Endometriose

Endometriose

Stand: September 2017
Frau legt vor Schmerzen Hände auf ihren Bauch

Bei Endometriose handelt es sich um eine gutartige chronische Erkrankung, bei welcher sich Herde aus der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ansiedeln. Je nachdem wo die Endometrioseherde liegen, kann es zu unterschiedlichsten Beschwerden kommen, darunter Regel- und Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen und Darmsymptome. Weiters stellt die Erkrankung einen häufigen Grund für unerfüllten Kinderwunsch dar. Erfahren Sie hier mehr über die Beschwerden, die Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose.

Was ist Endometriose?

Bei Endometriose handelt es sich um eine chronische gutartige und oftmals sehr schmerzhafte Erkrankung, die durch Wucherungen bzw. Herde außerhalb der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) charakterisiert ist. Die Gebärmutterschleimhaut kleidet die Gebärmutter innen aus, unterliegt einem hormonellen Einfluss und wird im monatlichen Zyklus auf- und abgebaut. Eine sehr wichtige Rolle kommt der Gebärmutterschleimhaut während der Schwangerschaft zu, da die befruchtete Eizelle diese zur Einnistung nutzt. Wenn eine Einnistung ausbleibt, wird ein Teil der Schleimhaut ausgestoßen und es kommt zur Regelblutung.

Bei Endometriose finden sich die gutartigen Gebärmutterschleimhautwucherungen, sogenannte Endometrioseherde, zumeist im Unterleib, beispielsweise in den Eileitern, in den Eierstöcken, in der Scheide, in der Harnblase oder am Darm. Auch können sie andere, weiter entfernte Organe im Körper wie etwa die Lunge befallen, wobei solche Abwanderungen eher selten der Fall sind. Die Endometrioseherde verhalten sich genauso wie die Zellen in der Gebärmutter – sie werden hormonell gesteuert und unterliegen dem monatlichen Zyklus. Die Größe der Endometrioseherde kann stark variieren, von stecknadelkopfgroß bis hin zu sehr großen Herden, die zu Verklebungen der Eileiter und Eierstocke führen.

Häufigkeit der Endometriose

Endometriose ist weit verbreitet und zählt neben Myomen zu den häufigsten gutartigen gynäkologischen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Schätzungen zufolge sind etwa zehn bis 15 Prozent aller Frauen zwischen der ersten Regelblutung und den Wechseljahren betroffen, in Österreich betrifft die Erkrankung etwa 300.000 Frauen.

Ursachen – wie entsteht Endometriose?

Die genauen Ursachen von Endometriose sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Entstehung von Endometriose durch unterschiedliche Faktoren begünstigt wird, darunter genetische, hormonelle, immunologische und mechanische Faktoren, zudem wird angenommen, dass Umwelteinflüsse die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Weiters gibt es derzeit einige Theorien und Erklärungsansätze zur Entstehung von Endometriose, die jedoch nicht vollständig geklärt sind und keine allgemeine Gültigkeit besitzen. Dazu zählt beispielsweise die Theorie, dass bei der Menstruation funktionstüchtige Zellen der Gebärmutterschleimhaut über die Eileiter ins kleine Becken verschleppt werden und sich dort einnisten oder die Theorie, dass sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut bereits in der frühen Entwicklungsphase des weiblichen Embryos an den falschen Stellen ansiedeln.

Beschwerden bei Endometriose

Die Symptome sind sehr vielfältig und können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein. Auch kann Endometriose völlig symptomfrei sein oder jahrelang keine Beschwerden verursachen, sodass sie lange Zeit unentdeckt bleibt. Ob und welche Beschwerden auftreten hängt u.a. von der Lage und vom Ausprägungsgrad der Endometrioseherde sowie vom Menstruationszyklus der Frau ab.

