{"id":12149,"date":"2023-06-12T11:20:25","date_gmt":"2023-06-12T09:20:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/?post_type=article&#038;p=12149"},"modified":"2026-02-09T11:48:22","modified_gmt":"2026-02-09T10:48:22","slug":"fruehkindlicher-autismus","status":"publish","type":"article","link":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/fruehkindlicher-autismus\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchkindlicher Autismus"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-ist-fruhkindlicher-autismus\"><strong>Was ist fr\u00fchkindlicher Autismus?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der fr\u00fchkindliche Autismus, auch bekannt als Kanner-Autismus oder Kanner-Syndrom, ist eine tiefgreifende Entwicklungsst\u00f6rung die zu den Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen (ASS) geh\u00f6rt und sich schon in den ersten Lebensjahren manifestiert.  Der fr\u00fchkindliche <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/autismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Autismus<\/a> z\u00e4hlt zu den schwerwiegenden Formen von Autismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00f6rung manifestiert sich bereits vor dem dritten Lebensjahr und ist durch Auff\u00e4lligkeiten in den drei Bereichen \u201esoziale Interaktion\u201c, \u201eKommunikation\u201c und \u201eVerhalten\u201c gekennzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Typisch ist vor allem auch das Ausbleiben oder die starke Verz\u00f6gerung einer normalen Sprachentwicklung, die oft fehlerhaft bleibt. Oft ist auch die Intelligenz beeintr\u00e4chtigt. Menschen, die unter fr\u00fchkindlichem Autismus leiden, haben gro\u00dfe Schwierigkeiten, mit anderen in Beziehung zu treten und ein normales Leben zu f\u00fchren. Sie ben\u00f6tigen aufgrund ihrer Beeintr\u00e4chtigungen meist lebenslang Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchkindlicher Autismus ist nicht heilbar, aber durch m\u00f6glichst fr\u00fche intensive F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen lassen sich Verbesserungen in den Sozialkompetenzen Betroffener und damit eine gr\u00f6\u00dfere Selbst\u00e4ndigkeit erreichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie h\u00e4ufig ist fr\u00fchkindlicher Autismus?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entwicklungsst\u00f6rung wird seit einigen Jahren zunehmend h\u00e4ufiger diagnostiziert. Aktuellen Studien zufolge liegt der Anteil der erkrankten Personen an der Gesamtbev\u00f6lkerung bei 0,3 Prozent, wobei Jungen etwa zwei bis drei Mal h\u00e4ufiger als M\u00e4dchen an autistischen St\u00f6rungen leiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wie bei allen Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen wird auch der fr\u00fchkindliche Autismus in erster Linie auf genetische Ursachen zur\u00fcckgef\u00fchrt. Die Forschung geht davon aus, dass bei bei Betroffenen Ver\u00e4nderungen in bestimmten Genabschnitten vorliegen. Erbliche Faktoren spielen eine gro\u00dfe Rolle bei der Entwicklung der St\u00f6rung: So ist etwa das Risiko bei Eltern, die an der Erkrankung leiden, f\u00fcr ihre Kinder signifikant erh\u00f6ht und bei eineiigen Zwillinge sind h\u00e4ufig beide betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch St\u00f6rungen w\u00e4hrend der Hirnentwicklung kann eine Ursache f\u00fcr fr\u00fchkindlichen Autismus sein. So hat sich etwa gezeigt, dass das Hirnwachstum bei betroffenen Kindern im Mutterleib schneller vorangeht und auch ihr Hirnvolumen ist gr\u00f6\u00dfer als bei Gleichaltrigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als weitere Risikofaktoren gelten ein h\u00f6heres Lebensalter der Eltern, Infektionskrankheiten der Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft (R\u00f6teln) oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie Valproins\u00e4ure in der Schwangerschaft sein. