HPV beim Mann

HPV beim Mann

Stand: Februar 2020 Entgeltlicher Content

Prim. Univ.Doz. Dr. Eugen Plas, Facharzt für Urologie
in 1190 Wien beantwortet in dieser Video-Sprechstunde Fragen zum Thema HPV beim Mann.

1. Was heißt eine HPV Infektion für den Mann?

Prim. Univ.Doz. Dr. Eugen Plas: Das Humane Papillomavirus ist ein DNA Virus, von dem man mehr als 150 Stämme kennt. Man unterscheidet zwischen kutanen, welchen die an der Haut auftreten, wie die normalen Warzenbildungen von sogenannten mukosolmanen Typen, die an der Schleimhaut auftreten. Bei diesen Typen an der Schleimhaut, gibt es sogenannte Hochrisiko und Niedrigrisiko HPV Typen. Die Niedrigrisiko HPV Typen sind z.B. die Feigwarzen, die am Genital auftreten können beim Mann oder im Bereich des Nasen-Rachenbereiches, wo es gutartige Geschwülste gibt, die dort auftreten können, sogenannte Papillome. Im Vergleich dazu, die Hochrisiko Veränderungen der HPV Viren, die auch im Genitalbereich auftreten können, die dann als Vorstufe bösartiger Veränderungen von Krebserkrankungen sein können oder dann mit Krebserkrankungen assoziiert sein können.

Das HPV Virus an sich, ist ein sehr hoch aktiver Virus. Die Infektionsrate in der Bevölkerung ist sehr hoch. Das Ziel muss eben sein, versuchen die Infektionsrate in der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Leidet der Mann an einer HPV Infektion, in erster Linie sind es die Feigwarzen, die beim Mann auftreten können. Auf der anderen Seite, können bösartige Erkrankungen, wie auch in seltenen Fällen das Peniskarzinom, an sich eine seltene Erkrankung aber doch in vielen Fällen mit HPV Virusinfektionen assoziiert auftreten. Diese Erkrankungen können wir durch eine entsprechende Vorsorge und letztendlich durch die Impfung vorbeugen.

2. Was sind die Folgen einer HPV Infektion bei Männern?

Prim. Univ.Doz. Dr. Eugen Plas: Die Folgen, die HPV Infektionen beim Mann machen können sind das Auftreten von gutartigen Veränderungen der sogenannten Feigwarzenbildungen im Genitalbereich, die sogenannten Kondiloma dan Akuminata. Das ist keine bösartige Erkrankung, die wir sehr häufig finden im Genitalbereich, die nicht oder in der Regel nicht bösartige Veränderungen ergeben, auch nicht sich dazu entwickeln aber sehr unangenehm und lästig und in Behandlung immer wieder rezidivierend sein können und damit den Mann sehr stören können. Die Veränderungen im Nasen-Rachen Bereich, die sehen wir selten, das ist etwas was in erster Linie in der Domäne der Hals-Nasen-Ohren Ärzte bzw. Zahnärzte ist, die die Kontrolle im Nasen-Rachen Bereich auftreten. Wir sehen zunehmend Kondylome und Feigwarzenbildungen, also auch Rachen-Papillome im Rachenbereich beim Mann. Beinahe fast die häufigste Veränderung, die auftreten kann. So dass hier Kontrollen insbesondere bei Risikogruppen ein Thema sein können. Was sind Risikogruppen gerade für einen Nasen-Rachen Bereich Papillome – sind homosexuelle Männer, das ist jetzt ein Thema, was häufiger auftreten kann.

Immunsuprimmierte Patienten, Männer die z.B. eine Transplantation hatten oder Männer mit chronischen Erkrankungen – Autoimmunerkrankungen . Dort finden wir gerade HPV Infektionen im Genital als auch im Nasen-Rachen-Bereich häufiger. Ein Bereich wo ebenso diese Infektionen auftreten können ist jetzt nicht nur der Nasen-Rachen Bereich und das Genital sondern auch im Afterbereich. Auch hier treten Kondylome immer wieder auf bzw. können auch Karzinome, d.h. die Vorstufe von der sogenannten Dysplasien oder Karzinombildungen auftreten. Aufgrund der hohen Durchseuchung und der hohen Infektionsrate mit HPV Viren ist dies ein häufiges Problem.

Das HPV Virus heißt nicht, wenn man einmal damit infiziert ist, dass man immer die Infektion trägt, sondern es gibt eine gewisse natürliche ‚clearance‘ , d.h. Selbstreinigung der Immunität, die bei einem Großteil der Männer und auch bei Frauen innerhalb von einem Jahr stattfindet. Ein gewisser Teil bleibt und verliert diese Infektion nicht und daraus können sich dann letztendlich in weiterer Folge Karzinome entwickeln. Wenn es die Selbstheilung gibt, dann bräuchte man eigentlich gar keine Immunisierung und keine Impfung nur die Durchseuchungsrate und Infektionsrate ist zu hoch, dass immer wieder Infektionen auftreten können. Selbst wenn ich einmal infiziert war, wieder das Virus verloren habe, kann ich neulich wiederum das Virus bekommen und deshalb ist die Impfung besonders wichtig.