Typische Beschwerden bei Endometriose sind:

  • Schmerzen: Schmerzen treten in Abhängigkeit von der genauen Lokalisation der Endometrioseherde im Körper auf. Besonders häufig sind starke Regelschmerzen, die von Bauch-, Rücken- und Beckenbodenschmerzen begleitet werden können. Auch leiden Betroffene häufig unter Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Urinieren, Schmerzen beim Stuhlgang und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
  • Blutungsstörungen
  • Blase und Darm: Betrifft die Endometriose die Blase oder den Darm, kann es neben Schmerzen beim Toilettengang zu Entleerungsstörungen, Blut im Urin und im Stuhl und anderen Darmsymptomen kommen.
  • Harnleiter und Nieren: Endometrioseherde können die Harnleiter betreffen und einengen, was längerfristig zu einer Schädigung der Nieren führen kann.
  • Unspezifische Beschwerden: Antriebslosigkeit, erhöhte Infektanfälligkeit, allgemeines körperliches Unwohlsein und andere unspezifische Probleme können in Zusammenhang mit Endometriose ebenfalls auftreten.

Auch andere Beschwerden sind möglich. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Größe der Herde und der Stärke der Schmerzen und anderen Beschwerden gibt. Das Ausmaß der Erkrankung und das Beschwerdebild müssen also nicht direkt zusammenhängen. Auch bei sehr kleinen Herden kann es zu starken Schmerzen und anderen Beschwerden kommen, ebenso können Frauen mit großen Herden weitgehend beschwerdefrei sein. Entscheidend ist u.a. die genaue Lokalisation der Endometrioseherde.

Diagnose der Endometriose

Wie beschrieben können die Beschwerden von Frau zu Frau sehr unterschiedlich und teils auch unspezifisch sein, ebenso wie die Lokalisation der Endometrioseherde, weswegen die Diagnose häufig nicht leicht zu stellen ist. Häufig haben betroffene Frauen einen langen Leidensweg hinter sich, ehe eine genaue Diagnose gestellt wird. Einigen Studien zufolge wird die Diagnose mit einer Verzögerung von vier bis zehn Jahren gestellt. Aus diesem Grund sollten regelmäßig auftretende Beschwerden – auch wenn es sich nur um leichte Schmerzen handelt – ernst genommen und frühzeitig fachärztlich abgeklärt werden lassen.

Zunächst werden alle Beschwerden, bisherige Erkrankungen, eingenommene Medikamente, vorangegangene Operationen und der Zyklus im Rahmen eines Anamnesegesprächs besprochen. Es folgen eine Tast- und Spiegeluntersuchung, um mögliche Auffälligkeiten in der Scheide, in der Gebärmutter, in den Eierstöcken oder im Enddarm zu erfassen. Zur weiteren Diagnostik zählen die Ultraschalluntersuchung durch die Scheide, mithilfe welcher mögliche Herde sichtbar gemacht werden können, und andere bildgebende Verfahren wie etwa eine Magnetresonanztomographie (MRT), um die Lokalisation und das Ausmaß der Herde genauer zu bestimmen. Welche Untersuchungen genau erforderlich sind, kann von Frau zu Frau verschieden sein und wird individuell festgelegt. Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigten und eine Endometriose eindeutig diagnostizieren zu können, ist eine feingewebliche Untersuchung notwendig. Die Gewebeentnahme erfolgt im Regelfall laparoskopisch.

Behandlung der Endometriose

Die Behandlung orientiert sich an individuellen Faktoren und den individuellen Bedürfnissen der Frau. Entscheidend für die Therapieplanung sind u.a.

  • die Lokalisation der Endometrioseherde,
  • das Ausmaß der Beschwerden und der Leidensdruck der Patientin,
  • die Dynamik der Erkrankung,
  • das Alter
  • und der Kinderwunsch.

Ist die Familienplanung abgeschlossen bzw. besteht kein Kinderwunsch und verläuft die Erkrankung beschwerdefrei, ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Ziel der Therapie ist es, die Herde zu entfernen und die Beschwerden zu beseitigen. Die Therapie kann operativ oder medikamentös erfolgen, wobei eine operative Therapie häufig sinnvoller ist.

Operation

Wird bei der Laparoskopie festgestellt, dass es sich um Endometrioseherde handelt, können diese innerhalb derselben oder bei einer späteren Laparoskopie entfernt werden. Die Entfernung erfolgt entweder durch Herausschneiden (Exzision), durch Verödung mit Hitze (Koagulation) oder durch Abtragung mittels Laser. Welche Operationstechnik angewendet wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Laparoskopie stellt die Methode der ersten Wahl dar, unter Umständen kann auch ein Bauchschnitt bzw. ein ausgedehnter chirurgischer Eingriff notwendig sein, der die Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtungen erforderlich macht (Gynäkologe, Urologe u.a.). Die chirurgische Entfernung der Herde erfolgt unter maximaler Schonung der gesunden Organstrukturen und führt bei sehr vielen Frauen zu einer deutlichen Besserung der Symptome und der Lebensqualität.

