{"id":1299,"date":"2017-11-01T12:56:48","date_gmt":"2017-11-01T12:56:48","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/metastasierter-brustkrebs-psychische-folgen-der-erkrankung\/"},"modified":"2023-02-16T20:45:02","modified_gmt":"2023-02-16T19:45:02","slug":"metastasierter-brustkrebs-psychische-folgen-der-erkrankung","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/metastasierter-brustkrebs-psychische-folgen-der-erkrankung\/","title":{"rendered":"Metastasierter Brustkrebs: Psychische Folgen der Erkrankung"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Wie h\u00e4ufig ist metastasierter Brustkrebs?<\/strong><\/h2>\n<p>Brustkrebs wird in vier Stadien unterteilt, von Stadium IV &#8211; der metastasierten Form &#8211; ist die Rede, wenn der Tumor weiter fortgeschritten ist und sich im K\u00f6rper ausgebreitet hat. Nur ein geringer Teil aller Betroffenen ist bereits bei der Erstdiagnose von metastasiertem Brustkrebs betroffen. Bei den meisten der metastasierten Patientinnen kommt es erst nach vielen Jahren zu einem Wiederauftreten der Erkrankung und zur Bildung von Metastasen.<\/p>\n<p>Langfristig ist etwa jede dritte bis vierte Patientin von metastasiertem Brustkrebs betroffen. Wie hoch das individuelle Risiko ist, h\u00e4ngt vom Stadium der Krankheit zum Zeitpunkt der ersten Behandlung, von den biologischen Eigenschaften der Erkrankung und anderen Faktoren ab.<\/p>\n<h2><strong>Therapieziele bei metastasiertem Brustkrebs<\/strong><\/h2>\n<p>Da es derzeit praktisch nicht m\u00f6glich ist Brustkrebs im metastasierten Stadium zu heilen bzw. dauerhaft zum Stillstand zu bringen, zielt die Therapie darauf ab, die Erkrankung m\u00f6glichst lange unter Kontrolle zu halten und ihr Fortschreiten hinauszuz\u00f6gern, sowie Symptome zu behandeln.&nbsp;Hierf\u00fcr stehen verschiedene Behandlungsm\u00f6glichkeiten (antihormonelle Therapie, Chemotherapie, zielgerichtete Substanzen, Schmerztherapie u.a.), zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus steht vor allem die Optimierung der Lebensqualit\u00e4t im Fokus. Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Bed\u00fcrfnissen der Patientin und wird je nach Verlauf angepasst.<\/p>\n<p>Brustkrebs ist und bleibt ein wichtiger Forschungsgegenstand. Dank innovativer Therapieans\u00e4tze k\u00f6nnen zunehmend mehr Betroffene mit einer metastasierten Erkrankung \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bei guter Lebensqualit\u00e4t leben. Beispielsweise wurde Ende 2016 mit den sogenannten Zellzyklushemmern eine neue Wirkstoffklasse zugelassen, welche in Kombination mit einer antihormonellen Therapie den Zeitraum, in welchem die Erkrankung stabil bleibt, bei Frauen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs (Brustkrebs, dessen Wachstum durch Hormone gef\u00f6rdert wird) verl\u00e4ngert.<\/p>\n<h2><strong>Was bedeutet die Diagnose f\u00fcr Betroffene und Angeh\u00f6rige?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Diagnose geht mit vielen Fragen, Herausforderungen und \u00c4ngsten einher. An dieser Stelle muss betont werden, dass sich die Frage &#8220;Wie viel Zeit bleibt ab Diagnosestellung noch?&#8221; mit einer pauschalen Antwort nicht beantworten l\u00e4sst, da Statistiken keine Informationen \u00fcber den Krankheitsverlauf einer Einzelperson liefern. W\u00e4hrend sich der Zustand bei einigen Patientinnen relativ rasch verschlechtert, k\u00f6nnen viele Frauen mit metastasiertem Brustkrebs noch jahrelang bei guter Lebensqualit\u00e4t leben. Unbestritten ist jedoch, dass das Leben mit einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung f\u00fcr Patientinnen und deren Angeh\u00f6rige sehr belastend ist, weswegen es wichtig ist, \u00fcber professionelle Unterst\u00fctzungsangebote Bescheid zu wissen.<\/p>\n<h2><strong>Psychische Herausforderungen und Belastungen&nbsp;<\/strong><\/h2>\n<p>Jede Ver\u00e4nderung des Gesundheitszustands, die als Bedrohung empfunden wird und ein Ende des bisher gewohnten Lebens bedeutet stellt Betroffene vor eine noch nicht erlebte Situation und f\u00fchrt dazu, sich im Leben neu orientieren und Wege finden zu m\u00fcssen, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen. Gef\u00fchle wie Angst, Traurigkeit, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, Niedergeschlagenheit und Wut sind h\u00e4ufig unmittelbare Reaktionen auf die Diagnose.