{"id":1284,"date":"2024-09-03T09:02:18","date_gmt":"2024-09-03T07:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/ratgeber\/article\/scheidenpilz\/"},"modified":"2026-02-09T10:42:24","modified_gmt":"2026-02-09T09:42:24","slug":"scheidenpilz","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/scheidenpilz\/","title":{"rendered":"Scheidenpilz &#8211; Definition, Symptome, Behandlung, Vorbeugen"},"content":{"rendered":"<h2>Worum handelt es sich bei einem Scheidenpilz?<\/h2>\n<p>Vaginalpilz, Scheidenpilz, vaginale Pilzinfektion, Vulvovaginitis candidomycetica, Vaginalmykose oder Vulvovaginalcandidose &#8211; viele Begriffe f\u00fcr ein und dieselbe Erkrankung, von welcher rund 75 Prozent aller Frauen zumindest einmal im Laufe ihres Lebens betroffen sind.<\/p>\n<p>Der Scheidenpilz ist eine der h\u00e4ufigsten Erkrankungen im Genitalbereich der Frau, viele Frauen sind immer wieder davon betroffen. Es handelt sich &#8211; wie der Name bereits sagt &#8211; um eine Pilzinfektion der Scheide, allerdings um keine sexuell \u00fcbertragbare Krankheit. Eine sexuelle \u00dcbertragung ist zwar prinzipiell m\u00f6glich, allerdings z\u00e4hlt Scheidenpilz nicht zu den sexuell \u00fcbertragbaren Krankheiten im klassischen Sinn.<\/p>\n<h2>Welche Ursachen hat Scheidenpilz?<\/h2>\n<p>Die Scheide ist bakteriell sehr dicht besiedelt, haupts\u00e4chlich mit sogenannten Laktobakterien (Milchs\u00e4urebakterien), auch D\u00f6derlein-Bakterien genannt. In der Scheidenschleimhaut wird Glykogen gebildet, das von den Laktobazillen zu Laktat (Milchs\u00e4ure) verstoffwechselt wird, wodurch der pH-Wert in den sauren Bereich sinkt. Das saure Milieu der Scheide verhindert, dass krankheitsverursachende Keime in der Scheide \u00fcberhandnehmen k\u00f6nnen. Das Vorkommen von Laktobakterien ist \u00f6strogenabh\u00e4ngig, weswegen die Konzentration an Laktobakterien in der Kindheit und ab den Wechseljahren vermindert ist.<\/p>\n<p>Neben den Laktobakterien gibt es in der Vagina noch viele andere Mikroorganismen, darunter z.B. Mykoplasmen, Staphylokokken und Enterokokken oder Candida albicans, den Haupterreger von Scheidenpilz. Das saure Milieu der Scheide erm\u00f6glicht die Bereitstellung von Stickstoffmonoxid (NO), welches wiederum keimt\u00f6tend wirkt. Dank des sauren Milieus k\u00f6nnen sich Krankheitserreger und damit auch ein m\u00f6glicher in der Vagina vorhandener Pilz nicht unkontrolliert ausbreiten. Bei St\u00f6rungen der mikrobiellen Besiedelung der Vagina kann es jedoch sein, dass sich Krankheitserreger, in diesem Fall Pilze, stark vermehren und eine Infektion verursachen.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigsten Erreger der vaginalen Pilzinfektion sind Hefen des Typs Candida, der h\u00e4ufigste Erregertyp ist Candida albicans, welcher f\u00fcr mehr als 80 Prozent aller Scheidenpilzinfektionen verantwortlich ist. Weitere m\u00f6gliche Erreger von Vaginalpilz sind Candida glabrata, Candida krusei, Candida parapsilosis und Candida tropicalis, wobei diese verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig selten anzutreffen sind.<\/p>\n<h2>Durch welche Faktoren wird eine Pilzinfektion beg\u00fcnstigt?