{"id":12292,"date":"2023-07-06T12:19:44","date_gmt":"2023-07-06T10:19:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=12292"},"modified":"2025-03-04T09:53:32","modified_gmt":"2025-03-04T08:53:32","slug":"vaginismus","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/vaginismus\/","title":{"rendered":"Vaginismus"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-vaginismus\">Was ist Vaginismus?<\/h2>\n\n\n\n<p>Vaginismus ist eine sexuelle Funktionsst\u00f6rung, bei der sich die Muskulatur der Vagina und des Beckenbodens schmerzhaft zusammenzieht und verkrampft. Diese Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur und des \u00e4u\u00dferen Drittels der Scheide f\u00fchrt dazu, dass das Einf\u00fchren von Gegenst\u00e4nden wie Tampons, Fingern oder einem Penis in die Vagina erschwert oder unm\u00f6glich wird<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Muskelverspannungen treten reflexartig und unwillk\u00fcrlich auf. Im Gegensatz zur <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/endometriose\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Endometriose<\/a>, die ebenfalls zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr f\u00fchren kann, sind beim Vaginismus in der Regel keine organischen Hindernisse vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vaginismus z\u00e4hlt zu den <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/sexuelle-funktionsstoerungen-der-frau\/\">sexuellen Funktionsst\u00f6rungen der Frau,<\/a> und die Ursachen daf\u00fcr sind in der Regel psychischer Natur. Betroffene Frauen haben aus verschiedenen Gr\u00fcnden Angst vor jeglicher Form der Penetration der Scheide entwickelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Folge davon k\u00f6nnen bei den betroffenen Frauen \u00c4ngste zunehmen, tiefe Verunsicherung entstehen und es k\u00f6nnen Probleme in der Partnerschaft auftreten. Viele Frauen entwickeln ein Vermeidungsverhalten oder leiden unter sexueller Unlust. Trotzdem gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten zur Behandlung des Problems und zur Selbsthilfe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Formen von Vaginismus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Experten unterscheiden zwei Formen von Vaginismus:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Prim\u00e4rer Vaginismus:<\/strong> Bei dieser Form der sexuellen Funktionsst\u00f6rung besteht das Problem von Geburt an. Meist wird das Problem erkennbar, wenn betroffene Frauen erstmals versuchen, Tampons einzuf\u00fchren oder wenn sie ihren ersten Geschlechtsverkehr haben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sekund\u00e4rer Vaginismus:<\/strong> Bei dieser Form tritt die sexuelle Funktionsst\u00f6rung sp\u00e4ter im Leben auf. W\u00e4hrend zuvor einen Penetration ohne Krampf und Schmerz m\u00f6glich war, ist es das sp\u00e4ter nicht mehr. Sekund\u00e4rer Vaginismus kann verschiedene Ursachen haben, einschlie\u00dflich physischer oder emotionaler Faktoren. M\u00f6gliche physische Ursachen k\u00f6nnen traumatische Erfahrungen wie sexueller Missbrauch oder ein Geburtstrauma k\u00f6nnen ebenfalls zu sekund\u00e4rem Vaginismus f\u00fchren.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Ursachen hat Vaginismus?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Ursachen von Vaginismus:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ursachen von Vaginismus liegen haupts\u00e4chlich in der Psyche und nicht in k\u00f6rperlichen Faktoren wie bei der Endometriose, die ebenfalls zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr f\u00fchren kann. Betroffene Frauen erleben Kr\u00e4mpfe und Schmerzen bereits bei Ber\u00fchrungen der Vagina oder bei dem Gedanken an Geschlechtsverkehr oder andere penetrierende Handlungen. Die Verkrampfung der Scheide ist ein intensiver, unbewusster Abwehrreflex bei Frauen, der durch die Angst vor Schmerz oder Verletzung ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Vaginismus sind vielf\u00e4ltig und m\u00f6gliche Ursachen k\u00f6nnen sein:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Traumatische sexuelle Erfahrungen<\/li>\n\n\n\n<li>Angst vor Schmerzen beim Eindringen<\/li>\n\n\n\n<li>Wiederholter schmerzhafter Geschlechtsverkehr<\/li>\n\n\n\n<li>Abneigung gegen sexuelle Handlungen<\/li>\n\n\n\n<li>Angst vor <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/schwangerschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schwangerschaft<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Ungeplante Schwangerschaft<\/li>\n\n\n\n<li>Traumatische Geburtserlebnisse<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/depression-symptome-ursachen-selbsthilfe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Depressionen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Angsterkrankungen<\/li>\n\n\n\n<li>Phobien<\/li>\n\n\n\n<li>Partnerprobleme<\/li>\n\n\n\n<li>Chronischer Stress<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>In der Regel gibt es keine einzelne und eindeutige Ursache f\u00fcr Vaginismus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Symptome treten auf?