Schilddrüsenunterfunktion: Anzeichen und Behandlung

Schilddrüsenunterfunktion: Anzeichen und Behandlung

Stand: August 2015

Bei der Schilddrüsenunterfunktion ist die Produktion von Hormonen durch die Schilddrüse eingeschränkt. Dadurch wird der Körper nicht ausreichend mit wichtigen Hormonen versorgt, wodurch bestimmte Stoffwechselfunktionen langsamer ablaufen. Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion variieren von Person zu Person - Welche das sind, welche Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung stehen und wie Betroffene trotz Schilddrüsenunterfunktion unbeschwert leben können, lesen Sie hier.

Beschreibung und Funktion der Schilddrüse

Bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) handelt es sich um eine hormonelle Erkrankung. Grund für eine Hypothyreose ist eine chronische Unterfunktion der Schilddrüse (Glandula thyroidea).

Die Schilddrüse ist bei Erwachsenen etwa zehn Zentimeter breit und damit die größte endokrine Drüse beim Menschen. Endokrine Drüsen sind Drüsen, die ihre Hormone direkt in die Blutbahn abgeben. In ihrer Form erinnert sie an einen Schmetterling oder an den Buchstaben “H”. Die Hormondrüse besteht aus zwei Lappen und liegt genau unterhalb vom Kehlkopf. An der Vorderseite und an den Seiten wird sie von der Luftröhre umschlossen.

Zu den Hauptaufgaben der Schilddrüse zählen die Speicherung von Jod sowie die Bildung der jodhaltigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Beide Hormone werden in sogenannten Thyreozyten, den Follikelepithelzellen der Schilddrüse gebildet, wobei der überwiegende Anteil von Triiodthyronin aus Thyroxin produziert wird.

Die wichtigsten Schilddrüsenhormone

Die Ausschüttung der beiden Schilddrüsenhormone ist eng mit dem Hypothalamus verknüpft, einem Abschnitt des Zwischenhirns. Zu den wichtigsten Funktionen des Hypothalamus zählen mitunter die Aufrechterhaltung von Körpertemperatur und Blutdruck. Wenn wir uns intensiver anstrengen oder Kälte ausgesetzt sind, beginnt der Hypothalamus Thyreoliberin (TRH, ein sogenanntes Peptidhormon) auszuschütten, wodurch wiederum Thyreotropin (TSH, ein Hormon) aus der Hirnanhangsdrüse ins Blut abgegeben wird und die Schilddrüse stimuliert. Diese produziert und gibt in weiterer Folge die Schilddrüsenhormone T3 und T4 ins Blut ab, welche den allgemeinen Energieumsatz im Körper steigern und eine weitere Ausschüttung von TRH und TSH drosseln. Die Hormone T3 und T4 sind somit besonders für den Energiestoffwechsel und das Zellwachstum von großer Bedeutung.

Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion 

Eine Schilddrüsenunterfunktion liegt vor, wenn von der Schilddrüse zu wenig an den, vom Körper benötigten, Schilddrüsenhormonen T3 und T4 produziert wird. Das Gegenteil der Hypothyreose ist die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), bei welcher von der Schilddrüse wiederum zu viel an T3 und T4 produziert und ins Blut ausgeschüttet wird.

Die Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion sind ebenso vielfältig wie ihre Symptome, wobei prinzipiell zwischen einer angeborenen Hypothyreose und einer erworbenen Hypothyreose unterschieden wird. Letztere kommt wesentlich häufiger vor als die vererbte Form der Unterfunktion.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Die angeborene Schilddrüsenunterfunktion ist entweder auf eine tatsächliche genetisch vererbte Störung der Schilddrüsenhormonproduktion oder auf eine Fehlbildung der Schilddrüse zurückzuführen. Im Fall einer rechtzeitigen Diagnose kann sie im Regelfall gut behandelt werden, sodass die Entwicklung des Kindes nicht weiter beeinträchtigt wird.