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Symptome bei Babys und Kleinkindern<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt eine Reihe von m\u00f6glichen Anzeichen daf\u00fcr, dass ein Kind an Autismus leidet. Im Baby- und Kleinkindalter k\u00f6nnen das unter anderem folgende Symptome sein:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ablehnung der Mutterbrust und Probleme beim Zuf\u00fcttern (z.B. das Kind ist auf bestimmte Speisen starr fixiert)<\/li>\n\n\n\n<li>scheinbare Selbstzufriedenheit mit sich allein<\/li>\n\n\n\n<li>massive St\u00f6rungen des Schlaf-Wach-Rhythmus<\/li>\n\n\n\n<li>kein Blickkontakt<\/li>\n\n\n\n<li>keine Reaktion auf den eigenen Namen oder vertraute Stimmen<\/li>\n\n\n\n<li>kein Imitationsverhalten<\/li>\n\n\n\n<li>kein L\u00e4cheln<\/li>\n\n\n\n<li>kein Brabbeln, keine Babysprache<\/li>\n\n\n\n<li>motorische Stereotypien<\/li>\n\n\n\n<li>starre Konzentration auf bestimmte Gegenst\u00e4nde<\/li>\n\n\n\n<li>kein kreativer Umgang mit Spielzeug<\/li>\n\n\n\n<li>Echolalie (stereotypes Wiederholen von W\u00f6rtern)<\/li>\n\n\n\n<li>st\u00e4ndige Wiederholung von bestimmten Verhaltensweisen<\/li>\n\n\n\n<li>kein Interesse an anderen Kindern<\/li>\n\n\n\n<li>Angst vor Ver\u00e4nderungen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Symptome bei Kindergarten- und Schulkindern<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Lauf der Zeit werden die Anzeichen vielf\u00e4ltiger: Die betroffenen Kinder zeigen allgemein wenig soziale Kompetenz, haben zunehmend Probleme, nonverbale Kommunikation zu verstehen oder auszusenden und ihr Verhalten ist oft starr und stereotyp. Zudem haben sie Schwierigkeiten, Gef\u00fchle zu verstehen oder \u00fcber sie zu sprechen und wirken generell uninteressiert an ihrer Umgebung. Typisch ist auch die Entwicklung sprachlicher Besonderheiten: Sie wiederholen immer wieder dieselben W\u00f6rter und S\u00e4tze, verwechseln \u201eDu\u201c und \u201eIch\u201c, verstehen oft einfache Fragen oder Aufforderungen nicht und haben keinerlei Sinn f\u00fcr Humor und Ironie. Sie selbst verwenden wenig Gesten und ihre Mimik passt oft nicht zu einer aktuellen Situation. Stattdessen folgen sie oft einer starren Routine und besch\u00e4ftigen sich h\u00e4ufig intensiv mit einem sehr eingegrenzten Interessensgebiet. Typisch ist weiters ein selbst stimulierendes Verhalten wie etwa mit dem Oberk\u00f6rper zu schaukeln oder sich zu drehen. Viele autistische Kinder haben auch Angst vor Ber\u00fchrungen und es kann sein, dass sie dies als schmerzhaft empfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum ist eine fr\u00fche Diagnose wichtig?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen sind zwar nicht heilbar, aber heute geht man davon aus, dass bei rechtzeitigem therapeutischem Intervenieren viele Schwierigkeiten, unter denen Betroffene leiden, deutlich gemindert werden k\u00f6nnen. Eine fr\u00fche autismusspezifische Therapie kann helfen, fehlende F\u00e4higkeiten auszugleichen und vorhandene St\u00e4rken zu erweitern. Daf\u00fcr ist eine m\u00f6glichst fr\u00fche Diagnose notwendig. M\u00f6glich ist das oft schon im Alter von zwei Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist die fr\u00fche Diagnose und eine daran anschlie\u00dfende Behandlung auch f\u00fcr Eltern von autistischen Kindern, denn sie m\u00fcssen in das therapeutische Geschehen miteinbezogen werden und k\u00f6nnen dabei lernen, die Verhaltensweisen ihres Kindes richtig zu deuten und es besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welcher Arzt ist zust\u00e4ndig?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Erster Ansprechpartner bei einem Verdacht auf fr\u00fchkindlichen Autismus kann der Kinderarzt sein. Er kann eine orientierende Einsch\u00e4tzung machen und wird gegebenenfalls an spezialisiertere Stellen verweisen. Das sind Kinder- und Jugendpsychiater oder Ambulatorien f\u00fcr Entwicklungspsychologie und -neurologie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Therapiem\u00f6glichkeiten gibt es?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Autismus kann nicht urs\u00e4chlich behandelt werden, aber bei entsprechender Therapie lassen sich oft Verbesserungen der Lebensqualit\u00e4t und der gesellschaftlichen Teilhabem\u00f6glichkeiten erzielen. Die Experten betonen auch, dass therapeutische Ma\u00dfnahmen nur nach einer entsprechenden differenzierten Diagnostik stattfinden sollen. Die Ziele einer solchen Therapie m\u00fcssen klar definiert, realistisch und individuell angepasst sein. Wichtig ist auch die Miteinbeziehung der Familie in die Therapie. Es sollte zudem zu keiner Unter- oder \u00dcberforderung durch therapeutische Ma\u00dfnahmen kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was konkrete Therapieans\u00e4tze betrifft, so gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Methoden, von denen nicht wenige auch umstritten sind. Schwerpunkte betreffen die F\u00f6rderung von sozialer Interaktion, Kommunikation, Spielverhalten und Wahrnehmung sowie die Erweiterung der Handlungskompetenzen und die Behandlung von den Autismus oft begleitenden Verhaltensproblemen und Erkrankungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Etablierte