<\/h2>\n<p>Es gibt einige Faktoren, die das Risiko f\u00fcr eine Pilzinfektion erh\u00f6hen. Zu diesen z\u00e4hlen u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Antibiotika: <\/strong>Durch die Einnahme von Antibiotika ver\u00e4ndert sich die mikrobielle Besiedelung der Scheide, wodurch sich ein Pilz verst\u00e4rkt vermehren und ausbreiten kann.<\/li>\n<li><strong>Andere Medikamente:<\/strong> Auch Immunsuppressiva, Zytostatika (Chemotherapeutika), Glukokortikoide (Kortison) und andere Medikamente k\u00f6nnen die mikrobielle Besiedelung beeinflussen und so das Risiko f\u00fcr einen Pilz erh\u00f6hen.<\/li>\n<li><strong>Orale Kontrazeptiva:<\/strong> Hoch dosierte orale Kontrazeptiva k\u00f6nnen das Scheidensekret auf Dauer ver\u00e4ndern.<\/li>\n<li><strong>Andere Erkrankungen:<\/strong> Eine HIV-Infektion, <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/diabetes-1191\">Diabetes mellitus<\/a> und andere Erkrankungen erh\u00f6hen das Risiko f\u00fcr eine Scheidenpilzinfektion ebenfalls. Bei Diabetes mellitus bietet der erh\u00f6hte Glukosegehalt im Blut und im Gewebe eine gute Nahrungsgrundlage f\u00fcr den Pilz.<\/li>\n<li><strong>Stress und psychische Belastung<\/strong><\/li>\n<li><strong>Monatszyklus:<\/strong> W\u00e4hrend der Monatsblutung ist das Risiko f\u00fcr eine Infektion erh\u00f6ht. Das Milieu in der Scheide ist von hormonellen Einfl\u00fcssen abh\u00e4ngig und variiert zyklisch. M\u00e4dchen bis zu Geschlechtsreife sind f\u00fcr Pilzinfektionen wenig empf\u00e4nglich, mit Beginn der Geschlechtsreife steigt die H\u00e4ufigkeit der Infektionen.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/ratgeber\/schwangerschaft-2602\"><strong>Schwangerschaft:<\/strong><\/a> Schwangere Frauen erleiden h\u00e4ufiger einen Scheidenpilz als nicht schwangere Frauen, was auf den ver\u00e4nderten Hormonhaushalt einer Frau w\u00e4hrend der Schwangerschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Was sind die Symptome bei einem Scheidenpilz?<\/h2>\n<p>Die Auspr\u00e4gung der Symptome kann bei Scheidenpilz unterschiedlich sein, wobei die Symptome im Regelfall so charakteristisch sind, dass Frauen, die zuvor bereits einen Scheidenpilz hatten die Beschwerden bei dessen Wiederauftreten wiedererkennen.<\/p>\n<p><strong>Zu den Standardsymptomen z\u00e4hlen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Juckreiz im Bereich der Vulva und der Vagina,<\/li>\n<li>R\u00f6tungen und Schwellungen der Vaginalschleimhaut und des unteren Genitalbereichs (geschwollene Schamlippen)<\/li>\n<li>und wei\u00dfer oder wei\u00dflich-kr\u00fcmeliger geruchloser Ausfluss.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Im weiteren Krankheitsverlauf kann es noch zu weiteren Beschwerden kommen, z.B.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>schmerzhaftes Ablassen von Harn,<\/li>\n<li>Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>K\u00f6nnen die Symptome von selbst wieder verschwinden?<\/h2>\n<p>Im Regelfall verschwindet ein Pilz nicht von alleine, ein spontanes Abklingen der Beschwerden ist eher selten. Bei erstmaligem Auftreten der Symptome sollte ein Arzt aufgesucht werden um die Beschwerden genau abzukl\u00e4ren.<\/p>\n<h2>Wann sollte ein Arzt oder eine \u00c4rztin aufgesucht werden?