Was tun bei Blähungen?

Was tun bei Blähungen?

Blähungen sind meistens keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das vielerlei Ursachen haben kann. In vielen Fällen ist die verstärkte Gasproduktion im Darm auf falsche Ernährungsgewohnheiten und den Verzehr von blähenden Nahrungsmitteln zurückzuführen. Gleichzeitig können Blähungen jedoch auch ein Signal des Körpers für ein bestehendes Ungleichgewicht im Verdauungssystem sein oder auf Entzündungen und Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt hinweisen. Was Abhilfe bei Blähungen schafft und mit welchen einfachen Mitteln Sie Blähungen vorbeugen können, lesen Sie hier.

Bakterien und Verdauung

Die Verdauung ist ein Prozess, bei dem die Nahrung zerkleinert, in ihre Bestandteile zerlegt und anschließend vom Körper ausgeschieden wird. Mehrere unterschiedliche Organsysteme sind am Verdauungsprozess beteiligt, darunter der Magen, der Dünn- und der Dickdarm. Nachdem der Nahrungsbrei den Magen verlassen hat, wird er im Dünndarm mit Verdauungssäften und Enzymen angereichert. Die Verdauungssäfte sorgen dafür, dass die Nahrung vollständig in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt werden kann. Über die Wand des Dünndarms gelangen die Nährstoffe anschließend in die Blut- und Lymphgefäße. Der im Dünndarm zurückbleibende Nahrungsbrei enthält nach diesem Vorgang nur noch Flüssigkeit und unverdauliche Bestandteile. Der Dickdarm entzieht dem Speisebrei anschließend die letzte vorhandene Flüssigkeit, sodass der unverdauliche Rest in den Enddarm gelangen und ausgeschieden werden kann.

Neben dem Magen, dem Darm und anderen Organen spielen Bakterien eine sehr wichtige Rolle für die Verdauung. Im menschlichen Darm finden sich Billionen von Mikroorgansimen (Darmflora), die dem Körper u.a. dabei helfen schwer zu verdauende Bestandteile der Nahrung zu verdauen und lebenswichtige Mineralstoffe wie Magnesium und Eisen aus dem Nahrungsbrei zu resorbieren. Weiters ist die Darmflora für die Entwicklung des Immunsystems und für die Abwehr von krankheitsverursachenden Keimen von großer Bedeutung.

Was sind Blähungen?

In den meisten Fällen handelt es sich bei Blähungen, auch Flatulenz genannt, um ein harmloses Symptom, nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild.

Zu den Bestandteilen der Flatulenzen zählen Kohlenstoffdioxid, Stickstoff, Wasserstoff, Methan und diverse Schwefelverbindungen. Letztere werden zu einem großen Teil von Bakterien wie z.B. Escherichia coli produziert.

Neben dem unangenehmen Geruch gehen Blähungen oftmals mit Geräuschen einher, die häufig entstehen, wenn die Gase aus dem Darm entweichen. Die Geräusche werden durch die Vibration des Anus verursacht und hängen mit der Ausstoßgeschwindigkeit der Gase und deren Menge (Volumen der ausgestoßenen Gasmenge) zusammen.

Ursachen von Blähungen

Blähungen können auf viele unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein.

In erster Linie entstehen Blähungen durch Verdauungsprozesse. Bei jedem Verdauungsvorgang entstehen Gase, die von jenen Bakterien produziert werden, welche den Speisebrei im Dickdarm zersetzen. Pro Tag werden im Darm knapp mehr als zehn Liter an Gasen erzeugt. Diese Gase werden vom Körper stark komprimiert, über die Darmwand in den Blutkreislauf zurückgeführt und anschließend ausgeatmet. Ein kleiner zurückbleibender Teil entweicht jedoch über den Anus, in so einem Fall ist von Blähungen bzw. Flatulenzen die Rede.

