Warum soll HPV geimpft werden?

Warum soll HPV geimpft werden?

Stand: Januar 2019 Entgeltlicher Content

Univ. Prof. Dr. Elmar A. Joura, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in 1160 Wien beantwortet in dieser Video-Sprechstunde Fragen zum Thema HPV Impfung.


Univ. Prof. Dr. Elmar A. Joura, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
in 1160 Wien beantwortet in dieser Video-Sprechstunde Fragen zum Thema HPV Impfung.

Warum soll HPV geimpft werden?

Im Prinzip kommen wir alle in unserem Leben mit Papillomaviren in Kontakt und die meisten dieser Infektionen vergehen zum Glück wieder, aber bei ca. 3%, vor allem bei Frauen tritt irgendwann im Leben Gebärmutterhalskrebs auf. Wir können auch davon ausgehen, dass über auffällige Abstriche, aber auch Genitalwarzen, die sowohl Frauen als auch Männer betreffen, zumindest 10% in der Bevölkerung irgendwann mit Erkrankungen betroffen sind.
Ab welchem Alter soll HPV geimpft werden?

Ab welchem Alter soll HPV geimpft werden?

Grundsätzlich ist es immer gut, jede Impfung vor Eintreten des Risikos zu verabreichen, d.h. je früher man impft, desto besser. Die Impfstoffe, die wir zur Verfügung haben, sind in Europa ab dem 9. Geburtstag zugelassen und das ist eigentlich der ideale Zeitpunkt. Das ist auch der Grund warum das österreichische Schulimpfprogramm, die HPV Impfung in der 4. Klasse Volkschule vorsieht. Aber wir wissen heute, dass die Impfung bis zum 45. Lebensjahr nachweislich hilft. Wir wissen, dass bis zum 55. Lebensjahr gut Antikörper gebildet werden, d.h. auch später macht die Impfung durchaus Sinn, schütz vor Infektionen und auch vor Erkrankungen.

Warum ist es wichtig Buben und Mädchen zu impfen?

Ganz einfach, weil beide daran erkranken können. Etwas häufiger sind HPV assoziierte Erkrankungen bei Mädchen, vor allem der Gebärmutterhalskrebs, aber z.B. Genitalwarzen treten bei jungen Männern häufiger auf, als bei jungen Frauen und wir können davon ausgehen, dass ungefähr ein Drittel aller Krebserkrankungen, die durch HPV ausgelöst werden, bei Männern auftreten. Dazu gehören das Peniskarzinom, das Analkarzinom, aber auch das häufigste und das nimmt von der Häufigkeit immer mehr zu, das Rachenkarzinom. Dieses ist, zu ca. einem Drittel HPV bedingt und dazu kommt, je mehr Menschen geimpft sind, desto effektiver unterbreche ich die Übertragung, d.h. wenn ich beide Geschlechter impfe, erhöhe ich die Durchimpfungsrate schlagartig auf das Doppelte.

Schützt mich eine Impfung vor Gebärmutterhalskrebs?

Ja. Wir wissen schon lange, dass die Impfung sehr effektiv vor Infektionen schützt. Wir wissen auch schon lange, dass Krebsvorstufen verhindert werden, aber ganz neue Daten aus Finnland und auch aus den USA haben gezeigt, dass dort durch die HPV Impfung tatsächlich echte Krebsfälle verhindert werden. Vor allem am Gebärmutterhals aber auch in anderen Regionen, wie an der Vulva oder bei Männern in der Rachenregion.

Mach eine Impfung nach einer Infektion mit HPV Sinn?

Die HPV Impfung schützt zu jedem Zeitpunkt vor neuen Infektionen, d.h. wenn ich jetzt eine Infektion durchgemacht habe und das Immunsystem diese aus dem Körper eliminiert hat, dann werde ich durch die Impfung vor neuen Infektionen geschützt. Durch Infektionen baue ich keine natürliche Immunität auf, erst nach der Impfung und wir haben weiters nachweisen können und das ist inzwischen mehrfach bestätigt. Wenn ich eine Erkrankung habe, die durch HPV ausgelöst wird, z.B. Krebsvorstufen am Gebärmutterhals, die durch eine sogenannte Konisation, eine kegelförmige Entfernung vom Gewebe am Gebärmutterhals behandelt wird. Dann habe ich, wenn ich diese Frauen impfe, ca. zweidrittel weniger Rezidive, d.h. das Wiederauftreten der Erkrankung wird sehr effektiv eingedämmt und deshalb macht es sowohl nach durchgemachten Infektionen als auch nach durchgemachten und richtig behandelten Erkrankungen, die HPV Impfung Sinn. D.h. nicht, dass die HPV Impfung eine Therapie ist, diese wird dadurch keinesfalls ersetzt aber die Impfung ist zu jedem Zeitpunkt eine sehr effektive Prophylaxe.

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