Plüsch-Affen ragen aus Kiste
Foto:Nathan mamico/Shutterstock

Keine Angst vor Affenpocken

Nachdem sich erste Verdachtsfälle in der Schweiz und Deutschland bestätigt haben, besteht auch in Österreich der Verdacht auf eine Affenpocken-Infektion. Vor einer drohenden Infektion muss man sich trotzdem nicht fürchten: Zu einer Epidemie oder gar Pandemie wird es nicht kommen, behaupten Experten einhellig. Anders als bei Corona, lässt sich die Pockeninfektion nämlich viel schwerer übertragen. Anbei die wichtigsten Fragen und Antworten im Zusammenhang mit dieser Infektion.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken (engl. monkeypox) werden durch Viren (Orthopoxviren) hervorgerufen und haben sich wahrscheinlich  ausgehend von Nagetieren vereinzelt auch auf Menschen verbreitet. Diese Pockenart kennt man erst seit 1970, seit sie in Zentralafrika erstmals nachgewiesen wurden. Seitdem wurden humane Fälle von Affenpocken insbesondere in west- und zentralafrikanischen Ländern gemeldet: in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, der Republik Kongo, in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, an der Elfenbeinküste, in Liberia, Sierra Leone, Gabun und im Südsudan. Zentralafrikanische Virusvarianten sind dabei deutlich virulenter als die westafrikanischen Virusvarianten.

Außerhalb Afrikas wurden bisher einzelne, insbesondere aus Nigeria importierte Fälle von Affenpocken nachgewiesen, zuletzt beispielsweise in Großbritannien (2022 und 2018), in den USA (2021), Singapur (2019) und Israel (2018).

Warum heißen Affenpocken Affenpocken?

Die über Tiere übertragbare Krankheit (Zoonose) kann auch Affen befallen. Allerdings sind diese sogenannte Fehlwirte der Viren. Ihr eigentlicher Wirt und das Reservoir für Affenviren sind Nagetiere wie Mäuse oder Eichhörnchen.

Wie erfolgt die Übertragung auf den Menschen?

Eine Übertragung auf Menschen findet an sich äußerst selten statt und erfolgt durch infizierte Tiere oder durch einen engen Kontakt zu infizierten Menschen. Entweder über einen direkten Hautkontakt (über Pusteln) oder durch Körpersekrete (Blut, Atemwege, Tröpfcheninfektion). Eine sexuelle Übertragung wird vermutet.
Eine Übertragung kann auch durch Ausscheidungen infizierter Tiere oder durch den Umgang mit dem Fleisch erkrankter Tiere erfolgen.

Symptome: Was sind die typischen Krankheitszeichen?

In der Regel kommt es zu plötzlich eintretendem Fieber mit starkem Kopf-, Rücken- und Halsschmerz, allgemeinen Unwohlsein, Husten und teilweise auch zu Durchfall. Häufig gefolgt von einer Lymphknotenschwellung und dem Auftreten der typischen pockenartigen Hautveränderungen (Hauteffloreszenzen), die meist zuerst im Gesicht auftreten, sich danach über den Körper verteilen und mit einem teilweise heftigen Juckreiz verbunden sein können.

Die Erkrankung verläuft fast immer glimpflich und ist in zwei bis vier Wochen überstanden. In seltenen Fällen können Erblindung und Narben als Dauerschäden auftreten. Schwere oder gar tödliche Krankheitsverläufe sind äußerst selten. Bei Kindern unter 16 Jahren, die mit der zentralafrikanischen Variante infiziert sind, ist die Sterblichkeit erhöht.

Affenpocken: typische Pustelbildung am Oberkörper
Foto:BerkayAtaseven/shutterstock

Mit welchen Erkrankungen kann die Infektion verwechselt werden?

Aufgrund der typischen Pustelbildung auf der Haut muss eine Affenpockeninfektion differentialdiagnostisch von Erkrankungen, die ebenfalls mit einer Pustelbildung verbunden sind, abgegrenzt werden. Dazu zählen folgende Krankheiten: Windpocken, Zoster, Scharlach, Herpes Simplex und andere Pockenvirus-Infektionen. Im Anfangsstadium können Affenpocken auch einer Influenza, Malaria, Typhus abdominalis, Syphilis, Leptospirose und viral-hämorraghischem Fieber ähneln.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Sie beträgt zwischen sieben und 21 Tage. Eine Übertragung ist während der gesamten Krankheitsdauer möglich.

Wie weist man die Erkrankung nach?

Maßgeblich ist die Krankengeschichte (Anamnese) mit dem Auftreten der typischen Symptome. Einen endgültigen Beweis liefert ein PCR-Test.

Was unterscheidet eine Affenpockeninfektion von den echten Pocken?

Im Vergleich zu Variola major (dem klassischen Pockenerreger) verläuft die Erkrankung deutlich milder und hat eine weit bessere Prognose.

Was schützt vor Übertragung?

In Endemiegebieten sollte der Kontakt zu potenziell infizierten Tieren vermieden werden. Beim Umgang mit Erkrankten schützen die Hygienmaßnahmen, die auch für eine Covid-19-Erkrankung gelten.

Schützt die Pockenimpfung auch vor Affenpocken?

Wer noch zu der Generation zählt, die in ihrer Jugend eine Pockenimpfung erhalten hat (diese war bis ins Jahr 1981 verpflichtend) darf mit einem guten Impfschutz rechnen. Die Impfung verhindert die Ansteckung um etwa 85 Prozent.

Eine Impfung gegen die Affenpocken selbst gibt es nicht.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Die Therapie erfolgt symptomatisch und unterstützend – wichtig ist es, eine zusätzliche bakterielle Infektion möglichst zu verhindern (aufbrechende Pusteln können mit einem Antibiotikum behandelt werden). Ein kürzlich zur Behandlung von Orthopockenvirus-Infektionen zugelassenes Arzneimittel (Tecovirimat) kann ebenfalls eingesetzt werden.

Gibt es ein Contact-Tracing?

In Österreich werden alle auftretenden Fälle registriert und nachverfolgt. An einer einheitlichen Vorgangsweise und der Klärung der Frage, ob die Erkrankung meldepflichtig sein soll, wird aber noch gearbeitet.

Warum tritt die Erkrankung jetzt häufiger auf?

Der Grund dafür liegt möglicherweise darin, dass der Pockenschutz durch die Impfung, die seit 1981 nicht mehr routinemäßig erfolgt, nachlässt. Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass Virenfälle heute schneller und umfassender diagnostiziert (PCR-Test) werden.

 

WHO, Monkeypox: Kec facts, https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/monkeypox, Zugriff 20.5.2022

Robert Koch Institut: Allgemeine Informationen des RKI zu Affenpocken, u.a. zu Übertragung, Diagnostik und Situation in Deutschland, https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Affenpocken-Ueberblick.html;jsessionid=C70D116F3CB98D80FA6A3528E630A2B3.internet111, Zugriff 20.5.2022

Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz; Human Affenpocken, https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Uebertragbare-Krankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Humane-Affenpocken.html, Zugriff 20.5.2022

 

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