Hormonelle Therapie

Alternativ zur Operation kann eine hormonelle Therapie sinnvoll sein, wobei es keine eindeutigen Daten gibt, dass eine medikamentöse Therapie die Erkrankung heilen kann. Die Behandlung erfolgt mit Gestagenen, mit welchen die Beschwerden bei vielen Frauen gemildert werden können, Ovulationshemmern oder sogenannten GnRH-Analoga. Letztgenannte werden für einige Wochen genommen und versetzen den Körper in künstliche Wechseljahre. Sie bewirken häufig eine Rückbildung der Herde, gehen jedoch auch mit starken Nebenwirkungen einher, weswegen sie nur in bestimmten Fällen, jedoch nicht routinemäßig verschrieben werden. Hormontherapien wirken nicht bei allen Frauen gleich gut, meistens wirkt die medikamentöse Therapie auch nur so lange wie deren Anwendung erfolgt. Die hormonelle Therapie kommt überwiegend bei Frauen mit geringgradig ausgeprägten Symptomen oder nach einer Operation zur Anwendung. Eine Kombination aus chirurgischer und medikamentöser Behandlung ist häufig sinnvoll, um ein Nachwachsen der Herde zu verhindern bzw. das Risiko hierfür zu reduzieren.

Endometriose und Kinderwunsch

Etwa 40 Prozent aller Frauen mit Endometriose sind von unerfülltem Kinderwunsch betroffen. Endometriose kann eine Schwangerschaft aus vielen Gründen verhindern, z.B. indem die Eileiter durch Entzündungen verklebt werden, wodurch der Transport der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter behindert wird. Auch können die Befruchtung der Eizelle, die Beweglichkeit der Eierstöcke und der Eisprung beeinträchtigt sein. Ein offener Kinderwunsch stellt im Rahmen der Therapieplanung einen wichtigen Entscheidungsfaktor dar. Werden die Endometrioseherde operativ entfernt, erhöhen sich in vielen Fällen die Chancen auf eine Schwangerschaft, besonders bei einer schwach ausgeprägten Endometriose. Aber auch bei Frauen mit schwerer Endometriose kann nach einer Operation die Möglichkeit einer Schwangerschaft bestehen. Unter Umständen ist es sinnvoll, über eine assistierte Reproduktion nachzudenken – für Paare, bei welchen es mit der Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht klappen will stehen heute verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, mithilfe welcher der Kinderwunsch doch noch in Erfüllung gehen kann. Mehr zum Thema unerfüllter Kinderwunsch lesen Sie hier.

Endometriose und Krebs

Vorab: Bei Endometriose handelt es sich nicht um Krebs. Das Schleimhautgewebe wuchert bei Endometriose fortschreitend und wächst auch in andere Organe ein, was auf Ähnlichkeiten zu Krebs schließen lassen könnte, allerdings handelt es sich bei Endometriose um eine gutartige Erkrankung. Ein allgemein erhöhtes Risiko für eine bösartige Erkrankung gibt es bei Endometriose nicht.

Quellen:
Lex P.; Vulvovaginale Candidose aus der Praxis, Gyn-Aktiv 02/2017, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Farr A., Kiss H.; Die vulvovaginale Candidose - eine triviale Erkrankung?, Apo Punkte 03/2016, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Ginter-Hanselmayer G.; Genitale Candidose, Spectrum Dermatologie 03/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Wolf E.; Vaginale Infektionen, Spectrum Urologie 03/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

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Bas H.; Vulvovaginale Candidiasis - wie vorbeugen?, ARS Medici 09/2005, Rosenfluh Publikationen AG

Bas H.; Vulvovaginalkandidose - wie man sie erkennt und behandelt, ARS Medici 24/2004, Rosenfluh Publikationen AG
ICD-10: N80

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