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Symptome k\u00f6nnen bei betroffenen Frauen individuell unterschiedlich sein. Bei einigen l\u00f6st allein der Gedanke an eine Penetration \u00c4ngste aus, was zu Muskelverspannungen f\u00fchren kann. Andere Frauen reagieren empfindlich auf leichte Ber\u00fchrungen der Scheide. Wieder andere erleben Kr\u00e4mpfe und Schmerzen nur in stressigen Situationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wichtig zu wissen, dass die Verkrampfung oder Entkrampfung nicht willentlich gesteuert werden kann. F\u00fcr betroffene Frauen ist Geschlechtsverkehr, das Einf\u00fchren von Tampons oder Dildos sowie gyn\u00e4kologische Untersuchungen mit einem Spekulum mit Schmerzen verbunden oder ist im Extremfall sogar unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist der Unterschied zwischen Vaginismus und Dyspareunie?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie der Vaginismus z\u00e4hlt auch die Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) zu den sexuellen Funktionsst\u00f6rungen. Beide St\u00f6rungen beziehen sich auf Schmerzen w\u00e4hrend der Penetration. Die Schmerzen bei der Dyspareunie werden oft als brennend, schneidend oder stechend beschrieben, w\u00e4hrend beim Vaginismus zus\u00e4tzlich eine unwillk\u00fcrliche Verkrampfung der Muskulatur auftritt, die eine Penetration unm\u00f6glich macht oder starke Schmerzen verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum Vaginismus, der in den meisten F\u00e4llen psychische Ursachen hat, kann die Dyspareunie h\u00e4ufig auch physische Ursachen haben. M\u00f6gliche Ausl\u00f6ser daf\u00fcr sind Entz\u00fcndungen oder Infektionen im Bereich des Scheideneingangs oder der \u00e4u\u00dferen Geschlechtsorgane, Allergien, Scheidentrockenheit, aber auch psychische Ursachen wie sexuelle Gewalterfahrungen k\u00f6nnen m\u00f6gliche Ursachen sein. Sch\u00e4tzungsweise leiden fast die H\u00e4lfte aller Frauen im Laufe ihres Lebens zeitweise an Dyspareunie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist GPSPS?<\/h2>\n\n\n\n<p>GPSPS (Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsst\u00f6rung) ist ein Sammelbegriff f\u00fcr Probleme, die bei Frauen w\u00e4hrend der Penetration beim Geschlechtsverkehr, dem Einf\u00fchren von Tampons oder gyn\u00e4kologischen Untersuchungen mit einem Spekulum auftreten. Diese Diagnose vereint die Symptome von Dyspareunie und Vaginismus, da sich die beiden St\u00f6rungsbilder oft schwer voneinander abgrenzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie wird die Diagnose gestellt?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein ausf\u00fchrliches und sensibles Anamnesegespr\u00e4ch ist entscheidend f\u00fcr die Diagnosestellung bei Vaginismus. Der Gyn\u00e4kologe oder die Gyn\u00e4kologin wird die bestehenden Probleme und Symptome erheben. Es werden auch Fragen zur sexuellen Aktivit\u00e4t, zur Partnerschaft und zu m\u00f6glichen traumatischen sexuellen Erfahrungen in der Vergangenheit gestellt. Weiters werden etwaige Vorerkrankungen erhoben, und es wird eine k\u00f6rperliche Untersuchung durchgef\u00fchrt, wobei Tastbefund, Ultraschall, Abstrich etc. nur soweit zur Anwendung kommen, wie es der individuelle Fall erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie wird Vaginismus behandelt?