<\/p>\n<p>Wie eine Frau langfristig auf die Diagnose reagiert l\u00e4sst sich nicht vorhersagen &#8211; f\u00fcr einige Frauen wird die Situation mit der Zeit ertr\u00e4glicher, andere leiden wiederum unter Depressionen, Isolation und Verzweiflung. Psychische Symptome sind bei Patienten mit Krebs keine Ausnahme, sondern sehr h\u00e4ufig &#8211; rund vier von zehn Brustkrebspatientinnen sind von einer psychischen Erkrankung betroffen.<\/p>\n<p>Patientinnen haben Angst, dass sich durch die Krankheit das Verh\u00e4ltnis zum Partner, der Familie und zu Freunden ver\u00e4ndert und sie ihren Alltag nicht mehr selbstst\u00e4ndig bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. F\u00fcr viele ist es belastend, dass sie ihrer Arbeit und ihren Verpflichtungen nicht mehr nachgehen k\u00f6nnen, was das Gef\u00fchl des Kontrollverlusts und der Hilflosigkeit oftmals verst\u00e4rkt und dazu f\u00fchrt, dass sich Betroffene als Belastung f\u00fcr andere wahrnehmen und Angst vor finanziellen und allt\u00e4glichen Problemen haben. Auch setzen sich viele mit Hoffnungs- und Sinnfragen auseinander, zudem ist die Angst vor dem Tod ein wichtiges Thema.<\/p>\n<p>Beeinflusst wird die psychische Situation zudem durch die Krankheitsfolgen und die Auswirkungen einer Therapie, darunter z.B. Schmerzen, Ersch\u00f6pfung und k\u00f6rperliche Abgeschlagenheit, \u00dcbelkeit, Schlaflosigkeit oder ver\u00e4ndertes Aussehen. All dies kann von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein.<\/p>\n<h2><strong>Krankheitsbew\u00e4ltigungsstrategien<\/strong><\/h2>\n<p>Die Auswirkungen von Krebs auf Psyche und Seele sind von Person zu Person verschieden, ebenso wie die Art und Weise, wie Betroffene mit ihrer Krankheit umgehen. Bei einigen lassen Gef\u00fchle wie Niedergeschlagenheit und Verzweiflung allm\u00e4hlich nach, wenn sie ihren Blick darauf richten, was trotz der Krankheit noch m\u00f6glich ist oder aufgrund dieser leichter zwischen wichtigen und weniger wichtigen Dingen im Leben unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Prinzipiell wechseln sich im Krankheitsverlauf gute und schlechte Phasen ab. Emotionale H\u00f6hen und Tiefen sind v\u00f6llig normal und w\u00e4hrend es einigen Patientinnen nicht schwer f\u00e4llt, Angeh\u00f6rigen ihre Gef\u00fchle und Gedanken mitzuteilen, haben andere Hemmungen, um \u00fcber ihre Emotionen zu sprechen, beispielsweise weil sie ihre Empfindungen nicht in Worte fassen k\u00f6nnen, sich missverstanden oder einsam f\u00fchlen. Auch Angst, Scham oder die Bef\u00fcrchtung eine Belastung zu sein k\u00f6nnen Gr\u00fcnde sein, weswegen sich Patientinnen zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ein offener Umgang mit der Diagnose und den eigenen Gef\u00fchlen&#8230;<br \/>\n<\/strong>&#8230; kann verhindern, dass sich Gef\u00fchle anstauen. Empfindungen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum f\u00fcr sich zu behalten kann Kraft kosten und das Gef\u00fchl von Einsamkeit und Ausgeschlossenheit verst\u00e4rken.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Unterst\u00fctzung durch Angeh\u00f6rige<br \/>\n<\/strong>Metastasierter Brustkrebs betrifft nicht nur die, die darunter leiden, sondern ver\u00e4ndert auch das Leben von Familienangeh\u00f6rigen und Freunden, welchen es nicht immer leicht f\u00e4llt sich auf Anhieb &#8220;richtig&#8221; zu verhalten. In vielen F\u00e4llen wird die Beziehung zwischen Patientinnen und Angeh\u00f6rigen durch die Krankheit gefestigt, andererseits wissen diese oftmals auch nicht, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen sollen. M\u00f6gliche Herausforderungen ergeben sich beispielsweise aufgrund nicht angesprochener Probleme, da Angeh\u00f6rige h\u00e4ufig unsicher sind wie sie etwas am besten thematisieren k\u00f6nnen, was &#8211; aufgrund der ausbleibenden Verst\u00e4ndigung &#8211; zu einer ungewollten Isolation von Patientinnen f\u00fchren kann. Da sich gute und schlechte Phasen abwechseln ist es f\u00fcr Angeh\u00f6rige auch nicht immer leicht