Rachenentzündung – Pharyngitis

Rachenentzündung – Pharyngitis

Die Rachenentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und die häufigste Ursache von Halsschmerzen. Oft tritt die Rachenentzündung im Rahmen einer Erkältung auf; besonders häufig betroffen sind Kinder.

Ursachen – Wie entsteht eine Pharyngitis?

Prinzipiell unterscheidet man eine akute (plötzlich auftretende, kurz andauernde) und eine chronische Rachenentzündung.

Eine akute Rachenentzündung wird zumeist durch Viren ausgelöst. Am häufigsten sind Adeno-, Rhino-, Corona- und Parainfluenza-Viren, also die typischen Erreger von Erkältungen (grippalen Infekten). Das erklärt, warum bei einer akuten Pharyngitis oft gleichzeitig auch die Schleimhäute der Nase entzündet sind und man deshalb zusätzlich zu den Halsschmerzen noch unter einem Schnupfen leidet.

Die Krankheitserreger werden mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Also über Speichel oder Nasensekret, das beim Niesen, Husten oder Sprechen in Luft gelangt. Da die Viren sehr ansteckend sind, passiert es nicht selten, dass gleich mehrere Familienmitglieder oder auch die halbe Schulklasse unter einer akuten Pharyngitis leiden.

Ist die Rachenschleimhaut durch die Virusinfektion bereits angegriffen, haben es Bakterien leichter, sich dort festzusetzen und zu vermehren. Mediziner sprechen dann von einer „bakteriellen Superinfektion“. Wenn Bakterien an einer Rachenentzündung beteiligt sind, handelt es sich zumeist um Streptokokken. Während eine bakteriell bedingte Pharyngitis bei Erwachsenen eher selten ist, liegt ihre Rate bei Kindern zwischen 15 und 40 Prozent – je nach zu Grunde liegender Studie.

Prinzipiell kann eine akute Halsentzündung das ganze Jahr über auftreten. Besonders häufig ist sie aber in den Wintermonaten – wie andere Erkältungskrankheiten auch. Dies liegt zum wesentlichen Teil daran, dass sowohl die trockene, kalte Winterluft draußen als auch die Heizungsluft drinnen die Schleimhäute austrocknen. Dadurch verliert diese Schutzbarriere die Abwehrkraft gegen Krankheitskeime, sodass Viren sich dort leichter festsetzen und ausbreiten können.

Chronische Rachenentzündungen sind insgesamt deutlich seltener als akute. Sie sind auch nicht ansteckend, da sie nicht durch Bakterien oder Viren hervorgerufen werden. Stattdessen kommen folgende Ursachen in Betracht:

  • Allergien, insbesondere der oberen Atemwege
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Schilddrüsenunterfunktion oder hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren
  • andauernder Kontakt mit reizenden Substanzen – angefangen von Zigarettenrauch über
  • Alkohol, Chemikalien, Reizgase und Umweltgifte bis hin zu stark staubhaltiger oder sehr trockener Atemluft

Symptome – Wie äußert sich eine Rachenentzündung?

Eine akute Pharyngitis beginnt oft mit einem trockenen, kratzigen, brennenden Gefühl im Hals, das dazu führt, dass man sich oft räuspern muss. Dann dauert es meist nur noch kurze Zeit, bis sich das Hauptsymptom einstellt: Halsschmerzen, die sich beim Schlucken noch verstärken. Je nach Ausprägung kann sogar das Sprechen wehtun. Dass die hintere Rachenschleimhaut gerötet und geschwollen ist, gibt dem Arzt einen wichtigen Hinweis auf die richtige Diagnose.

Zu den Schmerzen kommt fast immer Fieber hinzu. Bei Erwachsenen beschränkt es sich meist auf leicht erhöhte Temperatur, bei Kindern kann das Fieberthermometer aber auch auf 40 Grad oder mehr klettern. Weil die Infektion nur selten auf die Rachenschleimhaut begrenzt bleibt, leiden viele Patienten mit Pharyngitis zusätzlich unter Erkältungsbeschwerden wie Husten, Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

Wenn an einer Rachenentzündung Bakterien beteiligt sind, stellen sich die gleichen Beschwerden ein, aber in stärkerer Form. Hohes Fieber, heftige Hals- und auch Kopfschmerzen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl ist dann auch bei Erwachsenen die Regel. Eine gar nicht so seltene Sonderform der akuten Pharyngitis ist die Seitenstrang-Angina. Hier sind neben der Rachenschleimhaut auch die von der oberen, hinteren Rachenwand abwärts verlaufenden Lymphbahnen  – die so genannten Seitenstränge – mitentzündet. Von einer Tonsillo-Pharyngitis spricht man bei einer Mitentzündung der Rachenmandeln (Tonsillen).

Zu den typischen Symptomen einer chronischen Rachenentzündung gehören Trockenheit im Hals, ein Fremdkörpergefühl im Rachenraum, Räusperzwang und Schluckbeschwerden, die allerdings nicht mit Schmerzen einhergehen. Bei bestimmten Erkrankungsformen kann es auch zu Würgereiz und verstärkter Schleimproduktion im Rachenbereich kommen.

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Autor:
Quellen:
Tim Kenealy: Sore Throat. Clinical Evidence; 13. Januar 2011

AWMF online: Halsschmerzen - DEGAM Leitlinie Nr.14. Stand Oktober 2009

Wächtler, H. und Chenot, J.: Die neue DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen. Zeitschrift für Allgemeinmedizin, 2010, 86(2) S.65-69

Boenninghaus, HG und Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer Verlag, 14. Auflage 2012
ICD-10: J02, J02.0, J02.8, J02.9

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