3. Wie kann ich mich vor einer HPV Infektion schützen?

Prim. Univ.Doz. Dr. Eugen Plas: Der wesentlichste Schutz gerade ist bei den Knaben und bei jungen Burschen wäre die Impfung. Damit kann ich mich vor den Hochrisiko-Gruppen der HPV Infektion impfen. Es gibt derzeit in Österreich erhältlich 2 verschiedene Impfstoffe: einen 4-fach Impfstoff und einen 9-fach Impfstoff. Mit dem 9-fach Impfstoff fange ich die neuen, gerade der Hochrisiko HPV Infektionen ab, damit habe ich einen hohen Impfschutz und das macht auf jeden Fall Sinn. Wenn ich nicht geimpft bin, wie kann ich mich trotzdem schützen? Die einfachste Möglichkeit ist einfach die Verwendung eines Kondoms. Habe ich damit einen 100%igen Schutz? Nein, habe ich nicht. Man hat damit einen beinahe 70%igen Schutz aber nicht 100%. Warum versteht man nicht ganz genau. Nur ein Kondom ist kein 100%iger Schutz. Das wichtigste ist die Impfung. Bin ich einmal infiziert, macht die Impfung dann noch immer Sinn? Ja, es gibt eine natürliche Reinigung von dem HPV Virus aber trotzdem kann ich mich neulich infizieren und deshalb macht auch dann die Impfung Sinn.

4. Meine Partnerin hat HPV – was bedeutet das für mich?

Prim. Univ.Doz. Dr. Eugen Plas: Nun was mache ich wenn meine Partnerin eine nachgewiesene HPV Infektion hat, heißt dass, ich habe auch HPV? Ja, die Wahrscheinlichkeit, dass eine HPV Infektion aufgetreten ist oder ein Kontakt vorhanden ist, ist relativ hoch. Nur die Durchseuchungsrate, nennen wir das, an sich ist in der Bevölkerung so hoch, d.h. dafür braucht man jetzt keine Sorge haben und man muss immer unterscheiden ist es eine Low-Risiko oder Hochrisiko HPV-Infektionsgruppe mit der man infiziert ist. Deshalb hat es für den Mann moderate Konsequenzen. Kann ich mich mit irgendeiner Untersuchung testen lassen, nachzuweisen, ich bin HPV positiv, ja oder nein? Gibt es irgendwelche Blutuntersuchungen? Nein, es gibt keine Blutuntersuchungen. Aber was man machen kann ist, wenn es sogenannte Markerläsionen, also Läsionen, die man an der Haut sieht gibt, dann kann man aus diesen Visionen das HPV Virus und den Subtyp festlegen und feststellen und daraus kann man sich dann überlegen ob ein Risiko besteht.

Hochrisiko-Gruppen wie z.B. homosexuelle Männer oder Männer mit chronischen Autoimmunerkrankungen oder Männer, die immunsuppressive Therapien im Sinne von Transzustand nach Transplantation nehmen. Diese zählen auch zu den Hochrisiko-Gruppen, auch diese sollten regelmäßig vom Hals-Nasen-Ohren Arzt bzw. Urologen untersucht werden um zu schauen ob eine HPV Infektion vorhanden ist oder nicht.

5. Welche Vorsorgeuntersuchungen sind für den Mann wichtig?

Prim. Univ.Doz. Dr. Eugen Plas: Grundsätzlich gibt es die Gesundenuntersuchung, die angeboten wird wobei die urologische Vorsorgeuntersuchung davon kein Teil ist, bis dato. Man muss wissen, dass das Prostatakarzinom mittlerweile, die zweithäufigste Erkrankung in den Industrieländern ist. Sodass hier eine Häufigkeit besteht, die auf jeden Fall kontrolliert gehört. Deshalb empfiehlt man international ab dem 45. Lebensjahr bei fehlender familiärer Belastung eine jährliche Kontrolle beim Urologen. Diese Kontrolle umfasst das Beratungsgespräch, die körperliche Untersuchung inkl. der Untersuchung der Prostata, die sogenannte rektale Untersuchung – die nicht schmerzhaft ist, der Ultraschall der Niere und der Blase, in manchen Fällen auch des Hodens und die Blutbestimmung des PSA-Wertes, des sogenannten Prostata-spezifischen Antigenwertes. Dies ist ein Wert, der uns eine gewisse Information über die Prostata liefert, ob gutartige oder bösartige Veränderungen vorhanden sein können. Ist das ein 100%-iger Marker? Nein, das ist er nicht. Aber die Kombination aus der rektalen Untersuchung und der Blutbestimmung liefert sehr viel Information. Gibt es eine familiäre Belastung, sprich hat ein direkter Verwandter – Onkel, Großvater, Vater ein Prostatakarzinom, so sollte ab dem 40. Lebensjahr bereits eine jährliche Kontrolle bei dem Urologen erfolgen. Etwas was bei jeder Vorsorgeuntersuchung immer wieder sinnvoll ist, dass Vorsorgen sinnvoller ist, als Nachbehandeln. Deshalb macht es Sinn, frühzeitig zur Kontrolle zu gehen.

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