{"id":1309,"date":"2018-01-04T12:54:49","date_gmt":"2018-01-04T12:54:49","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/harninkontinenz-beim-mann\/"},"modified":"2026-02-09T11:25:43","modified_gmt":"2026-02-09T10:25:43","slug":"harninkontinenz-beim-mann","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/harninkontinenz-beim-mann\/","title":{"rendered":"Harninkontinenz beim Mann"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist Harninkontinenz?<\/h2>\n<p>Der Begriff Harninkontinenz (h\u00e4ufig auch Blasenschw\u00e4che genannt) bezeichnet den ungewollten Abgang von Urin zwischen den Toiletteng\u00e4ngen. Betroffene geben unkontrolliert Urin ab bzw. k\u00f6nnen diesen nicht mehr kontrolliert zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p>Harninkontinenz ist ein weit verbreitetes medizinisches Problem, das von vielen Betroffenen nicht beim Arzt thematisiert wird. Denn einerseits ist noch immer die falsche \u00dcberzeugung verbreitet, dass Inkontinenz zum Alterungsprozess dazugeh\u00f6rt und eine Behandlung nicht notwendig bzw. nicht erfolgsversprechend ist, andererseits ist Harninkontinenz immer noch ein Tabuthema, weswegen auch die H\u00e4ufigkeitsangaben diesbez\u00fcglich sehr variieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der folgende Artikel behandelt die Harnblasenentleerung sowie die Behandlungsm\u00f6glichkeiten bei Harninkontinenz bei M\u00e4nnern. Weitere allgemeine Informationen zum Thema sowie Informationen zum Thema Harninkontinenz bei Frauen finden Sie <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/inkontinenz-diagnose-und-behandlung-1826\">hier<\/a>.<\/p>\n<h2>Wie funktioniert die Harnblasenentleerung beim gesunden Mann?<\/h2>\n<p>In der Harnblase wird Urin zwischengespeichert. \u00dcber die beiden Harnleiter ist die Blase mit den Nieren verbunden, die Urin abgeben und so die Blase f\u00fcllen. Im unteren Bereich schlie\u00dft die Blase mit der Harnr\u00f6hre ab, \u00fcber welche schlie\u00dflich die Blasenentleerung erfolgt. Ein innerer und \u00e4u\u00dferer Schlie\u00dfmuskel schlie\u00dfen die Blase hin zur Harnr\u00f6hre, die an der Spitze der Eichel am Penis endet. Weiters wird die Harnr\u00f6hre von der Vorsteherdr\u00fcse (Prostata), die sich unter der Blase befindet, umfasst, was unter Umst\u00e4nden zu kontinenzspezifischen Problemen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Normalerweise unterliegt die Blasenentleerung einer willentlichen Steuerung. Ein komplexer Verschlussmechanismus aus Schlie\u00dfmuskel und Beckenbodenmuskulatur verschlie\u00dft die Blase, sodass normalerweise vor der willentlichen Blasenentleerung kein Urin verloren geht.<\/p>\n<p>Ist die Blase entleert oder wird sie \u00fcber die Harnleiter gef\u00fcllt, ist der Blasenmuskel entspannt, w\u00e4hrend der Schlie\u00dfmuskel angespannt ist &#8211; die Blase ist verschlossen. Ist die Blase gef\u00fcllt, dann &#8220;melden&#8221; die Nerven in der Blasenwand dem Gehirn, dass eine Entleerung der Blase erfolgen muss. Umso mehr die Blase gef\u00fcllt wird, umso st\u00e4rker wird der Harndrang.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Blasenentleerung entspannt sich der Schlie\u00dfmuskel, der Blasenauslass \u00f6ffnet sich und der Urin kann abflie\u00dfen. Gleichzeitig kommt es zur Anspannung des Blasenmuskels, sodass Urin zus\u00e4tzlich aus der Blase gedr\u00fcckt werden kann. Ist die Entleerung abgeschlossen, dann entspannt sich der Blasenmuskel wieder, es kommt zur Anspannung des Schlie\u00dfmuskels und die Harnr\u00f6hre wird verschlossen.