Daneben werden Blähungen durch hastiges Essen bzw. falsche Ernährungsgewohnheiten verursacht. Bei hastigem und schnellem Essen wird mit der Nahrung auch sehr viel Luft geschluckt. In weiterer Folge gelangt die Luft in den Verdauungstrakt. Bei zu schnellem Essen wird durchschnittlich doppelt so viel Luft geschluckt wie normalerweise.

Weitere Ursachen für Blähungen sind Lebensmittelallergien und Intoleranzen wie Histamin-, Fruktose- und Laktoseintoleranz, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) und Milcheiweißallergie.

Zudem gibt es bestimmte Nahrungsmittel, deren Verzehr mit Blähungen einhergehen kann, darunter:

  • Knoblauch und Zwiebel
  • Unreifes Obst
  • Kohl und Sauerkraut
  • Hülsenfrüchte (z.B. Erbsen, Bohnen und Linsen)
  • Ballaststoffreiche Nahrung/Vollkornprodukte
  • Schweinefleisch
  • Milchzucker
  • Süßigkeiten und Light-Produkte

Vor allem Hülsenfrüchte fördern die Gasproduktion, da ihre Zuckermoleküle, darunter Raffinose und Stachyose, nicht vom Dünndarm verwertet werden können und erst im Dickdarm durch Bakterien zersetzt werden. Die blähende Wirkung ballaststoffreicher Nahrungsmittel (z.B. Kohl, Brokkoli, Bohnen, Linsen, Äpfel, Bananen, Trockenobst, Nüsse, Vollkornmehrprodukte und Haferkleie) wird in Kombination mit zuckerhaltiger Nahrung zusätzlich verstärkt.

Light-Produkte enthalten Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Xylit, die ebenfalls Blähungen verursachen können.

Da kaum ein anderes Organ so intensiv auf Stress reagiert wie der Darm, können sich auch psychische Faktoren wie Stress, Nervosität, Verstimmungen und Angst auf die Verdauung auswirken und so Blähungen verursachen.

Bei schwangeren Frauen und Frauen zu Beginn der Menstruation sind bestimmte Hormone für häufiger auftretende Blähungen verantwortlich.

Weitere Ursachen für Blähungen sind Nikotin, ein übermäßiger Konsum von Alkohol (vor allem Bier) und Kaffee.

Bei manchen Menschen sind Flaulenzen auf eine andere Erkrankung zurückzuführen. Neben Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien können Entzündungen der Gallenwege, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, ein Kurzdarmsyndrom, Darmstenosen, Herzschwäche und Bluthochdruck mit teils starken Blähungen einhergehen bzw. diese verursachen.

Medikamente, die direkte Auswirkungen auf die Darmflora haben (z.B. Antibiotika), blutzuckersenkende Medikamente, Entzündungshemmer und Schmerzmittel können ebenfalls Blähungen verursachen.

Abklärung von Blähungen beim Arzt

Gasbildung im Darm und Blähungen sind völlig normal und prinzipiell kein Grund zur Sorge. Durchschnittlich stößt jeder Mensch etwa 1000 Milliliter Gase pro Tag in Form von Blähungen (etwa 10 bis 20 Mal) aus.

Gehen die Blähungen jedoch mit anderen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder einem veränderten Stuhlverhalten einher, sollten sie von einem Arzt abgeklärt werden, da in solchen Fällen eine andere Erkrankung für die Flatulenzen verantwortlich sein kann. Auch stärker ausgeprägte und/oder länger anhaltende Blähungen sollten von einen Arzt abgeklärt werden lassen.

Kaum ein Betroffener spricht gerne über Blähungen. Flatulenzen sind jedoch ein Symptom wie jedes andere und sollten keineswegs ein Grund für Schamgefühle bzw. ein Hindernis für den klärenden Besuch beim Arzt sein.

Um den Grund für die Flatulenzen zu finden, führt der Arzt zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch.

