Hämorrhoiden – Erkennen, behandeln, vorbeugen

Hämorrhoiden – Erkennen, behandeln, vorbeugen

Fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens einmal Probleme mit Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden). Viele Menschen sind von den Beschwerden im Analbereich peinlich berührt und scheuen den klärenden Besuch beim Arzt. Lesen Sie hier was Hämorrhoiden nun eigentlich sind, wie Sie Hämorrhoiden vorbeugen und was Sie tun sollten, wenn Sie die entsprechenden Anzeichen für Hämorrhoiden bemerken.

Unser Verdauungssystem

Unser Verdauungssystem und Darm bestehen aus unterschiedlichen Teilen. Jeder Teil (Magen – Dünndarm – Dickdarm – Mastdarm – After) übernimmt bei der Nahrungsverwertung bestimmte Aufgaben.

Der Mastdarm befindet sich im unteren Teil des Verdauungssystems. Im Mastdarm werden unverdauliche Nahrungsreste zwischengespeichert und später über den After ausgeschieden. Der After, auch Anus genannt, besitzt zwei wichtige Ringmuskeln, welche die Stuhlentleerung kontrollieren. Diese Ringmuskeln werden in ihrer Funktion vom Hämorrhoidal-Schwellkörper unterstützt. Beim Hämorrhoidal-Schwellkörper handelt es sich um einen Polster aus durchbluteten Gefäßen der sich zwischen dem Mastdarm und dem After befindet und diesen zusätzlich abschließt. Der medizinische Fachausdruck für den Schwellkörper ist “Plexus hämorrhoidalis“, häufiger verwendet wird allerdings die Bezeichnung “Hämorrhoiden“.

Somit besitzt jeder Mensch Hämorrhoiden. Erst wenn der Hämorrhoidal-Schwellkörper erweitert ist und sich nach unten verlagert, ist medizinisch von einem Hämorrhoidalleiden die Rede.

Hämorrhoiden erkennen

Ein Hämorrhoidalleiden kommt zustande, wenn das Zusammenspiel aus den Ringmuskeln des Afters und dem Hämorrhoidal-Schwellkörper gestört ist, oder wenn der Gefäßpolster nicht mehr ausreichend durchblutet wird und vergrößert ist. Patienten mit einem Hämorrhoidalleiden weisen meistens folgende Symptome auf:

  • transanale Blutungen
  • Juckreiz am After
  • Druckgefühl am After
  • Brennen am After
  • Schmerzen am After

Bei transanalen Blutungen handelt es sich meistens um frisches, hellrotes Blut, welches von den Patienten direkt am Stuhl oder am Toilettenpapier bemerkt wird. Die meisten Menschen erschrecken, wenn sie Blut am Stuhl wahrnehmen. Transanale Blutungen sollten von einem Arzt abgeklärt werden, stellen jedoch keinen Grund für vorzeitige Panik dar.
Prinzipiell wird von den Patienten zu Beginn eines Hämorrhoidalleidens ein allgemein unangenehmes Gefühl im Afterbereich wahrgenommen. Außerdem ist der Bereich empfindlicher als sonst und reagiert bereits auf leichte Reize von außen.

Die vier Stadien von Hämorrhoiden

In der Medizin wird das Hämorrhoidalleiden in vier Stadien unterteilt:

1. Stadium: In diesem Stadium beschränkt sich die Schwellung des Hämorrhoidal-Schwellkörpers auf den inneren Analbereich. Ein erstes Anzeichen für dieses Stadium ist hellrotes Blut auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier. Des Weiteren kann ein Juckreiz auftreten. Da im ersten Stadium nur selten bzw. wenige Beschwerden auftreten werden Hämorrhoiden zu diesem Zeitpunkt häufig nur zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt.

2. Stadium: Im zweiten Stadium eines Hämorrhoidalleidens ist der Hämorrhoidal-Schwellkörper bereits stärker vergrößert. Die Hämorrhoiden können in diesem Stadium brennen, unangenehm jucken und nässen. Während dem Stuhlgang treten kleine Gefäßknötchen aus dem After heraus und ziehen sich nach dem Stuhlgang wieder selbstständig in den inneren Analbereich zurück.

3. Stadium: In diesem Stadium lassen sich die kleinen Gefäßknötchen nach dem Stuhlgang nur noch mit dem Finger in den inneren Analbereich zurückschieben. Das dritte Stadium zeichnet sich zudem durch stärkeres Jucken, Brennen und Nässen aus, ebenso nehmen transanale Blutungen zu.

4. Stadium: Der Hämorrhoidal-Schwellkörper ist nun so groß, dass der innere Afterbereich nach außen vortritt. Die Gefäße ziehen sich nach dem Stuhlgang nicht mehr von selbst zurück und lassen sich auch mit den Fingern nicht zurückschieben. Die Hämorrhoiden nässen und die Betroffenen leiden unter einem unangenehmen Juckreiz, vernehmen ein starkes Brennen sowie eine allgemein sehr hohe Empfindlichkeit im Afterbereich. Des Weiteren nehmen die Blutungen nach dem Stuhlgang zu.