<\/p>\n<p>Aufgrund verschiedener Ursachen kann es beim Mann nun dazu kommen, dass die Blasenentleerung nicht kontrolliert durchgef\u00fchrt werden kann, wobei die Inkontinenz unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt sein kann, von wenigen Tropfen bis hin zu permanentem Harnverlust.<\/p>\n<h2>Ursachen und Formen der Harninkontinenz<\/h2>\n<p>Es werden verschiedene Formen der Harninkontinenz unterschieden, die unterschiedliche Ursachen haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz):<\/strong> Bei Dranginkontinenz versp\u00fcren Betroffene bereits w\u00e4hrend der Blasenf\u00fcllungsphase starken Harndrang mit unwillk\u00fcrlichem Urinabgang. Bereits bei geringer Blasenf\u00fcllung wird das Signal &#8220;Blase ist voll&#8221; gegeben, der Blasenmuskel zieht sich also bereits bei geringer Blasenf\u00fcllmenge zusammen und es kommt zum imperativen (nicht zu unterdr\u00fcckend) Harndrang und unfreiwilligem Harnverlust. Die Ursache f\u00fcr eine Dranginkontinenz l\u00e4sst sich nicht immer ausfindig machen, in Frage kommen u.a. st\u00e4ndige Reizungen der Blase, etwa durch eine wiederkehrende Blasenentz\u00fcndung oder Blasensteine, Prostatavergr\u00f6\u00dferung, neurologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Parkinson), Nervensch\u00e4den\/-reizungen, psychische Faktoren und der Alterungsprozess.<\/p>\n<p><strong>Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz):<\/strong> Die Belastungsinkontinenz ist eine Form der Harninkontinenz, bei welcher es aufgrund einer eingeschr\u00e4nkten Funktionsf\u00e4higkeit des Verschlussapparats der Blase bei einer Druckerh\u00f6hung innerhalb des Bauchraums zum unwillk\u00fcrlichen Urinabgang kommt. K\u00f6rperliche Anstrengung wie Heben oder Tragen, Husten, Niesen und andere Situationen, die den Druck innerhalb des Bauchraums erh\u00f6hen f\u00fchren bei dieser Form der Inkontinenz zum unkontrollierten Harnverlust. Ursache ist eine Sch\u00e4digung bzw. Schw\u00e4chung des Verschlussmechanismus zwischen Blasenhals und Harnr\u00f6hre, die beim Mann h\u00e4ufig Folge einer Prostataoperation (Entfernung der Prostata wegen Krebserkrankung) ist.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberlaufinkontinenz:<\/strong> Bei einer \u00dcberlaufinkontinenz ist der Druck in der Harnr\u00f6hre im Vergleich zum Druck in der Blase erh\u00f6ht und der freie Harnabfluss wird behindert. M\u00f6gliche Ursache hierf\u00fcr ist eine Prostatavergr\u00f6\u00dferung, in Frage kommen aber auch Harnr\u00f6hrenverengungen oder funktionelle St\u00f6rungen der Entleerung.<\/p>\n<p><strong>Reflexinkontinenz: <\/strong>Bei dieser Form der Inkontinenz liegt eine gest\u00f6rte \u00dcbertragung der Nervenimpulse aus dem R\u00fcckenmark oder Gehirn zur Muskulatur der Harnblase vor. In weiterer Folge kontrahiert die Blasenmuskulatur ungehemmt und es kommt zum Harnabgang. Ursachen sind u.a. Querschnittsl\u00e4hmung und neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall, Alzheimer u.a.).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es noch weitere Formen der Harninkontinenz (z.B. Mischinkontinenz, extraurethrale Inkontinenz). Bestimmte Faktoren, darunter verschiedene Medikamente (z.B. Diuretika) und Alkohol, k\u00f6nnen eine bereits bestehende Harninkontinenz verst\u00e4rken.