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Behandlung des Vaginismus zielt darauf ab, die Muskulatur zu entspannen, \u00c4ngste abzubauen und die sexuelle Funktionalit\u00e4t wiederherzustellen. Es gibt verschiedene Ans\u00e4tze und Therapiem\u00f6glichkeiten, die je nach individuellen Bed\u00fcrfnissen und Schweregrad der Erkrankung angepasst werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hier sind einige g\u00e4ngige Behandlungsmethoden:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Progressive Desensibilisierung:<\/strong> Da das Problem in den meisten F\u00e4llen psychischer Natur ist, konzentriert sich die Behandlung auf einen langsamen und schrittweisen Abbau der \u00c4ngste vor Schmerzen. Dies wird durch die progressive Desensibilisierung erreicht, die von Sexualtherapeuten vermittelt wird. Diese Methode zielt darauf ab, dass Frauen in kleinen Schritten lernen, Ber\u00fchrungen und Dehnungen der Vagina stressfrei zu erleben und die Kontrolle \u00fcber ihre sonst unwillk\u00fcrlich angespannte Muskulatur zu erlangen.  <strong>Der Prozess kann wie folgt ablaufen:<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Frau ber\u00fchrt ihre Scheide selbst und geht dabei schrittweise vor, bis sie einen Finger einf\u00fchren kann.<\/li>\n\n\n\n<li>Die eigenen Finger werden durch spezielle Silikonstifte (Vaginaldilatatoren) in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen ersetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn gr\u00f6\u00dfere Stifte eingef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, kann dies dazu f\u00fchren, dass die Vaginalmuskulatur flexibler wird. Dies ist oft ein erster Schritt hin zu einem sp\u00e4teren schmerzfreien Geschlechtsverkehr.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Bei der progressiven Desensibilisierung ist es wichtig, dass die Frau das Tempo und die Art des Vorgehens selbst bestimmt und auch selbst entscheidet, ob sie ihren Partner in den Prozess einbeziehen m\u00f6chte oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Einsatz von Botulinum-Toxin:<\/strong> In einigen F\u00e4llen k\u00f6nnen gezielte Injektionen von geringen Mengen Botulinum-Toxin (Botox) in die Beckenbodenmuskulatur hilfreich sein. Dies kann die Kr\u00e4mpfe f\u00fcr etwa ein halbes Jahr vollst\u00e4ndig verhindern und zur Aufl\u00f6sung der Angst-Schmerz-Spirale beitragen. Diese Behandlung wird oft vor der progressiven Desensibilisierung eingesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Psychotherapie:<\/strong> Eine therapeutische Begleitung kann hilfreich sein, um \u00c4ngste, traumatische Erfahrungen oder negative Gedankenmuster im Zusammenhang mit sexuellen Aktivit\u00e4ten zu bew\u00e4ltigen. Tiefenpsychologisch orientierte und kognitive Verhaltenstherapie-Formen haben sich in solchen F\u00e4llen bew\u00e4hrt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Beckenbodentraining:<\/strong> Eine gute M\u00f6glichkeit, die als Vorbereitung auf andere Behandlungen dienen kann, ist das Beckenbodentraining. Es hilft, eine bessere Kontrolle \u00fcber die Muskulatur im Intimbereich zu erlangen und sollte regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt werden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entspannungstechniken: <\/strong>Techniken wie Atem\u00fcbungen, progressive Muskelentspannung oder Yoga k\u00f6nnen helfen, die allgemeine Entspannung im K\u00f6rper zu f\u00f6rdern und die Muskulatur im Beckenbereich zu entspannen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Behandlung des Vaginismus erfordert in der Regel viel Zeit und Geduld. Es ist wichtig, eine individuell angepasste Behandlungsstrategie zu entwickeln, um die bestm\u00f6glichen Ergebnisse zu erzielen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wohin kann ich mich wenden?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gerade bei einer so sensiblen Problematik ist es wichtig, Ansprechpartner des Vertrauens zu finden. Este Hilfestellungen kann der Hausarzt geben. F\u00fcr die Diagnose und Behandlung ist jedoch der Besuch bei einem Gyn\u00e4kologen oder einer Gyn\u00e4kologin erforderlich. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Sexualmediziner, Psychologinnen und Psychotherapeuten wertvolle Unterst\u00fctzung bieten.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,2459,2457,6],"tags":[129,134,784,787],"class_list":["post-12292","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-fachbereich","category-frauenheilkunde","category-krankheit","category-sexualitaet","tag-frauenheilkunde","tag-gynakologie","tag-sexualitat","tag-sexuelle-funktionsstorung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/12292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/12292\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16322,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/12292\/revisions\/16322"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12293"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}