Erworbene Schilddrüsenunterfunktion

Überwiegend sind es Erkrankungen der Schilddrüse, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Dazu zählen:

Thyreoiditis de Quervain

Die Thyreoiditis de Quervain tritt in den meisten Fällen plötzlich auf. Die Krankheit wird durch Viren hervorgerufen und kommt selten vor, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Während die Krankheit im Regelfall spontan wieder abklingt, kann es bei etwa fünf Prozent der Betroffenen zu einer vorübergehenden Schilddrüsenunterfunktion kommen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber sowie Schmerzen im Bereich der Schilddrüse, die oftmals bis hin zu den Ohren und in den Unterkiefer ausstrahlen. Verursacht die Thyreoiditis de Quervain nur geringe Beschwerden, ist von einer Silent Thyreoiditis die Rede.

Hashimoto Thyreoditis

Der Name der Hashimoto Thyreoditis geht auf den japanischen Arzt Hakaru Hashimoto zurück, der die Krankheit 1912 das erste Mal beschrieben hat. Bei der Hashimoto Thyreoditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Autoimmunerkrankungen sind Erkrankungen, die auf eine Fehlfunktion des Immunsystems zurückzuführen sind und bei welchen körpereigene Immunzellen das körpereigene Gewebe angreifen – Der Körper kämpft auf gewisse Weise gegen sich selbst.

Bei der Hashimoto Thyreoditis produziert der Körper Antikörper gegen das Gewebe der Schilddrüse. Antikörper sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Sie werden von den weißen Blutkörperchen produziert, um Bakterien, Viren oder andere Stoffe die in den Körper eingedrungen sind (Antigene) zu bekämpfen – Im Fall der Hashimoto Thyreoditis richten sich die Antikörper jedoch gegen die Schilddrüsengewebestrukturen. Die meisten Betroffenen einer Hashimoto Thyreoditis nehmen kaum Beschwerden wahr und registrieren die Erkrankung kaum bzw. erst dann, wenn die ersten Symptome der Hypothyreose auftreten. Die Erkrankung tritt entweder in einer chronischen oder in einer plötzlich auftretenden Form auf – Zu dieser zählt auch die Post-Partum-Thyroiditis, eine Schilddrüsenentzündung die sich einige Monate nach einer Schwangerschaft entwickeln kann und in den meisten Fällen nach maximal zwei Jahren wieder abklingt. Als Ursachen für die Hashimoto Thyreoditis gelten diverse Umwelteinflüsse, Infektionen, langanhaltender Stress sowie Erbanlagen.

Jodmangel

Da Jod ein wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) ist, kann Jodmangel ebenfalls zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

Medikamente

Zudem kann die Schilddrüsenunterfunktion auch auf die Einnahme von bestimmten Medikamenten zurückzuführen sein. Hierbei handelt es sich im Regelfall um sogenannte Thyreostatika. Thyreostatika sind Medikamente, welche die Hormonproduktion im Körper hemmen. Sie werden verabreicht, um eine Schilddrüsenüberfunktion zu behandeln oder um die Schilddrüse vor chirurgischen Eingriffen ruhigzustellen. Außerdem kommen Thyreostatika vor einer Verabreichung von jodhaltigen Kontrastmitteln in der Radiologie zum Einsatz. Als weitere Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion gelten die partielle oder vollständige chirurgische Entfernung der Schilddrüse und die Radiojodtherapie, ein Verfahren zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs, Schilddrüsenvergrößerung und anderen Schilddrüsenerkrankungen.

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

Betroffene weisen oftmals sehr unterschiedliche Anzeichen auf, auch müssen nicht alle bekannten Symptome zwangsläufig auftreten. Das Auftreten der jeweiligen Beschwerden hängt mitunter von der genetischen Veranlagung ab. Im Allgemeinen leiden Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion jedoch unter verlangsamten Stoffwechselprozessen, die eine Folge der reduzierten Produktion von T3 und T4 sind. Mögliche Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind:

  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Herabgesetzte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsprobleme
  • Gewichtszunahme, ohne Veränderung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie) und eine verlangsamte Herzfrequenz
  • Hautveränderungen (z.B. trockene, dünne, blasse und schuppige Haut)
  • Brüchige Nägel
  • Erhöhte Kältempfindlichkeit und häufiges Frieren
  • Flüssigkeitseinlagerungen in den Augenlidern (Lidödeme)
  • Verstopfung
  • Vermindertes sexuelles Lustempfinden
  • Menstruationsstörungen

Zudem können Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen auftreten. Da viele dieser Symptome auch für andere Erkrankungen charakteristisch sind, kann das Vorliegen einer Schilddrüsenunterfunktion leicht übersehen oder mit einer anderen Erkrankung verwechselt werden.