Hämorrhoiden richtig behandeln

Ein Hämorrhoidalleiden ist heilbar und kann prinzipiell gut behandelt werden. Je früher mit einer entsprechenden Behandlung begonnen wird, desto schneller und unkomplizierter kann das Hämorrhoidalleiden beseitigt werden.
Im Rahmen einer Anamnese erkundigt sich der Arzt zunächst nach den Symptomen des Patienten. Anschließend kann durch zwei unterschiedliche Untersuchungen (Tastuntersuchung und Afterspiegelung) festgestellt werden, ob und in welchem Stadium ein Hämorrhoidalleiden vorliegt. Während der Afterbereich bei der Tastuntersuchung mit den Fingern abgetastet wird, wird bei der Afterspiegelung ein Spezialgerät in den Afterbereich eingeführt, um so mögliche Veränderungen zu erkennen. Je nach Ausprägung, Grad und individueller Krankengeschichte können vom Arzt anschließend die entsprechenden Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.

Therapie im 1. Stadium: In diesem Stadium ist der auftretende Juckreiz mit speziellen Hämorrhoidensalben behandelbar. Neue Hämorrhoidensalben basieren auf natürlichen Inhaltsstoffen, pflegen die Schleimhäute des Analbereichs, sind krampflösend und entzündungshemmend. Des Weiteren kann mit Zäpfchen und Cremes gegen den leicht angeschwollenen Hämorrhoidal-Schwellkörper vorgegangen werden.
Eine weitere Option ist die ambulante Verödungsbehandlung. Dabei werden die Hämorrhoiden vom Arzt mit einem speziellen Wirkstoff unterspritzt und schrumpfen in weiterer Folge auf ihre ursprüngliche Größe zurück. Die Verödungsbehandlung verursacht keine Schmerzen und dauert nur einige Minuten.

Therapie im 2. Stadium: Auch in diesem Stadium können die Hämorrhoiden mittels einer Verödungsbehandlung in den Griff bekommen werden. Eine weitere Art der Behandlung stellt die Gummibandligatur dar. Dabei wird ein Teil des Hämorrhoidal-Schwellkörpers mit kleinen Gummibändern abgebunden, stirbt ab und wird zusammen mit dem Band auf natürliche Weise ausgeschieden. Die Behandlung wird vom Arzt ambulant durchgeführt.

Therapie im 3. Studium: Im dritten Stadium können die Hämorrhoiden entweder mit der Gummibandligatur oder mittels der sogenannten HAL-RAR-Methode beseitigt werden. Außerdem können die Hämorrhoiden operiert werden. Die HAL-RAR-Methode ist ein Verfahren bei dem die Gefäße verkleinert werden und das Analgewebe in den Analbereich zurückgezogen und fixiert wird. Nach dem schmerzlosen Eingriff kann der Patient das Krankhaus meistens am nächsten Tag wieder verlassen.

Therapie im 4. Stadium: Im vierten Stadium kann ein Hämorrhoidalleiden nur durch eine Operation beseitigt werden. Abhängig von den auftretenden Symptomen und Beschwerden können die Patienten ca. vier Tage nach dem Eingriff nach Hause entlassen werden.

Mittlerweile gibt es einige Operationsverfahren welche je nach Ausprägung und Grad des Hämorrhoidalleidens angewandt werden, um die Symptome und Beschwerden dauerhaft zu beseitigen. Grundsätzlich werden bei jeder Operation die vorgefallenen Gefäße unter einer Narkose weggeschnitten. Die Verfahren unterscheiden sich untereinander in der Schnittsetzung und darin, ob die Wunde nach der Operation offen bleibt oder genäht wird.

Ein Hämorrhoidalleiden ist niemals ein Grund für Schamgefühle. Es handelt sich hierbei um ein weit verbreitetes Krankheitsbild welches durch einen Arzt abgeklärt und gegebenenfalls behandelt gehört.

Ursachen von Hämorrhoiden

Hämorrhoidalleiden können durch vielerlei Ursachen bedingt sein. Folgende Faktoren zählen zu den häufigsten Ursachen für die Beschwerden im Analbereich:

  • Ballaststoffarme Ernährung: Einseitige Ernährung und ballaststoffarme Kost können zu Verstopfung und zu hartem Stuhl führen. Ist der Stuhl über einen längeren Zeitraum zu hart, kann der Hämorrhoidal-Schwellkörper bei der Ausscheidung irritiert werden.
  • Zu kleine Stuhlmengen: Zu kleine Stuhlmengen füllen den Enddarm nicht ausreichend aus wodurch die Darmwand nicht weit genug gedehnt wird. Zu starkes Pressen beim Stuhlgang ist die Folge.
  • Starkes Pressen: Starkes Pressen beim Stuhlgang erhöht den Druck auf die Blutgefäße im Darm. Folglich kommt es zu einem Blutrückstau wodurch sich die Gefäße des Hämorrhoidal-Schwellkörpers knotig nach vorne wölben.
  • Erhöhung des Drucks auf die Blutgefäße des Hämorrhoidal-Schwellkörpers durch Bewegungsmangel, zu langes Sitzen und Übergewicht
  • Genetische Veranlagung
  • Bindegewebsschwäche (altersbedingt oder vererbt)
  • Einnahme von Abführmitteln über einen längeren Zeitraum
  • Schwangerschaft: Der bei einer Schwangerschaft erhöhte Druck im Bauchraum kann ein Abfließen des Blutes aus dem Hämorrhoidal-Schwellkörper partiell unterdrücken. Des Weiteren können hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft Grund für das Hämorrhoidalleiden sein.