Informationen zu Essgewohnheiten, eingenommenen Medikamenten, dem Lebensstil (Rauchen, Alkohol- und Kaffeekonsum etc.), bekannten Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien, der psychischen Verfassung (Stress, Verstimmungen, Anspannung etc.), häufigen Erkrankungen innerhalb der Familie und Vorerkrankungen geben in vielen Fällen bereits die ersten Hinweise auf die Ursache für die Flatulenzen. Je mehr der Patient über die Blähungen erzählen kann (seit wann, wie häufig, in welchem Zusammenhang und in welcher Intensität die Blähungen auftreten), desto schneller lässt sich die dahinter steckende Ursache ermitteln.

Nach dem Anamnesegespräch erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Bauchraum vom Arzt gründlich abgetastet, abgehört und abgeklopft wird.

Bei einigen Patienten lässt sich die Ursache bereits durch das Anamnesegespräch und die Tastuntersuchung ermitteln. In einigen Fällen sind jedoch weiterführende Untersuchungen notwendig. Neben dem Abtasten des Bauches können die Laboruntersuchung von Blut und Urin, die Laboruntersuchung einer Stuhlprobe und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums helfen die Ursache der Blähungen zu bestimmten. Ist die Ursache trotz dieser gängigen Untersuchungen und einem Anamnesegespräch weiterhin unklar, können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT), eine Computertomographie (CT), eine Gastroskopie (Darmspiegelung) oder eine Gastroskopie (Magenspiegelung) durchgeführt werden.

Weiters geben Tests auf bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Histamin-, Fruktose- und Laktoseintoleranz, Zöliakie, Milcheiweißallergie etc.) Aufschluss darüber, ob eine Intoleranz oder Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel vorliegt, welche die Blähungen verursacht.

Behandlung von Blähungen

Die Behandlung von Blähungen ist ursachenorientiert. Das bedeutet, dass im Rahmen der Therapie versucht wird die Ursache für die Flatulenzen zu beseitigen. Treten die Blähungen jedoch als Symptom einer anderen Erkrankung (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Entzündungen etc.) auf, ist die Behandlung dieser vordergründig.

Sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. -allergien die Ursache für Blähungen, müssen Betroffene den Verzehr dieser Nahrungsmittel stark einschränken bzw. gänzlich darauf verzichten. Im Fall von Laktoseintoleranz bedeutet dies beispielsweise den Verzicht auf Milchprodukte bzw. den Ersatz dieser durch laktosefreie Varianten. Mittlerweile stehen zahlreiche alternative Produkte zur Verfügung, auf die Menschen mit einer bestimmten Nahrungsmittelunverträglichkeit zurückgreifen können. Eine Ernährungsberatung kann helfen die Ernährung nach Diagnose einer Unverträglichkeit richtig umzustellen und den Ernährungsplan nachhaltig und gleichzeitig genussvoll zu ändern.

Sind die Blähungen auf eingenommene Medikamente zurückzuführen, kann versucht werden diese nach Rücksprache mit dem Arzt abzusetzen bzw. durch andere Substanzen zu ersetzen.

Auch gezielter Stressabbau kann das Auftreten der unangenehmen Winde reduzieren. Als besonders sensibles Organ reagiert der Darm sehr empfindlich auf Stress und psychische Anspannung. Sport, Yoga, Qi Gong, Shiatsu, Tai-Chi und andere Bewegungsformen haben eine allgemeine positive Wirkung auf die Gesundheit und fördern Stressabbau und körperliche Entspannung. Zudem können Entspannungs- und Atemübungen sowie progressive Muskelentspannung beim Entblähen helfen.

Treten die Flatulenzen in Zusammenhang mit psychischer Anspannung, Depressionen, Burn out und/oder Angstzuständen auf, ist psychotherapeutische Betreuung ratsam.