Diagnose beim Arzt

Eine genaue Schilderung der Beschwerden, die individuelle Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung geben dem Arzt oftmals bereits die ersten Hinweise auf eine mögliche Hypothyreose.

Im Rahmen eines Ultraschalls der Schilddrüse wird anschließend untersucht, ob die Größe und das Aussehen der Drüse der Norm entsprechen. Zudem geht aus der Ultraschalluntersuchung hervor, ob die Schilddrüse möglicherweise entzündet ist oder andere Auffälligkeiten aufweist.
Um die Funktion der Schilddrüse zu beurteilen, wird das Blut des Patienten genau auf bestimmte Parameter untersucht, wobei vor allem die Konzentration von TSH einen genauen Hinweis auf eine Fehlfunktion geben kann. Ist die TSH-Konzentration erhöht, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Unterfunktion der Schilddrüse vor.
Ausgehend von allen Untersuchungsergebnissen wird anschließend die genaue Ursache für die Schilddrüsenerkrankung ermittelt, sodass mit einer entsprechenden Behandlung begonnen werden kann.

Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion

Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion orientiert sich mitunter an der Krankheitsursache und dem Schweregrad der Unterfunktion. Die medikamentöse Therapie basiert im Regelfall auf dem Ausgleich der fehlenden Schilddrüsenhormone T3 und T4. Dabei müssen die nicht ausreichend von der Schilddrüse hergestellten Hormone von den Betroffenen jeden Tag in Form von Tabletten eingenommen werden.

Besonders häufig kommt der Wirkstoff Levothyroxin zur Anwendung. Levothyroxin gehört zur Gruppe der Schilddrüsenhormone und entspricht dem natürlichen Hormon Thyroxin. Es bewirkt eine Steigerung des Energieumsatzes und die Bildung von Wärme, zudem beeinflusst Levothyroxin unterschiedliche Stoffwechselprozesse wie den Protein- und den Kohlehydratstoffwechsel. Die Tablette sollte jeden Morgen auf nüchternen Magen, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden. Viele zeitgleich eingenommen Arznei- und Nahrungsmittel können die Aufnahme der einzelnen Wirkstoffe durch den Körper herabsetzen.

Zu Beginn der Behandlung wird – anhängig von Geschlecht, Alter, Körperzusammensetzung, Krankheitsursache und Schweregrad der Schilddrüsenunterfunktion – die Dosis der täglichen Einnahme ermittelt. Ist sie zu hoch, kann es mitunter zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Schlaflosigkeit, Schwitzen und Nervosität kommen. Richtig dosiert, haben Schilddrüsenhormonpräparate meistens keine Nebenwirkungen. Einige Wochen nach Behandlungsbeginn wird das Blut des Patienten erneut untersucht, um zu kontrollieren, ob der tägliche Bedarf an den Schilddrüsenhormonen durch die medikamentöse Behandlung ausreichend gedeckt wird. Eine zu hohe Dosierung lässt sich an einem zu niedrigen TSH-Wert im Blut erkennen.

Der individuelle Bedarf an Schilddrüsenhormonen kann sich im Laufe des Lebens immer wieder ändern, deshalb sollte die Blutkontrolle auf regelmäßiger Basis erfolgen. Gelegentlich muss die Dosierung der Tabletten nach der Blutuntersuchung neu angepasst werden. Da sich die Hirnanhangsdrüse nach einigen Wochen an die neue Stoffwechselsituation anpasst, ist die erste Blutkontrolle nach Therapiebeginn erst nach dieser Zeit sinnvoll.

Die meisten Betroffenen müssen die Tabletten ein Leben lang einnehmen, eine vollkommene Wiederherstellung der Schilddrüsenfunktion ist nur selten möglich. Durch die medikamentöse Behandlung und bei richtiger Dosierung können Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion jedoch ein normales Leben führen, ohne, dass die Lebensqualität durch die Unterfunktion eingeschränkt wird.

