Um die Diagnose zu sichern und vor endg\u00fcltiger Diagnosestellung m\u00f6gliche andere Erkrankungen auszuschlie\u00dfen, werden nach einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch mit dem Betroffenen verschiedene Untersuchungen und Tests durchgef\u00fchrt (k\u00f6rperliche und neurologische Untersuchungen, Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) u.a.). Der genaue Ablauf der Abkl\u00e4rung (weiterf\u00fchrende Untersuchungen etc.) richtet sich nach der individuellen Situation.<\/p>\n<h2>Behandlung<\/h2>\n<p>Die Behandlung zielt darauf ab H\u00e4ufigkeit, Schweregrad und psychosoziale Folgen psychotischer Episoden rasch zu minimieren und das psychosoziale Funktionsniveau zwischen den Episoden zu verbessern.<br \/>\nNeben therapeutischen und psychosozialen Ma\u00dfnahmen ist eine medikament\u00f6se Behandlung Teil des Gesamtbehandlungskonzepts. Je nach Erkrankungsform und Auspr\u00e4gung der Symptome k\u00f6nnen unterschiedliche Medikamentengruppen zum Einsatz kommen. Antipsychotika (Neuroleptika, atypische Neuroleptika) sind die Therapie der Wahl in unterschiedlichen Stadien schizophrener Erkrankungen. Die Wirkstoffklasse und die Dosierung werden auf die Unterform der Erkrankung und die Auspr\u00e4gung abgestimmt.<br \/>\nNicht-medikament\u00f6se Behandlungsverfahren und Ma\u00dfnahmen, welche die Therapie gezielt unterst\u00fctzen sollen sind u.a. Psychoeduktion (Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Erkrankung), Psychotherapie, kognitive Verhaltenstherapie, Ma\u00dfnahmen zur Stressreduktion, kognitives Training, Ergotherapie, Training sozialer Kompetenzen, Soziotherapie\/klinische Sozialarbeit, Selbsthilfegruppen und andere.<\/p>\n<p>Ein Problem ist, dass Schizophrenie-Patienten h\u00e4ufig die Krankheitseinsicht fehlt, weswegen Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Erkrankung und Abbau von \u00c4ngsten durch Informationen sowie ein ma\u00dfgeschneiderter Gesamtbehandlungsplan, der unter Beteiligung des Betroffenen und aller am Behandlungsprozess Beteiligten erstellt werden sollte, besonders wichtig sind. Schizophrenie betrifft auch immer Angeh\u00f6rige und nahestehende Personen, weswegen diese in den Behandlungsprozess einbezogen werden sollten. Durch mehr Informationen und Wissen \u00fcber die psychische Erkrankung k\u00f6nnen Nahestehende mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Situation des Patienten entwickeln und diesen besser unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2457,2444],"tags":[1110,188,189,1518,579],"class_list":["post-1587","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-krankheit","category-psychiatrie","tag-gehirn","tag-neurologie","tag-psychiatrie","tag-schizophrenie","tag-verhalten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1587\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10217,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1587\/revisions\/10217"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1588"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1587"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1587"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}