Künstliche Befruchtung – Sprechstunde mit Dr. Just

Künstliche Befruchtung – Sprechstunde mit Dr. Just

Stand: Juli 2015

Dr. Alexander Just, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in 3100 St. Pölten und 1030 Wien beantwortet in dieser Video-Sprechstunde Fragen rund um die Themen “Kinderwunsch” und “Künstliche Befruchtung”.

Wann und warum sollte eine Patientin zum Spezialisten für Kinderwunsch gehen?

Dr. Alexander Just: Die optimale Fertilität einer Frau liegt zwischen 21 und 31 Jahren. Hier hat man Schwangerschafts-Chancen pro Zyklus zwischen ungefähr 23 und 25%. Nachdem 35. Lebensjahr sind es noch 14% und nach dem 40. sogar nur noch 7%. D.h. unsere Empfehlung ist folgende: dass eine Frau unter 35 Jahren durchaus 1 bis 2 Jahre warten kann, aber eine Frau über 35 sollte sich auf jeden Fall nach einem Jahr dem Spezialisten anvertrauen.

Wie sind die Erfolgswahrscheinlichkeiten der natürlichen Behandlung?

Dr. Alexander Just: Paare mit guter Prognose sollten auf jeden Fall natürlich beginnen. Ein großer Trugschluss ist bei den Paaren, dass eine natürliche Behandlung relativ schnell zu einem Ergebnis führen kann – also zu einem positiven Schwangerschaftstest. Das ist aber nicht immer möglich, weil man sechs wichtige Faktoren für den Eintritt einer Schwangerschaft nicht genau weiß: Man weiß nicht, 1. ob in dem Follikel überhaupt eine Eizelle vorhanden ist, 2. ob sie reif ist, 3. ob sie sich befruchtet, 4. ob sie sich teilt, 5. ob sie sich zeitlich richtig entwickelt und 6. ob sie überhaupt in der Gebärmutter ankommt. Aus diesem Grund dauert eine natürliche Behandlung zwischen 3 bis 4 Monaten und einem dreiviertel Jahr. Eine künstliche Befruchtung ist dann immer die Option als letztes Mittel.

Wie läuft eine künstliche Befruchtung ab?

Dr. Alexander Just: Der Zyklus einer Frau hat den Ablauf von vier Wochen. In diesen vier Wochen gibt es folgende Konsultationen: zweimal zum Ultraschall, einmal zur Eizellenentnahme und einmal zur Rückgabe des Embryos, den sogenannten „Embryotransfer“. Wichtig ist, dass die Patientin weiß, dass in den ersten 10 bis 12 Tagen Hormone unter die Haut appliziert werden. Zu diesem Zeitpunkt finden die zwei Ultraschalluntersuchungen statt, wo festgestellt wird, wie viele Follikel es gibt, ob sie wachsen und wie gut die Schleimhaut aufgebaut ist. Ungefähr am 10-12 Tag ihres Zykluses wird der Eisprung ausgelöst und 36 Stunden später trifft man sich mit dem Paar am Institut, wo die Eizellenentnahme stattfindet. Zwei Minuten dauert es die Eizellen zu entnehmen und der Mann gibt am selben Tag den Samen ab. Die Befruchtung findet statt und am nächsten Tag wird das Paar angerufen und gesagt, wie viele Eizellen vorhanden sind, wie viele befruchtet sind und wann der Transfer – d.h. die Rückgabe der befruchteten Eizelle – stattfindet. Das ist meistens zwischen dem dritten und dem fünften Tag nach der Punktation. Dieser Eingriff ist völlig schmerzlos, dauert 20 Minuten und die Patientinnen fahren auch dann sofort wieder nach Hause. Vierzehn Tage später ist der Schwangerschaftstest.

Welche Komplikationen können bei der künstlichen Befruchtung auftreten?

Dr. Alexander Just: Die Komplikationsrate bei der künstlichen Befruchtung ist generell gering. Wenn man sie gut durchführt, spüren die Patientinnen keine großen Veränderungen in ihrem Körper. Die häufigsten Komplikationen sind Schmerzen und Blutungen an dem Tag der Eizellenentnahme. Die zweite, große Möglichkeit der Komplikationen ist die Überstimulation – d.h. die Patientin bekommt während der künstlichen Befruchtung Hormone appliziert und kann überschießend auf die Hormonproduktion reagieren. Wir wissen das dann aber, sehen das, und können dagegen Mittel und Möglichkeiten in Angriff nehmen.
Ein sehr großes Problem bei der künstlichen Befruchtung sind die Mehrlinge. Wir sind dazu angehalten, immer weniger Embryonen zu übertragen, derzeit wird folgendes Prozedere durchgeführt: jede Frau bekommt generell beim ersten Versuch maximal ein bis zwei Embryonen eingesetzt, erst wenn mehrere Versuche notwendig sind, steigert sich die Anzahl auf maximal zwei Embyonen.

Welche Trugschlüsse gibt es in der Gynäkologie für Kinderwunschpatientinnen?

Dr. Alexander Just: Der Gynäkologe sagt der Patientin: „Sie haben einen sprungreifen Follikel (das ist im Sprachjargon das Eibläschen) und die Patientin nimmt automatisch an, dass darin auch eine Eizelle sein muss. Das eine hat mit dem anderen aber nicht unbedingt etwas zu tun.
Der zweite Grund ist, dass z.B. Männer annehmen, je länger sie Karenz halten (das bedeutet keinen Verkehr mit der Partnerin haben), umso besser wird auch ihre Samenqualität. Das ist nicht ganz unrichtig, aber irgendwann hat die Verbesserung der Samenqualität ein asymptotisches Ende: es wird zwar immer noch ein kleines bisschen besser, aber nicht mehr wesentlich.

Weitere Informationen zu Dr. Alexander Just finden Sie hier: Ordination St. Pölten, Ordination Wien

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