Zu pflanzlichen Heilstoffen mit entblähendem Effekt und beruhigender Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt zählen Anis, Artischocke, Fenchel, Kümmel und Pfefferminz, die unter anderem die Tätigkeit der großen Verdauungsdrüsen – wie der Leber – mit der Gallenblase – und der Bauchspeicheldrüse anregen. Auch Koriander, Ingwer und Majoran können gegen Blähungen wirksam sein und dabei helfen den Darm zu entkrampfen. Lassen sich die Blähungen nicht durch reine Ursachenbeseitigung und pflanzliche Wirkstoffe mildern bzw. beseitigen, können vorübergehend Medikamente eingesetzt werden. Substanzen wie Simeticon und Dimeticon fördern das Auflösen von Gasansammlungen im Darm. Die Substanzen stehen z.B. als Kautablette und Suspension zur Verfügung.

Maßnahmen gegen Blähungen

Werden die Blähungen nicht durch eine Erkrankung verursacht, gibt es einiges was man selbst tun kann, um häufig auftretenden Flatulenzen entgegenzuwirken. Maßnahmen gegen Blähungen sind:

  • Langsam essen: Langsames und gründliches Kauen/Schlucken verhindert, dass zu viel Luft gemeinsam mit der Nahrung geschluckt wird. Auch Reden während dem Kauvorgang kann dazu führen, dass zu viel Luft in den Magen-Darm-Trakt gelangt.
  • Bewusst essen: Meiden Sie das Essen vor dem Fernseher/Computer, während der Arbeit und beim Gehen. Nehmen Sie alle Mahlzeiten bewusst und ohne Stress zu sich.
  • Kaffeekonsum einschränken: Zu viel Kaffee kann blähend wirken. Ähnliches gilt für Tabak und Alkohol (vor allem Bier).
  • Große Mengen blähender Lebensmittel meiden: Meiden Sie große Mengen blähender Lebensmittel wie z.B. Hülsenfrüchte, Trockenobst, Bananen, Zwiebel oder Kohl bzw. nehmen Sie nicht größere Mengen dieser Nahrungsmittel gemeinsam zu sich (z.B. größere Mengen Nüsse und Bananen).
  • Gewürze: Greifen Sie beim Kochen auf Gewürze wie Koriander, Anis, Kümmel und Majoran zurück.
  • Light-Produkte meiden: Zuckerersatzstoffe in Light-Produkten können Blähungen verursachen.
  • Kohlensäurehaltige Getränke meiden: Reduzieren Sie den Konsum von Limonaden und Mineralwasser und ersetzen Sie diese durch stilles Wasser und ungesüßte Tees.
  • Gekochtes Gemüse: Gekochtes Gemüse ist bei Blähungen vorteilhafter und bekömmlicher als rohes Gemüse.
  • Vortasten: Achten Sie bewusst auf die Wirkung einzelner Nahrungsmittel. Jeder Mensch reagiert anders auf bestimmte Speisen. Wenn Sie wissen was Ihnen schadet, können Sie diese Nahrungsmittel bewusst durch bekömmlichere Produkte ersetzen.
  • Bewegung: Auch wenn Sie nicht regelmäßig Sport treiben, sollten Sie darauf achten, dass Sie genügend Bewegung in den Alltag einbauen, beispielsweise durch das Auslassen der Rolltreppe oder einen Spaziergang. Bewegung regt die Darmtätigkeit an, beugt Blähungen vor und kann diese auch wieder vertreiben.
  • Vermeiden Sie Stress: Stress stellt eine allgemeine Belastung für den Körper dar und wirkt einer gesunden und normalen Darmtätigkeit entgegen. Durch die Reduktion Ihres täglichen Stresslevels fördern Sie Ihre Darmgesundheit und vermeiden Blähungen.
  • Wärmeflasche und Wärmewickel: Feuchte Wärme hilft dem Darm sich zu entspannen. Auch eine Massage hat eine wohltuende Wirkung bei Blähungen.

Quellen:
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Mag. Nicole Gerfertz; Wenn der Bauch bläht, Apotheker Krone 16/2012, Ärztekrone VerlagsgesmbH
ICD-10: R14