Schilddrüsenerkrankungen vorbeugen

Viele Schilddrüsenerkrankungen sind erblich bedingt, sodass man den Krankheitsausbruch in diesen Fällen nicht beeinflussen kann. Allerdings geht ein Teil des Erkrankungsrisikos auch auf diverse Umweltfaktoren zurück. Mit einem gesunden Lebensstil und bei Vermeidung von bestimmten Umweltfaktoren kann sich eine Erkrankung der Schilddrüse unter Umständen verzögern oder gar verhindern lassen. Umweltfaktoren, die eine Schilddrüsenerkrankung unter Umständen begünstigen, sind:

  • Rauchen: Das Zyanid aus dem Zigarettenrauch blockiert die Aufnahme von Jod durch die Schilddrüse.
  • Langanhaltender Stress: psychische Belastung beeinflusst negativ die Entwicklung der Schilddrüsenerkrankung.
  • Röntgenstrahlung: Röntgenstrahlen können den Ausbruch einer Autoimmunerkrankung (z.B. Hashimoto Thyreoditis) begünstigen.
  • Umweltgifte: Durch den übermäßigen Kontakt mit bestimmten Umweltgiften (z.B. Kühlmittel, Dünge- und Pflanzenschutzmittel) kann das Risiko für eine Schilddrüsenerkrankung ebenfalls ansteigen.
  • Unzureichende Jodaufnahme: Der tägliche Jodbedarf eines gesunden Erwachsenen beträgt etwa 200 µg pro Tag. Ein Jodmangel führt zu einer Unterversorgung des Körpers mit den benötigten Schilddrüsenhormonen. Im Rahmen einer gesunden Ernährung wird dieser tägliche Bedarf meistens gedeckt, vor allem, wenn der Speiseplan regelmäßig jodhaltige Nahrungsmittel wie jodiertes Speisesalz und Seefisch enthält. Bewohner von jodarmen Gebieten (Gebiete mit besonders jodarmen Böden) sollten besonders auf eine adäquate Jodzufuhr achten.
  • Übermäßige Jodaufnahme: Auch eine übermäßige Jodaufnahme (mehr als 500 µg Jod pro Tag) kann zu Schilddrüsenerkrankungen führen oder das Risiko für solche erhöhen. Menschen mit individuellen Ernährungsgewohnheiten wie Veganismus oder Vegetarismus sollten im Speziellen darauf achten, dass es zu keinen starken Abweichungen vom Durchschnittwert kommt (Jodunterversorgung, Jodüberschuss).
Quellen:
Priv.-Doz. Dr. Marietta Stadler, 3. Medizinische Abteilung für Stoffwechselerkrankungen und Nephrologie, Krankenhaus Hietzing, Wien; Hormonelle Grundlagen des Übergewichts, Universum Innere Medizin 02/2012, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Dr. Katrin Hofstetter- Hörl, Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie, Universitätsklinikum Salzburg; Befundabklärung Schilddrüse: Wann ist die Zuweisung an eine Schilddrüsenambulanz erforderlich?, Universum Innere Medizin 02/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH
OA Dr. William Peschina, Abteilung Nuklearmedizin, Landeskrankenhaus Feldkirch; Schilddrüsendiagnostik und -therapie, Update Schilddrüsenerkrankungen, Universum Innere Medizin 02/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Univ.-Prof. Dr. Alois Gessl, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien; Eine diagnostische und therapeutische Herausforderung – Schilddrüse und Schwangerschaft, Gyn-Aktiv 02/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Halid Bas; Management der Hypothyreose bei Erwachsenen, ARS MEDICI 22/2008, Rosenfluh Publikationen AG

O. E. Janßen, P. C. Scriba; Krankheiten der Schilddrüse, W. Gerok, C. Huber u. a. (Hrsg.): Die Innere Medizin, Schattauer Verlag, 2007

K. A. Toulis et al.; Selenium supplementation in the treatment of Hashimoto’s thyroiditis: a systematic review and a meta-analysis, Thyroid: official journal of the American Thyroid Association, 2010 Oct; 20(10):1163-73.
ICD-10: E05.0, E05.1, E05.8

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