<\/h2>\n<p>Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn die Symptome erstmals oder viermal bzw. mehr als viermal pro Jahr auftreten. Bei Unsicherheiten ist ein Arztbesuch prinzipiell ratsam, ebenso in F\u00e4llen, bei welchen mit Selbstmedikation keine Besserung der Beschwerden erreicht werden kann. Unbedingt notwendig ist der Arztbesuch bei einer Infektion w\u00e4hrend der Schwangerschaft und Stillzeit. Auch bei ungew\u00f6hnlichem Ausfluss oder anderen Symptomen wie Fieber, Schmerzen im Unterleib oder \u00dcbelkeit sollte ein Arztbesuch erfolgen.<\/p>\n<h2>Wie wird Scheidenpilz behandelt?<\/h2>\n<p>Scheidenpilz ist heute gut behandelbar. Die Behandlung erfolgt mit Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika. Hierbei handelt es sich um Arzneistoffe, die bei Infektionen mit Pilzen zur Anwendung kommen. Bei einem Scheidenpilz erfolgt die Behandlung mit gegen Hefen wirksamen Antimykotika. Es stehen mehrere Medikamente zur Wahl, die entweder lokal oder oral verabreicht werden.<\/p>\n<h3>Lokal angewendete Pr\u00e4parate<\/h3>\n<p>Bei lokal angewendeten Pr\u00e4paraten gibt es unterschiedliche Darreichungsformen. Die Behandlung erfolgt entweder mit Salben, Cremen, Z\u00e4pfchen oder Vaginaltabletten. Die lokal verabreichten Medikamente werden von den meisten Frauen sehr gut vertragen und f\u00fchren bei einem Gro\u00dfteil der F\u00e4lle zur vollst\u00e4ndigen Heilung. Es empfiehlt sich, die Pr\u00e4parate vor dem Schlafengehen anzuwenden, sodass sich der Wirkstoff gut verteilen kann und nicht vorzeitig ausl\u00e4uft. Zwischen den einzelnen Medikamenten gibt es Unterschiede hinsichtlich der Behandlungsdauer, die Behandlungsergebnisse sind bei nahezu allen Pr\u00e4paraten etwa gleich &#8211; die Beschwerden der vaginalen Pilzinfektion klingen bei ordnungsgem\u00e4\u00dfer Anwendung im Regelfall nach etwa drei Tagen ab.<\/p>\n<h3>Tabletten<\/h3>\n<p>In schwereren F\u00e4llen oder bei Frauen, bei welchen die Lokalbehandlung nicht zur gew\u00fcnschten Besserung der Beschwerden f\u00fchrt erfolgt eine Therapie mit Tabletten zur oralen Einnahme (systemische Behandlung). Oral eingenommene Medikamente sind verschreibungspflichtig und d\u00fcrfen nicht w\u00e4hrend der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden.<\/p>\n<h2>Wir wird der Partner behandelt?<\/h2>\n<p>Der jeweilige Hefepilzstamm kann im Sperma des Partners zu finden sein, die Pilze k\u00f6nnen beim Geschlechtsverkehr auf den Mann \u00fcbertragen werden. Allerdings leiden nur die wenigsten M\u00e4nner unter Symptomen, folglich sind sich M\u00e4nner einer Infektion meistens nicht bewusst. Wurde eine Frau mit Scheidenpilz erfolgreich behandelt, k\u00f6nnen die Erreger beim Geschlechtsverkehr wieder in die Scheide \u00fcbertragen werden und die n\u00e4chste Infektion verursachen, weswegen der Penis und das Sperma bei einer chronischen Form des Scheidenpilzes auf das Vorhandensein von Hefepilzen untersucht werden sollten. Findet sich die gleiche Hefeart wie bei der Frau, sollte mit einer entsprechenden Behandlung begonnen werden.<\/p>\n<h2>Wie ist der Krankheitsverlauf bei Scheidenpilz?