autismus-spezifische Methoden sind unter anderem:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>ABA (Applied Behavior Analysis):<\/strong> Dabei werden auf Grundlage individuell angepasster F\u00f6rderprogramme selbstbestimmtes Handeln, Sprache und Kommunikation, Imitationsverhalten, Aufmerksamkeit, Sozialverhalten, Spielverhalten, Motorik und Selbst\u00e4ndigkeit trainiert. ABA kann bereits ab dem Alter von einem Jahr eingesetzt werden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children):<\/strong> Dabei geht es vor allem um die individuelle visuelle Strukturierung von Lern- und Sozialumfeld, wobei man davon ausgeht, dass dies Orientierung vermittelt, Zusammenh\u00e4nge erkennen und eigenes und fremdes Verhalten besser verstehen l\u00e4sst. Die enge Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Bezugspersonen ist ein wichtiges Kriterium bei TEACCH.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Therapieans\u00e4tze sind unter anderem:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Logop\u00e4die<\/li>\n\n\n\n<li>Ergotherapie<\/li>\n\n\n\n<li>Physiotherapie<\/li>\n\n\n\n<li>Musiktherapie<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wichtig sind zudem eine geregelte Tagesstruktur und stabile soziale Kontakte sowie soziale Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten im Alltag wie etwa eine Assistenz in der Schule. Auch Eltern und andere Bezugspersonen k\u00f6nnen Unterst\u00fctzung in Anspruch nehmen \u2013 etwa bei einer Elternberatung oder in einer Selbsthilfegruppe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Umgang mit Begleiterkrankungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Autismus-Spektrum-St\u00f6rungen gehen oft mit sogenannten Komorbit\u00e4ten, also Begleiterkrankungen einher. Dazu z\u00e4hlen im Besonderen <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/adhs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ADHS<\/a>, Schlafst\u00f6rungen, Zwangsst\u00f6rungen, Angsterkrankungen und <a href=\"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/epilepsie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Epilepsie<\/a>. Auch ein (selbst)aggressives Verhalten kann auftreten. Die Experten betonen, dass es wichtig ist, solche komorbiden St\u00f6rungen zu ber\u00fccksichtigen und gegebenenfalls zu behandeln. Und: Wenn die autismus-spezifische Therapie fr\u00fchzeitig einsetzt, kann das dazu beitragen, dass diese Begleiterkrankungen nicht oder nur in geringerem Ausma\u00df auftreten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tipps f\u00fcr den <strong>Umgang mit autistischen Kindern<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Struktur und Routine; Mehr noch als andere brauchen autistische Kinder starke Strukturen, fixe Regeln und Abl\u00e4ufe.<\/li>\n\n\n\n<li>Reiz\u00fcberflutungen vermeiden: Es kann hilfreich sein, eine sensorisch angepasste Umgebung zu schaffen und individuelle Bed\u00fcrfnisse zu ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n\n\n\n<li>Verhalten und Gef\u00fchle erkl\u00e4ren: Kinder mit einer Autismus-Spektrum-St\u00f6rung haben Probleme damit Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse andere Menschen zu verstehen. Daher ist es hilfreich das eigenen Verhalten und die eigenen Gef\u00fchle zu erkl\u00e4ren.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Umgebung erkl\u00e4ren was Autismus bedeutet<\/li>\n\n\n\n<li>Individuelle St\u00e4rken f\u00f6rdern<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":17,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4,23,2457,2408,2444,2413],"tags":[460,462,3227],"class_list":["post-12149","article","type-article","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-fachbereich","category-kinder-und-jugendheilkunde","category-krankheit","category-neurologie","category-psychiatrie","category-psychologie","tag-asperger-syndrom","tag-autismus","tag-kinder-u-jugendheilkunde"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/12149","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/article"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/12149\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12159,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/article\/12149\/revisions\/12159"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12149"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12149"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.docfinder.at\/wissensmagazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12149"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}