zu erkennen, ob jemand &#8220;nur&#8221; ein paar schlechte Tage hat oder professionelle Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigt. Allgemein g\u00fcltige Ratschl\u00e4ge dar\u00fcber, wie man eine Patientin als Angeh\u00f6riger am besten unterst\u00fctzt und wie man die &#8220;richtigen&#8221; Worte findet sind schwierig, da jeder Mensch anders ist &#8211; was f\u00fcr die eine Frau eine wertvolle Hilfe ist, kann von einer anderen Patientin als Mitleid aufgefasst und zur Belastung werden. Hinzu kommt, dass sich Bed\u00fcrfnisse im Krankheitsverlauf \u00e4ndern k\u00f6nnen. Prinzipiell ist es wichtig, Bed\u00fcrfnisse zu kommunizieren und miteinander zu sprechen, Hintergrundinformationen aus zuverl\u00e4ssigen Quellen (z.B. \u00d6sterreichische Krebshilfe, Europa Donna, Brustgesundheitszentren) einzuholen und der Krankheit nicht alles unterzuordnen, sondern auch anderen wichtigen Lebensinhalten ausreichend Raum zu lassen, sodass Patientinnen nicht st\u00e4ndig mit ihrer Krankheit konfrontiert sind und sich anderen Dingen zuwenden k\u00f6nnen. Weiters ist gut gemeinte \u00dcberf\u00fcrsorge nicht immer hilfreich &#8211; wird Betroffenen alles abgenommen, z.B. wenn in ihrem Namen gehandelt wird oder sie in famili\u00e4re Entscheidungen nicht einbezogen werden, k\u00f6nnen wichtige Bed\u00fcrfnisse \u00fcbergangen werden. F\u00fcr alle Beteiligten ist es allgemein von Vorteil, gewohnte Aufgaben und Abl\u00e4ufe so normal zu belassen wie es vor dem Hintergrund der Situation m\u00f6glich ist, vorausgesetzt, dass es die gesundheitliche Situation der Patientin erlaubt. Dadurch f\u00fchlen sich Patientinnen ernst genommen, zugeh\u00f6rig und gebraucht, w\u00e4hrend Angeh\u00f6rige, f\u00fcr welche die Erkrankung psychisch und physisch sehr belastend sein kann, ihre Aufmerksamkeit und ihre Kraft auf das Wesentliche konzentrieren und \u00fcberfordernden Situationen entgegenwirken k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Unterst\u00fctzungsangebote: Von Selbsthilfegruppen bis hin zu Apps<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Professionelle Unterst\u00fctzung kann die Lebensqualit\u00e4t in vielerlei Hinsicht verbessern und Patientinnen bei der Bew\u00e4ltigung der neuen Lebenssituation helfen. Vielen Frauen f\u00e4llt der Umgang mit der Krankheit bereits leichter, wenn sie wissen welche Unterst\u00fctzungsangebote ihnen offen stehen, um Hilfe beim Umgang mit Themen wie Traurigkeit, Mutlosigkeit, Depressionen und Sterben zu erhalten. Sich ausf\u00fchrlich \u00fcber die Erkrankung zu informieren, beispielsweise bei der \u00d6sterreichischen Krebshilfe, kann helfen \u00c4ngste abzubauen und mehr Sicherheit in Hinblick auf weitere Entscheidungen zu bekommen.<\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Patientinnen mit metastasierendem Brustkrebs reichen von Selbsthilfegruppen \u00fcber psychoonkologische Ansprechpartner in Kliniken, psychotherapeutische Begleitung und Entspannungstechniken bis hin zu Social Media Plattformen, Online Foren und Apps, welche beispielsweise Informationen \u00fcber Patientenorganisationen beinhalten, beim Kontaktaufbau mit anderen Betroffenen helfen und Patientinnen die M\u00f6glichkeit bieten, Emotionen auszudr\u00fccken und Angeh\u00f6rige ohne viele Worte \u00fcber ihr momentanes Befinden zu informieren. Die Bandbreite an Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten ist gro\u00df &#8211; Betroffene sollten sich immer wieder bewusst machen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht alleine sind.<\/p>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2459,2457,2411,2444,2413],"tags":[132,129,216,940,75,189,287,249],"class_list":["post-1299","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-frauenheilkunde","category-krankheit","category-onkologie","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-brustkrebs","tag-frauenheilkunde","tag-krebs","tag-mammakarzinom","tag-onkologie","tag-psychiatrie","tag-psychotherapie","tag-radiologie"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10205,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1299\/revisions\/10205"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}