<\/p>\n<h2>Diagnose<\/h2>\n<p>Im Rahmen der Abkl\u00e4rung werden verschiedene Untersuchungen durchgef\u00fchrt, um die Form der Inkontinenz feststellen zu k\u00f6nnen. Zu Beginn erfolgt eine Inkontinenzanamnese, bei welcher sich der Arzt genau nach der Situation des Patienten und dessen Krankengeschichte erkundigt (Seit wann kommt es zum unfreiwilligen Urinabgang? Wie h\u00e4ufig? tageszeit-\/situationsabh\u00e4ngig? Intensit\u00e4t? etc.). Ein Trink- und Blasentagebuch, in welchem der Patient \u00fcber mehrere Tage u.a. notiert, wann und wie oft er zur Toilette ging, wie stark der Harndrang war und ob bzw. in welchen Situationen es zum unwillk\u00fcrlichen Harnabgang kam, kann in diesem Zusammenhang sehr hilfreich sein. Im Anschluss erfolgt die k\u00f6rperliche Untersuchung. Diese umfasst eine Untersuchung von Unterbauch und Genitalbereich und eine Harnuntersuchung, weiters k\u00f6nnen noch andere Untersuchungen notwendig sein, z.B. ein Ultraschall der Blase vor und nach der Entleerung, eine Untersuchung zur Beurteilung der Funktion von Blase und Schlie\u00dfmuskel (Urodynamik), eine \u00dcberpr\u00fcfung der Nervenfunktion oder eine Blasenspiegelung.<\/p>\n<h2>Inkontinenz betrifft auch j\u00fcngere M\u00e4nner und ist kein Grund f\u00fcr Schamgef\u00fchle<\/h2>\n<p>Harninkontinenz ist nach wie vor ein Tabuthema. Das Thematisieren der Inkontinenz beim Arzt ist f\u00fcr M\u00e4nner oftmals ein gro\u00dfes Problem, vielen f\u00e4llt es schwer zuzugeben, dass sie den Harnfluss nicht mehr richtig unter Kontrolle haben, sei es aus Stolz, Scham oder dem Festhalten an falschen Eindr\u00fccken, wie beispielsweise, dass Blasenschw\u00e4che nur Frauen oder M\u00e4nner h\u00f6heren Alters betrifft.<\/p>\n<p>Schamgef\u00fchle hindern Betroffene daran, \u00fcber ihr Problem zu sprechen, was das Leiden verl\u00e4ngert und zumeist verschlimmert. Da Harninkontinenz beim Mann zumeist mit alterstypischem Auftreten oder Prostataoperationen assoziiert wird, wird der Eindruck vermittelt, dass andere Ursachen sehr selten sind, sodass sich Betroffene mit ihrem Problem alleine f\u00fchlen. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: M\u00e4nner unterschiedlicher Altersstufen k\u00f6nnen von Inkontinenz betroffen sein und neben Operationen an der Prostata kann diese viele andere Ursachen haben.<\/p>\n<p>Wichtig ist es, die Beschwerden nicht zu verharmlosen. Einerseits k\u00f6nnen sich hinter der Inkontinenz bestimmte Ver\u00e4nderungen oder Erkrankungen verbergen (z.B. Prostatavergr\u00f6\u00dferung), die eine fach\u00e4rztliche Abkl\u00e4rung erfordern, andererseits kann es in Folge der Harninkontinenz zu einem starken Verlust an Lebensqualit\u00e4t, psychischen Problemen, sozialem R\u00fcckzug und Einsamkeit kommen.<\/p>\n<p>Viele Betroffene haben das Gef\u00fchl, dass sie die Kontrolle \u00fcber den eigenen K\u00f6rper verlieren; es passiert nicht selten, dass das Selbstvertrauen und Selbstwertgef\u00fchl sinken und \u00c4ngste auftreten, was das Schamgef\u00fchl verst\u00e4rken und es noch schwieriger machen kann, das Problem offen anzusprechen.