<\/h2>\n<p>Im Normalfall ist Scheidenpilz unkompliziert zu behandeln, eine Selbstbehandlung mit Antimykotika ist meistens einfach m\u00f6glich, die Beschwerden klingen im Regelfall nach einigen Tagen ab. In bestimmten F\u00e4llen ist es jedoch ratsam bzw. erforderlich, einen Arzt aufzusuchen (siehe Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?). Ein Wiederauftreten der Erkrankung bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig, dass die Behandlung mit dem Antipilzmittel l\u00e4ngerfristig wirkungslos war, sondern ist eher ein Anzeichen daf\u00fcr, dass das Scheidenmilieu erneut aus der Balance geraten ist, beispielsweise aufgrund einer Antibiotikatherapie oder starkem Stress.<\/p>\n<h2>So beugen Sie Scheidenpilz vor<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Intimhygiene:<\/strong> Die Annahme, dass \u00fcbertriebene Intimhygiene mit aggressiven Seifen vor einer Pilzinfektion sch\u00fctzt mag f\u00fcr so manchen logisch und nachvollziehbar sein, ist jedoch nicht richtig. \u00dcbertriebene Intimhygiene, Intimsprays, parf\u00fcmierte Seifen, alkalische Seifen und Badezus\u00e4tze k\u00f6nnen den nat\u00fcrlichen S\u00e4ureschutzmantel angreifen. Wichtig ist eine regelm\u00e4\u00dfige und sorgf\u00e4ltige Intimhygiene mit Wasser und pH-neutralen Produkten.<\/li>\n<li><strong>Duschen:<\/strong>\u00a0Duschen ist prinzipiell besser als ein Vollbad, bei erh\u00f6htem Pilzrisiko sollte auf Vollb\u00e4der eher verzichtet werden.<\/li>\n<li><strong>Kleidung:<\/strong> Auf enge synthetische Kleidung sollte verzichtet werden, da Unterw\u00e4sche aus Kunstfasern durch Feuchtigkeits- und W\u00e4rmestau g\u00fcnstige Wachstumsvoraussetzungen f\u00fcr Pilze schafft. Besser ist atmungsaktive Unterw\u00e4sche aus Baumwolle. Nasse Kleidung, besonders nasse Badesachen, sollte nicht \u00fcber l\u00e4ngere Zeit am K\u00f6rper trocknen.<\/li>\n<li><strong>Toilettenhygiene:<\/strong> Durch die Reinigung von hinten (After) nach vorne (Scheide) k\u00f6nnen Krankheitserreger aus dem Darm in den Scheidenbereich verschleppt werden. Um derartige Schmierinfektionen zu vermeiden, sollte von vorne nach hinten gereinigt werden.<\/li>\n<li><strong>W\u00e4schewaschen:<\/strong> Unterw\u00e4sche und Handt\u00fccher sollten stets bei hohen Temperaturen gewaschen werden. Bei einer bestehenden Infektion sollten die Handt\u00fccher t\u00e4glich gewechselt werden.<\/li>\n<li><strong>Ern\u00e4hrung:<\/strong> Da sich Pilze \u00fcberwiegend von Zucker ern\u00e4hren, sollte Zucker bei erh\u00f6htem Scheidenpilz-Risiko in Ma\u00dfen konsumiert werden. Die Antipilzdi\u00e4t ist wissenschaftlich nicht belegt.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"author":48,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[2459,2405,2457],"tags":[947,129,3224,2321,2745],"class_list":["post-1284","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-frauenheilkunde","category-haut-und-geschlechtskrankheiten","category-krankheit","tag-frauen","tag-frauenheilkunde","tag-haut-u-geschlechtskrankheiten","tag-pilzinfektion","tag-scheidenpilz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1284\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15574,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/1284\/revisions\/15574"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}