So beugen Sie einem Hämorrhoidalleiden vor

Je länger Hämorrhoiden unerkannt bleiben, desto schwieriger und langwieriger ist die Behandlung der Beschwerden. Aus diesem Grund sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie die ersten Anzeichen für ein Hämorrhoidalleiden bemerken. Werden die ersten Symptome entsprechend behandelt, kann eine schmerzhafte Operation in den meisten Fällen verhindert werden.

Allerdings kann jeder Mensch Hämorrhoidalleiden prinzipiell gezielt vorbeugen, ebenso können Menschen mit einer genetischen Veranlagung einiges tun, um ein (wiederholtes) Auftreten der unangenehmen Beschwerden im Analbereich zu vermeiden.

Ein gesunder Lebensstil unterstützt Verdauung und Ausscheidung

Ein gesunder Lebensstil hat nicht nur langfristig positive Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern unterstützt auch den normalen und gesunden Ablauf der Verdauung und Ausscheidung.
Ballaststoffreiche Kost trägt dazu bei, dass der Stuhl die richtige Konsistenz hat und beim Ausscheiden keinerlei Probleme verursacht. Ballaststoffe haben die Fähigkeit große Mengen Wasser an sich zu binden und in weiterer Folge aufzuquellen. Auf diese Weise werden die Darmtätigkeit und die Stuhlproduktion positiv angeregt. Ballaststoffreiche Nahrungsmitteln sind u.a. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte (Vollkornbrot, Weizenkleie, Haferkleie, Vollkornnudeln), Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen), Nüsse, Getreideflocken (Haferflocken, Dinkel), Naturreis und viele mehr. Bereits 30 Gramm an Ballaststoffen pro Tag reichen im Durchschnitt, um den Körper mit einer adäquaten Menge an Ballaststoffen zu versorgen.

Eine weitere vorbeugende Maßnahme ist eine ausreichende Wasserzufuhr. Wer genug trinkt, insbesondere Wasser und ungesüßte Tees, unterstützt seinen Körper ebenfalls bei der Produktion von normal weichem Stuhl.
Des Weiteren trägt Bewegung viel zu einem gesunden Lebensstil bei. Allerdings sollten Menschen die bereits ein Hämorrhoidalleiden entwickelt haben jene Sportarten meiden die den Beckenboden belasten (z.B. Tennis, Aerobic, Squash).

Eine weitere Maßnahme um Hämorrhoiden vorzubeugen ist eine hohe Stuhlhygiene. Sobald sich der Stuhldrang bemerkbar macht, sollte der Darm entleert werden. Verbleibt der Stuhl zu lange im Mastdarm wird ihm vom Körper Wasser entzogen was den Stuhl hart macht und ein angenehmes Ausscheiden erschwert. Des Weiteren sollte der Stuhlgang nicht in Eile geschehen, um übermäßiges Pressen zu verhindern. Der After sollte nach jedem Stuhlgang gründlich gereinigt werden, am besten mit weichem Toilettenpapier oder mit feuchten Toilettentüchern.

Schwangeren Frauen kann ein regelmäßiges Beckenbodentraining helfen einem Hämorrhoidalleiden vorzubeugen. Das Training entlastet den Beckenboden und lindert den Druck auf den Hämorrhoidal-Schwellkörper.

Quellen:
Univ. Prof. Dr. M. Wunderlich, Darmzentrum Confraternität Wien; Update Hämorrhoidalleiden, Phlebologie & Proktologie 1/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Prof. Dr. S. Roka, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität Wien; Systemorientierte Therapiekonzepte, Medizin & Wissenschaft 4/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Ao. Univ.-Prof. Dr. A. Salat, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität Wien; Nichtvenerische anale, perianale und perineale Erkrankungen, Spektrum Dermatologie 1/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Kirsch J. et al., Enddarmzentrum Mannheim; Die konservative Hämmorhoidalbehandlung, Wiener Medizinische Wochenschrift 2004 (154/3-4: 50:55), Springer Verlag

H.-P. Bruch et al., Universitätsklinikum Lübeck; Pathophysiologie des Hämorrhoidalleidens, Chirurg 2001 (72:656-659), Springer Verlag
ICD-10: I84, I84.0, I84.1, I84.2, I84.3, I84.4, I84.5, I84.6, I84.7, I84.8, I84.9

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