<\/p>\n<p>Viele Betroffene isolieren sich zunehmend und gehen gewohnten T\u00e4tigkeiten, bei welchen die Inkontinenz ein Problem darstellt (z.B. sportliche und soziale Aktivit\u00e4ten, Reisen) und Aktivit\u00e4ten, die au\u00dferhalb der Reichweite einer Toilette liegen seltener bzw. nicht mehr nach oder eignen sich individuelle Verhaltensmuster an (z.B. prophylaktische Toiletteng\u00e4nge, Reduktion der t\u00e4glichen Trinkmenge etc.), die wiederum weitere Probleme mit sich bringen k\u00f6nnen und dazu beitragen, dass die Inkontinenz das Leben zunehmend bestimmt. Auch sexuelle Auswirkungen sind keine Seltenheit.<\/p>\n<p>Was viele jedoch nicht wissen: Es gibt verschiedene effektive Therapiem\u00f6glichkeiten, um Harninkontinzenz langfristig in den Griff zu bekommen. Bei Inkontinenz handelt es sich nicht um ein peinliches Schicksal, sondern um ein medizinisches Problem wie jedes andere auch, das \u00e4ltere als auch j\u00fcngere M\u00e4nner betrifft und nach genauer Abkl\u00e4rung h\u00e4ufig erfolgreich behandelt werden kann.<\/p>\n<h2>Behandlungsm\u00f6glichkeiten<\/h2>\n<p>Die Therapie orientiert sich an den Ursachen und der Form der Inkontinenz und der genauen Situation des Patienten. Zu den therapeutischen M\u00f6glichkeiten z\u00e4hlen, je nach Form der Inkontinenz, Verhaltenstraining, Blasentraining, Beckenbodentraining unter Anleitung von einem auf urologische Probleme spezialisierten Physiotherapeuten, Elektrotherapie (passives Training der Beckenmuskeln durch schmerzlose elektrische Impulse), Biofeedbacktraining, Medikamente (z.B. Antimuskarinika bei Dranginkontinenz, Botulinumtoxin) und andere. Mithilfe der richtigen Therapie lassen sich die H\u00e4ufigkeit und das Ausma\u00df des unfreiwilligen Harnverlusts deutlich reduzieren, in vielen F\u00e4llen kann die Kontinenz auch wieder hergestellt werden. Bei ausbleibendem Erfolg der konservativen Therapie kann eine Operation sinnvoll sein, durch welche sich zumeist ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen l\u00e4sst.<\/p>\n<h2>Selbsthilfe<\/h2>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Bei den ersten Zeichen von unfreiwilligem Harnabgang lohnt es sich, einen Arzt aufzusuchen und das Problem offen anzusprechen.<\/li>\n<li>Kontinuierliches Beckenbodentraining st\u00e4rkt die Beckenbodenmuskulatur. Die gezielte Gymnastik des Beckenbodens ist bei Harninkontinenz allgemein eine wichtige Hilfe.<\/li>\n<li>Es stehen verschiedene Inkontinenz-Hilfsmittel zur Verf\u00fcgung, die Betroffenen im Umgang mit der Inkontinenz im Alltag helfen, darunter spezielle Einlagen und sammelnde Hilfsmittel (Urinal).<\/li>\n<li>Viel Trinken: Durch eine Reduktion der Trinkmenge l\u00e4sst sich die Inkontinenz nicht in den Griff bekommen.<\/li>\n<li>Gewichtsabnahme: \u00dcbergewicht ist ein Risikofaktor und kann eine bestehende Inkontinenz verst\u00e4rken.<\/li>\n<li>Stress und emotionale Belastungen k\u00f6nnen sich auf die Blasenfunktion auswirken und zur Entstehung oder Aufrechterhaltung von Blasenentleerungsst\u00f6rungen beitragen. Stressreduktion und Entspannungs\u00fcbungen k\u00f6nnen helfen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[26,25,2457,2455],"tags":[108,2736,2735,648,190,3226],"class_list":["post-1309","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemeinmedizin","category-chirurgie","category-krankheit","category-urologie","tag-allgemeinmedizin","tag-harninkontinenz","tag-inkontinenz","tag-manner","tag-urologie","tag-urologie-und-andrologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9546,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1309\/revisions\/9546"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}